Abfälle von vornherein verhindern

In der Natur gäbe es genug Rohstoffe, um Verpackungen ohne negative Einflüsse für die Umwelt herzustellen und zu entsorgen. Das Prinzip von Cradle to Cradle verfolgt diesen Ansatz konsequent.

Wie gross ist das Interesse von Lebensmittelproduzenten – wie beispielsweise Gemüsegärtnern – an Cradle to Cradle?

Martin Schlegel*: Cradle to Cradle ist leider generell noch nicht so bekannt. Wir arbeiten seit vier Jahren daran, das zu ändern. In der Textilindustrie ist das Konzept beispielsweise bereits angekommen. Im Bereich der Lebensmittel sind wir noch nicht soweit. Das liegt sicher auch daran, dass unsere Firma vor dem Einstieg in Cradle to Cradle keine Lebensmittelverpackungen herstellte. 

Weshalb gibt es noch keine Cradle to Cradle Verpackungslösung für Frischprodukte?

Bei Lebensmitteln dauert es meistens etwas länger, eine Verpackung zu ändern, da hier die Prozesse oft von den Regulatoren abgenommen werden müssen. Doch können wir grundsätzlich heute schon kreislauffähige Verpackungen anbieten. Jedoch sind die Anforderungen je nach Frischprodukt anders. Oft werden Barrieren für Fett, Dampf oder Wasser benötigt. Damit ein poröses Material wie Karton oder Papier diese Barriereeigenschaften aufweist, muss es behandelt oder beschichtet werden. Die Kreislauffähigkeit ist hier eine Herausforderung. Es gibt aber bereits gute Lösungsansätze.

Gibt es denn kreislauffähiges Beschichtungsmaterial?

Es gibt Forschungen im Bereich der Textilbeschichtungen, wo verschiedene natürliche Wachse für Funktionskleidung eingesetzt werden sollen. Zudem wurde zum Beispiel in letzter Zeit das Bienenwachstuch als Ersatz für Frischhaltefolie wieder modern. Das Potential für eine auf diese Weise beschichtete Verpackung ist durchaus vorhanden, sie müsste aber zuerst entwickelt werden. Jedoch stellt sich dann auch die Frage, wie denn zum Beispiel das Bienenwachs im Kreislauf gehalten werden könnte. Und: Hätten wir überhaupt genügend Bienen, um den Bedarf zu decken?

Grosse Detailhändler verlangt von ihren Lieferanten, dass sie Kartoffeln in Papier-Verpackungen anbieten: Eigentlich würde sich hier Cradle-to-Cradle aufdrängen.

Das sind ja sehr gute Neuigkeiten! Kartoffeln sind aus meiner Sicht sehr gut geeignet, um in Karton verpackt zu werden. Da sehe ich durchaus Potential mit den uns bereits bekannten Materialien eine Lösung zu finden.

Sind Cradle-to-Cradle-Produkte teurer?

Die Frage ist, mit was und wie man vergleicht. Spätestens wenn wir die Kosten einbeziehen, welche Schadstoffe in nicht Cradle to Cradle zertifizierten Produkten verursachen, sollte die saubere Verpackung günstiger sein. Aber auch wenn ein Hersteller weniger chemische Stoffe benötigt und deshalb sein Abwasser oder seine Abluft nicht mehr reinigen muss, bedeutet das sofort immense Einsparungen. 

In welchen Bereichen können sich Gemüsegärtner mit Cradle-to-Cradle-Produkten für mehr Nachhaltigkeit engagieren?

Hauptsächlich, indem sie Cradle to Cradle Produkte verwenden. Aber auch, indem sie beispielsweise Ideen entwickeln und umsetzen, wie sich Kreisläufe schliessen lassen. Beispielsweise mit dem einarbeiten von zu viel gedruckten Prospekten in den Boden. Denn der Zellstoff im Papier hat ja sehr positive Auswirkungen auf die Humusbildung. Humus kann Feuchtigkeit gut speichern und schützt so die Böden vor dem Austrocknen. Wenn der Zellstoff nun frei von bedenklichen Stoffen ist entspricht das dem natürlichen Kreislauf der Natur und es ist nicht mehr schlecht, dass ein paar wenige Prospekte zu viel produziert wurden, sondern es kann sogar positiv genutzt werden. n

* Martin Schlegel arbeitet bei der Druckerei Vögeli AG in Langnau i.E. 

Kreislaufwirtschaft

Cradle to Cradle bedeutet auf Deutsch «von der Wiege in die Wiege». Dabei werden nur Rohstoffe verwendet, die sich vollständig wieder in einen natürlichen Kreislauf einfügen lassen, ohne Rückstände von nicht abbaubaren Giftstoffen. Es entstehen dabei grundsätz-lich keine Abfälle, sondern nur Nährstoffe, es geht also quasi um den perfekten Kreislauf. Die Firma Vögeli AG aus dem Emmental ist die einzige Druckerei in der Schweiz, die Cradle to Cradle zertifiziert ist. 

 www.cradle-to-cradle.ch

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