Globaler Brand für Avocado

Der mexikanisch stämmige US-Amerikaner Xavier Equihua ist globaler Avocado-Lobbyist.

Avocados boomen weltweit. Die grössten Anbauländer haben sich zu einer Organisation zusammengeschlossen, um den weltweiten Absatz zu fördern. Sie kämpft aber vor allem auch gegen Negativpresse.

Xavier Equihua ist nicht gut zu sprechen auf europäische Journalisten. Diese wagten es im letzten Jahr gleich mehrmals «seine» Avocado und die Industrie dahinter kritisch zu hinterfragen. Der CEO der World Avocado Organization (WAO) kommt insbesondere beim jeweils stark kritisierten hohen Wasserverbrauch in Rage. Das seien doch alles Fake News, sagt er in seinem Referat an der Fruit Logistica in Berlin im Februar. Er zeigt die Folie, die er in diesen Momenten wohl immer zeigt, mit dem Vergleich des Wasserverbrauchs von verschiedenen Landwirtschaftsprodukten. Die 1000 Liter für die Produktion von einem Kilogramm Avocado stehen hier 15’000 Litern für die gleiche Menge Rindfleisch oder noch viel mehr für Schokolade gegenüber. Wer sich nachhaltig verhalten wolle, müsse deshalb Avocados und weniger Wiener Schnitzel essen, sagt der Avocado-Lobbyist. Um sogleich zur Lobeshymne auf die tollen Eigenschaften der Avocado bezüglich ihrer Nährstoffe anzusetzen, die sich äusserst positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen auswirkten. Er kommt zum Schluss: «Sie entscheiden, ob sie Junk-Food oder für deutlich weniger Geld gesunde Avocados essen wollen». Die WAO wurde von Avocadoproduzenten der zehn wichtigsten Anbau-Länder gegründet und hat ein Ziel: Den Absatz von Avocado insbesondere in Europa zu pushen. Nötig ist das eigentlich gar nicht, denn die Avocado ist längstens zur Superfood-Ikone geworden, auch in der Schweiz. In den letzten zehn Jahren haben sich die Verkäufe hier mehr als verdreifacht.

Goldgräber-Stimmung

An der Fruit Logistica in Berlin gibt es jedes Jahr mehr Stände von Avocado-Händlern.

Zurück zu Xavier Equihua: Auf Zeitungsberichte angesprochen, wonach Avocado-Plantagen in trockenen Gebieten in Chile oder Mexiko der Bevölkerung das knappe, lebenswichtige Wasser wegnehmen würden, reagiert der US-Amerikaner mit mexikanischen Wurzeln gereizt. «In Mexiko regnet es genug, das Wasser kommt ganz natürlich von oben.» Für viele traditionelle Avocado-Anbaugebiete trifft dies zweifellos zu. Es ist kein Zufall, gilt Mexiko als Wiege der Avocado, das subtropische Klima ist dort prädestiniert für deren Anbau. Doch natürlich hat die grüne Frucht – eigentlich ist sie botanisch eine Beere – längstens ihre Unschuld verloren. Nicht mehr Kleinbauern, sondern grosse Plantagenbetreiber prägen den Anbau heute. Und das auf allen Kontinenten und eben auch in trockenen Gebieten. Die wichtigsten Avocado-Produktionsländer sind Mexiko, Chile, Peru, Kolumbien und Südafrika. Angebaut werden sie aber in grosser Zahl auch in den USA, Spanien, Israel, Kenia, Australien oder Neuseeland. Und selbst in China stehen erste Avocado-Plantagen; in der wachsenden Mittelschicht in China gehören die Avocados zum Lifestyle und sind alltäglich geworden. Die globale Nachfrage explodiert auch deshalb und die Preise sind attraktiv. Kenia hat Südafrika mittlerweile als wichtigstes afrikanische Anbauland überholt. Immer mehr Bauern ersetzen die Kaffeebäume durch Avocados, mit der sie bis zu zehn Mal mehr verdienen. Das Klima ist dort ideal, es regnet häufig und der Boden ist fruchtbar. Dazu blieben dort offenbar die kleinbäuerlichen Strukturen erhalten. Es herrscht wie überall Goldgräber-Stimmung.

