Einnetzen gegen Schädlinge

Gemüsegärtner Fritz Lorenz setzt seit vielen Jahren auf Netze, die seine Kulturen vor Schädlingen schützen. Das Handling ist aufwändig und deshalb teuer. Trotzdem steigt das Interesse an den Kulturschutznetzen in der Branche.

Das Problem ist bekannt: Immer mehr Insektizide verlieren ihre Zulassung oder verschwinden aus anderen Gründen vom Markt. Pflanzenschutzstellen, Forschungsanstalten und viele Gemüsegärtner suchen sogar in Eigenregie intensiv nach Alternativen. Keine Möglichkeit wird ausgelassen, selbst die Homöopathie ist mittlerweile auf den Gemüsefeldern angekommen. Eine vermeintlich einfache Lösung bieten Insektenschutznetze, die den Plagegeistern den Zutritt zu den Kulturen mechanisch versperren. Das Interesse der Branche am Einsatz von Netzen ist in den letzten Jahren gewachsen, wie Samuel Stüssi von Andermatt Biocontrol bestätigt. Viele Gemüsegärtner zögern aber noch wegen den hohen Materialkosten und vor allem dem zeitlichen Aufwand für das Verlegen der Netze. Und der Einsatz muss wohlüberlegt sein. Ansonsten kann ein Netz auch kontraproduktiv wirken. 

Kulturschutznetze in der Praxis

Demeter-Gemüsegärtner Fritz Lorenz aus Tägerwilen arbeitet bereits seit 30 Jahren mit Insektenschutznetzen. Die ersten Polyethylen-Netzte des feinmaschigeren Types Bionet M und Rantai K mit einer Maschenweite von 1.35mm sind heute noch einsatzfähig. Der Grund für den Einstieg war einst die Möhrenfliege. Heute fliegt sie auf seinen Feldern weniger intensiv ein als früher, Netze setzt er – wenn überhaupt – nur noch im zweiten Karotten-Satz im Frühling ein. Die Brokkoli-Kulturen netzte er wegen der Drehherzgallmücke ein. Das klappte viele Jahre gut. Doch in den letzten Jahren litten seine Brokkoli-Kulturen unter den Netzen im Spätsommer und Herbst immer häufiger an Falschem Mehltau und Alternaria. Den Grund dafür kennt Lorenz nicht. Er hat eine Vermutung: «Vielleicht liegt es am sich ändernden Klima.» Weil der Handel befallenen Brokkoli nicht abnimmt, produziert er für diesen nun nur noch die ersten vier Sätze, die unproblematisch sind. Trotzdem ist er von den Netzen immer noch überzeugt. «Sie funktionieren bei vielen Kulturen sehr gut.» Bei ihm sind dies vor allem Brokkoli, Kohlrabi, Federkohl und die eigenen Lauchsetzlinge. Der Arbeitsaufwand und die Kosten für die Netze sind aber beträchtlich. Eine Hektare des feinmaschigen Filbio-Netzes aus Polypropylen kostet ihn rund 13 000 Franken. Pro Quadratmeter sind sie 30 bis 35 Gramm schwer, mit einer Maschenweite von 0.85 mm. Sie hielten bis zu vier Jahre, wenn man ihnen etwas Sorge trage. Entscheidend sei, dass sie bei Nichtgebrauch nicht dem UV-Licht ausgesetzt seien. Lorenz lagert sie deshalb bei sich in seinem dunklen Felsenkeller. 

Das Verlegen der Insektenschutznetze ist aufwändig.

