Schweiz bleibt Vorzeigeland des Biolandbaus (BauernZeitung, 21. Februar 2003)

Die Schweiz spielt im biologischen Landbau weiterhin eine Vorreiterrolle. Trotzdem warnen die Fachleute davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Vielmehr sind neue Ideen bei der Vermarktung gefragt.

Dem Schweizer Biomarkt werden für dieses Jahr einmal mehr rosige Zeiten prophezeit. Das International Trade Center (ITC) schätzt das Wachstumspotential im Jahr 2003 auf bis zu 15 Prozent. „Mit einem Marktanteil von zwischen 3,2 und 3,7 Prozent am gesamten Lebensmittelmarkt sind die Eidgenossen erneut absolute Spitzenreiter in Sachen Bioprodukte,“ erklärte Rudy Kortbech-Olesen vom ITC in der vergangenen Woche an der BioFach 2003 in

BioFach 2003

(epp) – In der vergangenen Woche trafen sich in Nürnberg über 2000 Aussteller im Messezentrum Nürnberg zur BioFach 2003, der weltweit bedeutendsten Fachmesse des Biolandbaus. 66 Prozent davon stammten aus dem Ausland. Neben den traditionellen Bionationen Deutschland, Italien, Spanien und Frankreich zählten in diesem Jahr Länder wie Albanien, Kasachstan, Senegal oder die südwestpazifische Inselgruppe Vanuatu zu den eher exotischen Newcomern. Aus der Schweiz waren über 40 Firmen mit einem Stand vertreten. Insgesamt besuchten rund 30’000 Leute die Biomesse. Neben den Lebensmitteln standen in diesem Jahr vor allem Naturkosmetikprodukte im Zentrum des Interesses.

Nürnberg. Mit Anteilen von rund 2,5 Prozent folgen Österreich und die USA auf den weiteren Plätzen. Letztere können allerdings mit den weltweit höchsten Zuwachsraten rechnen. Die USA gelten als der Wachstumsmarkt für Bioprodukte schlechthin zumal dort nun endlich die gesetzlichen Grundlagen geschaffen worden sind. Gerechnet wird in Übersee mit einem Umsatzvolumen von umgerechnet bis zu 18 Milliarden Franken. Die Schweiz kommt in den Berechnungen immerhin auf mehr als 1 Milliarde Franken. Allerdings schränkt Rudy Kortbech-Olesen ein, dass sich die Situation je nach Wirtschaftssituation auch auf den Absatz von Bioprodukten negativ auswirken könnte.

Neue Vermarktungsideen gesucht

Toralf Richter vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick warnte in seinen Ausführungen in Nürnberg davor, sich auf den Lorbeeren auszuruhen. Er untersucht zurzeit die Erfolgsfaktoren der Vermarktung von Bioprodukten in Supermärkten. In der Schweiz wandern immerhin 70 Prozent aller Bioprodukte über den Ladentisch der Grossverteiler. Doch „Bio“ sei kein Selbstläufer mehr, erhob Toralf Richter den Mahnfinger. In der gegenwärtigen Wirtschaftslage seien neue Ideen und Konzepte gefragt. „Ich vermisse insbesondere die emotionalen Momente in der Vermarktung.“ Diese stützt sich seines Erachtens zu stark auf technischen Argumenten ab. „Warum sich nicht an konventionellen „Brands“ wie beispielsweise Red Bull orientieren, das für eine besondere Lebenseinstellung steht?“ ermutigte Toralf Richter die Vermarkter. Als weitere Erfolgsrezepte nannte er die Qualitätssicherung und die Ausweitung des Sortiments, die in einigen Supermärkten bereits bei über 1000 Produkten liege.

Liechtenstein als „Bioparadies“

Qualitativ betrachtet zählt die Schweiz zu den absolut führenden „Bio-Nationen“. Der Anteil der mit biologischen Produkten bebauten Flächen an der gesamten landwirtschaftlichen Nutzfläche beträgt in der Schweiz stattliche 9,7 Prozent. Nur Österreich mit einem Anteil von 11,3 Prozent und das Fürstentum Liechtenstein, das mit seinen 17 Prozent geradezu als Bioparadies bezeichnet werden kann, liegen vor der Schweiz. Dies beweisen die neusten Statistiken der Stiftung Ökologie & Landbau. Flächenmässig kann die Schweiz allerdings schon rein naturgemäss im Reigen der grossen Länder nicht mithalten. Absoluter Spitzenreiter mit über 10 Millionen Hektaren ist Australien gefolgt von Argentinien, Italien und den USA. Doch die quantitativen Werte sagen wenig über die wirkliche Bedeutung des Biolandbaus in einem Land aus. Das zeigt alleine die Tatsache, dass im riesigen Australien wertmässig rund 8 Mal weniger Umsatz erzielt wird als in der kleinen Schweiz. Die Experten streiten sich darüber, welche Werte für die Messung des Erfolges im Biolandbau taugen. „Wenn beispielsweise die Deutsche Landwirtschaftsministerin von 20 Prozent „Bio“-Anteilen in ein paar Jahren spricht, dann ist es entscheidend, ob Marktanteile oder Flächenanteile gemeint sind“, erklärte Toralf Richter vom FiBL in seinem Referat in Nürnberg. Würden im Falle von Deutschland nämlich die Marktanteile als Referenzwert verwendet, dann bräuchte es umgerechnet zurzeit theoretisch einen Bio-Flächenanteil von rund 35 Prozent, was ein unrealistisches Ziel darstelle, erläuterte er die grundsätzlich Problematik. Der Schweiz kann es egal sein, denn sie belegt sowohl bei den Flächenanteilen als auch bei den Marktanteilen absolute Spitzenplätze.

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