«Gemüse retten» finden nicht alle cool

Foodwaste verhindern tönt gut. Immer mehr Gemüsegärtner nutzen dies für ihre Zwecke und organisieren Anlässe, an denen sie ihre überschüssige Ware günstig verkaufen. Das kommt in der Branche nicht überall gut an. 

Walter Maurer verkaufte Kartoffeln und Karotten für 1.50 Franken pro Kilo. 

Dicht gedrängt stehen Auto an Auto auf der Quartierstrasse zum Hof von Walter Maurer in Kölliken AG. Trotz regnerischem Wetter folgen an diesem Tag im Oktober Hunderte dem Aufruf in der regionalen Zeitung, ausgerüstet mit Kisten, grossen Säcken oder Migros-Einkaufswagen. Die Schlagzeile: «Wegen Corona bleibt der Biobauer auf seinen Kartoffeln und Rüebli sitzen.» Der Beitrag wird auf Facebook über 600 Mal geteilt. Solche «Gemüserettungs-Aktionen» verbreiten sich seit ein paar Jahren vor allem über die sozialen Medien. In den Kommentaren schieben die Corona-Skeptiker die vermeintliche Misere wenig überraschend den Angstmachern der Politik in die Schuhe. Zusätzliche Unterstützung erhalten sie von der Journalistin, die im Artikel schreibt, dass es wegen Corona weniger Pommes-Frites brauche und den Eindruck erzeugt, dass Maurer auch deshalb die Kartoffeln nicht abbringt. Doch das spielt in diesem Fall keine Rolle, da Maurer nicht für diesen Markt produziert. Die Autorin habe hier wohl etwas falsch verstanden, sagt Maurer. Eigentlich geht es vor allem um Kartoffeln, die von den Grossverteilern wegen Drahtwurmschäden abgelehnt wurden.

Der tiefe Preis zieht

Eine Dame greift gerade nach den «schöneren» Karotten. Der Preis ist attraktiv: Alles kostet an diesem Tag 1.50 Franken pro Kilo – ungewaschen. Sie unterstütze so den Bauern in seiner schwierigen Situation, sagt sie. Überhaupt sei es doch ein Unding, wenn diese Ware fortgeworfen werde. Sonst kaufe sie Gemüse auf dem Wochenmarkt in Aarau ein. Und was ist mit dem Direktvermarkter, der dort nun leer ausgeht? So sei halt der Markt, antwortet ihr Mann geradeaus. Auch im TV-Beitrag des Regionalsenders sagt eine Einkäuferin spontan, dass sie hier sei, weil die Ware erstens günstiger sei, zweitens länger haltbar und drittens die regionale Produktion unterstützt werden müsse. Es bleibt offen, wer an diesem Tag in der Mehrzahl ist: Die Schnäppchenjäger oder die Gemüse-Retter.

Grossverteiler sind Schuld

Maurer ist sich bewusst, dass solche Verkaufsaktionen bei vielen seiner Berufskollegen nicht gut ankommen. Letztlich seien aber die mächtigen Abnehmer mit ihren strengen Qualitätskriterien das Problem. «Wir Biobauern sind zu fest von ihnen abhängig». Wäre er noch einmal jung, würde er einen anderen Weg suchen. Konsequent ist er nicht, denn seine vier Hektaren Karotten setzt er weiterhin über den Grosshandel ab. Die drei am Event verkauften Tonnen – darunter auch Futterrüebli – tischte er nur zur Angebotserweiterung auf. «Immerhin erhalte ich für sie nun doppelt so viel wie vom Abnehmer», sagt er. Aber es sei schon so, jeder sei sich halt selbst am nächsten. Er selbst verkaufte an diesem Tag neben den Karotten rund 15 Tonnen Kartoffeln und erzielte einen Umsatz von rund 20000 Franken.

Hansueli Müller, Präsident von Biogemüse Schweiz, beurteilt solche Events kritisch. Diese drei Tonnen Karotten seien zwar nicht relevant für den Markt. «Mittlerweile organisieren aber immer mehr Gemüsegärtner solche Aktionen, was dann in der Summe doch eine bedeutende Menge ergibt.» Leiden würden dann die Gemüsegärtner, die qualitativ einwandfreie Ware produziert hätten. «Für sie geht der Markt kaputt». Es könne nicht sein, dass sie für Fehler in der Produktion oder Fruchtfolge von anderen bezahlen müssten. Ein guter Gemüsegärtner müsse auch einmal eine schlechte Ernte verdauen können. Im langfristigen Interesse der ganzen Branche ratet Müller deshalb von solchen «Gemüserettungs»-Anlässen ab!

Online-Handel: Wird E-Gemüse nun salonfähig?

Während dem Corona-Lockdown im Frühling nahm der Online-Handel von Gemüse sprunghaft zu. Einige Gemüsegärtner nutzten die Gelegenheiten für einen eigenen Webshop. Doch es gibt auch andere Online-Absatzkanäle. 

Karotten online einkaufen? Bis Anfang Jahr kam in der Schweiz noch kaum jemand auf diese Idee. Doch während dem Corona-Lockdown igelten sich die Leute erstmals in ihren Wohnungen ein, mieden Menschenansammlungen in Supermärkten und waren überhaupt sehr verunsichert. Irgendwie logisch, dass man seine Haushaltartikel und vor allem die Lebensmittel in dieser ungewohnten Situation «ohne Risiko» in Online-Shops bestellte und sich nach Hause liefern liess. Die grossen Anbieter wie leShop oder coop. ch stiessen schnell an ihre Grenzen. Bei den tagelangen Lieferfristen sprangen dann einige Gemüsegärtner in die Bresche, manche stampften Online-Shops aus dem Boden andere bauten bestehende Angebote aus. Obwohl sich die Lage im Sommer wieder normalisiert hat, wurde klar: Die Corona-Pandemie hat den Online-Lebensmittelhandel aus dem Dornröschenschlaf geholt. Es gibt verschiedene Wege, wie Gemüsegärtner vom Online-Handel profitieren können: Direkt an einen Online-Händler liefern, eine bestehende Shop-Software übernehmen oder selbst einen Online-Shop programmieren beispielsweise. 

