Wildernte von Bärlauch

Wer Bio-Bärlauch verkaufen möchte, muss sicherstellen, dass auf der
Parzelle keine Pflanzenschutzmittel
verwendet worden sind.  

Bärlauch ist im Frühling so etwas wie der erste Vorbote der neuen Gemüsebau-Saison. Geerntet wird er direkt im Wald. Wer grössere Mengen schneidet und keinen Ärger will, sollte sich mit der Gemeinde oder dem Waldeigentümer absprechen.

Saisonaler, regionaler und natürlicher geht es kaum: Der Bärlauch wächst bei uns nur von März bis Mai, abhängig vom Standort und Klima. Obwohl Gemüsegärtner immer wieder versuchen, den Bärlauch selbst anzubauen, stammt die vermarktete Ware in den überwiegenden Fällen aus dem Wald, wo die Bedingungen ideal sind, und er wild geerntet wird. Aber was heisst schon wild? «Unsere Leute haben immer die offizielle Bewilligung der Gemeinde und Landbesitzer dabei, wenn sie am Ernten sind», sagt Ueli Mäder von Mäder Kräuter AG in Boppelsen ZH. Denn natürlich reagieren Waldspaziergänger manchmal irritiert, wenn da zwölf Männer mit weissen Latex-Handschuhen am Bärlauch schneiden sind. Diese aus dem Boppelser Wald sind sogar biozertifiziert, weshalb es für den Biokontrolleur zusätzlich eine Bestätigung braucht, dass keine Insektizide beispielsweise gegen den Borkenkäfer gespritzt wurden. Und natürlich ist Mäder verpflichtet, den Bestand nicht zu übernutzen, was aber letztlich auch in seinem Interesse ist. Mehr

Kohlekraftwerk zu Wärmespeicherkraftwerk umnutzen

Kohlekraftwerke sollen zu sauberen Wärmespeicherkraftwerken umgebaut werden. (Bild: DLR)

Speichertechnologie sind eine wichtige Komponente in der Energiewende. An der Fachmesse Energy Storage Europe in Düsseldorf wurden grosse und kleine Lösungen vorgestellt.

Die Sonne liefert alleine eigentlich genug Energie, um die Menschheit sauber durch die Zukunft zu führen. Das Problem: Es fehlt an genügend Speichersystemen, welche die unregelmässig anfallenden Energien aus erneuerbaren Quellen für die Nutzung vernünftig verfügbar machen. Doch die Experten sind sich einig: Für die Energiewende braucht es Speicherlösungen. An der Energy Storage Europe in Düsseldorf im März stellten Firmen die aktuellsten Entwicklungen vor. Parallel dazu fanden Fachkonferenzen zu allen Energiespeicher-Technologien statt. Mehr

Fair produzierter Batteriespeicher aus der Schweiz

Max Ursin will die Salzbatterie in der Schweiz im Heimbereich etablieren.

Salzbatterien sind umweltfreundlich, robust, sicher und nicht teurer als Lithiumbatterien. Sie eignen sich besonders als stationäre Heimspeicher. Diesen Markt will die Firma Innovenergy aus dem Berner Land nun mit seiner lokal gefertigten Salzbatterie erschliessen.

Ehrensache, dass Max Ursin im Elektroauto zum Bahnhof nach Meiringen kommt. «Es läuft mit Strom aus einer Salzbatterie», erklärt er seinem Besucher. Womit wir mitten im Thema wären. Mit seiner Firma Innovenergy GmbH arbeitet er seit ein paar Jahren daran, umweltfreundliche Batterietechnologie auf Basis von Kochsalz, Eisen und Nickel massenmarkttauglich zu machen. Dass diese funktioniert, ist längstens erwiesen. Die sogenannte Zebra-Batterie wurde bereits in den 70er-Jahren in Südafrika entwickelt. Der Daimler-Konzern setzte sie in den 90er-Jahren in Elektroautos ein, Busse und Lieferwagen fahren noch heute mit Salzbatterien. Auch unter dem Sessel von Ursins Kleinwagen ist eine solche untergebracht. Er lacht: «Sie sehen, es funktioniert!» Doch eigentlich sei die Salzbatterie gar nicht sonderlich geeignet für die individuelle Elektromobilität, sagt er. In der aktuellen Elektroauto-Euphorie mit Tesla und Co. sind Hochleistungsbatterien auf Lithium-Basis gefragt. Salzbatterien fristen deshalb ein Schattendasein, weil Forschungs- und Entwicklungsgelder vor allem in Lithium basierte Technologien fliessen. Mehr

