Im Waldspielgarten spielt das Wetter keine Rolle (Luzerner Woche, Juni 2005)

Seit fünf Jahren besucht der Verein “Waldspielgarten” an drei Tagen pro Woche mit Kindergruppen den Wald in Tschädigen. Im Waldspielgarten lernen die Kinder den Umgang mit der Natur. Am Sonntag stellt sich die Institution anlässlich des Sommerfestes den zukünftigen Waldbesuchern vor.

Ganz sanft berührt der kleine Merlin die Fühler einer Schnecke, die den Weg zum Meggerwald kreuzt. Mit erstaunten Augen stellt er fest, dass sich das Tier erschrocken zusammenzieht. Diese Begegnung ist erst der Anfang einer Entdeckungsreise, die Kinder im Waldspielgarten während des ganzen Jahres einmal in der Woche unternehmen. Jeweils am Dienstag, Mittwoch und Donnerstag begeben sich die Kinder im Alter zwischen 2 und 5 Jahren in den stadtnahen Wald nach Tschädigen. Begleitet werden sie von den zwei Naturpädagoginnen Flavia Stalder und Vera Kottucz. Dabei spielt das Wetter – egal ob es schneit oder die Sonne scheint – bewusst nur eine Nebenrolle. Denn das Erleben der Jahreszeiten in der freien Natur gehört zum pädagogischen Grundkonzept des Waldspielgartens. Beim Znüniplatz begrüssen sich die Kinder zuerst im Morgenkreis und stimmen sich auf die Natur ein. Die etwas älteren Florian und Elias können es kaum erwarten, weiter zum Hauptstandort des Waldspielgartens und der gedeckten Feuerstelle zu gehen. Sie nehmen die Abkürzung durch das Gebüsch. Die jüngeren Gruppenmitglieder erreichen das Ziel etwas später aber ganz sicher nicht mit weniger Eindrücken. Bis zum Mittagessen bildet nun der Wald die Spielbühne. Als Hilfsmittel stehen den Kindern Seil, Hammer, Schaufel, Säge oder Lupe zur Verfügung. Die Leiterinnen nehmen bewusst eine beobachtende Rolle ein: “Hier sollen die Kinder im Mittelpunkt stehen und sich selbständig bewegen können”, erklärt Vera Kottucz. Die Kinder werden aber von Anfang an darauf getrimmt, bestimmte Regeln einzuhalten. So ist das Verspeisen oder Zertreten von Pilzen absolut tabu. Zudem muss alles, das die Kinder von zu Hause mitbringen wieder mitgenommen werden. Vor dem über dem Feuer gekochten Essen, manchmal wird sogar Tee aus selber gesammelten Kräutern gebrüht, gibt es auf dem “Geschichtenwaldsofa” noch eine Erzählung zu hören.

Jubiläumsfest

Das Angebot des Waldspielgartens besteht seit fünf Jahren und ist inzwischen zur festen Institution in der Region geworden. Der nicht staatlich subventionierte Verein verlangt pro Tag und Kind einen Beitrag von 50 Franken. Die meisten Kinder kommen aus der Stadt Luzern und der nahen Umgebung. Die ersten vier Waldbesuche gelten jeweils als Probezeit, während der eine sofortige Abmeldung möglich ist. Obwohl das Angebot rege genutzt wird, sind noch freie Plätze zu vergeben. Für interessierte Kinder und Eltern bietet sich am kommenden Sonntag die Möglichkeit, den Waldspielgarten kennen zu lernen. Am Sommerfest wird u. a. gezeigt, wie die Kinder Heilkräutersalbe herstellen, Musikinstrumente bauen oder Mobile aus Naturmaterial kreieren.

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