Der lange Weg von der Plantage in die Stube (Basler Zeitung, 15. Dezember 1998)

Rund eine Million Tannen gelangen jährlich als Weihnachtsbäume in Schweizer Stuben. Über die Hälfte davon wird importiert, vorwiegend aus Dänemark. Bei den meisten Bäumen handelt es sich um Nordmannstannen. Die Preise sind etwa gleich hoch wie im letzten Jahr.

Auch im Zeitalter von singenden Plastikweihnachtsbäumen vertrauen die meisten Schweizerinnen und Schweizer immer noch auf den «richtigen» Tannenbaum. In 40 Prozent der Fälle handelt es sich dabei um die Nordmannstanne, die als eine der vornehmeren unter den Weihnachtsbäumen gilt.

Nicht nur aufgrund der angenehmen weichen Nadeln und der frischen grünen Farbe wählen viele Leute die Nordmannstanne als Weihnachtsbaum aus. Entscheidend ist auch die im Vergleich zu den anderen Weihnachtsbaumarten hohe Nadelfestigkeit. Die Nordmannstanne wird vor allem in Dänemark angebaut. Ursprünglich stammt sie aus der Region um das Schwarze Meer bzw. aus Nordwestamerika.

Der Duft der Rottanne

Vom Samen bis zum fertigen Weihnachtsbaum vergehen bei der Nordmannstanne 13 bis 15 Jahre. Die Weihnachtsbaumproduzenten kaufen etwa drei Jahre alte Setzlinge und pflanzen diese entweder im Frühling oder im Herbst in die Plantagen. Während des Auswachsens müssen die Nordmannstannen regelmässig gedüngt und beschnitten werden. In Ausnahmefällen müssen sie auch bewässert oder gegen Insektenangriffe geschützt werden. Die Ernte der Nordmannstannen, die exportiert werden, beginnt in Dänemark schon Mitte November. Die Nordmannstanne ist für 35 bis 70 Franken zu haben. Billiger sind Rot- und Weisstannen. Sie kosten bei einer Länge von zwei Metern um die 12 bis 25 beziehungsweise 30 bis 50 Franken. Blautannen sind etwa gleich teuer wie Weisstannen. Der Urtyp aller Weihnachtsbäume, die Rottanne (Fichte), hat an Bedeutung eher verloren. Trotzdem macht sie immer noch einen Anteil von etwa 30 Prozent von allen verkauften Weihnachtsbäumen aus. Es gibt offensichtlich immer noch viele Leute, die sich am unvergleichlichen «Tannenduft» der Fichte freuen.

Rund 60 Prozent der in der Schweiz verkauften Bäumchen werden importiert. Aus der Schweiz stammen hauptsächlich die Rot- und Weisstannen. Direkt aus den Wäldern kommen allerdings nur noch wenige Weihnachtsbäume. Achtzig Prozent der inländischen Weihnachtsbäume werden auf Plantagen angebaut. Die rund 700 000 importierten Bäume werden aus Dänemark (55 Prozent), Belgien, Luxemburg und Deutschland (30 Prozent) in die Schweiz eingeführt. Das in Europa wohl wichtigste Anbauland ist Dänemark, wo sich ganze Betriebe auf die Weihnachtsbaum-Produktion spezialisiert haben und vor allem im Export-Bereich tätig sind. Die klimatischen Voraussetzungen in Dänemark scheinen geradezu ideal für den Anbau von Nordmannstannen zu sein. Versuche, die dänischen Erfahrungen auf andere Verhältnisse in Europa zu übertragen, sind oft am Klima gescheitert. Denn um die gewünschte Nadelfestigkeit zu erreichen, müssen die Bäume im richtigen Zeitpunkt Nachtfrosten ausgesetzt sein. Und diese kommen in den südlicheren Gebieten oft zu spät in der Jahreszeit, so dass im Dezember gelieferte Bäume aus solchen Gebieten die Nadeln oft schon vor Weihnachten verlieren. Bis ins Jahr 2003 soll die dänische Produktion um 300 Prozent auf 15-20 Millionen Bäume gesteigert werden.

Schweizer Nischenproduktion

Angesichts der sinkenden Preise für landwirtschaftliche Produkte nutzen in der Schweiz einige Landwirte die Weihnachtsbaumkultur als relativ lukrativen Zusatzverdienst. Einige Betriebe bieten Weihnachtsbäume auch zum «Selberpflücken» an. Die Produktion von Weihnachtsbäumen bleibt allerdings schon nur aus Standortgründen bestimmten Regionen vorbehalten. Die Schweizer Produktion konzentriert sich in erster Linie auf die Fichte und Weisstannen.

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