Verpackungen: Eierlegende Wollmilchsau gesucht

Plastikverpackungen schützen Frischprodukte wie Gemüse eigentlich idealerweise vor äusseren Einflüssen. Trotzdem muss die Branche nach valablen Alternativen suchen, weil die Kundschaft es so wünscht. Die Suche ist aber nicht so einfach.

Gurken in Plastikfolie verpacken oder offen verkaufen? An dieser Frage scheiden sich die Geister und die Antworten sind bekanntlich voll von Zielkonflikten. Der Händler weiss, dass eine eingepackte Gurke sechs Mal länger hält als eine offen verkaufte. Zudem stellen sich bei letzteren hygienische Fragen – zurzeit ja besonders aktuell. Die Kundschaft hingegen denkt an Schildkröten mit Plastikabfall im Hals und stört sich deshalb am «unnötigen» Plastik. Anbieter werden folglich über Soziale Medien unter Druck gesetzt. Die Gemüseproduzenten wiederum sehen in gekühlten Verkaufsabteilungen eine Lösung, um die Haltbarkeit von Gurken im Offenverkauf zu erhöhen. Was aber mit höheren Energiekosten – vor allem im Sommer – verbunden wäre. Da der Kunde König ist, werden vor allem seine Wünsche erfüllt. Das heisst hier beispielsweise: Mehr Gurken im Offenverkauf. Obwohl dies aus Sicht der Nachhaltigkeit möglicherweise höchstens die zweitbeste Lösung ist. 

Plastik als Übeltäter gesetzt

Mit den zugemüllten Meeren haben Gemüseverpackungen aus der Schweiz nichts zu tun. Trotz ärgerlichem Littering an Strassenrändern hat die Schweiz die Plastikentsorgung nämlich im Griff. «Grundsätzlich weg von Plastik ist uns deshalb zu plakativ», sagte Patrick Geisselhardt vom Branchenverband Swissrecycling am Betriebsleiterseminar des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten im Dezember 2019. Die Alternativen seien nicht immer besser. Ziel müsse es sein, die Umweltbelastung von Plastikverpackungen zu reduzieren. Beispielsweise mit mehr Kreislaufwirtschaft. Plastik soll wiederverwendet werden. Dazu ist aber eine andere Zusammensetzung der Verpackungen nötig, mit einer besseren Trennbarkeit. In der Praxis heisst das beispielsweise weg von beschichteten Kartonschalen, die aus vielen unterschiedlichen Komponenten bestehen. 

Weniger ist mehr

Ein pragmatischer, wirkungsvoller Ansatz ist die Optimierung der Plastikanwendungen beispielsweise mit der Foliendicke. Und Folien aus Polyvinylchlorid (PVC) belasten die Umwelt mehr als solche auf Basis von Polyethylen (PE). Eine optimierte PE-Schrumpffolie spart im Vergleich zu PVC 59 Prozent Material und 69 Prozent CO2 ein. Detailhändler wie Migros und Coop reduzierten durch solche Optimierungen bereits viele Tonnen Plastik. Die Kommunikation dieser Leistung an der Verkaufsfront ist allerdings schwierig. Besser kommen Schalen aus Bestandteilen von Grasfasern beim Publikum an, wie sie Coop in ihrer «Taten-statt-Worte»-Kampagne öffentlichkeitswirksam bewirbt. Sie können über die Kartonsammlung entsorgt werden. Tönt gut, doch letztlich ist unklar wie nachhaltig das Ganze wirklich ist. Beispielsweise wenn die Grasschalen plötzlich in Konkurrenz zur Nahrungsmittelproduktion stehen. Vor allem aber sind sie drei bis viermal teurer als Plastik, was wiederum ein Problem für die Produktion ist, weil solche Mehraufwände bekanntlich nur schlecht auf das Produkt abgewälzt werden können. Vermutlich waren das zu viele negative Aspekte, zumal noch ein störender Grasgeschmack dazukam. Aus verschiedenen Quellen ist zu vernehmen, dass die Schale aus dem Markt verschwinden wird. Coop will sich dazu nicht konkret äussern. 

Reisstroh als Alternative

Doch die Grundidee bleibt: Die Ostschweizer Firma Permapack hat seit letztem Jahr eine Verpackungsschale auf Basis von Reisstroh im Angebot, die zwar immer noch deutlich teurer als Plastikschalen sind. Sie werden aber mit einem reinen Abfallprodukt aus der Reisproduktion vor Ort in Malaysia hergestellt und hätten sich in der Praxis bereits mit Nüsslisalat, Bärlauch und Lauch bewährt, sagt Sandro Capone, Leiter Verkauf bei Permapack. Der Energieaufwand für die Herstellung sei vergleichbar mit Karton und die Schale könne ohne Rückstände kompostiert oder mit dem Karton entsorgt werden. Ein weiterer positiver Effekt: Der Reisbauer kann ein zusätzliches Einkommen erzielen. «Das Produkt ist fast schon eine eierlegende Wollmilchsau», sagt Capone.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.