Futterpflanzen bei Trockenheit

Stefan Zumsteg mit fünf Meter hohem Sorghum. (Bild: Stefan Zumsteg)

Mit trockenheitsresistenten Gras-Mischungen kann das Risiko von Totalausfällen reduziert werden. Stefan Zumsteg setzt auf seinem trockenen Standort seit drei Jahren auf Sorghum anstatt Mais und macht gute Erfahrungen damit.

Nach dem vergangenen «Dürrejahr» stellen sich viele Landwirte die Frage: Wie muss ich meinen Futterbau anpassen, damit ich künftig lange trockene Phasen besser überstehe? Guter Rat ist hier teuer. Ganz viel wert wäre zweifellos ein zuverlässiger Blick in die Kristallkugel, denn niemand weiss ja im Voraus, wie das Klima in diesem Jahr sein wird. Wäre es wie 2018 müsste beispielsweise zu einer möglichst frühen Aussaat von Mais ab 20. April geraten werden, sofern es die Bodenbedingungen zulassen. Denn wer letztes Jahr früh säte, hatte gewonnen, weil diese Maispflanzen während der ersten Wachstumsphase noch von idealen äusseren Bedingungen mit genug Feuchtigkeit profitierten und dadurch gestärkt durch die Sommerhitze kamen. Doch natürlich kann man mit dieser Taktik auch Pech haben, wenn der Frühling lange sehr nass und kalt wird und das Auflaufen der Saat dadurch behindert wird. Letztlich muss jeder Landwirt primär aufgrund der Beschaffenheit seiner Böden und des «üblichen» Klimas in seiner Region entscheiden. Wenn er kann, sollte er aber das Risiko auf verschiedene Futterbaukulturen respektive Gras-Mischungen verteilen. Mehr

Pflückroboter gegen Personalmangel

Der Rubion fährt autonom durch die Reihen mit den Stellagen. (Bild: Octinion)

Technologiefirmen arbeiten weltweit an Pflückrobotern für Beeren und Früchte. Ab nächstem Jahr soll nun mit dem «Rubion» aus Belgien der erste Erdbeerpflückroboter für den kommerziellen Einsatz bereit sein.

Es handelt sich um ein weltweites Phänomen: In immer mehr Ländern mangelt es trotz globalem Bevölkerungswachstum an landwirtschaftlichen Arbeitskräften. In Deutschland fehlt es an Spargelstechern, in Österreich an Erdbeerpflückern, in Kalifornien an Erntehelfern aus Mexiko und die japanischen Bauern sind hoffnungslos überaltert. Selbst in mittelamerikanischen Ländern und in China ist die Landwirtschaft bereits mit dem Problem konfrontiert. Für die Ingenieure ist die Lösung klar: Roboter sollen aus der Patsche helfen. Viele Modelle von Hack-, Spritz-, oder Ernterobotern geistern bereits durch die Fachzeitschriften, keines der komplexeren Geräte hat bis jetzt die Praxisreife erlangt. Nun lancierte die belgische Mechatronik-Firma Octinion im Januar an der Fruit Logistica in Berlin den nach eigenen Angaben ersten autonomen Erdbeerpflückroboter der Welt für den Einsatz in der Praxis. Der Roboter soll in diesem Jahr in Produktion gehen und ab 2020 ausgeliefert werden. Mehr

Erneuerbares Gas aus dem Bioreaktor

In der Methanisierungsanlage in Zuchwil produzieren Mikroben in einem Bioreaktor aus Wasserstoff und CO2 Methan.

