Mit dem Handy bewässern

Mit intelligenter Technologie nur so viel bewässern, wie wirklich nötig ist. 

Bewässerung ist schon länger nicht mehr Glücksache. Viele Gemüsebaubetriebe setzen dafür Feuchtigkeitsmesser im Boden ein. Doch braucht es diese überhaupt? Ein Versuch zeigte, dass es auch mit einer günstigen online basierten Lösung funktioniert.

Viele Gemüsebaubetriebe sammelten in den letzten Jahren bereits Erfahrungen mit Sensoren zur Bestimmung der Bodenfeuchte, um ihre Bewässerung zu optimieren. Doch die Sonden sind teuer und deren Installation auf dem Feld – insbesondere in kurzen Kulturen – mit Aufwand verbunden. Wie gelingt eine gezielte Bewässerungssteuerung in Parzellen, die keinen Sensor haben? Die Arbeitsgemeinschaft Landtechnik und Landwirtschaftliches Bauwesen in Bayern (ALB) entwickelte eine webbasierte App, die nur mit Daten von regionalen Wetterstationen sowie Boden- und Kulturinformationen eine Bewässerungsempfehlung abgibt. Der Nutzer gibt dabei die jeweiligen Rahmenbedingungen individuell ein, beispielsweise die Bodenbeschaffenheit und die angebaute Kultur. Würde diese App auch auf Schweizer Gemüsefeldern funktionieren? Die Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften (BFH-HAFL) machte in den letzten zwei Jahren zusammen mit einigen kantonalen Gemüsefachstellen die Probe auf das Exempel. Sie verglich die App auf 12 Parzellen in den Regionen Seeland, Zürich und Rheintal mit den tatsächlich von SM1-Bodensonden gemessenen Wassergehalten, die im Bewässerungsnetz der BFH-HAFL verwendet werden. 

Gute Übereinstimmung

In neun von dreizehn untersuchten Parzellen stimmten letztes Jahr die Bewässerungsempfehlungen der ALB-App mit den Messungen der Bodensonden gut überein, insbesondere in Karotten, Zucchetti, Rotkabis und unbewässerten Zwiebeln. Bei den bewässerten Zwiebeln überschätzte die App den Wasserentzug in der zweiten Saisonhälfte und hätte demnach früher eine Bewässerungsempfehlung abgegeben als bei den Sonden. Am grössten waren die Abweichungen beim Salat. Grund dafür dürften die in der App standardmässsig hohen modellierten Verdunstungswerte sein, die von optimalen Wachstumsbedingungen ausgeht. Dank dieser Erkenntnis können die Betriebsleiter in der Schweiz die Einstellungen bei Salat nun entsprechend anpassen. Das zeigt auf, wie wertvoll die Daten der mittlerweile rund 250 Sensoren vom Bewässerungsnetz sind, um die App möglichst gut an die Schweizer Bedingungen anzupassen. 

Ein Versuch lohnt sich

Die App ist ab diesem Jahr frei verfügbar und läuft über den PC. Die zweijährigen Versuche in den verschiedenen Regionen zeigten also, dass die Empfehlungen der App in den untersuchten Kulturen und Böden meist gut mit den Feldmessungen übereinstimmen. Allerdings steht zurzeit nur eine Desktop-Version zur Verfügung, obwohl das Ganze Bewässerungs-App heisst. Es würde aber mit verschiedenen Branchenpartnern abgeklärt, ob eine benutzerfreundlichere mobile App erarbeitet werden könnte, sagt Andrea Marti von der BFH. Das Ganze ist dafür kostenlos und Bestandteil des von der BFH-HAFL betriebenen nationalen Bewässerungsnetzes. Die Bewässerungs-App wurde für die Steuerung mobiler Beregnungsmaschinen, Tropfbewässerung, Kreisberegnungsanlagen sowie für die Rohrberegnung entwickelt. 

Noch nicht in allen Kantonen

Insgesamt stehen Wetterdaten von 40 Standorten in den Kantonen Aargau, Bern, Freiburg, St. Gallen, Thurgau, Waadt und Zürich kostenfrei zur Verfügung. Diese Kantone bezahlen die Kosten für die Wetterdaten und die Datenübermittlung und beraten die Landwirte zur Nutzung der App. «Falls weitere Kantone oder auch Landwirte oder Bewässerungsgenossenschaften mitarbeiten möchten, können sie sich gerne bei uns melden», sagt Andrea Marti.

 Zum Studienbericht und der ALB-App: www.bewaesserungsnetz.ch

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