Der Verkaufsautomat wird salonfähig

Thomas Stuber ist Experte für Verkaufsautomaten. 

24-Stunden-Shopping macht auch vor Hofläden nicht halt. Nicht nur deshalb arbeiten immer mehr Gemüsegärtner mit Verkaufsautomaten. Und: Es gibt ein Kundensegment, das anonymes Einkaufen auf dem Bauernhof durchaus schätzt.

Karotten gestohlen? Kasse geplündert? Klingeln an der Haustüre am Sonntagmorgen? Viele Betreiber von Hofläden können ein Lied davon singen. Auch deshalb schaffen sich immer mehr Gemüsegärtner einen Verkaufsautomaten an. Thomas Stuber verkauft solche Geräte seit bald zwanzig Jahren. Der Ackerbauer aus Gächliwil SO suchte einst selbst nach einer Lösung, wie er sein ab Hof vermarktetes Brot effizienter und mit weniger der genannten Begleiterscheinungen an die Kundschaft bringen konnte. Gestört hatte ihn zudem, dass die Leute die Ware mit ihren Händen mehrmals herumschoben. Die Lösung war der Automat. Heute verkauft er in seinem Hof-Laden zwar immer noch selbst gebackenes Brot. Doch in erster Linie dient er nun seiner Firma Agridee als Demo-Raum für den Verkauf der verschiedenen Gerätetypen.  Mehr

Solarstrom als Wärme speichern

Christian Müller nutzt einen grossen Teil des Solarstroms gleich auf dem Betrieb.

Die Solaranlage von Christian Müller rentiert, weil er 75 Prozent seines Solarstrom selbst verbraucht. Als Batterie nutzt er seine Warmwasserboiler. Eine «richtige» Batterie war beim Anlagenbau vor drei Jahren noch zu teuer.

Solarmodule sind heute nur noch ein Viertel so teuer wie vor zehn Jahren. Eine produzierte Kilowattstunde Solarstrom von einer neu installierten Anlage kostet durchschnittlich noch 13 Rappen. Bei grösseren Modulflächen liegt der Preis deutlich tiefer. Der Sonnenstrom ist also günstiger als der vom örtlichen Stromanbieter eingekaufte Strom, der durchschnittlich inklusiv Netznutzungskosten 20 Rappen kostet, je nach Region aber sogar deutlich teurer ist. Daraus ergibt sich das Geschäftsmodell für sogenannte Eigenverbraucher-Solaranlagen: Mit jeder selbst erzeugten und an Ort und Stelle verbrauchten Kilowattstunde Solarstrom spart man das Geld für den sonst zugekauften Strom. Je höher der Eigenverbrauch-Anteil, desto besser. Es gibt heute schon landwirtschaftliche Betriebe, welche die Modulfläche gezielt so ausgelegt haben, dass sie 100 Prozent des eigenen Solarstroms zeitgleich vor Ort in Kühlräumen und Verarbeitungsanlagen nutzen können. Überflüssigen Strom zurück ins öffentliche Netz zu liefern ist nicht interessant, weil die Rückeinspeisungstarife durchschnittlich nur bei 8 bis 9 Rappen liegen, also unter den Produktionskosten. Doch nicht jeder Bauernhof verfügt über genügend mit Strom betriebene Geräte und Anlagen, die während dem Tag laufen und genug Solarstrom verarbeiten können. Sie müssen diesen vorübergehend speichern können, um den Eigenverbrauch zu optimieren. Das muss nicht zwingend in Batterien aus Lithium oder Blei sein. Es gibt einfachere, wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Speicher-Lösungen, beispielsweise thermisch in Wärmeboilern. Mehr

Autonome Agrarroboter warten auf Durchbruch

Eine Aktivistengruppe unterbrach das Gremium der Agrarroboter-Experten. Sie betrachten die Roboter auf den Feldern als Handlager der industriellen Landwirtschaft.

In Toulouse traf sich letzte Woche die Agrarrobotik-Fachwelt. Die Euphorie unter den Experten war gross, obwohl vieles noch in der Testphase steckt.  

Der Vertreter von John Deere ist in seinem Referat gerade bei den Schwarmrobotern angekommen, als die Tür im Saal am Nachmittag aufgeht und eine Gruppe von Aktivisten vor dem verdutzten Publikum ihr Transparent aufspannt: «DES PAYSANS, DES ANIMAUX: PAS DE ROBOTS». Der Anlass ist bewusst gewählt: Am internationalen Agrarroboter Forum (Fira) in Toulouse trifft sich am 11. Und 12. Dezember gerade die internationale Gemeinschaft der Agrarrobotik zum fachlichen Gedankenaustausch. Am Vormittag wurde an den Referaten euphorisch Mehr

Digital gegen Frost und Schorf

Obstproduzent Urs Haag besitzt eine eigene Wetterstation, die Daten direkt auf sein Mobiltelefon liefert. Sie helfen ihm bei Entscheiden, die er aber am Ende immer noch selbst fällt.

