Virus bedroht Gurken in der Schweiz

Im letzten Jahr waren in Bayern bis zu 90 Prozent der Gurken mit dem Cucurbit aphid-borne yellow virus (CABYV) befallen. Als Überträger gelten Blattläuse, welche die Krankheit aus dem Freiland in die Gewächshäuser tragen.

Es beginnt harmlos. Einzelne Blätter in den Gurkenkulturen verfärben sich gelb. Im ersten Moment würden viele Gemüsegärtner an einen Nährstoffmangel denken, sagt Gemüsebauberater Ulf Maeritz. Doch als auf seinen Beratungsbetrieben im Knoblauchsland die Blätter im letzten Jahr plötzlich in ganzen Beständen porös wurden und sich einrollten, war klar: Hier bestand ein ganz anderes Problem. Die Analyse zeigte schliesslich, dass es sich um das Cucurbit aphid-borne yellow virus (CABYV) handelte. Es wurde erstmals in Deutschland nachgewiesen. Praktisch alle Betriebe des Gemüseerzeugerrings Knoblauchland waren betroffen. «Die Ernteverluste betrugen bis zu 50 Prozent», sagt Maeritz. Laut dem Leibniz Institut DSMZ in Braunschweig lag die Infektionsrate in Bayern 2019 teilweise bei 90 Prozent. Dabei treten an den bestehenden Früchten selbst keine Symptome und Schäden auf, diese entstehen primär durch Fruchtabwurf und stark verringerte Regeneration der Seitentriebe. 

Typische Symptome: eingerollte Blattränder, verdickte grünen Blattader, poröse Blattstruktur,

Blattlaus als Überträgerin 

Die gute Nachricht sei, dass bisher keine mechanische Übertragung des Virus bekannt sei, sagt Maeritz. CABYV wird durch verschiedene, häufig vorkommende Blattläuse übertragen. Das Virus ist in Asien, Afrika, Nordamerika sowie im Mittelmeerraum bereits weitverbreitet. Hauptwirtspflanzen sind Kürbisgewächse. In Untersuchungen in Spanien waren bereits im Jahr 2004 in Feldern mit Melonen über 80 Prozent der Pflanzen befallen. Neben Gurken und Kürbissen wurde das Virus auch schon in Futterrüben, Salaten und Unkräutern wie Hirtentäschel, Klatschmohn und dem Neophyten «gewöhnliches Tellerkraut» nachgewiesen.  Die Infektion dürfte also über das Freiland erfolgen. Unter normalen Umständen wäre in Mitteleuropa eigentlich mit einer dauerhaften Ansiedlung von CABYV im Freiland nicht zu rechnen. Doch mit dem wärmeren Wintern dürften sich die Überwinterungsmöglichkeiten für die Schädlinge erhöhen. 

Prävention ist alles

In der Schweiz ist CABYV bis jetzt noch in keinem Gewächshaus offiziell aufgetreten. Er ist auch nicht als Quarantäne-Organismus gelistet. Wie wir seit diesem Frühling wissen, machen Viren aber keinen Halt vor Grenzen. Ein Befall bei uns ist deshalb nicht abwegig. Um diesen zu verhindern stehen präventive Massnahmen im Vordergrund. Dabei kommt zuerst die Bekämpfung der Vektoren – der Blattläuse –, wodurch die Übertragung und Ausbreitung verhindert oder zumindest herausgezögert werden kann. Der Blattlausbestand sollte zudem in Freilandkulturen in Kürbissen und Zucchini tief gehalten werden. Dazu sollten Unkräuter, die als potenzielle Wirtspflanzen in Fragen kommen, in der Umgebung der Gewächshäuser bekämpft werden. 

Mehr Informationen: www.lfl.bayern.de/ips/gartenbau/232797

Jordan-Virus ist meldepflichtig
Das Jordan-Virus (Tomato Brown Rugose Fruit Virus, ToBRFV) befällt Tomaten und Peperoni. Es trat 2014 erstmals in Israel auf und verbreitet sich seit 2018 in Europa. Es zählt zu den besonders hartnäckigen Tombao-Viren, die extrem infektiös sind und monatelang auf verschiedensten Unterlagen überleben kann. Das Schadpotential in den Kulturen ist bei Befall sehr gross. Als Hauptüberträger gilt – anders als bei CABYV – der Mensch, der das Virus beispielsweise über Messer oder Scheren ins Gewächshaus bringt. Seit diesem Jahr gilt das Jordan-Virus in der Schweiz als Quarantäneorganismus und ist per Gesetz melde- und bekämpfungspflichtig (Meldung an kantonalen Pflanzenschutzdienst).
www.jordanvirus.agroscope.ch

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