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Abdriftminderung von Pflanzenschutzmitteln: Die passende Düse am richtigen Ort

Neuste Pflanzenschutzdüsen schaffen eine Abdriftminderung um 95 Prozent. Entscheidend ist aber deren richtige Anwendung. Jürgen Winter von der Firma Lechler Gmbh äussert sich im Interview über den richtigen Umgang mit Düsentechnologie. 

Jürgen Winter kennt sich mit Düsentechnik aus.  (Bild: Lechler gmbh) 

Wir hatten in der Schweiz einen medial viel beachteten Fall einer massiven Grenzwertüberschreitung mit Deltamethrin in einem Bach nach einer Behandlung in einer Rapskultur. Hätte dies mit der richtigen Düsentechnologie verhindert werden können?

Jürgen Winter: Da ich nicht weiss, mit welcher Technik dort gearbeitet wurde, ist eine Antwort schwierig. Aber natürlich bringt eine richtig eingesetzte Injektordüse die Abdrift schon massiv herunter. Untersuchungen zeigen allerdings, dass nur rund ein Viertel der Belastungen mit Wirkstoffrückständen in Gewässern aus direkter Abdrift entstehen. Natürlich kann es passieren, dass der Wind den Spritznebel bei einem zu feinen Spritzbild direkt in den Bach verfrachtet. Doch Punkteinträge – beispielsweise durch einen umgekippten Messbecher – spielen hier eine viel grössere Rolle. 

Trotzdem: Sie als Anbieter von Düsentechnologie beschäftigen sich intensiv mit der Minderung der Abdrift. Es geht jeweils um ein Abwägen zwischen unter anderem der Wassermenge, der Tropfengrösse und der Fahrgeschwindigkeit. Wie findet die Gemüsegärtnerin oder der Gemüsegärtner das Optimum?

Das ist einfache Physik: Will man eine ausgezeichnete Abdeckung mit dem Pflanzenschutzmittel mit dem Einsatz von wenig Wasser haben, braucht es feine Tropfen. Diese sind allerdings anfälliger für Abdrift. Daher sind grobtropfige Injektordüsen und lieber etwas mehr Wasser pro ha, zur Absicherung der Bedeckung, mittlerweile die gängige Praxis – bei möglicher Reduktion der Abstandsauflagen. Die Anwendenden können gegebenenfalls als Entscheidungshilfe auch die App mit unserem Düsenkalkulator benutzen. Bei Bodenherbiziden sind oft 90 Prozent Abdriftminderung auf der ganzen Feldfläche vorgeschrieben, weshalb sich hier die Verwendung von Injektordüsen mit «grossen» Tropfen anbietet, um zu verhindern, dass Herbizid auf die Nachbarkultur gelangt. 

Bodenherbizide sind eine der häufigsten Anwendungen in der Praxis. Die Abdriftminimierung ist ein grosses Thema auf politischer Ebene. Gibt es technische Weiterentwicklungen?

Ja, die gibt es. Wir haben zusammen mit den Herstellern von Pflanzenschutzmitteln die Düse XDT mit einem symmetrischen Doppelflachstrahl mit den Winkeln 40°/40° entwickelt. Sie arbeitet extrem abdriftreduzierend über den gesamten Druckbereich und ist ideal für Wirkstoffe wie Pendimethalin, Clomazone oder Prosulfocarb oder auch einmal für den Einsatz eines systemisch wirkenden Fungizids. Die XDT ist neu und in der Schweiz noch nicht offiziell als abdriftmindernd eingestuft. Das JKI in Deutschland hat jetzt die XDT 04 mit 90% bei 1,5 – 8 bar eingestuft. Wir erreichen damit sogar 95% Minderung bis 5 bar. Weitere Düsengrössen werden folgen. Ausserdem erwähnenswert ist da noch die Technologie der Pulsweitenmodulation (PWM). Mit ihr lässt sich unter konstantem Druck mit verschiedenen Geschwindigkeiten fahren. Ein schnell öffnendes und schliessendes Magnetventil regelt die Ausstossmenge automatisch. Die Abdriftreduktion hängt aber auch hier von der richtigen (grobtropfigen) Düse ab. Die Technologie ist allerdings teuer und wohl eher im Interesse von grösseren Betrieben. 

Bleiben wir in der Realität. Lohnt es sich, die Düsen je nach Kultur und Anwendung zu wechseln?

Es gibt nicht die eine Düse, die für alles optimal ist, daher sind Mehrfachdüsenträger absolut sinnvoll. Gerade im Gemüsebau bewegen wir uns zwischen Wassermengen von 200 und 1000 Litern, was mit nur einer Düse ohnehin nicht geht. Die Betriebe haben in der Regel immer eine kleinere, mittlere oder grössere Düse an ihrer Maschine, die sich je nach Gerät auch einzeln ansteuern lässt. Viele arbeiten mit Dreifachdüsenträgern mit drei Positionen, die sich je nach Anwendung entsprechend von Hand drehen lassen. 

