Zweite Corona-Welle: Ansturm bleibt aus

Beim Lockdown im Frühling erlebten viele Hofläden ihr wahres Wunder. Nun in der zweiten Welle steigen die Einkäufe nur noch moderat an. Das liegt auch an der saisonal bedingt kleineren Auswahl und an den offenen Grenzen. 

Wie in vielen Hofläden ging es auch bei Gemüsegärtner Urs Baumann aus Kirchdorf BE während des Lockdowns im Frühling drunter und drüber. Weil der Wochenmarkt in Bern geschlossen war, kamen viele seiner Kunden von dort plötzlich direkt auf den Betrieb in den Hofladen. «Wir mussten diesen kurzfristig vergrössern und mehr Personal anstellen, um den Ansturm bewältigen zu können.» Im Sommer normalisierte sich die

Urs Baumann

Situation dann. Ein paar wenige hätten zwar immer noch Angst, sich in grosse Menschenmengen zu begeben und würden deshalb immer noch direkt in den Hofladen kommen. Doch die meisten hätten sich mit dem Hygieneschutzkonzept auf dem Wochenmarkt arrangiert, sagt Baumann. Die zweite Corona-Welle* spürt er bis jetzt an der Verkaufsfront noch kaum. Speziell vorbereitet hat er sich darauf nicht. «Das Wetter war in diesem Jahr so gut, dass ich sowieso viel Gemüse ernten konnte und die Lager entsprechend gut gefüllt sind.» Sollte sich die Situation wieder extrem verschärfen, wüsste er aber nun besser, was auf ihn zukommt. «Ich würde dann wieder zwei zusätzliche Kassen im Hofladen platzieren, damit die Kundschaft den Abstand einhalten kann.» Zudem war die Zusammenarbeit mit einem Händler schon im Frühling gut, falls er Ware zukaufen müsste. Alles in allem sei er gut durch die Corona-Krise gekommen, obwohl der Aufwand unter anderem für das Personal grösser war als in normalen Jahren. 

Arbeiter bleiben über den Winter 

Pascal Gutknecht

Auch im Hofladen der Betriebsgemeinschaft Gutknecht Gemüse in Ried bei Kerzers blieb ein Run wie im Frühling bisher aus. Damals sei man teilweise an die Grenzen des Machbaren gelangt. Man habe nun höchstens eine leichte Steigerung der Frequenzen festgestellt, sagt Pascal Gutknecht. Sollte sich die Corona Situation noch einmal verschlimmern und die Leute wieder endgültig in den Homeoffices verschwinden und mehr zu Hause kochen, rechnet er aber wieder mit einer Zunahme der Kundschaft. Allerdings werde der Hofladen im Winter generell deutlich weniger gut besucht als während der Saison, weil es dort dann viel zugekaufte ausländische Ware wie beim Grossverteiler habe. «Die Leute kommen vor allem während der Saison wegen unserem eigenen, frischen Gemüse.» Auch beim in der ersten Welle lancierten Lieferdienst sei die Nachfrage bis jetzt nicht gestiegen. Überhaupt werde dieses Angebot noch wenig genützt, sagt Gutknecht. Der Bekanntheitsgrad sei noch zu niedrig. «Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen». Doch mit der Saison seien sie bisher sehr zufrieden, obwohl alles ein bisschen anders war wie sonst, aber das eher im positiven Sinn. So habe es beispielsweise kaum Personalwechsel gegeben, ganz im Gegensatz zu anderen Jahren. Zudem habe er es noch nie erlebt, dass ausländische Mitarbeiter freiwillig über den Winter auf dem Betrieb bleiben und arbeiten wollten. 

Strengere Vorschriften im Jura

Andreas Stump

Direktvermarkter Andreas Stump im jurassischen Courgenay konnte im Frühling bei den Abos stark ausbauen. Der grösste Teil der Kundschaft sei erfreulicherweise auch nachher geblieben. Trotzdem denkt er nur ungern an die stressige Zeit während des Lockdowns zurück. Er musste ohne Ernte-helfer auskommen, weil diese nicht aus Moldawien einreisen konnten. «Wir arbeiteten fast sechs Wochen ohne zusätzliche Leute und das bei drei Mal mehr Umsatz wie üblich», sagt er. Wirtschaftlich war es aber eine gefreute Sache: «Es kann gerne auch im nächsten Frühling so weitergehen.» Doch daran zweifelt er, weil er während dem Lockdown von der Schliessung der Grenzen nach Frankreich profitierte. Und diese bleiben auch jetzt in der zweiten Welle offen. Wohl auch deshalb stellt Stump bis jetzt – obwohl der Kanton Jura früh schärfere Massnahmen verhängt hat als andere Kantone –, keine Umsatzsteigerung fest. Für ihn ist klar: Die Leute gehen weiterhin ennet der Grenze einkaufen. n

* Der Artikel wurde Anfang November erstellt.

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