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Letzter “Dead man Walking” in Luzern (Luzerner Woche, März 2003)

1915 wurde der Lustmörder Anselm Wütschert als letzter Mensch im Kanton Luzern hingerichtet. Er hatte 1914 in einem Wald bei Krummbach eine Magd brutal ermordet, um schliesslich selber unter der Guillotine zu landen.

Um 9.00 Uhr öffnete sich das Schloss von Anselm Wütscherts Haftzelle. Am Morgen des 20. Januars 1915 verkündete ihm der Sekretär des Justizdepartements noch einmal den Urteilsspruch ehe ihm die Augen verbunden wurden. Der Strafanstaltsprediger sowie der Operarius des Kapuzinerklosters begleiteten den 34jährigen Lustmörder auf seinem letzten Weg zur Richtstätte. Der gefürchtete Scharfrichter Theodor Mengis von Rheinfelden besorgte dort mit seinen zwei Gehilfen den Hinrichtungsakt mittels der im Hofraum der Luzerner Strafanstalt aufgestellten Guillotine “rasch und korrekt”, wie es in den Vollstreckungsunterlagen heisst. Nachdem die Abgeordneten ein “Vater unser” für die Seelenruhe des Hingerichteten gebetet hatten, wurde der enthauptete Körper zur Bestattung auf dem Friedhof Friedental freigegeben.

Tat von unvorstellbarer Brutalität

Der verwahrloste Landarbeiter Anselm Wütschert lebte bereits mehrere Tage in den Wäldern um Geuensee als er am 16. Mai 1914 in einem Wäldchen im Luzernischen Krummbach auf die 22jährige Magd Emilie Furrer traf. Die lungenkranke, tief religiöse Frau befand sich im Urlaub bei ihrem Onkel und verbrachte die Nachmittage meistens mit Bastelarbeiten im Wald. Wütschert verlangte von der jungen Frau den Beischlaf und drohte ihr, ” wenn du mich nicht lässt, so tue ich dich töten”. Lieber wolle sie sterben und in den Himmel kommen, antwortete sie und legte sich auf den Boden um das letzte “Oh Barmherzigkeit Gottes” loszuwerden. Der Vagabund streckte Sie mit einem Faustschlag nieder: “Sofort zerschnitt ich ihm mit der Schere die Gurgel und nach kurzer Zeit hatte es verblutet,” gestand er die schreckliche Tat 10 Tage später bei der Einvernahme. Die Leiche zerstümmelte er auf unvorstellbar brutale Art und Weise noch weiter und verging sich zum Schluss noch sexuell am leblosen Körper. Noch heute erinnern sich ältere Leute im Surental an die unfassbare Tat und an den Namen Wütschert. Sogar die Stelle im Krummenacher Wald hat sich im Bewusstsein der Bevölkerung festgesetzt.

Gnadengesuch abgelehnt

Die Biografie des Lustmörders von Krummenach liest sich in etwa so, wie man das erwarten würde: Die Eltern geschieden, der Vater böse, aufgewachsen bei der Mutter, die ihren kargen Lebensunterhalt als Dirne verdiente. Als Neunjähriger landete er als Verdingbub in Mauensee, wo es von ihm hiess, dass er schon damals gestohlen und gelogen habe. Mit 16 Jahren nimmt ein verwahrlostes Wanderleben seinen Lauf, geprägt von kriminellen Machenschaften und sittlichen Tiefflügen. An seiner letzten Arbeitsstelle auf einem Bauernhof fiel er dadurch auf, dass er gerne aus ungewaschenen Tassen trank, die vorher von den Töchtern des Hauses benutzt worden waren. Zudem befriedigte er sich heimlich mit deren Unterwäsche. In den Vernehmungen machte er keinen Hehl über seine sexuellen Vorlieben. Zum Zeitpunkt der Tat war Wütschert seines Lebens schon ziemlich überdrüssig: “In diesem Momente ging mir der Gedanken durch den Kopf, ich töte es und dann hauen sie mir den Kopf ab, sonst komme ich noch lange ins Zuchthaus” ist im Vernehmungsprotokoll des Kriminalgerichts nachzulesen. Er ging sogar soweit, dass er sagte, dass er das Mädchen nie getötet hätte, wenn die Todesstrafe nicht existiert hätte. Gegen die “indirekte Selbstmordtheorie” spricht das beim Grossen Rat eingereichte Gnadengesuch. “Auch bei den vorliegenden schweren Delikten des Anselm Wütschert darf man der Hoffnung Raum geben, dass die Gnade des Grossen Rates einen unglücklichen Menschen, der eine unheilvolle Jugend und dunkle Lebensschicksale auf die Bahn des Verbrechens und des Unglücks getrieben, vor der Hinrichtung bewahre”, schrieb der Verteidiger an das Parlament. Dieses kannte keine Gnade und lehnte es mit 103 zu 32 Stimmen deutlich ab. Am Tag danach trat Anselm Wütschert als letzter Mensch im Kanton Luzern den Gang zur Guillotine an.

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