Pflückroboter gegen Personalmangel

Der Rubion fährt autonom durch die Reihen mit den Stellagen. (Bild: Octinion)

Technologiefirmen arbeiten weltweit an Pflückrobotern für Beeren und Früchte. Ab nächstem Jahr soll nun mit dem «Rubion» aus Belgien der erste Erdbeerpflückroboter für den kommerziellen Einsatz bereit sein.

Es handelt sich um ein weltweites Phänomen: In immer mehr Ländern mangelt es trotz globalem Bevölkerungswachstum an landwirtschaftlichen Arbeitskräften. In Deutschland fehlt es an Spargelstechern, in Österreich an Erdbeerpflückern, in Kalifornien an Erntehelfern aus Mexiko und die japanischen Bauern sind hoffnungslos überaltert. Selbst in mittelamerikanischen Ländern und in China ist die Landwirtschaft bereits mit dem Problem konfrontiert. Für die Ingenieure ist die Lösung klar: Roboter sollen aus der Patsche helfen. Viele Modelle von Hack-, Spritz-, oder Ernterobotern geistern bereits durch die Fachzeitschriften, keines der komplexeren Geräte hat bis jetzt die Praxisreife erlangt. Nun lancierte die belgische Mechatronik-Firma Octinion im Januar an der Fruit Logistica in Berlin den nach eigenen Angaben ersten autonomen Erdbeerpflückroboter der Welt für den Einsatz in der Praxis. Der Roboter soll in diesem Jahr in Produktion gehen und ab 2020 ausgeliefert werden.

Nur für Stellagen

Octinion-CEO Tom Coen am Stand an der Fruit Logistica in Berlin

Der mit einer Batterie betriebene rund 50 cm hohe und 2 Meter lange «Rubion» ist für Erdbeerkulturen konzipiert, die auf Stellagen wachsen. Auf der Fahrt durch die Reihen erkennen Sensoren die reifen Erdbeeren, der Greifarm des Roboters pflückt mit seinen zwei «Metallfingern» die Beere und legt sie vorsichtig in einer Schale ab, sortiert nach Grösse. Um eine Erdbeere zu pflücken, braucht der Rubion nach Firmenangaben höchstens fünf Sekunden. Je nach Sorte sei die Geschwindigkeit aber deutlich höher. Und das Fahrtempo passe sich der Dichte des Fruchtbehangs an. Der Erntevorgang sei technisch äusserst komplex und entsprechend anspruchsvoll in der Programmierung, erklärt Firmenchef Tom Coen. Man habe sich deshalb bewusst für die Erdbeere als Einstiegskultur für die automatisierte Ernte entschieden. Coen ist überzeugt: «Wenn wir es bei ihr schaffen, klappt es auch in anderen Kulturen.» Für den optimalen Betrieb braucht der «Rubion» eine möglichst standardisierte Umgebung. In der Praxis heisst das eben: Stellagen in geschütztem Anbau. Coen ist überzeugt, dass diesem Anbausystem nur schon aus Qualitätsgründen die Zukunft gehört und der Freilandanbau sowieso stark abnehmen werde. Das System passt sich hier dem Roboter an und nicht umgekehrt. Selbst künftige Erdbeersorten sollen ­– wenn es nach ihm geht – künftig extra für die effiziente Roboterernte entwickelt werden.

Zwei künstliche Finger pflücken mindestens alle fünf Sekunden eine reife Erdbeere. (Bildautor: Octinion)

«Ab jährlichen Erntemengen zwischen 50 und 100 Tonnen lohnt sich die Anschaffung eines Rubions,» sagt er. Über Preise gibt Coen allerdings keine Auskunft. Er sagt nur soviel: «Das Gerät ist konkurrenzfähig mit menschlichen Arbeitskräften.» Auch über technische Details kommuniziert die Firma nur sehr zurückhaltend. Gar keine Informationen gibt es über die Beschaffenheit und die Leistungsfähigkeit der Batterie.  «Interessierte Anbauer können sich direkt bei uns melden», lässt die Firma auf Anfrage ausrichten. Man will es der Konkurrenz nicht allzu leicht machen. Und von der gibt es offenbar reichlich: «Zehn Unternehmen entwickeln weltweit solche Pflückroboter», sagt Coen.

