Tragen von Gurten soll Routine werden

Viele Gemüsegärtner reagieren überrascht, wenn man sie auf die Gurttragpflicht in landwirtschaftlichen Fahrzeugen anspricht. Eine Sensibilisierungs-Kampagne soll nun dafür sorgen, dass die Gurten überall auf dem Betrieb getragen werden.

Ein Traktor tuckert mit der Setzmaschine im Schritttempo auf dem Gemüseacker herum. Eigentlich kam hier bisher niemand ernsthaft auf die Idee, Sicherheitsgurten umzuschnallen. Doch genau dies sollte der Fahrer oder die Fahrerin künftig eben auch bei langsamen Fahrten tun, findet Thomas Frey von der Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL). «Damit soll in der Landwirtschaft eine Routine beim Gurttragen erreicht werden, ähnlich wie es im Auto schon längstens der Fall ist», erklärt er. Mit der Anfang Jahr unter der Schirmherrschaft des Schweizer Bauernverbandes (SBV) gestarteten Kampagne «Schon geschnallt?» arbeitet die BUL daran, dass der Griff zu Sicherheitsgurten auch in Landwirtschaftlichen Fahrzeugen zur Normalität wird. «Damit können wir Leben retten», sagt Frey. Zwar nicht unbedingt beim Selleriepflanzen aber beispielsweise auf öffentlichen Strassen, wo es immer wieder zu tödlichen Unfällen kommt, bei denen nicht angegurtete Fahrer aus der Kabine geschleudert und vom Fahrzeug erdrückt werden. Die Idee der Kampagne: Nur wenn das Gurttragen so normal wie das Zähneputzen wird, steigt die Tragdisziplin in landwirtschaftlichen Fahrzeugen. 

Wenn Gurten getragen werden, können tödliche Unfälle verhindert werden.

Das sagt das Gesetz

Die gesetzlichen Grundlagen für eine Gurttragpflicht auf landwirtschaftlichen Fahrzeugen bestehen schon lange. Auf öffentlichen Strassen – dazu zählen auch Feldwege- schreibt das Strassenverkehrsgesetz das Tragen von Sicherheitsgurten in landwirtschaftlichen Fahrzeugen vor, die schneller als mit 25 km/h unterwegs sind. Gegebenenfalls muss ein Traktor nachgerüstet werden, für neu immatrikulierte Fahrzeuge besteht seit 2018 sowieso eine Ausrüstungspflicht.  In den Betriebsanleitungen der Hersteller steht üblicherweise, dass ein vorhandenes Bordsystem getragen werden muss. Damit wollen sich diese auch rechtlich absichern. Auf Betrieben mit familienfremden Angestellten – also auch auf Ausbildungsbetrieben mit Lernenden – kommt zusätzlich das Unfallversicherungsgesetz (UVG) zum Tragen. Es schreibt nicht nur das Nachrüsten mit Gurtsystemen vor, sondern verpflichtet die Betriebsleiter und Besitzer, die Arbeiterinnen und Arbeiter entsprechend zu instruieren, dass die Gurten grundsätzlich zu tragen sind. Idealerweise sichert sich der Besitzer gegenüber seiner Belegschaft schriftlich ab, dass er seiner Informations-Pflicht nachgekommen ist. Doch wie streng wird das Ganze am Ende ausgelegt? Frey plädiert hier für Augenmass: «Beim An- und Abhängen eines Geräts innerhalb von 5 Metern macht das Gurttragen logischerweise keinen Sinn.» Grundsätzlich seien die Betriebsleiter aber gut beraten, darauf zu beharren, dass ihre Mitarbeitenden ihrer Pflicht bei möglichst allen Arbeiten nachkommen, bei denen der Traktor länger in Bewegung ist. Im Rahmen der Betriebskontrollen durch agriss wird künftig überprüft, ob die Fahrzeuge mit Sicherheitsgurten ausgerüstet sind. 

Das Nachrüsten von Gurten ist nicht teuer.

Welche Gurte ist die Richtige?

Das Nachrüsten eines Traktors mit Beckengurten kostet zwischen 56 und 85 Franken. Eine einfachere Lösung ist ALR (Automatic Locking Rectractor), das überall und immer funktioniert. Der Nachteil ist, dass sich hier – beispielsweise bei einer abrupten Bewegung – die Gurte schnell einhängt und sich nicht mehr löst. Komfortabler und etwas teurer ist ein Beckengurt mit ELR (Emergency Locking Retractor), der bei Beschleunigung einhängt, beispielsweise bei einem Fahrzeugsturz oder ab einer gewissen Neigung. Im Flachen kann sich die Fahrerin oder der Fahrer aber besser drehen als bei ALR und das System gibt immer nach. Obwohl sich vor allem ältere Gemüsegärtner etwas schwer tun mit dem Aufruf zum Gurtentragen auf dem Betrieb, stellt Frey ein reges Interesse aus der Gemüsebranche fest. «Viele tragen die Kampagne mit und melden sich bei der BUL, um die für sie passende Lösung zu finden.»

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