Kleine Hechte im Zuger Fischerei-Museum (Luzerner Woche, Mai 2001)

Zu Tausenden schwirren die winzigen Hechtlein durch das Aufzuchtbecken der Zuger Fischbrutanstalt. Sie sind kurz zuvor aus den Eiern geschlüpft, die vor ein paar Wochen am gleichen Ort befruchtet wurden. Die kleinen Fische präsentieren sich der Öffentlichkeit noch bis am 12. Mai im Fischerei-Museum in der Zuger Altstadt. „Ohne die künstliche Aufzucht in den Brutanlagen, wäre der Zugersee mit grosser Wahrscheinlichkeit sehr schnell leer gefischt“, erklärt Franz Schön vom Zuger Fischereiverein dem überraschten Laien den Zweck der Anlagen. „Die Lebensräume in den Schweizer Gewässern haben sich für die Fische in den letzten Jahrzehnten derart verschlechtert, dass die natürliche Ablaichung der Fische stark eingeschränkt ist.“ Die Fischbrutanstalten helfen nach und sorgen für den nötigen Besatz mit Fischen in den Seen und Flüssen.

Hechtäuglein in den Eiern

Im „Gebärsaal“ für die Fische wachsen ausser den Hechten auch andere Fische wie Seeforellen, Felchen oder der für die Region typische Zuger Rötel heran. Aufmerksame Beobachterinnen und Beobachter sehen die kleinen Äuglein der Hechte durch die dünnen Eierschalen leuchten. Je nach Fischsorte schlüpfen die Larven noch im Glas oder werden kurz vor der Schlüpfreife entnommen. In den ersten Lebenstagen ernähren sich die Winzlinge vom eigenen Dottersack ehe sie täglich mit frischem Plankton gefüttert werden müssen. Wenn sie die ideale Körpergrösse erreicht haben, werden sie dem See zurückgegeben. Dort entwickeln sie sich zu erwachsenen Fischen, und landen wenn sie Pech haben früher oder später in den Fischernetzen der Berufsfischer oder am Angelhaken der Hobbyangler. Der Ablauf vom befruchteten Ei im Brutglas bis zum Jungfisch kann in der Zuger Brutanstalt live verfolgt werden. Zwischen 3500 und 5000 Interessierte besuchen jährlich die Anstalt und das integrierte Museum. Laut Franz Schön kommen viele Familien mit Kindern vorbei: „Die Eltern wollen ihren Kindern am lebenden Beispiel zeigen, wie das mit den jungen Fischen hier funktioniert.“

Nostalgie im zweiten Stock

Die Einrichtungen entsprechen nicht dem neusten Stand der Technik und schon gar nicht den Bedürfnissen moderner Museumspädagogik. Erst auf den zweiten Blick wird beispielsweise ein Aquarium sichtbar, in dem eine Auswahl von einheimischen Fischen schwimmt. Die Schautafeln sind bereits etwas vergilbt, doch informativ sind sie trotzdem geblieben. In den nächsten Jahren soll das Gebäude vornehmlich nur noch zu PR-Zwecken verwendet werden. Ein entsprechender Kredit für den Umbau wurde gesprochen. Was auf den ersten Blick beim Eintritt in die Fischbrutanstalt abschreckend wirkt, wird beim Aufstieg in den zweiten Stock zum Sympathieträger. Zwischen Jahrzehnte alten Netzen und Holzreusen hindurch gelangt man in einen heimeligen etwas muffigen Ausstellungsraum, wo eine grosse Auswahl von historischem Material über die Fischerei am Zugersee wartet: Vom Holzeinbaum über ausgestopfte riesige Hechtköpfe aus dem Baldeggersee bis zu ausgestopften Kormoranen. Das Fischereimuseum und die Fischbrutanstalt haben ihren Standort mitten in der Altstadt am Ufer des Zugersees. Am Samstag findet der Tag des Fisches mit einer Fischbeiz statt. Noch bis am 12. Mai werden am Wochenende öffentliche Besuchstage angeboten. Ausserhalb der Öffnungszeiten kann das Museum auf Voranmeldung besucht werden.

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