Mit den Jät-Ferraris unterwegs

Das Jät-Team von Biogemüsegärtner Stefan Brunner steht jetzt im Dauereinsatz. Allerdings nicht auf den eigenen Flächen, sondern vor allem auswärts auf fremden Gemüsebaubetrieben. Für diese lohnt sich die Auslagerung der Jätarbeiten. 

Gute Ideen entstehen oft unverhofft: Als es in der Heidelbeerplantage von Stefan Brunner in Aarberg BE vor zwei Jahren wegen zu viel Staunässe plötzlich keine Früchte mehr zu ernten gab, standen auch die engagierten Erntehelfer ohne Arbeit da. «Wir telefonierten bei Kollegen herum und fragten, ob wir unsere Leute für Jätarbeiten bei ihnen beschäftigen könnten», sagt Lukas Camenzind. Zwei Jahre später koordiniert er auf dem Eichhof den eigenen Betriebszweig «Jäten im Lohn». Seine derzeit 25 Erntehelferinnen und -helfer aus Rumänien und eine aus den Philippinen sind praktisch täglich und bei jedem Wetter auf fremden Gemüse- oder Kräuterfeldern unterwegs. Und die Auftragsbücher sind für dieses Jahr bereits gut gefüllt.

An diesem Morgen dauerte die Anfahrt auf ein Zwiebelfeld in Madiswil fast eine Stunde. Die Gruppe mit 9 Leuten stellt zuerst die «Jät-Ferraris» zusammen, wie Betriebsleiter Stefan Brunner die Geräte bezeichnet. Sie ermöglichen ein effizientes und bequemes Jäten und sind von der Marke Eigenbau. Die ersten paar Geräte schweisste der Seniorchef noch aus alten Fahrrädern zusammen. «Doch die luftgefüllten Reifen hatten auf den Äckern oft einen Plattfuss», sagt Camenzind. So sei man auf die Rollstuhlräder mit Vollgummipneus gekommen. Die neuste Generation der Jät-Ferraris bestehen seit diesem Jahr aus Alu. Wegen dem leichteren Gewicht, lassen sie sich nun auch einfacher transportieren.

Stefan Brunner hat die Jät-Ferraris selbst entwickelt. Er verkauft sie auch an interessierte Berufskollegen.

Für das ein Hektar grosse Zwiebelfeld in Madiswil rechnet Camenzind mit drei bis vier Tagen Arbeit. Pro Person und Stunde verlangt er 23 Franken, Anfahrtszeit inklusiv. Pro Tag macht das für Zwiebelanbauer und Auftraggeber Simon Schenk mehr als 2000 Franken. Doch für ihn lohnt sich das Auslagern der Jätarbeiten: «Die Qualität der Zwiebeln ist schlussendlich deutlich besser und sollte deshalb mit dem Abnahmepreis bezahlt sein». Und ihm selbst fehlen die Leute für diese Arbeiten. Die Kundschaft der Lohnjäterei vom Eichhof besteht zum einen aus kleineren Bauernbetrieben wie dem von Simon Schenk, für die es sich nicht lohnt, mehr Personal anzustellen und denen es zudem oft an Unterbringungsmöglichkeiten für dieses fehlt. «Grosse Gemüseproduzenten andererseits nutzen das Angebot, um ihre Arbeitsspitzen zu brechen», sagt Camenzind. Dabei erledige das Team alle Arbeiten, die von Hand gemacht werden müssen, auch Erntearbeiten.

Die Mehrheit der Betriebe sind Biobetriebe, die keine Herbizide einsetzen dürfen. Da die mechanische Unkrautbekämpfung in Zukunft wieder bedeutender werden könnte, werden aber vielleicht bald auch mehr konventionellen Gemüseproduzenten vom Angebot Gebrauch machen.

www.brunnereichhof.ch

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