Jeweils am Samstag wechselte Urs Haag die Papierrolle des alten Blattnassschreibers mit den aufgezeichneten Daten aus. Auf dem Papier war sauber aufgezeichnet, was während der Woche in der Obstanlage wettermässig abging: Regenmenge, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Blattnasszeit. Das funktionierte Jahrzehnte lang gut. Doch es kam, wie es kommen musste: Der Obstproduzent aus Hüttwilen TG wurde von der Gegenwart eingeholt. «Als ich keine Ersatzrollen mehr erhielt, musste ich mich nach einer neuen Lösung umsehen», sagt er. Deshalb steht dort nun seit zwei Jahren eine mit SIM-Karte ausgerüstete Wetterstation des Typs iMetos der Firma Pessl Instruments mit Feldmessgeräten. Mehr

Dank Digitalisierung mehr Freiheit

Frau Zude-Sasse an einer Obstbautagung in diesem Sommer.

Präzisere Daten von Sensoren helfen den Obstproduzenten bei der Ertragsoptimierung. Einen praktischen Vorteil der Digitalisierung sieht die die Forscherin Manuela Zude-Sasse in der räumlich unabhängigen Verfügbarkeit von Informationen.

Wetterstationen sammeln Daten, auf die der Obstproduzent über das Mobiltelefon zugreifen kann. Viel mehr Digitalisierung ist in den Anlagen zurzeit noch nicht zu sehen.
Manuela Zude-Sasse: Das Beispiel zeigt doch, dass die Digitalisierung im Obstbau längstens angekommen ist. Die zeitliche und räumliche Entkoppelung von jederzeit verfügbaren Daten ist ein wichtiger Teil davon. Der Obstanbauer muss nicht mehr täglich zu einer bestimmten Zeit zur Station hinlaufen, um die Daten abzulesen, sondern kann diese von zu Hause aus abrufen. Das bringt ihm doch ein bisschen mehr Freiheit.

In den Medien liest man aber eher von «sprechenden» Pflanzen, Drohnen oder Ernterobotern. Ist das mehr als ein medialer Hype?
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Bauern profitieren von Solarstrom

Selbst produzierter Solarstrom ist in vielen Fällen günstiger wie der vom Elektrizitätswerk zugekaufte Regelstrom. Deshalb werden immer mehr Bauernfamilien zu Eigenverbrauchern. Die Rechnung geht für sie mehr als auf.

Es war ein Jahr der Extreme. Die vielen Hitzetage und vor allem die Trockenheit bereiteten vielen Landwirten Sorgen. Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht: An den meisten Orten in der Schweiz war das übliche Jahres-Soll an Sonnenstunden bereits Ende September erfüllt. Und das freute besonders die Betreiber von Photovoltaikanlagen, zu denen viele Bauern gehören. Fast ein Viertel des Schweizer Solarstroms kommt von Dächern auf landwirtschaftlichen Gebäuden. Nachdem die Zahl der neuinstallierten Photovoltaikanlagen in der Schweiz in den letzten Jahren auch in der Landwirtschaft stagnierte, scheint sich das Blatt nun wieder zu wenden. Die Produktion von Solarstrom ist heute in vielen Fällen rentabel, vor allem wenn man ihn selbst vor Ort verbraucht. Mehr

Meeresspargel für die Gourmetküche

Der Anbau von salzliebenden Pflanzen drängt sich in Gebieten mit Meeresanstoss auf. Ein holländischer Landwirt baut die bei uns noch wenig bekannte Salicarnia an. Der Anbau im Gewächshaus wäre theoretisch auch bei uns möglich.

Ein grosser Teil der landwirtschaftlichen Flächen der Brüder Maarten und Hubrecht Janse in Wolphaartsdijk werden erst seit 50 Jahren kultiviert. Der Ort liegt an einem salzigen Binnengewässer, das im Einfluss der nicht weit entfernten offenen Nordsee liegt. Ihr Grossvater hatte dem von den Gezeiten geprägten Gewässer mit Hilfe von Deichen Land abgerungen und fruchtbar gemacht. Heute wachsen dort Kartoffeln, Zuckerrüben und Weizen. Doch ein Teil der Böden ist zu salzig, weshalb sich Hubrecht Janse dort auf den Anbau von salzliebendem «Meeresgemüse» spezialisiert hat. Das Hauptprodukt ist der bei Gourmets beliebte Queller – auch Meeresspargel oder Salicorna genannt – aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Die Pflanze kommt natürlich in Küstenregionen vor, wo sie von der Flut regelmässig überspült und dann von der Ebbe wieder freigegeben werden. Der knackige Meeresspargel nimmt dabei viel Meersalz auf, was ihm den typischen Geschmack gibt. Mehr

Mit 100 km/h in den Container



Gemüseproduzent Sepp Egger suchte eine Lösung, um die grossen Mengen von Rüstabfällen schnell und unkompliziert von der Halle in den Grüncontainer zu transportieren. Er hat sich für ein automatisches Saugsystem entschieden.

