Die Abtrünnigen von Giubiasco

Matteo und Davide Cattori vermarkten ihr Gemüse nicht mehr über die Genossenschaft FOFT, wie das ihr Vater, Grossvater und Urgrossvater machte.

Seit Anfang Jahr vermarkten Mattia und Davide Cattori ihr Gemüse nicht mehr wie früher über die Genossenschaft Foft sondern auf eigene Faust. Mit der Neuorientierung wollen sie den Betrieb in eine bessere Zukunft führen.

Der Schritt war radikal. Doch mit dem Austritt aus der Federazione Orto-Frutticola Ticinese (FOFT) auf Ende 2018 beschlossen die Brüder Mattia (28) und Davide (32) Cattori, ihren Gemüsebaubetrieb Agrotomato SA in Giubiasco neu auszurichten. Weiter wie bisher war für sie keine Option mehr. Wie bisher heisst: Über 80 Jahre Mitgliedschaft bei der Genossenschaft FOFT, die einst sogar von ihrem Urgrossvater gegründet wurde. Die Familie Cattori war Jahrzehnte quasi ein Teil der FOFT, die etwa 70 Prozent des Tessiner Gemüses vermarktet. Der kürzlich verstorbene Grossvater Carlo war viele Jahre Präsident, Davide war bis zum Austritt im Vorstand. Doch nun wollten die Cattoris das Zepter wieder mehr in die eigenen Hände nehmen. «Für uns war der Zeitpunkt gekommen, etwas Neues zu beginnen», sagt Davide Cattori. Nicht nur als Mitglied des Leitenden Ausschusses des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) pflegte er schon immer gute Kontakte in der deutschen Schweiz, er machte dort auch den grössten Teil seiner Ausbildung. Ennet des Gotthards sah er, dass es durchaus möglich ist, das eigene Gemüse selbst zu vermarkten. «Wir sind überzeugt, dass das auch bei uns funktioniert.» Freunde haben sie sich mit dem Alleingang in der Region nicht gemacht, denn ein neuer Player auf dem überschaubaren Tessiner Markt schüttelt dort die ganze Branche durch. «Die Reaktionen waren teilweise heftig», sagt Davide Cattori. Doch sie ziehen ihr Ding durch.

Investitionen für Logistik waren nötig

Mattia und Davide Cattori bauen in der Magadino-Ebene auf 20 Hektaren Gemüse an, davon sind drei Hektaren im Gewächshaus. Jahrelang hatte man von dort vor allem Tomaten an die FOFT-Zentrale nach Cadenazzo geliefert. Mit der Neuausrichtung erweiterten die beiden die Produktepalette unter anderem um Auberginen und Datteltomaten. Im Freiland kamen Sellerie, Spinat und Kürbisse dazu. Für den grössten Teil der Vermarktung ist nun Marco Colombo und die Firma Tre Valli Gastropartner SA zuständig. «Colombo arbeitet für uns im Auftragsverhältnis», erklärt Davide Cattori. 

Seit diesem Jahr produzieren die Cattoris neu Auberginen.

Als wichtiger Abnehmer konnte ein Discounter gewonnen werden. Dazu kommt Vertragsanbau mit Industriegemüse. Diese Verträge abzuschliessen sei relativ einfach gewesen. «Unsere Anfragen bei der entsprechenden Firma wurde schnell positiv beantwortet», erklärt Davide Cattori. 90 Prozent ihrer Ware geht in die deutsche Schweiz. Für den Transport und die Logistik müssen sie jetzt selbst schauen. Zusätzlich zur bereits verhandenen Verpackungsmaschine schafften sie sich zu diesem Zweck eine Kalibrier- und eine Etikettierungsmaschine an. «Diese Arbeiten sind relativ neu für uns», sagt Davide Cattori. Auch deshalb wurde der Personalbestand in diesem Jahr während der Hauptsaison um zehn Leute auf nun 40 aufgestockt. 

Sechste Generation steht bereit

Mit dem Verlauf der ersten Monate als «freie» Gemüsegärtner sind die beiden zufrieden. Sie hoffen, dass sich die Gemüter im Tessin bald beruhigen werden. Den Entscheid haben sie noch keine Sekunde bereut. Sie sind zuversichtlich, dass der Betrieb dereinst auch eine Lebensgrundlage für die sechste Generation der Cattoris bieten wird. Mattia ist seit etwas mehr als einem Jahr Vater.

www.agrotomato.ch

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