Wetter-Ereignisse besser versichern

Anbaurisiken werden immer schwieriger zu managen. Eine Möglichkeit bieten hier indexbasierte Versicherungen. Versicherungsgeld gibt es dabei sofort nach Eintritt des negativen Wetterereignisses – ohne Schadenaufnahme.

Wetterstation.
Wetterstationen übermitteln Daten automatisch an den Versicherer.

Das Klima ändert sich: Fröste kommen häufiger vor, Niederschläge bleiben aus oder kommen geballt auf einmal. Die Obstproduzenten haben in den letzten Jahren bereits auf die neuen Umstände reagiert. Oft mit technischen Lösungen wie Bewässerungssystemen, Wasserspeichern, Hagelschutznetzen oder Regendächern beispielsweise. Doch die Risiken werden vermehrt auch administrativ optimiert – mit dem Abschluss von Versicherungen. Die Schweizer Hagel bietet seit drei Jahren eine Frostzusatzversicherung an. In diesem Jahr schlossen Schweizer Obstproduzenten dabei über 150 Verträge ab, mit einer Versicherungssumme von 8,5 Millionen Franken. «Die bezahlte Schadensumme der letzten drei Jahre liegt 1,6 Mal höher als die Prämieneinnahmen», sagt Sprecherin Esther Böhler. Das sei ein Hinweis darauf, dass für die langfristige Tragbarkeit mehr Versicherte und möglicherweise eine Überprüfung der Deckung notwendig sei. Allerdings: Die Tragbarkeit der Prämie gibt bei den Versicherten schon jetzt viel zu reden.

Wetter-Indexversicherungen

Abhilfe würde möglicherweise die in der (inzwischen sistierten) AP22+ vorgesehene staatliche Unterstützung von Ernteversicherungen bringen, wie sie in vielen Ländern bereits existiert. ETH-Professor Robert Finger hält allerdings nicht allzu viel von staatlich gestützten Versicherungslösungen, weil sie möglicherweise falsche Anreize setzten oder das Erreichen von agrarpolitischen Zielen wie beispielsweise dem Schutz der Umwelt und der Selbstversorgung nicht direkt unterstützten. Trotzdem bleiben Versicherungen für ihn ein zentraler Bestandteil einer Risikostrategie. Ergänzend sieht der Forscher in Wetter-Indexversicherungen eine interessante Möglichkeit, um Anbaurisiken künftig besser zu managen. Die international tätige Schweizer Firma CelsiusPro bietet solche Derivate an, bei denen keine Schadexperten mehr auf den Platz kommen. Es funktioniert so: Der Obstproduzent sichert sich mit einer Risikoprämie gegen Frost ab. Wird ein festgelegter Temperatur-Wert auf einer Messstation unterschritten, wird der versicherte Betrag sofort ausbezahlt, unabhängig vom entstandenen Schaden. In der unkomplizierten und schnellen Auszahlung sieht Finger einen Vorteil: «Drohende akute Liquiditätsengpässe können so in manchen Fällen verhindert werden.» Eine Schwäche von indexbasierte Versicherungslösungen sei aber das Basisrisiko. Um was geht es? Im optimalen Fall hat der Obstproduzent trotz einem registrierten Frostereignis keine Ertragseinbussen und kassiert aber trotzdem die Entschädigung. Das passiert, wenn beispielsweise die Messstation für den Index etwas weiter weg vom Betrieb steht. Im schlechten Fall entstehen aber am gleichen Ort Frostschäden, obwohl die Temperaturen in der Station keine Minustemperaturen anzeigen. «Dieses Basisrisiko kann jedoch durch technische Anpassungen reduziert werden», sagt Finger. Beispielsweise indem bessere und genauere Informationen zur Verfügung gestellt werden. Eine Möglichkeit wäre die Verwendung von spezifischen Informationen zu auf Kulturpflanze und Region angepasste Wachstumsphasen. «Kennt man die heiklen Zeitfenster – beispielsweise für die Blüte in Obstanlagen –, sinkt die Wahrscheinlichkeit, dass der Index daneben liegt.»

Nicht nur den Ertragsausfall versichern

Indexversicherungen können zudem entstehende Mehrkosten absichern. Es gehe also nicht nur um Erträge, sondern auch um eine Kompensation von zusätzlich entstehenden Kosten, beispielsweise für Frostkerzen oder bei Dürre für die Bewässerung. «Es besteht somit ein Anreiz, die Produktion trotz Schadenereignis zu sichern, die Versicherungsentschädigungen einzukassieren und damit die Mehrkosten zu begleichen», erklärt Finger. Seien Frostschäden hingegen mit einer Ertragsversicherung abgesichert, gebe es meistens nur Geld, wenn ein Schaden entsteht. «Der Anreiz diesen zu verhindern sinkt.» Esther Böhler weist allerdings darauf hin, dass auch bei der Frostdeckung der Schweizer Hagel Kosten für die Frostbekämpfung entschädigt würden. Die Schweizer Hagel beschäftigt sich zudem bereits intensiv mit reinen Indexversicherungen. Mit der Gras-Klima-Versicherung hat sie bereits eine Indexversicherung im Angebot. Eine Erweiterung der Produktepalette sei geplant, entsprechende Pilotprojekte sollen in den kommen Jahren gestartet werden, sagt Esther Böhler.

Mehr Infos:
https://agrarpolitik-blog.com/2017/05/19/neue-wege-fuer-versicherungen-in-der-landwirtschaft/

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