In Zuchwil ging im Januar eine von in Europa erst drei biologischen Methanisierungsanlagen in Betrieb. Power-to-Gas gilt als Schlüsseltechnologie der Energiewende. Im europäischen Forschungsprojekt «Store&Go» werden unterschiedliche Verfahren getestet.

Eine geballte Ladung aus Chromstahlrohren, Schläuchen, Pumpen, Kompressoren, Messgeräten, Tanks dazu ein zwölf Meter hoher Reaktor. Kaum jemand würde beim Anblick der im Januar in Zuchwil in Betrieb genommenen Methanisierungsanlage denken, dass hier Lebewesen die Hauptrolle spielen. Archaeen sind bekannt dafür, dass sie sich als Lebensraum besonders unwirtliche Umgebungen aussuchen: konzentrierte Salzlösungen, besonders saures Milieu möglichst ohne Sauerstoff oder heisse, schweflige Quellen in Island beispielsweise. Von dort kommen ursprünglich die auch als Urbakterien bezeichneten Einzeller, die hier auf dem Areal Aarmatt des lokalen Energieunternehmens Regio Energie Solothurn zum Einsatz kommen. Sie haben die spezielle Fähigkeit, dass sie aus Wasserstoff und Kohlendioxid (CO2) Methan herstellen können. Hier in Zuchwil übernehmen diese Aufgabe 6,3 Billiarden der Tierchen im Reaktorturm bei Temperaturen von 62 Grad. «Noch nie wurden so viele Archaeen auf einmal gezüchtet», erklärt Doris Hafenbradl von der deutschen Firma Electrochaea GmbH. Mehr

Star Wars im Gewächshaus

Die Brüder Sjoerd und Bram Tijmons entwickeln Mini-Drohnen zur Schädlingsbekämpfung.

Ein holländisches StartUp will künftig Schädlinge im Gewächshaus mit Mikrodrohnen bekämpfen. Bei Tests in Schnittblumen funktionierte die Methode, mittelfristig sollen auch Schädlinge in Gemüsekulturen ins Visier genommen werden. 

Sobald die Kamera das fliegende Insekt erkennt, hebt die Mikrodrohne ab. Ihr Auftrag: Auslöschen des verdächtigen Objekts. Die Idee ist verrückt, doch die drei holländischen StartUp-Gründer Kevin Backe sowie die Brüder Bram und Sjoerd Tijmons wollen mit ihrer Firma Pats Indoor Drone Solutions Schädlinge im Gewächshaus künftig tatsächlich mit Mikrodrohnen bekämpfen. Dass es funktioniert, haben sie im Labor und in einem Blumen-Gewächshaus bereits bewiesen. In einem Video zeigen sie kleine Fliegen, die vom Propeller der Drohne präzis in der Luft zerfetzt werden.  Mehr

Biofilter in Plastikpaloxen

Lorenz Gutknecht und Betriebsleiter Peter Liem entschieden sich bei der neuen Waschanlage für eine pragmatische Lösung.

Ab nächstem Jahr muss jeder Gemüsebaubetrieb einen Zugang zu einem Waschplatz mit Sammelbehälter vorweisen können. Lorenz Gutknecht baute im letzten Jahr eine neue Anlage mit einer eigenen auf den Betrieb angepassten Lösung.

Die Pflanzenschutz-Initiativen bringen Bewegung in die Amtsstellen. Diese haben entschieden, dass bereits ab nächstem Jahr jeder landwirtschaftliche Betrieb, der ein Spritzgerät befüllt, reinigt oder einsetzt, einen Zugang zu einem konformen Waschplatz mit einem Sammelbehälter nachweisen muss. Das betrifft insbesondere viehlose Betriebe ohne Zugang zu einer intakten Güllegrube, also viele Gemüsebaubetriebe. Wann die ersten Kontrollen durchgeführt werden, bestimmen die einzelnen Kantone individuell. Mit der Massnahme will man sogenannte Punkt-Einträge in Oberflächengewässer verhindern, die besonders häufig beim Befüllen und Reinigen von Spritzgeräten entstehen.  Mehr

Farbumstellung bei Transportkisten sorgt für Diskussionen

Ifco Schweiz-Geschäftsführer Stefan Geiger wird ab Juni deutlich mehr schwarze Kisten ausliefern, weil sich Migros aus Marketinggründen für einen Farbwechsel entschieden hat.

