Biofilter in Plastikpaloxen

Ab nächstem Jahr muss jeder Gemüsebaubetrieb einen Zugang zu einem Waschplatz mit Sammelbehälter vorweisen können. Lorenz Gutknecht baute im letzten Jahr eine neue Anlage mit einer eigenen auf den Betrieb angepassten Lösung.

Lorenz Gutknecht und Betriebsleiter Peter Liem entschieden sich bei der neuen Waschanlage für eine pragmatische Lösung.

Die Pflanzenschutz-Initiativen bringen Bewegung in die Amtsstellen. Diese haben entschieden, dass bereits ab nächstem Jahr jeder landwirtschaftliche Betrieb, der ein Spritzgerät befüllt, reinigt oder einsetzt, einen Zugang zu einem konformen Waschplatz mit einem Sammelbehälter nachweisen muss. Das betrifft insbesondere viehlose Betriebe ohne Zugang zu einer intakten Güllegrube, also viele Gemüsebaubetriebe. Wann die ersten Kontrollen durchgeführt werden, bestimmen die einzelnen Kantone individuell. Mit der Massnahme will man sogenannte Punkt-Einträge in Oberflächengewässer verhindern, die besonders häufig beim Befüllen und Reinigen von Spritzgeräten entstehen. 

Hoch anstatt breit

Ein grosser Teil der Kosten für den Bau der Befüll- und Waschanlage wurde vom Kanton und vom Bund bezahlt.

Der Gemüsegärtner Lorenz Gutknecht aus Ins liess in weiser Vorausahnung bereits im letzten Jahr auf seinem Betrieb einen neuen Befüll- und Waschplatz für seine Spritzgeräte bauen: «Wir wollen damit unseren Beitrag zur Reduktion von unerwünschten Pflanzenschutzmitteleinträgen leisten», sagt sein Betriebsleiter Peter Liem. Dabei entschieden sie sich in Ins nicht für eine der mittlerweile zahlreich angebotenen kommerziellen Reinigungssysteme, sondern entwickelten eine eigene, angepasste Lösung. Das betrifft vor allem den Biofilter, der aus 40 auf vier Etagen übereinander gestapelten mit Erde befüllten Plastikpaloxen besteht. Dadurch kann der Betrieb viel Platz einsparen. «Wir hätten sonst 270 m2 Fläche opfern müssen», erklärt Lorenz Gutknecht. Auf die Idee brachte ihn Martin Keller, Geschäftsführer vom Beratungsring Gemüse in Ins. Dieser sah an einer Veranstaltung eine ähnliche Anlage in kleiner Version. «Ich hatte dann die Idee, dass dies doch auch in deutlich grösserem Rahmen möglich sein sollte», sagt er. Die Anlage kostete schliesslich 130 000 Franken. Bis jetzt funktioniert das System problemlos.

Kapazität könnte erhöht werden

Beim Waschplatz auf dem Betrieb Gutknecht in Ins wird das Waschwasser mit den Pflanzenschutzmittelresten über dem Biofilter versprüht, und dort von den Mikroorganismen abgebaut.

Das Ganze läuft so ab: Der Spritztank wird auf der neu erstellten Anlage mit dem Pflanzenschutzmittel befüllt. Nach dem Ausbringen erfolgt die Vorwaschung auf dem Feld, ehe die Spritze zur Endreinigung zurück auf den überdachten Waschplatz gebracht wird. Das Wasser mit den Pflanzenschutzmittelresten fliesst durch einen Schacht ab, durchläuft einen Kupferfilter und wird in einem 12 m3 grossen Zwischenbehälter gesammelt. Von dort wird diese Flüssigkeit mit einer Pumpe durch ein Rohr geführt und auf die mit Erde gefüllten Paloxen versprüht. Die

Das Waschwasser fliesst durch einen Kupferfilter in den Auffangbehälter

Mikroorganismen in der Erde übernehmen den Abbau der Chemikalien, der Rest verdunstet. «Ziel ist es, dass am Schluss kein Wasser mehr da ist», erklärt Liem. Sollte zu viel Flüssigkeit in den Paloxen sein, läuft das übrige Wasser unten wieder raus und zurück ins System. Reicht die Aufnahmekapazität einmal gar nicht mehr aus, könnte das System um die gleiche Anzahl Paloxen verdoppelt werden. 

Kupferfilter als Pflicht

Lorenz Gutknecht erstellte die Pilot-Anlage im Rahmen des Berner Pflanzenschutzprojektes und profitierte dabei von einer nationalen und kantonalen Förderung von insgesamt 80 Prozent der Erstellungskosten. Der Kanton schrieb eine Überdachung vor, damit das Regenwasser getrennt abgeführt werden kann. Das Reinigungssystem mit dem Sammelbehälter wird so nicht unnötig mit Wasser belastet. Ausserdem verlangte die Fachstelle Pflanzenschutz des Kantons Bern den Einbau eines Kupferfilters vor dem Eintritt in den Sammelbehälter, um zu verhindern, dass das Schwermetall im Biofilter die Mikroorganismen beeinträchtigt. 

Beiträge für Waschanlagen werden noch bis Ende 2022 ausgeschüttet. Allerdings sind Höhe und Anforderungen je nach Kanton sehr unterschiedlich. Mehr Informationen gibt es bei den kantonalen Pflanzenschutzstellen. 

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