Star Wars im Gewächshaus

Ein holländisches StartUp will künftig Schädlinge im Gewächshaus mit Mikrodrohnen bekämpfen. Bei Tests in Schnittblumen funktionierte die Methode, mittelfristig sollen auch Schädlinge in Gemüsekulturen ins Visier genommen werden. 

Die Brüder Sjoerd und Bram Tijmons entwickeln Mini-Drohnen zur Schädlingsbekämpfung.

Sobald die Kamera das fliegende Insekt erkennt, hebt die Mikrodrohne ab. Ihr Auftrag: Auslöschen des verdächtigen Objekts. Die Idee ist verrückt, doch die drei holländischen StartUp-Gründer Kevin Backe sowie die Brüder Bram und Sjoerd Tijmons wollen mit ihrer Firma Pats Indoor Drone Solutions Schädlinge im Gewächshaus künftig tatsächlich mit Mikrodrohnen bekämpfen. Dass es funktioniert, haben sie im Labor und in einem Blumen-Gewächshaus bereits bewiesen. In einem Video zeigen sie kleine Fliegen, die vom Propeller der Drohne präzis in der Luft zerfetzt werden. 

Seit einem Jahr sind die drei Jungunternehmer daran, ihre Idee marktfähig zu machen. Entstanden ist sie übrigens im Schlafzimmer von Sjoerd Tijmons, als dieser wieder einmal von Mücken geplagt wurde. Der Aeronautik-Ingenieur wusste aus seinem bisherigen beruflichen Alltag sehr genau, zu was Drohnen heute alles fähig sind. Selbst wenn sie nur zehn Zentimeter gross sind, wie die von ihnen verwendeten Modelle. Als Versuchsfeld entschieden sie sich vorerst für ein Gewächshaus mit Gerbera, als Übungsobjekte haben sie sich bewusst die Türkenmotte (Chrysodeixis chalcites) und den Orchideenwickler (Duponchelia fovealis) ausgesucht, die beide vor allem in der Nacht aktiv sind. «Dies und die homogene Umgebung vereinfachen die Entwicklung der Kamerasoftware», erklärt Bram. Später soll das Verfahren auch in «anspruchsvolleren» Gemüsekulturen funktionieren. Natürlich fragt man sich, was passiert, wenn eine Hummel am Tag zwischen den Tomaten herumfliegt? «Die Kamera soll künftig eindeutig erkennen, ob es sich um ein unerwünschtes Insekt handelt oder nicht», sagt Bram. Die drei Holländer hören sich zurzeit in der Branche um, welche Schädlinge in Frage kommen könnten. Die Tomatenminiermotte wurde ihnen bereits als zu bekämpfende Spezies genannt. 

Die Mikrodrohnen werden zurzeit in einem Gewächshaus mit Gerbera getestet. Künftig sollen diese aber auch Schädlinge in Gemüsekulturen abfangen

Softwareprogrammierung ist teuer

Bis zu zehn Kameras und kleine Start- und Landeplattformen werden pro Hektare Gewächshaus voraussichtlich nötig sein, um eine vollständige Überwachung des «Luftraums» mit Kameras zu gewährleisten. Das Teure sind dabei die Kameras und die Programmierung der Software. Die handflächengrossen Fluggeräte hingegen kosten gerade einmal 20 Euro pro Stück und sind mehr oder weniger Verbrauchsmaterial. Trotzdem soll in den Praxisversuchen in diesem Jahr daran gearbeitet werden, auf der gleichen Fläche mit weniger Kameras und Drohnen auszukommen und die Effizienz zu steigern. Das Interesse an der Idee und der Technologie sei gross, sagt Bram Tijmons. Gewächshausbetreiber aus mehreren Ländern hätten sich bereits über den aktuellen Entwicklungsstand informiert. Denn überall werden Lösungen gesucht, um den chemischen Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren. Die holländische Firma will hier ihren Beitrag dazu leisten. 

Das StartUp profitiert von finanziellen Unterstützungen mehrerer Institutionen, die gezielt in solche Zukunftsprojekte investieren – auch wenn sie noch so verrückt sind. Das ist die Grundidee von StartUps. Ob dereinst solche Killerdrohnen im Gewächshaus tatsächlich Jagd beispielsweise auf Stinkwanzen machen werden? Die Zukunft wird es zeigen.

  www.pats-drones.com

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