Welche Fehler gilt es beim Spritzen zu verhindern, um die Abdrift zu minimieren?

Tatsächlich sehe ich immer noch oft, dass der Spritzbalken zu hoch eingestellt ist, bei 70 bis zu 90 cm. Bildlich gesprochen entspricht das einer Tischhöhe. Ideal wäre aber die Höhe eines Stuhls von zwischen 45 und 50 cm. Bei neueren Maschinen stellen Sensoren die Höhe automatisch ein. 


Extrem abdriftreduzierende Doppelflachstrahldüse XDT 130-04 mit symmetrischer 40° Doppelflachstrahl-Anwinkelung nach vorne/hinten. (Bild: Lechler gmbh)

Vor ein paar Jahren beschäftigten sich die Forschungsanstalten intensiv mit der Dropleg-Technologie. Was ist aus ihr geworden?

Die Dropleg-Technologie hat gerade im Gemüsebau einen höheren Stellenwert als im Ackerbau. Ich würde sie als Problemlöser bezeichnen, wenn konventionelle Technik gegen Schädlinge und Krankheiten nicht mehr ausreicht. Beispielsweise in Buschbohnen, wo man sonst durch das dichte Blätterdach mit dem Fungizid nicht dorthin kommt, wo der Pilz sitzt. In vielen anderen Anwendungen helfen etwa Doppelstrahldüsen, die Anlagerung des Wirkstoffs zu optimieren. Sie reduzieren die Spritzschatten, sodass sich das Produkt vor und hinter der Kultur optimal anlagern kann – vor allem bei Kontaktprodukten. Mittlerweile sind auf vielen Betrieben die Doppelflachstrahldüsen als gute Universallösung etabliert – die Grenzen dieser Düsen sind bei Wind etwas schneller erreicht und wenn eine tiefe Bestandsdurchdringung erwünscht, ist z.B in Karotten oder Kartoffeln, da sind dann Flachstrahldüsen besser.

Wie lange können eigentlich die Düsen benutzt werden?

Das ist analog wie ein Reifen am Auto: Fährt man viel und schnell durch die Kurven, verschleisst er schnell. Wenn Düsen immer mit hohem Druck gefahren werden, mit Mitteln, die viel Pulver enthalten, oder Dünger oder sogar Netzschwefel, dann «schleift» dies die Düse durch. Üblicherweise funktionieren Kunststoffdüsen zwischen 100 und 150 Hektar pro Düse. Bei einem 15-Meter-Gerät mit 30 Düsen entspricht das einer aufsummierten Spritzfläche von zwischen 3000 und 4500 Hektar. Keramikdüsen halten doppelt so lange, sind aber auch teurer. 

Pflanzenschutzspritzen müssen in der Schweiz alle drei Jahre von einer offiziellen Stelle geprüft werden. Reicht dieser Rhythmus?

Bei einem grossen Anbauer gehen in drei Jahren viele Kilos an Pflanzenschutzmitteln durch die Spritze. Da wäre es meines Erachtens aus Qualitätsgründen sinnvoll, diese nach zwei oder vielleicht sogar einem Jahr freiwillig prüfen zu lassen.

Verstopfte Düsen kosten Zeit und können zu Fehlanwendungen führen. Was gilt es bei der Reinigung der Spritze zu beachten?

Die kontinuierliche Innenreinigung des Tanks mit den entsprechenden Düsen ist in der Schweiz Pflicht, wenn man Fördergelder bekommen will. Diese Systeme funktionieren ausgezeichnet. Die Spritze sollte nach jedem Spritzgang gereinigt werden, um Ablagerungen zu verhindern, die sich mit der Zeit nur schlecht entfernen lassen. Die Düsen kann man zu diesem Zweck einweichen oder den Schmutz mechanisch mit einer Bürste reinigen. Eventuell lohnt sich die Anschaffung eines überall erhältlichen, einfachen Ultraschallreinigungsgerätes. Mit diesem lassen sich die Ablagerungen in Düsen gut entfernen. 

Welchen allgemeinen Eindruck haben Sie von der Gemüsebranche bezüglich des Umgangs mit Pflanzenschutzmitteln? 

Die Gemüseanbauer sind eher offener gegenüber neuen Technologien als klassische Ackerbauern. Sie bewirtschaften ja auch Flächen mit teuren Kulturen und haben relativ hohe Pflanzenschutzkosten. Der Fokus liegt bei ihnen deshalb zwar immer bei der Wirkung, die passen muss. Doch sie wissen, dass die Abdriftminderung genauso wichtig ist, wenn Wirkstoffe erhalten bleiben sollen. 

Wir sprechen von der sicheren Applikation: Wie viel Verlustminderung geht dann überhaupt noch?

Ich denke, bei 95 Prozent ist das Maximum erreicht. Und hier sind wir beispielsweise mit unseren XDT-Düsen bereits hervorragend unterwegs.

 www.lechler.com/de/service-support/agrartechnik/apps-agrartechnik

Veröffentlicht in Blog

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