Setzlinge sind bereit für den Frühling

jungpflanze2Die Max Schwarz AG produziert und handelt seit vielen Jahren erfolgreich mit Jungpflanzen. Der «Gemüsebau»-Redaktor verschaffte sich vor Ort ein Bild. Er traf unter anderem auf einen Pikierroboter und kompostierbare Pflanztöpfe.

Es ist kalt an diesem Morgen im Februar und es hat kräftig geschneit. Für den Geschäftsbereich Jungpflanzen der Max Schwarz AG in Villigen ist der Winter aber eigentlich schon vorbei. Der Nüsslisalat, der in den kalten Monaten in einem Teil des 1,7 Hektaren grossen Gewächshauses wuchs, muss langsam aber sicher den Kisten mit Jungpflanzen weichen. Mehrere Dutzend Millionen Salat-Setzlinge und andere Gemüse und Kräuter werden in den nächsten Monaten hier nach den Richtlinien von Bio Suisse produziert. Neben der Aufzucht von Biosetzlingen auf den eigenen Flächen handelt die Max Schwarz AG vor allem mit konventionell produzierten Jungpflanzen. «Diese beziehen wir bei unseren Partnerbetrieben in Holland und Deutschland», sagt Betriebsleiter Roli Greutmann.
Der Tag beginnt für einen Teil der Angestellten mit einer ungewohnten Arbeit. Sie müssen Kisten mit Nüsslisalatsetzlingen kontrollieren und Presstöpfe mit schlecht oder gar nicht aufgelaufenen Pflanzen ersetzen. Roli Greutmann schüttelt den Kopf: «Wir stehen vor einem Rätsel». Seit ein paar Wochen laufen einzelne Pflanzsätze unabhängig von Sorte und Pflanzort nicht mehr regelmässig auf. «Ich kann keinen Grund für die Unregelmässigkeiten erkennen». Am gleichen Morgen kommt deshalb der Substrat-Lieferant vorbei. Dieser ist nach der Betrachtung der fehlerhaften Kisten aber der Meinung, dass es sich eher um ein Saatgut-Problem handeln müsse. Als nächstes wird nun wohl der Saatgut-Lieferant Stellung nehmen müssen. «Wir müssen die Ursache so schnell wie möglich finden», sagt Greutmann.

Arbeitsspitzen im April und Mai

Im Büro erklärt er, wie er mit Hilfe einer speziellen Software den Einsatz des Personals während des Jahres organisiert. Dabei muss er vor allem die extremen Arbeitsspitzen in den Monaten April und Mai im Griff haben. Die Grundlage für die Software bilden Daten, die vor ein paar Jahren im Betrieb penibel erfasst wurden. Greutmann weiss deshalb bei allen wichtigen Arbeitsschritten, wie viel Zeit sie brauchen. Für die Auslieferung von 6000 Kisten mit Jungpflanzen brauche es beispielsweise 30 Arbeitsstunden. «Drei Leute an einem Samstag reichen in diesem Fall nicht.» Die Mitarbeitenden – in der Hauptsaison sind es rund fünfzig – sind zudem verpflichtet, ihre erledigten Arbeiten täglich auf einer Liste einzutragen. «Dank der Software können wir ziemlich genau beurteilen, wie gut jemand arbeitet», sagt Greutmann. Gute Leistungen der Mitarbeiter honoriert das Unternehmen mit speziellen Prämien. «Wir bezahlen bis zu 100 000 Franken pro Jahr als Prämien zusätzlich zur Lohnsumme an unsere Mitarbeiter aus.»

Ein guter Presstopf ist das A und O

Im Keller stehen die Herzstücke des Betriebs: Die Presstopfmaschine und seit Kurzem ein ganz neuer Pikierroboter. Letzterer hat die Firma vor allem für den Hobby-Bereich angeschafft, der in den letzten Jahren einen immer grösseren Teil des Umsatzes ausmacht. Speziell sind die hier verwendeten Pflanztöpfe: Die Eigenentwicklung kommt ganz ohne Kunststoff aus, ist aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt und lässt sich deshalb kompostieren. «Das Beispiel zeigt, dass wir das Thema Nachhaltigkeit Ernst nehmen», sagt Greutmann. Dazu gehöre auch das torfreduzierte Substrat, das für die Presstöpfe verwendet wird. «Unsere Abnehmer verlangen das.» Dabei sei es gar nicht so einfach, einen Presstopf herzustellen, der trotz weniger Torf nicht auseinanderbreche. Wäre das der Fall, würden die Gemüseproduzenten Sturm laufen. Gleich neben den Maschinen ist der Kühlraum, wo das Saatgut gelagert wird. «Neben dem Substrat ist gutes und gesundes Saatgut matchentscheidend.» Greutmann zieht dampfbehandeltes Saatgut dem mit Warmwasser behandelten vor, gebeizte Samen sind im Biolandbau nicht zugelassen. Noch ist es relativ ruhig in den Gewächshäusern und den Verarbeitungsräumen in Villigen. «Kommen Sie in Woche 16 wieder vorbei, dann ist hier die Hölle los», sagt Greutmann und braust mit dem Gabelstapler davon. 

www.schwarz.ch

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