Moderne Gewächshäuser setzen auf Künstliche Intelligenz und Sensoren. Doch die richtige Düngung erfordert Wasseranalyse, Erfahrung und manuelle Kontrolle, nicht nur Software. Der Experte erklärt die Grundlagen der Düngung im Gewächshaus.
In modernen Gewächshäusern sorgen heute Computer für die optimale Nährstoffversorgung der Kulturen. Die Software dazu wird dank Sensortechnologie, sensibler Kameras und Künstlicher Intelligenz immer besser und selbstständiger. Trotzdem: Die Technologie ist längst nicht perfekt. Eine fehlerhaft umgesetzte Düngerezeptur kann schnell fatale Folgen für die Kulturen haben. «Bei der Umsetzung der richtigen Düngerstrategie zählen primär Erfahrungswerte und die Zusammenarbeit mit dem Verantwortlichen für die Kulturen», sagte Düngungsexperte Rolf Jost von Landor an der Gewächshaustagung im Herbst in Changins. Grundsätzlich unterschätze man die verschiedenen Bedürfnisse der Kulturen, findet er. Deshalb sei es wichtig, die Grundlagen der Düngung von Gewächshauskulturen präsent zu haben.

Härtegrade im Auge behalten
Für eine gute Kulturführung steht das Giesswasser im Zentrum. Ein wichtiger Parameter ist hier der Härtegrad des Wassers. Er entscheidet über die Summe der gelösten Mineralien im Wasser, vorwiegend Calcium und Magnesium. Rolf Jost spricht von zwischen 8 und 10 deutschen Härtegraden (°dH), die ein stabiles Arbeiten in den meisten Kulturen ermöglichten. Bei zu hohen Härtegraden komme es zu Ablagerungen in den Leitungen, gleichzeitig könne der pH-Wert im Substrat ansteigen, erklärt der Düngungsexperte. In der Schweiz gehe es meistens um eine Reduktion der Härtegrade im Wasser.
Um diese zu reduzieren, empfiehlt er eine «Verschneidung» mit Regenwasser oder, falls nicht möglich, eine Zugabe von Salpetersäure. Die benötigte Menge Salpetersäure hängt vom jeweiligen Giesswasser ab und wird individuell festgelegt. Doch er mahnt hier zu Vorsicht und genauer Einspeisung, weil die Absenkung nicht linear erfolge: «Kommt nur ein wenig zu viel Salpetersäure ins System, kippt der pH-Wert rasch nach unten.» Eine computergesteuerte Bewässerung oder die Abgabe über einen Dosatron seien hier deshalb wichtig.
Salzgehalte auf Kultur anpassen
Die Tabelle (siehe nächste Seite) liefert die Richtwerte, wie das Giesswasser in den Kulturen aussehen sollte. Die Düngungsfachleute von Landor verwenden eine Software, welche die Rezepturen abhängig von aktuellen Messwerten im Wasser zusammenstellt und anpasst. Dabei kämen meistens Zwei-Tank-Lösungen zum Einsatz, da gewisse Nährstoffe nicht miteinander gemischt werden könnten. «Calcium zusammen mit Sulfat gibt Gips», erklärt er. Die Parameter werden möglichst gezielt angepasst, sodass die Nährstoffe im richtigen Verhältnis zueinanderstehen.
Grundsätzlich seien solche Berechnungen eine komplexe Angelegenheit. Die Kundschaft interessiere es aber nicht so genau, wie was berechnet werde, sagt Rolf Jost. «Sie wollen einfach wissen, wie viel Dünger sie in welches Fass schütten müssen.» Doch der Kulturführer müsse natürlich wissen, wie viel Wasser zur Verfügung stehe. Denn die Konzentration der Stammlösung sollte zwischen 10 und 15 Prozent (100 bis 150 g Düngersalz pro Liter Wasser) liegen, damit sich die Dünger gut auflösen. Bei höheren Werten bestehe die Gefahr, dass die Löslichkeit der Dünger beeinträchtigt werde.
Drainwasser beobachten
Wichtige Aussagen über die aktuelle Nährstoffversorgung liefert die Analyse des Drainwassers. Dieses sollte einen Anteil von rund 20 bis 30 Prozent aufweisen. «So halten wir das Substrat im Schuss und es lagern sich keine überflüssigen Salze ab», erklärte er. Der EC-Wert (elektrische Leitfähigkeit) zeigt die Konzentration von gelösten Salzen, Mineralien oder Nährstoffen in der Nährlösung an. Im Drainwasser sollte der EC-Wert zwischen 1.2 und 1.5 höher liegen als in der Düngerlösung. Sei dieser im Drainwasser zu hoch, sei möglicherweise eine Reduktion der Düngermenge angezeigt. Die pH-Werte sollten zwischen 5 und 6 bleiben, ansonsten seien Korrekturen nötig. Würden die beschriebenen Punkte beachtet, sei die Chance schon einmal gross, dass die Düngung im Gleichgewicht bleibe, sagt Rolf Jost in Changins.
| Valeurs de référence pour une eau d’arrosage optimale Richtwerte für ein optimales Giesswasser |
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|---|---|---|---|---|
| Paramètre Parameter |
Unité Einheit |
Cultures sensibles Empfindliche Kulturen |
Cultures moyennement sensibles Mässig empfindliche Kulturen |
Cultures peu sensibles Wenig empfindliche Kulturen |
| Teneur en sel / Salzgehalt | mg/l | <400 | <600 | <800 |
| pH / Ph-Wert | 5.5 – 7.0 | 5.5 – 7.0 | 5.5 – 7.0 | |
| Dureté de l’eau / Karbonathärte | dH | < 10 | < 10 | < 10 |
| Nitrate (NO3) / Nitrat (NO3) | mg/l | < 30 | < 30 | < 30 |
| Phosphate (P2O5) / Phosphat (P2O5) | mg/l | < 0.1 | < 0.2 | < 0.5 |
| Potassium (K) / Kalium (K) | mg/l | < 10 | < 20 | < 50 |
| Magnésium (Mg) / Magnesium (Mg) | mg/l | 5-20 | 5-30 | 10-35 |
| Calcium / Kalzium | mg/l | 30-150 | 50-200 | 50-300 |
| Sulfate (SO4) / Sulfat (SO4) | mg/l | <100 | <200 | <250 |
| Zinc / Zink | mg/l | <0.1 | <0.2 | <0.3 |
| Manganèse (Mn) / Mangan (Mn) | mg/l | <1.0 | <1.5 | <2.0 |
| Chlorure (Cl) / Chlorid (Cl) | mg/l | <60 | <80 | <150 |
| Sodium (Na) / Natrium (Na) | mg/l | <50 | <80 | <150 |
| Fer (Fe) / Eisen (Fe) | mg/l | <1 | <2 | <3 |
| Dureté totale / Gesamthärte | dH | <18 | <25 | <30 |

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