Das Förderband mit den Eisberg-Rüstabfällen setzt sich einmal in der Minute für ein paar Sekunden in Bewegung. Am Ende verschwindet die Ware in einem Loch und saust mit bis zu 100 km/h durch ein Rohrsystem aus der Halle heraus zum Container mit den Grünabfällen. Die stark wirkenden Kräfte zerkleinern das Grüngut auf der bis zu 100 Meter langen Reise durch die Rohre bis es stark zerkleinert herauskommt. «Selbst ein ganzer Knollensellerie kommt dort nur noch kleinverstückelt heraus», sagt Bruno Villiger. Er und seine Söhne haben die Anlage in der neuen Verarbeitungshalle der Egger Gemüsebau in Bürglen TG konstruiert und aufgebaut. «Dank der Anlage kann ich zwei Arbeitskräfte einsparen», sagt Gemüsegärtner Sepp Egger. Rund 90 Tonnen Rüstabfälle fallen bei ihm während der Saison pro Woche an, die sonst mühsam von Hand und mit Staplern herumgekarrt werden müssten. Das Entsorgungsmanagement musste Egger leicht anpassen. Denn nun passt zwar mehr vom verdichteten Material in den Container, dieser ist nun aber deutlich schwerer als vorher.    Mehr

Exoskelette für die Blumenkohl-Ernte

Skizze eines Exoroboters aus der Industrie. (Quelle: Wikipedia)

Im Raum Bodensee wird in einem Projekt nach konkreten Bauteilen der digitalen Landwirtschaft geforscht. Den Anfang machen Blumenkohl, Broccoli und Romanesco, bei denen die Ernte bald ganz futuristische Züge annehmen könnte.

Er sieht aus wie ein Handschuh, kann aber viel mehr. Der Erntearbeiter stülpt ihn über, eine Computerstimme leitet ihn an den Ort, wo es reifen Blumenkohl zu ernten gibt. Eine grobe Handbewegung reicht dort und die Greifzange fährt automatisch in Richtung Blumenkohlkopf aus und setzt das Messer zum sauberen Schnitt an. Allerdings nur, wenn das System ihn als genug gross und reif erkennt. Denn die mobile Erntehilfe ist vollgepackt mit Sensoren und registriert jede Bewegung und jede auf dem Feld ausgeübte Arbeit und macht den Acker gläsern. In der Industrie und Logistik stehen solche Exoskelette bereits heute im Einsatz. Es handelt sich dabei um eine Art tragbare Roboter, welche den Träger bei der Arbeit sowohl mechanisch aber auch mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf dem Gemüsefeld sind Exoskelette erst eine Vision, an deren Verwirklichung aber trotzdem ziemlich konkret gearbeitet wird. Mehr

BigData auf dem Gemüsefeld: Kontrolle über Daten behalten

Mobile Aufzeichnungs- und Planungssoftware sammeln fast unendlich viele Informationen und Daten. Obwohl für viele Gemüsegärtner der Nutzen überwiegt, fühlen sich einige unwohl dabei. Sie fragen sich: Was passiert mit den Daten?

Wenn Hagel das Salatfeld zerstört oder Starkregen die frisch gepflanzten Setzlinge flutet, bringt das jeden Gemüsegärtner emotional an seine Grenzen. Möglicherweise als Teil der Verarbeitung posten immer mehr Betroffene die Bilder der Zerstörung in den sozialen Medien. Geteiltes Leid ist schliesslich halbes Leid. Dass sie als Informationen gewinnbringend weiterverwendet werden können, ist zurzeit zwar vermutlich noch kein Thema. Es könnte aber zu einem werden. Denn: Wissen ist Macht und Daten sind die Währung der Zukunft. Der Social Media-Gigant Facebook verfügt dank der regen Tätigkeit von seinen 2,5 Milliarden Nutzern über riesige Mengen von Daten, die sich mit geeigneten Algorithmen gewinnbringend vermarkten lassen. Mehrfach gepostete Bilder von schneebedeckten Salatfeldern in Spanien bilden beispielsweise eine Datenbasis für mögliche Ernteprognosen, die das Marktgeschehen nicht nur in Europa beeinflussen können. Letztlich liegt es bei Facebook, Instagram oder Whatsapp noch in der direkten Verantwortung der Gemüsegärtner, welche Informationen sie auf den sozialen Medien über ihren Betrieb und ihre Person kundtun wollen. Mehr