Auf dem Erdbeerfeld muss Ordnung sein

Erika und Thomas Schaub führen den Erdbeerbetrieb im Thurgau in drittter Generation.

Seit drei Generationen betreiben die Schaubs im Thurgau ein Selbstpflückfeld für Erdbeeren im Freiland. Die Qualität und das Vertrauen der Kundschaft zum Erdbeeranbauer entscheiden über den Erfolg.

Verbrieft ist es nirgendwo, doch es ist gut möglich, dass der Grossvater von Thomas Schaub der erste Erdbeeranbauer in der Schweiz war, der seine Felder für die Kundschaft zum Selberpflücken öffnete. Seit über 60 Jahren wachsen auf dem Langacker in Mettendorf TG Erdbeeren. Die Idee des Selbstablesens war damals allerdings mehr aus der Not geboren worden, erzählt Thomas Schaub. «Wegen einer Überproduktion brachen die Preise massiv ein und der vom Konfitüren-Verarbeiter offerierte Preise war so tief, dass sich das Ablesen nicht mehr lohnte». Deshalb habe sein Grossvater den Frauen in der Umgebung kurzum angeboten, dass sie bei ihm für 1 Franken pro Kilogramm die Erdbeeren selbst ablesen können. Das hatte offenbar gut funktioniert: «Im Folgejahr riefen die Leute an, ob sie wieder zum Selberpflücken kommen können.»

Lambada als Renner

Die Sorte Lambada gehört zu den Spezialtäten des Betriebs und ist der Renner im Direktverkauf.

Heute wachsen auf dem Familienbetrieb auf 2,7 Hektaren Erdbeeren im Freiland. Rund 20 Prozent der Ernte pflückt die Kundschaft selbst, 10 Prozent kauft sie direkt im Hofladen. Der Rest geht in den Handel, abgesehen von 500 kg, die Schaub für die eigene Bauernhof-Glace-Produktion einfriert. Der Anbau auf Substrat oder im Tunnel ist für ihn keine Option. Das funktioniere im Direktverkauf nicht: «Die Leute sind einfach überzeugt, dass die in der reinen Luft und mit der warmen Sonne gewachsenen Beeren die Besten sind.» Das sei vor allem Kopfsache. Die Frische und die Qualität seien für seinen Kundenkreis als Kaufargument entscheidend, sagt Schaub. Mehr als die biologische Produktion beispielsweise. Wichtig für das Geschäft sei vor allem das Gesicht, das hinter dem Anbau stecke, findet er. «Direktvermarktung hat viel mit Vertrauen zu tun.» Die Sorte Lambada ist im Hofladen und bei den Selbstablesern besonders beliebt, und wächst auf rund einem Viertel der Anbaufläche. Sie ist sehr aromatisch mit einer weichen Schale, und deshalb prädestiniert für die Direktvermarktung. «Es gibt Kunden, die nur wegen der Lambada zu uns kommen.» Auf der übrigen Erdbeerfläche auf dem Langacker wächst die bewährte Sorte Kimberly. Zudem führt er zurzeit noch Versuche mit weissen Ananas-Erdbeeren durch, im Sinne eines künftigen Marketing-Gags.

Selbstpflücken ab Juni

Auf dem Betrieb arbeiten 40 Ernterinnen aus der Region auf Abruf im Stundenlohn.

Jetzt am Anfang der Saison sind täglich rund 40 Erntefrauen aus der Region im Stundenlohn in speziellen Pflückwagen Marke Eigenkonstruktion zwischen den Flachkulturen unterwegs. Die Stammkundschaft für den Direktverkauf weiss genau, wann es hier losgeht mit den ersten Erdbeeren. Schaub informiert diese per Inserat in der Lokalpresse, über die eigene Homepage sowie immer öfter über die sozialen Medien auf Facebook oder via Twitter. Erst wenn die Kulturen im Juni in den Vollertrag kommen, werden die Felder auch für die Selbstableser geöffnet. Es sei aber ein Irrtum zu meinen, man könne diesen einfach die Restmengen überlassen. «Für den langfristigen Erfolg braucht es hier die gleiche Qualität wie für den Handel», sagt Schaub. Besonders an schönen Tagen ist der Andrang gross. Vier von Schaub engagierte «Wächter» – meistens Pensionäre mit langjähriger Erfahrung –, sorgen dann für Ordnung und teilen den Selbstpflückern die Reihen zu. Solche Spielregeln seien nötig, um die Qualität zu halten und würden nur ganz selten nicht eingehalten. Zudem gebe es auch ein paar Tricks: «Familien werden in Randparzellen platziert, wo die Kinder auf der Wiese spielen können und nicht auf den Erdbeeren herumtrampeln», sagt der Vater von zwei kleinen Töchtern. Zudem sei es wichtig, dass der äussere Eindruck perfekt sei und das Stroh unter den Erdbeeren beispielsweise immer schön hergerichtet sei. Pro Kilo kosten die selbstgepflückten Erdbeeren 4.50 Franken. Wer sich nicht bücken möchte, kauft sie in der 500-Gramm-Schale ab 5.50 Franken im Hofladen.

Langjähriges Vertrauen

Thomas Schaub ist mit Erdbeeren aufgewachsen und hat den Anbau von seinem vor zwei Jahren verstorbenen Vater übernommen.

Schaub ist ein überzeugter Direktvermarkter. Trotzdem brauche es manchmal eine dicke Haut, sagt Schaub. Beispielsweise wenn am Pfingstsonntag plötzlich Kundschaft in seinem Garten steht und nachdrücklich frische Erdbeeren verlangt. Manchmal reagierten die Leute zudem mit Unverständnis, wenn es einmal gerade keine Lambada mehr hat. Doch das seien letztlich Ausnahmen, sagt Schaub. «Die Leute kommen seit Jahrzehnten zu uns, weil sie uns kennen und von der Qualität der Langacker-Erdbeeren überzeugt sind.»

 

www.langacker.ch

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