Mit dunklen Beeren China erobern (Bauernzeitung 7.9.2007)

Christof Schenk, Holderhof Produkte AG

Christof Schenk stellt eigene Sirupe und Getränke her. Er beliefert die Lebensmittelbranche mit Extrakten und Rohstoffen.

Im Früh-Sommer die weissen Blüten und ein paar Wochen später die dunklen Beeren: Der Holunderstrauch gehört zu den raren Kulturen, die im gleichen Jahr zwei ziemlich unterschiedliche Ernten liefern. In diesen Tagen sind die dunklen Beeren dran. Dann herrscht Hochbetrieb auf dem Holderhof in Niederwil. Auf fünf Hektaren stehen die Holunderbüsche dort in Reih und Glied. Mit schwer behängten Ästen warten sie darauf bis geübte Hände sie von der Last befreien. Die temporär angestellten Erntehelfer – die meisten Hausfrauen aus der Umgebung -, pflücken die Traubenstände von Hand. «Nur so erreichen wir die gewünschte Qualität» sagt Christof Schenk, Geschäftsführer der Holderhof Produkte AG in Niederwil SG. Sorgfalt ist nichts für Maschinen. Nur das menschliche Auge kann zwischen unreif und reif unterscheiden.

Der Ablauf der Ernte ist exakt geplant: Die Vertrags-Bauern aus der Region liefern die Tagesernte zeitgleich an drei Sammelstellen ab. Innerhalb von wenigen Stunden werden die Beeren zusammen mit den Beeren vom Holderhof zu Saft weiterverarbeitet. Daraus entstehen später Sirup, Konfitüre oder Hustensirup. Auf einer Hektare Holunderbäume wachsen zwischen 7 und 12 Tonnen verwertbare Beeren.

Start in der landwirtschaftlichen Schule

Mit Holunder Geld verdienen? Wie das geht, zeigt der heute 27-jährige Christof Schenk. Begonnen hatte alles während seiner Lehre als Landwirt in der landwirtschaftlichen Schule in Flawil vor 10 Jahren. Noch während seiner Lehrzeit pflanzte er auf dem elterlichen Bauernhof die ersten Holunderkulturen und wurde zum Rohstofflieferanten für eine Sirup-Firma in Biel. Eigentlich wollte er den Holunder aber viel lieber zu eigenen Produkten verarbeiten. Die Diplomarbeit bot die Gelegenheit dazu. Mit der Entwicklung des Holunderblütenweins «Elderwood“ – einem Gemisch aus Weisswein und Holunderblütenextrakt –, schloss Schenk seine Landwirtschaftslehre erfolgreich ab. Damit war die Basis geschaffen: Sein ehemaliger Lehrer aus der Realschule gestaltete die Etikette, als Lagerraum diente eine alte Scheune. Im Alter von 20 Jahren lieferte Christof Schenk seine ersten Flaschen mit Holunderblütenwein an Restaurants in der Region.

Zuhören und handeln

Damit war der Unternehmergeist in Christof Schenk endgültig erwacht. Obwohl er nach der Lehre zuerst auf dem Betrieb des Vaters als Bauer arbeitete stand für ihn schon damals fest: Sein Geschäft war der Holunder. Er informierte sich bei den Fachleuten. «Ich hörte ihnen vor allem zu und redete wenig», sagt Schenk. Folgen liess er dann aber Taten. Zu Hause vergrösserte er sukzessive die Anbauflächen auf dem Betrieb des Vaters. Er ist damit die Nummer eins in der Schweiz. Anbauverträge mit anderen Bauern folgten. 18 insgesamt. Nachdem ihm der Abnehmer seiner Holunderblütenernte kurzfristig den Abnahmevertrag kündigte, begann er selber mit dem Extrakt zu experimentieren. Den passenden Partner für die Produktion seines Holunderblütenweins fand er in der Weinkellerei Gasser in Ellikon, die zum treuen Partner wurde. Die ersten Abnehmer für seine Spezialitäten fand er in Restaurants der Region und im eigenen Hofladen. Als der Engros-Markt CCA in Gossau seine Getränke ins Sortiment aufnahm, war das so etwas wie der Durchbruch.

Als die Landi-Gruppe zusätzlich eine Siruplinie lancierte, war Christof Schenk schnell zur Stelle. Wieder kam zuerst seine Lieblingskultur Holunder zum Einsatz. Entwickelt hatte er das Rezept nach Feierabend in der eigenen Küche: «Ich fragte meine Grossmutter um Rat.“ Die Ratschläge waren offenbar gut. Die Nachfrage stieg weiter an, neue Produkte wurden lanciert. Zum Beispiel das trendige Erfrischungsgetränk «Sambus» ein Gemisch aus Mineralwasser, Holunderblütenextrakt und Holunderbeersaft.

Chinesischen Markt erobern

Holunder liegt im Trend. Die Lebensmittelindustrie setzt den Extrakt immer häufiger ein. Bekannt sind die Hustenpastillen von Ricola. Die Bauern setzen auch deshalb wieder vermehrt ganz bewusst auf Holunder: Im letzten Jahr in der Schweiz auf einer Fläche von fast 20 Hektaren. Das waren fast doppelt so viel wie noch vor vier Jahren. «Die Ansprüche an die Produktion sind relativ gering, der Verdienst ist im Verhältnis ziemlich hoch», sagt Christof Schenk.
Seine Arbeitszeit verbringt Christof Schenk vor allem im Büro, in fremden Sitzungszimmern und im Auto. Für die Kulturen selber ist sein Vater zuständig. Als Angestellter der Holderhof Produkte AG sozusagen. Sohn Christof hingegen ist tagelang unterwegs auf der Suche nach Abnehmern von seinen Produkten und Partnern für neue Ideen. In diesem Jahr ist endlich ein Grossverteiler auf den Zug aufgesprungen. «Nach vielen vergeblichen Bemühungen, ist dieser jetzt sogar von selbst auf mich zu gekommen», sagt er stolz.
Doch Schenk will mehr. In Deutschland und Österreich hat er bereits Kunden. Nun will er den chinesischen Markt erobern. Seit diesem Jahr hat er einen Verkäufer eingestellt – ein Deutsch sprechender Chinese – der vor Ort den Markt bearbeitet. Schenk träumt von zweistelligen Millionenumsätzen und hat ein grosses Ziel: «Ich möchte in der Schweiz die Nummer Eins im Handel mit Holunderprodukten werden.»

www.holderhof.ch

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