Biobauer packt Chance in Rumänien (bio aktuell 16.9.2007)

Christian Häni führt seit drei Jahren einen Biobetrieb in Westrumänien. Dort ist er als Biobauer noch ein Exot. Nach der Umstellungszeit erntet er in diesem Jahr erstmals Weizen und Roggen.Christian Häni

600 Hektaren Nutzfläche Bio. Und das ganz ohne Vieh. In der Schweiz kann das nicht sein. Dafür 1000 Kilometer östlich. Genauer: Firiteaz in Rumänien. Vor drei Jahren ist der 28-jährige Christian Häni aus dem luzernischen Büron mit seiner Frau Natascha dorthin ausgewandert, um Bauer zu werden. In der Schweiz war das nicht möglich, denn sein Vater ist nicht Bauer sondern Vermögensberater. Keinen Hof zum übernehmen also. Vater Theo Häni ist aber kein Unbekannter in der Biobranche. Mit der ASI Natur Holding AG hat er in den letzten Jahren auf der ganzen Welt viel Geld in den biologischen Landbau investiert. Er ermöglichte den Kauf des Betriebes in Firiteaz. Der Vorteil des Standortes Rumänien: Es gibt viel verfügbares Land zu günstigen Preisen. Bei 1500 Euro pro Hektare liegt dieser aktuell, das ist deutlich höher als noch vor ein paar Jahren, doch im europäischen Schnitt immer noch ein Schnäppchen. Zudem liegen die Lohnkosten tief. Noch. Denn Rumänien boomt und die Löhne steigen in rasantem Tempo an. Seit diesem Jahr lebt Vater Theo mit Frau Regula ebenfalls im Dorf. Im Herbst folgt die Tochter mit Partner. Als Mitbeteiligte auf dem Betrieb. Familienglück total.

Kopfschütteln bei Einheimischen

Doch ganz so einfach war der Anfang nicht. Im seinem Rucksack brachte Christian Häni zwar das Diplom der Hochschule für Landwirtschaft in Zollikofen mit. Doch es fehlte die Praxis. Learning by doing war angesagt. Und: Der biologische Landbau ist den meisten Rumänen unbekannt und erzeugt mehr Kopfschütteln als Anerkennung. „Die Leute hier sind mit Kunstdünger und Spritzmitteln aufgewachsen“, sagt Häni. Auf Rumänisch musste er seinen vier Angestellten erklären, weshalb der Boden zuerst umgestellt und ein paar Jahre mit Kleewiesen auf den Anbau mit Roggen, Weizen und Dinkel vorbereitet werden muss. Das sind die geplanten Hauptkulturen. In diesem Jahr erntet er erstmals Weizen und Roggen. Er denkt bereits an andere Kulturen: Sonnenblumen, Soja, Leindotter, Lupinen, Linsen oder Kümmel.

Bio Suisse zertifiziert

Ein Problem ist die Arbeitsmentalität. Häni wünschte sich mehr Selbständigkeit bei seinen Mitarbeitern. Das Handy läutet fast pausenlos. Oft wegen Kleinigkeiten, zum Beispiel wenn die Schnur bei der Ballenpresse ausgeht. Gravierender, wenn der Schäfer seine Christian Häni mit Vater Theo beim Klee pressenTiere wieder einmal über seine Felder gelassen hat. Oder noch schlimmer: ein benachbarter Bauer spritzt aus Versehen einen Streifen seines Kleefeldes mit Herbiziden. „Das Ziel nicht aus den Augen verlieren“, macht sich Häni dann immer wieder Mut. Es sei ein langfristiges Projekt. Die Umstellungszeit ist vorbei. Sieben Prozent ökologische Ausgleichsflächen gehören zum Betrieb dazu. Das ist nötig, weil der Betrieb Bio Suisse zertifiziert ist. Doch es ist mehr: Christian Hänis Augen leuchten beim Anblick der blühenden Wiese: „Ein so grosses Feld mit dieser Pflanzenvielfalt wäre in der kleinstrukturieren Schweiz unmöglich!“ Nur schon aus wirtschaftlichen Gründen.

Kostengünstige Bioproduktion

Doch die Ökologie ist die eine Seite. Die Ökonomie die andere. Christian Häni ist überzeugt, dass er seine Bioprodukte langfristig günstiger produzieren wird als seine konventionellen Nachbarn. Ein Grund: die schonende Bodenbearbeitung mit dem Deutschen Spezialgerät „Wenz Eco-Dyn System“, das den Boden nur oberflächlich bearbeitet. Weniger Maschinen, keine teuren Kunstdünger oder Pflanzenschutzmittel, und grosse aneinanderliegende Landparzellen. Dazu eigenes Saatgut. Das ist der Schlüssel zum Erfolg. Zudem gibt es seit diesem Jahr EU-Subventionen. 54 Euro Grundbeitrag pro Hektar bewirtschaftete Fläche. Je nach Kultur gibt es mehr. Das EU-Geld hilft, denn der Betrieb ist in der Aufbauphase und hat noch keine Erträge abgeworfen. Doch das wird sich bald ändern. Biorohstoffe sind knapp, die Preise gut.

Ein Gedanke zu „Biobauer packt Chance in Rumänien (bio aktuell 16.9.2007)“

  1. Sehr geehrter Herr Eppenberger

    Wir sind in der Schweiz das führende Unternehmen im Bereich des biologischen Pflanzenschutzes.

    Mit Interesse und grosser Freude haben wir Ihren Artikel über Herrn Häni, welcher als Biobauer nach Rumänien ausgewandert ist, gelesen.

    Gerne möchten wir mit Herrn Häni in Rumänien Kontakt aufnehmen, um mit Ihm über eine allfällige Zusammenarbeit zu sprechen.

    Könnten Sie uns eventuell seine Kontaktadresse (am Besten E-Mail) vermitteln?

    Herzlichen Dank im Voraus für Ihre Hilfe.

    Freundliche Grüsse

    Erich Frank
    Andermatt Biocontrol

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