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Phosphor-Recycling im Standby-Modus

Eigentlich sah der Gesetzgeber ab diesem Jahr einmal eine Pflicht zur Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm vor. Doch das Phosphor-Recycling stockt: Kläranlagen setzen Projekte wegen unklarer Rahmenbedingungen und hoher Risiken aus.

Der Phosphor im Klärschlamm könnte den Bedarf der Schweizer Landwirtschaft abdecken. 

Und schon ist sie wieder da, die Frage nach der Abhängigkeit von ausländischen Rohstoffen in Krisenzeiten. Beim Phosphor als Dünger wäre der Fall relativ einfach: Der Klärschlamm aus den Exkrementen der Bevölkerung sowie aus tierischen Nebenprodukten enthält mehr als genug Phosphor, um den Bedarf der Schweizer Landwirtschaft zu decken. Heute wird dieser immer noch grösstenteils importiert. Der Staat gleiste das Phosphor-Recycling bereits vor über zehn Jahren auf: Er verpflichtete die Kläranlagen per Gesetz eigentlich ab diesem Jahr zur obligatorischen Rückgewinnung von 50 Prozent der abwasserbürtigen Phosphorfracht. In der Realität ruhen die Projekte allerdings. Das Gesetz musste angepasst werden, weil die Technologien nicht praxisreif und den Anlagenbetreibern die finanziellen Risiken zu gross sind. Aktuell müssen die Kläranlagen bis Ende 2027 nur noch nachweisen, dass die Rückgewinnung von Phosphor aus Klärschlamm für sie aus technischen und wirtschaftlichen Gründen nicht möglich ist. 

Zu unklare Rahmenbedingungen

Auf dem Areal der neuen Kehrichtverwertungsanlage KEBAG Enova in Emmenspitz  SO befindet sich auch die Abwasserreinigung des Zweckverbands der Abwasserregion Solothurn-Emme (ZASE). Deshalb war am Standort der Bau einer Anlage zur Phosphorrückgewinnung aus Klärschlammasche nach dem Phos4life-Verfahren als Vorprojekt geplant. Dieses ist aber vor ein paar Wochen vorläufig auf Eis gelegt worden. Die Rahmenbedingungen seien für die Anlagenbetreiber zu unklar, erklärt Stefan Schlumberger von KEBAG Enova am Telefon. Die finanziellen Risiken für die in der Schweiz bisher nicht praxiserprobte Technologie seien für die Anlagen zu hoch.

Der Ball liegt zurzeit bei den Kantonen, die gemäss Verordnung über die Vermeidung und die Entsorgung von Abfällen (VVEA) bis Anfang 2028 ihre Planung zur Umsetzung der Phosphorrückgewinnung darlegen müssen. Dabei geht es vor allem um finanzielle Unterstützungen für Anlagen der Phosphorrückgewinnung. Stefan Schlumberger hofft auf mehr Klarheit: «Eine Art Risikogarantie für Investitionen würde hier sicher helfen.» 

Struvit für die Landwirtschaft

Dabei gäbe es mit Struvit bereits ein Produkt, das mit einem chemischen Verfahren aus dem Abwasser zurückgewonnen und als Dünger verwendet werden könnte. Es enthält für Pflanzen wertvolle Nährstoffe wie Stickstoff, Magnesium und vor allem eben Phosphat. In den ARA Thunersee sorgt es im alltäglichen Schlammbehandlungsprozess für Probleme. Deshalb seien sie bei der ARA Thunersee erst auf die Idee gekommen, eine Machbarkeitsanalyse für die mögliche Verwendung von Struvit als Dünger in der Landwirtschaft durchzuführen, erklärt Geschäftsführer Ingo Schoppe.

Agroscope, die Fachhochschule Nordwestschweiz sowie der Biomassen-Verarbeiter Oberland Energie AG testeten verschiedene Struvit-Anwendungen im Rahmen des Innosuisse-Projektes BioPhosRec. Unter anderem in Kombination mit Kompost oder nur mit struvithaltigen Mineralien. Dabei zeigten sich gute Pflanzenverfügbarkeiten. Allerdings ist die Düngewirkung stark vom Boden-pH abhängig. Komposte mit ko-vergorenem Struvit kristallisierten sich als besonders geeignet für den ökologischen Landbau heraus, da sie eine stabile P-Verfügbarkeit im pH-Bereich von 5,6–6,6 gewährleisten und gleichzeitig organische Substanz in den Boden einbringen, heisst es im Bericht. 

In der EU ist Struvit bereits als Dünger im ökologischen Landbau zugelassen, nicht aber im Schweizer Biolandbau. Es habe sich gezeigt, dass das Verfahren technisch zwar funktionieren würde, sagt Ingo Schoppe. Allerdings hätten die Düngemittelhersteller in der Schweiz bis jetzt kein Interesse am Produkt. 

Veröffentlicht in Blog

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