Auf dem Weg zum Massenprodukt

Die meisten Avocados werden in klimatisierten Schiffcontainern nach Europa transportiert, es gibt aber auch Flugtransporte wie hier beispielsweise aus der Dominikanischen Republik.

Das ist ganz im Sinne des Avocado-Lobbyisten Xavier Equihua. Seine Organisation lässt unter dem globalen Brand «Avocado – Fruit of Life» bunt bemalte Busse durch London fahren und heuert Influencer an, welche die frohe Botschaft gezielt über Social-Media-Plattformen verbreiten. Die gesundheitlichen Aspekte stehen dabei im Vordergrund: Wer Avocados isst, erleidet weniger oft einen Herzinfarkt ist eine zentrale Botschaft. Equihua vergleicht den Avocado-Brand mit dem des Turnschuh-Herstellers Nike, den jeder auf der Welt kennt. Das ist die Liga, in der er spielen will. «Erstmals schafft es ein generisches Agrarprodukt, zu einem globalen Brand zu werden», sagt er stolz. Die Avocado ist überhaupt zum Symbol der Globalisierung geworden, dazu passt ja auch die Tatsache, dass die Saisonalität in der Vermarktung praktisch keine Rolle spielt, weil mittlerweile zu jeder Jahreszeit irgendwo auf dem Planeten genug Avocados geerntet werden können, um die globale Nachfrage zu befriedigen. Erste kritische Stimmen warnen zwar bereits vor einem drohenden Preissturz wegen einer möglichen Überproduktion. Doch die Euphorie dominiert zurzeit noch das Geschehen. Es wäre aber nicht das erste Premium-Produkt im Agrarbereich, das den Weg zum auswechselbaren, billigen Industrieprodukt gehen würde. Der Lachs lässt grüssen.

Mehr Bioanbau

Auch der biologische Anbau von Avocados nimmt zu.

In der Schweiz hat die Avocado mittlerweile ihren festen Platz in den Obst- und Gemüseabteilungen erobert, selbst in bäuerlichen Hofläden trifft man sie an. «Das Produkt ist beliebt und die Nachfrage nimmt seit Jahren stark zu», sagt Andrea Bergmann von Coop. Die wichtigsten Avocado-Einfuhrländer waren letztes Jahr Peru, Chile, Spanien, Südafrika und Israel. Sowohl Migros und Coop schreiben sich die Nachhaltigkeit bekanntlich gross auf ihre Fahnen. Auch deshalb zählt Spanien zu den wichtigsten Einfuhrländern, weil die Transportwege kurz sind. Doch in Spanien kämpfen die Bauern mit hohen Landpreisen und Wasserknappheit. Sowohl bei Migros und bei Coop müssen die Lieferanten globalGAP-zertifiziert sein, was die Einhaltung von Mindestanforderungen in Sachen Umwelt und Wasserhaushalt vorschreibt. Coop verbietet ihren Avocado-Lieferanten zudem die Nutzung von Grundwasser aus nicht erneuerbaren fossilen Wasservorräten. Und natürlich verkaufen beide Grossverteiler Avocados aus biologischem Anbau. Sie machen bei Coop einen Viertel aus, bei Migros 20 Prozent und kommen hauptsächlich aus Spanien. Equihua bestätigt einen Trend zum Anbau von mehr Bio-Avocados. Beide Grossverteiler hatten bisher noch keinen ernsthaften Kontakt zu seiner WAO. «Die Schweiz ist ein teures Pflaster für Werbung», erklärt Equihua. Man setze hier deshalb mehr auf Social Media. Doch für ihn ist vor allem eines wichtig: Hauptsache, es liegt möglichst oft eine Avocado im Teller. Denn Sie wissen schon: sie sind cool und gesund.

www.avocadofruitoflife.com

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