Verpackungen bei Bio-Gemüse: ElastiTag ersetzt Plastik

Biogemüse in Plastikverpackungen steht gerade bei dieser Kundschaft besonder in Kritik. Die Bio-Produzentenorganisation Terraviva ag/sa ist deshalb permanent auf der Suche nach alternativen, plastikfreien Lösungen. 

Ganz ohne geht es nicht: Eine Plastikfolie über dem Ifco schützt die Cicorino mit dem ElastiTag vor dem Austrocknen. 

Unglücklich war Rahel Bonny nicht, als der Abnehmer den Versuch mit dem Verkauf von Bio-Zucchetti im Netz stoppte. «Der Gewichtsverlust des Gemüses in der nahezu ungeschützten Atmosphäre ist doch beträchtlich», sagt die Geschäftsführerin der Produzentenorganisation Terraviva ag/sa in Kerzers. Um das angeschriebene Gewicht beim Endkunden gewährleisten zu können, muss bei dieser Verpackungslösung immer etwas mehr Gemüse eingefüllt werden. Die Mehrkosten trägt letztlich der Abpackbetrieb. Die Bio-Zucchetti wurden diese Saison nun wieder im Flowpack ausgeliefert, weil der Abnehmer entschieden hat, Netze eher bei anderen Produktelinien einzusetzen. Der Unterschied zwischen bio und konventionell liegt nun wieder im Plastik, was bekanntlich bei der ökosensiblen Biokundschaft seit Jahren für Diskussionen sorgt. 

Aus Kostengründen und aus Sicht der Prozesse und Abläufe im Betrieb kann Rahel Bonny eigentlich gut mit Zucchetti im Flowpack leben. Denn auch sie weiss, dass Plastik bei einer ganzheitlichen Betrachtung bei der Nachhaltigkeit nicht unbedingt schlecht abschneidet. Trotzdem wird zusammen mit den Abnehmern auch bei Zucchetti weiter intensiv nach Lösungen gesucht, mit weniger Plastik auszukommen. Vor allem eben, weil gerade ihre Kundschaft das wünscht. 

Papierverpackung bei Kartoffeln

Die Terraviva ag/sa vermarktet das Gemüse von über 80 Schweizer Biogemüse- und Obstproduzenten und ist damit eine der grossen Nummern in der Branche. Auf dem Durchgang durch den Betrieb zeigt sich entsprechend eine vielfältige Landschaft von Verpackungsstrassen und -stationen. Die Kartoffeln beispielsweise werden in Kerzers seit diesem Jahr grösstenteils in Papier anstatt Plastik verpackt. Dazu schaffte sich das Unternehmen zwei neue Maschinen an. Ein Ausschnitt mit Netz ermöglicht der Kundschaft den Blick in die Packung. Die Maschine in Kerzers kann sowohl die Papierrolle mit dem bereits eingeklebten Netz verarbeiten sowie dieses auch nachträglich während des Packungsprozesses selbst fixieren. Letzteres bringt Vorteile: «Die Rollen ohne Netze haben ein geringeres Volumen und benötigen deshalb weniger Lagerfläche und ermöglichen Einsparungen von Lastwagenfahrten», erklärt Betriebsleiter Bernhard Häfliger. Aus Sicht der Nachhaltigkeit ein gutes Argument, das aber der Kundschaft kaum zu vermitteln ist. 

ElastiTags anstatt Plastik 

Viel einfacher geht das mit den ElastiTag, einem elastischen Band mit Etikette, das bei immer mehr Gemüse verwendet wird. Die Plastikeinsparung leuchtet hier jedem ein. «Doch weniger Verpackung heisst nicht unbedingt weniger Aufwand», erklärt Rahel Bonny. Bei den «Gümmelis» beispielsweise ist Handarbeit und viel Fingerfertigkeit gefragt: Blitzschnell wickelt die Terraviva-Mitarbeiterin den ElastiTag um den Chinakohl. Andere Gemüse mit ElastiTag sind Sellerie, Lauch oder Cicorino rosso. Ein Blick auf letztere zeigt aber, dass Kompromisse immer noch nötig sind. So verlangt der Abnehmer, dass das Ifco-Kistchen mit den Cicorino Rosso bei der Auslieferung mit einer Plastikfolie abgedeckt wird, damit das Produkt nicht zu schnell austrocknet. Womit ein Teil der Plastikeinsparung zu Nichte gemacht wird. «Es braucht aber immer noch deutlich weniger Plastik, als wenn jeder Salat einzeln verpackt würde», erklärt Rahel Bonny.

Aus Sicht von Kosten und Materialaufwand sind die direkt auf dem Produkt angebrachten Sticker interessant, beispielsweise bei Kohlrabi. Was auch hier bleibt, ist der Gewichtsverlust wegen dem fehlenden Schutz der Folie. Optimiert wird auch bei den Schalen, wo beispielsweise Karton oder in Premiumprodukten Holz verwendet wird und auf Plastikbeschichtung verzichtet wird. Sie sind mindestens doppelt so teuer wie Plastiklösungen. Das sind Mehrkosten, die kaum auf die Kundschaft abgewälzt werden können. Doch damit müssen Lieferanten wie die Terraviva ag/sa irgendwie leben: Der Kunde ist letztlich immer König!

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