Amerikaner setzen auf Freilandanbau

Der Erdbeerenpflückroboter «Berry» aus den USA wird für den Einsatz im Freilandanbau konstruiert. (Bild: CROO Robotics)

Die Firma Harvest CROO Robotics aus Florida entwickelt mit dem «Berry» einen Pflückroboter, der nur in Freilandkulturen arbeitet. «In den USA stehen rund 20‘000 Hektaren Freilanderdbeeren nur gerade 40 Hektaren Indoor-Kulturen gegenüber», erklärt Co-Gründer und selbst Beerenproduzent Gary Wishnatzki. Die Freilandproduktion sei eben viel kostengünstiger. Er bezweifelt deshalb, dass die Freilanderdbeerproduktion ein Auslaufmodell sei, wovon Konkurrent Coen überzeugt ist.  Auch viele Anbauer in Europa könnten sich den Umstieg in die kapitalintensive Indoorproduktion gar nicht leisten. Sie täten dies nur, falls sie die Erdbeeren auf den Feldern im Freiland nicht mehr mit Menschen oder Robotern – wie beispielsweise dem Berry – geerntet bekommen würden.

Der Pflückroboter «Berry» ist deutlich grösser als der belgische «Rubion» und fährt gleichzeitig über mehrere Erdbeerreihen. Die 16 klauenartigen Finger sollen einmal fünf Erdbeeren pro Sekunde pflücken können, mit einer Flächenleistung von über drei Hektaren pro Tag. CROO Robotics plant, dass der Pflückroboter bis Ende Jahr seine Praxisreife erlangt. Vorgesehen ist ein Geschäfts-Modell, bei dem der «Berry» für die Erntearbeiten ausgeliehen wird mit Bezahlung nach Menge. Selbst erste Schweizer Erdbeerproduzenten hätten sich die Technologie bereits vor Ort angeschaut. Bis der Service allerdings in unserem Land angeboten werde, könne es noch ein paar Jahre dauern, sagt Wishnatzki. «Mit der aktuellen Version Berry5 braucht es für den lohnenden Einsatz eine Mindestfläche von 10 Hektaren.»

www.picking.technology

www.octinion.com

www.harvestcroo.com

Der FFrobot aus Israel pflückt bis zu 10000 Äpfel pro Stunde. (Bild: FFrobot)

Apfelernte-Roboter FFrobot
Die israelische Firma FFrobotics stellte an der Fruit Logistica erstmals den Apfelernteroboter FFrobot vor. Der mit einem Dieselmotor betriebene selbstfahrende FFrobot wird von einer Person betreut und ist mit 12 Greifarmen ­– je 6 auf beiden Seiten – ausgerüstet, welche die Äpfel pflücken und in der Paloxe ablegen. Der Roboter ist selbstlernend, erkennt also mit der Zeit immer besser, welche Äpfel reif sind. «Die Qualität wird langfristig besser sein, weil bei der Ernte keine menschliche Hand beteiligt ist», sagt Co-Firmengründer Gad Kober. Zudem arbeite der Roboter rund um die Uhr. 8000 bis 10000 Früchte soll er pro Stunde schaffen, er ersetzt 30 Pflücker. Das Gerät ist für den Einsatz in moderne Anlagen ausgerichtet und kostet rund 300000 Dollar. In diesem Jahr wird das Gerät auf Betrieben in Frankreich und Italien demonstriert. Der FFrobot soll dann ab 2020 weltweit vermarktet werden.
www.ffrobotics.com

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