Mehr Unkraut unter dem Netz

Verlegt und zusammengerollt werden die Netze auf den Äckern in Tägerwilen von Hand. Die älteren PE-Netze müssen aber nur schon wegen des Gewichts mit einer Wickelmaschine zusammengerollt werden. Auf seinem Betrieb mit rund 20 Hektaren Anbaufläche sei die manuelle Verlegung des relativ leichten Filbio-Netzes das Effizienteste, sagt Lorenz. Alle zehn Meter befestigt mit einer Schaufel Erde seien die Netze normalerweise auch windstabil. Doch ausgerechnet an diesem Tag hat der Biswind die Netze über den vor Kurzem gesetzten Brokkoli-Jungpflanzen weggeblasen. Lorenz weist seine Mitarbeiter sofort telefonisch an, die Netze so schnell wie möglich wieder richtig auszurichten. Denn er weiss, wie schnell Erdflöhe und andere Schädlinge auf Platz sind. «Die Netze nützen nur, wenn die Kulturen sofort nach dem Setzen oder Hacken konsequent abgedeckt werden», erklärt er. Bei seinen selbst gezogenen Lauchsetzlingen setzt er das Netz gegen Tripse ein. So habe er Gewähr, dass es später in den Lauchkulturen weniger Probleme gebe. Seine 1,5 Hektaren Federkohl-Fläche netzt er vor allem gegen die Weisse Fliege ein. Das wirke sehr gut. Wären Insektenschutznetze also allenfalls auch etwas für Rosenkohl, der bekanntlich wegen fehlenden Wirkstoffen besonders stark mit der Weissen Fliege zu kämpfen hat? Lorenz hat keine Erfahrungen mit Rosenkohl. Er vermutet, dass die Kultur wahrscheinlich zu hoch und das Einnetzen deshalb schwieriger sei. 

Unter den feinmaschigen Netzen ist es wärmer und die Feuchtigkeit bleibt eben etwas länger im Boden. Das ist für die Entwicklung der Kultur eigentlich gut, doch für das Unkraut eben auch. «Das Hacken von Unkraut ist sicher aufwändiger, wenn man mit Netzen arbeitet», gibt Lorenz dann auch zu. 

Nur selten verweht der Wind das Kulturschutznetz.

Gewicht und Qualität entscheidend

Die Netze kaufte er bei Andermatt Biocontrol, die verschiedene Typen von Netzen anbietet. Die günstigeren Standard-Netze «BiocontrolNet» kosten dort etwa 60 Rappen pro Quadratmeter. Sie sind aber rund doppelt so schwer wie das Fiblio-Netz bei Lorenz. Sie seien schon fast blachenähnlich und es werde sehr warm darunter, erklärt Netz-Experte Stüssi. Allerdings gäbe es hier auch solche mit breiteren Maschenweiten von 1,3 mm. Die Temperaturen seien hier schon deutlich tiefer. «Und damit kommt man schon recht weit.» Es reicht beispielsweise gegen die weisse Fliege. Die schwereren Netze könnten zudem auch länger genutzt werden, erklärt Stüssi.

Bei sensibleren Kulturen eigneten sich die leichteren Fiblio-Netze besser. Alleine schon wegen dem Handling aufgrund des tieferen Gewichts, wie Stüssi erklärt. Denn beim Unkrauthacken müssen die Kulturschutznetze jedes Mal entfernt werden. Die höheren Kosten für die Netze liessen sich über die Jahre gut amortisieren. Der hohe Arbeitsaufwand sei hier sicher entscheidender, ob sich ein Betriebsleiter darauf einlässt, glaubt Stüssi. «Man muss das wirklich wollen.»

Leicht oder schwer?

Lorenz benutzt das Netz Filbio PP TIP 838 aus Polypropylen. Es ist eine Art Kompromiss, nicht zu schwer und doch stabil. Das Filbio PA TIP 317 aus Polyamid kostet mit rund 85 Rappen pro Quadratmeter weniger, ist leichter, dafür aber weniger robust. Es hält nur ein bis zwei Saisons, ist unter dem Strich deshalb teurer als das TIP 838. Weil es weniger Gewicht hat, entstehen hier eher weniger Probleme mit Alternaria, sagt Stüssi. Das Problem in Brokkoli könnte bei Lorenz möglicherweise mit einem leichteren Netz gelöst werden. Doch das würde ihn mehr kosten. Und an einem gewissen Punkt ist die finanzielle Schmerzgrenze auch bei ihm überschritten. 

Mehr Informationen: https://www.biocontrol.ch/de_bc/filbio

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