Abnehmer von Gemüse verpflichten sich, ihre Treibhausgasemissionen zu reduzieren. Das betrifft künftig auch ihre Zulieferer. Deshalb sollten sich Gemüsebaubetriebe besser schon jetzt mit Begriffen wie «Scope 3» oder «SBTi» auseinandersetzen.
Weltweit sieht es zwar gerade danach aus, dass Klimaziele politisch an Bedeutung eher etwas verlieren. In der Schweiz lässt man sich von den Turbulenzen aber nicht beeindrucken und geht den vom Bundesrat eingeschlagenen Weg weiter. Das Ziel: Netto null bei den Treibhausgasemissionen bis 2050. Was heisst das nun für die Schweizer Gemüsebranche?

Da sich alle grossen Detailhändler in der Schweiz das Ziel «Netto null bis 2050» mehr oder weniger verpflichtend auf die Fahne geschrieben haben, werden diese auch ihre Lieferanten früher oder später in die Pflicht nehmen. In manchen Verkaufsgesprächen dürften Gemüsegärtnerinnen und ‑gärtner in diesem Zusammenhang bereits mit dem Begriff «Scope 3» konfrontiert worden sein. Aber, worum geht es? Das Ganze steht im Zusammenhang mit einer wissenschaftlich fundierten Methode, die Absenkung des CO₂-Fussabdrucks von Unternehmen in Richtung Klimaneutralität transparent zu messen und zu begleiten. Das globale Programm Science Based Targets Initiative (SBTi), validiert und überprüft freiwillige Emissionsreduktionsziele von Unternehmen. Die Mitglieder des im letzten Jahr ins Leben gerufenen «Klimabündnis Lebensmittel» (u. a. Migros, Coop, Aldi, Lidl, Bio Suisse und IP Suisse) wenden die SBTi-Methodik an.
Detailhandel nimmt Lieferanten in die Pflicht
Das Greenhouse Gas (GHG) Protocol gilt global als führender Standard für die Messung, Berichterstattung und Reduktion von Treibhausgasemissionen. Es sorgt dafür, dass Emissionen einheitlich erfasst und verglichen werden. Es unterscheidet drei Kategorien oder Erfassungsbereiche (Scopes) von Treibhausgasemissionen, die bei einem Unternehmen entstehen. Scope 1 umfasst alle direkt vor Ort entstehenden Treibhausgasemissionen, beispielsweise aus der Verbrennung von Erdgas oder Heizöl, der Nutzung von Diesel in Fahrzeugen oder in Gemüsebaubetrieben auch die Verwendung von Torf im Anbau. Scope 2 misst indirekte Treibhausgasemissionen durch den Bezug von nicht vor Ort erzeugter Energie, wie Strom, Wärme, Dampf oder Kälte. Scope 3 umfasst übrige indirekte Treibhausgas-Emissionen, welche vor- und nachgelagert in der Wertschöpfungskette auf dem Betrieb entstehen. In Gemüsebaubetrieben sind das beispielsweise eingekaufte Waren wie Dünger, Substrat, Jungpflanzen, Folien oder Verpackung, aber auch Transport und Distribution.
Die Werte in Scope 1 und 2 können relativ einfach bestimmt werden, beispielsweise mithilfe von Buchhaltungsdaten und der Anwendung eines anerkannten Koeffizienten zur Umrechnung in CO₂-Äquivalente. Die grösste Treibhausgasmenge und somit beträchtliches Reduktionspotenzial fällt in der Regel aber in Scope 3 an, deren Erfassung und Berechnung viel aufwändiger ist. Oft müssen hier Annahmen getroffen und Prioritäten gesetzt werden, weil sonst der Aufwand ins Unermessliche steigen würde. Auf Ebene Detailhandel fällt die Beschaffung von Gemüse in die Kategorie Scope 3. Es dürfte deshalb nur eine Frage der Zeit sein, bis die Abnehmer von den Lieferanten Nachweise verlangen, die ihnen selbst helfen, den Treibhausgasausstoss im Unternehmen in diesem Bereich «buchhalterisch» weiter zu reduzieren.
Expertenwissen ist nötig
In anderen Worten: Es kommt Mehrarbeit auf die Gemüsebaubetriebe zu. Ohne externe Hilfe dürften dabei die wenigsten Betriebe auskommen, weil ihnen die Zeit fehlen wird, sich in die komplexe Materie einzuarbeiten. Die grossen Hebel auf Ebene Gemüseproduktion liegen in Scope 1 und 2. Viele haben hier ihre Hausaufgaben bereits erledigt, wie die Ersetzung von fossilen durch erneuerbare Energie im Gewächshaus. Umso anspruchsvoller wird für diese die weitere Absenkung des CO2-Fussabdrucks. Infrage kommen etwa die Umstellung auf E-Fahrzeuge oder der Einsatz von torfreduziertem Substrat. Noch schwieriger wird das Ganze in Scope 3 mit den vor- und nachgelagerten Tätigkeiten. Hier ist unter anderem die Beschaffung von Informationen der Lieferanten ein Knackpunkt.

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