Schweizer Gemüse und Beeren werden seit Jahren in grünen Ifco-Kisten geerntet, transportiert und im Laden verkauft. Nun stellt Migros auf schwarz um. Das ärgert einige Lieferanten. Sie rechnen mit Mehraufwand, der ihnen niemand bezahlt.

Sie kommt in ganz Europa herum, von Sizilien bis zum Nordkap und von Portugal bis nach Griechenland. Manchmal reist sie sogar mit dem Schiff in noch fernere Länder. Nach jedem Trip wird sie intensiv gewaschen, desinfiziert und bereitgemacht für die nächste Reise. Normalsterbliche kennen die grüne Ifco-Kiste von der Obst- und Gemüseauslage beispielsweise in Migros und Coop. Die praktische, zusammenklappbare Plastikkiste trifft man auch in manchem privaten Keller an. Doch eigentlich ist das illegal. Und stillstehen sollte sie sowieso nicht, denn nur wenn sie dauernd in Bewegung ist funktioniert das Geschäftsmodell von Ifco, dem weltweit bedeutendsten Anbieter von Mehrwegverpackungen im Frischebereich. Hinter dem unauffälligen Kistchen steht eben viel mehr als man so denkt, wenn man in der Frischprodukteabteilung nach einem Salat oder einem Apfel greift. Mehr

Globaler Brand für Avocado

Der mexikanisch stämmige US-Amerikaner Xavier Equihua ist globaler Avocado-Lobbyist.

Avocados boomen weltweit. Die grössten Anbauländer haben sich zu einer Organisation zusammengeschlossen, um den weltweiten Absatz zu fördern. Sie kämpft aber vor allem auch gegen Negativpresse.

Xavier Equihua ist nicht gut zu sprechen auf europäische Journalisten. Diese wagten es im letzten Jahr gleich mehrmals «seine» Avocado und die Industrie dahinter kritisch zu hinterfragen. Der CEO der World Avocado Organization (WAO) kommt insbesondere beim jeweils stark kritisierten hohen Wasserverbrauch in Rage. Das seien doch alles Fake News, sagt er in seinem Referat an der Fruit Logistica in Berlin im Februar. Er zeigt die Folie, die er in diesen Momenten wohl immer zeigt, mit dem Vergleich des Wasserverbrauchs von verschiedenen Landwirtschaftsprodukten. Die 1000 Liter für die Produktion von einem Kilogramm Avocado stehen hier 15’000 Litern für die gleiche Menge Rindfleisch oder noch viel mehr für Schokolade gegenüber. Wer sich nachhaltig verhalten wolle, müsse deshalb Avocados und weniger Wiener Schnitzel essen, sagt der Avocado-Lobbyist. Um sogleich zur Lobeshymne auf die tollen Eigenschaften der Avocado bezüglich ihrer Nährstoffe anzusetzen, die sich äusserst positiv auf das Wohlbefinden und die Gesundheit des Menschen auswirkten. Er kommt zum Schluss: «Sie entscheiden, ob sie Junk-Food oder für deutlich weniger Geld gesunde Avocados essen wollen». Die WAO wurde von Avocadoproduzenten der zehn wichtigsten Anbau-Länder gegründet und hat ein Ziel: Den Absatz von Avocado insbesondere in Europa zu pushen. Nötig ist das eigentlich gar nicht, denn die Avocado ist längstens zur Superfood-Ikone geworden, auch in der Schweiz. In den letzten zehn Jahren haben sich die Verkäufe hier mehr als verdreifacht. Mehr