Blattsaftanalysen in Gemüsekulturen: «Blutbild» der Pflanze gibt Hinweise

Eine Blattsaftanalyse liefert wertvolle Hinweise darüber, welche Nährstoffe tatsächlich in der Kultur ankommen. Im Ausland ist die Methode schon fast Standard, in der Schweiz wird sie aber erst zurückhaltend genutzt.

Mobilisierung der Mineralien in der Pflanze: Defizite von N, Kalium, Magnesium und Phosphor treten zuerst in älteren Blättern auf.

Die bedarfsgerechte Düngung wird immer wichtiger. Zum einen macht die Politik mit der geplanten Absenkung des Düngereinsatzes Druck, zum anderen ist man bei den aktuellen Düngerpreisen froh um jedes eingesparte Kilogramm. Doch eigentlich gibt es noch einen mindestens so bedeutenden Grund: Optimal mit Nährstoffen versorgte Kulturen sind widerstandsfähiger gegen Krankheitserreger und erfüllen die strengen Qualitätsanforderungen der Abnehmer besser. Mit der Nmin-Analyse wird der im Boden für die Pflanze verfügbare Stickstoff bestimmt. Der Wert sagt aber wenig darüber aus, was die Pflanze schlussendlich tatsächlich aufnimmt. Oft richtet sich der Blick zu einseitig auf die Stickstoffversorgung. Diese kann aber beispielsweise durch einen Magnesium-Mangel in der Pflanze blockiert sein. Was auf dem Feld nach einem Stickstoffmangel aussieht, ist dann in Wahrheit ein Magnesium-Problem. Auch ein Spurenelement wie Kobalt spielt eine wichtige Rolle bei der Umwandlung von Stickstoff. Oder: Fruchtgemüse wie Tomaten und Gurken brauchen ausreichend Calcium für die Entwicklung einer festen Schale, diese sorgt wiederum für eine längere Haltbarkeit.

Die Herausforderung ist das Erreichen des optimalen Gleichgewichtes zwischen allen Nährstoffen. Mit einer Blattsaftanalyse können wichtige Nährstoffgehalte, Spurenelemente, die elektrische Leitfähigkeit (EC), pH oder Zuckergehalt in der Kultur bestimmt werden. Wie ein Blutbild beim Menschen ermöglicht die Analyse schnell Aussagen über den aktuellen Zustand der Pflanze. Ein Mangel kann falls nötig mit einer Nachdüngung schnell korrigiert werden. Noch nutzen allerdings wenige Gemüsegärtnerinnen und -gärtner in der Schweiz diese Analyse-Möglichkeit.

Auszug der Resultate einer Blattsaftanalyse in Tomaten.

Schnelle Korrektur ist möglich

Eine regelmässig durchgeführte Blattsaftanalyse ist ein Hilfsmittel, um präventiv eine Unterversorgung und damit Schädigungen in der Kultur gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das holländische Unternehmen NovaCropControl zählt zu den wenigen Anbietern in Europa, die seit vielen Jahren ausführliche Blattsaftanalysen mit Beratung anbieten. Die Hauptkundschaft bilden Gewächshausbetriebe. «In diesen können Mangelsituationen in Kulturen mit der Anpassung der Nährlösung über das Giesswasser schnell korrigiert werden», erklärt Eric Hegger von NovaCropControl. Doch auch Freilandbetriebe würden das Angebot zunehmend nutzen, was vor allem die Folge von verschärften Düngervorschriften und weniger verfügbaren Pflanzenschutzmitteln sei. Allerdings sei es dort etwas schwieriger, weil die Korrektur mit einer Kopfdüngung länger dauern würde. «Rund 85 Prozent der holländischen Gewächshausbetriebe führen regelmässig Blattsaftanalysen durch», sagt Eric Hegger von NovaCropControl. Auch viele Gemüsegärtner aus Deutschland und Österreich würden ihre Blattproben zur Analyse nach Holland einschicken. Das Interesse aus der Schweiz sei im Vergleich aber noch gering. Das bestätigt übrigens auch Dr. Bernhard Pottmann vom gleichnamigen Labor in Österreich, der neben NovaCropControl in Europa seit Jahren Blattsaftanalysen durchführt.

Passt zum Nachhaltigkeitstrend

Zu Pottmanns Kundschaft zählt Paul Ruser, Bereichsleiter des Gewächshauses der Gebrüder Meier in Hinwil. Der Vergleich des Safts von alten und jungen Blättern gebe einen guten Hinweis darauf, wie und ob die Nährstoffe verlagert werden, sagt er. Bisher habe man diese Möglichkeit allerdings noch zu wenig genutzt, oft erst, wenn Schäden aufgetreten seien. Gerade bei langstehenden Warmpflanzen wie Tomaten, Gurken oder Auberginen sei es aber sinnvoll, regelmässig Blattproben analysieren zu lassen, um reagieren zu können, bevor es zu Problemen komme. Durch die Analyse werde die optimale Nährstoffzufuhr für die Pflanzen gewährleistet und die Photosyntheseleistung positiv beeinflusst. « Dies zeigt sich in höheren Erträgen und besserer Abwehrkraft gegenüber Krankheitserregern», erklärt Ruser. Durch die gezielte Anwendung könne zudem Dünger reduziert werden. Da seien die Kosten für die Analysen vernachlässigbar. Er ist überzeugt, dass Blattsaftanalysen gut zum aktuellen Nachhaltigkeitstrend passten, weil man cleverer produzieren und Ressourcen schonen könne.

www.novacropcontrol.nl
www.drpottmann.at

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