Direkt an den Online-Händler liefern

Gemüse auf farmy.ch

Mit Farmy.ch ist seit 2014 ein Online-Shop am Start, der sich die Nachhaltigkeit auf die Fahnen geschrieben hat und über 8000 «faire» Produkte von meistens regionalen Lieferanten anbietet. Darunter ist auch Gemüse. Einer der grössten Lieferanten ist Bioland Agrarprodukte der Familie Müller in Steinmaur. «Mittlerweile erzielen wir einen anständigen Umsatz auf Farmy.ch», sagt Betriebsleiter Stephan Müller. In diesem Jahr hätten sich die Mengen verdoppelt. Am Anfang brauchte es allerdings etwas Geduld, weil der Aufwand für die Bereitstellung der Produkte sehr zeitintensiv war. Doch mit der Zunahme des Absatzes habe sich das geändert. Jeweils um Mitternacht schickt Farmy.ch die am Tag eingegangenen Bestellungen an Müller. Um sechs Uhr morgens wird die Ware gerüstet, um 7.30 Uhr abgeholt und nach Zürich geliefert. Für ihn hat sich die Geduld also ausbezahlt. Andere Gemüsegärtner wie beispielsweise Thomas Käser aus Birmenstorf AG sind mittlerweile aber als direkte Lieferanten bei Farmy.ch ausgestiegen. Der Aufwand für das Rüsten und Ausliefern sei in keinem günstigen Verhältnis gestanden, sagt er. Trotzdem landet sein Gemüse immer noch auf der Plattform, nun allerdings via einen Händler. Die Mengen seien aber überschaubar. Stephan Müller ist aber überzeugt, dass der Online-Handel auch für die Gemüsebranche an Bedeutung gewinnen wird. Farmy bestätigt, dass die Umsätze bei Gemüse während der Corona-Zeit stark angestiegen sind. Anfragen potentieller Produzenten nehme das Einkaufsteam gerne via E-Mail-Adresse produzent@farmy.ch entgegen, schreibt das Unternehmen auf Anfrage.

Shop-Software aus der Branche

Beim Konzept von Saisonbox wird vor allem mit Apps über das
Mobiltelefon gearbeitet.

Gemüsegärtner Markus Bernhardsgrütter aus Gossau SG ist ein Pionier in Sachen Online-Shop. Zusammen mit Matthias Ruoss gründete er vor fünf Jahren die Firma «Saisonbox gmbh» und entwickelte die eigene Shop-Software, ganz nach den Bedürfnissen von bäuerlichen Direktvermarktern. Die Idee: auch andere Anbieter sollen von der Software profitieren können. Aus der Branche für die Branche ist das Motto. Die Zielgruppe sind Direktvermarkter, die nicht viel Zeit und Lust haben, sich mit dem Aufbau und Betreuung einer Shop-Software herumzuschlagen aber trotzdem ihre Salate und Sellerie auch online anbieten wollen. Mit dem Konzept der Saisonbox steht quasi ein Rundum-Sorglos-Paket zur Verfügung. Eigentlich muss der Produzent nur noch seine zu verkaufenden Produkte via die Produzenten-App auf seinem Handy eingeben. Das können Gemüseabos oder auch einzelne Artikel sein. Einen Tag vor seinem gewählten Auslieferungstag erhält er von Saisobox eine Liste mit den Bestellungen und Lieferscheinen. Ausliefern kann er die Ware entweder selbst mit Hilfe der speziellen Driver-App, die ihm die effizienteste Route zusammenstellt oder er wählt die Option Ausliefern mit der Post. Zur App gehört auch ein Gebindemanager. Das Inkasso übernimmt die Saisonbox GmbH, für die Umtriebe zieht sie vom erzielten Umsatz eine Marge im tiefen zweistelligen bis einstelligem Prozentbereich ab. «Dazu unterstützen wir unsere Kunden mit diversen Marketinginstrumenten», erklärt Markus Bernhardsgrütter. Das Konzept sieht die Bildung von Saisonbox-Regionen vor, um den lokalen Aspekt zu bewahren und den Transportaufwand im Rahmen zu halten. Mittlerweile stehen neun Standorte in der ganzen Deutschschweiz zur Verfügung. Einer befindet sich bei Bernhardsgrütter selbst. «Unsere tägliche Erfahrung auf dem eigenen Betrieb fliesst laufend in die Optimierung der Software ein.» Einen zusätzlichen Schub erhofft er sich von der seit Kurzem bestehenden Partnerschaft mit der nationalen Plattform «vomhof.ch» vom Schweizer Bauernverband. 

Eigenen Shop betreiben

Jörg Friedli und Doris Hug-Friedli bieten Gemüse im eigenen Webshop an und liefern die bestellte Ware täglich aus.

Gemüsegärtner Jörg Friedli aus Wohlenschwil AG nutzte den Lockdown, um die bereits seit längerem bestehende Idee von mehr Direktvermarktung über das Internet zu verwirklichen. Ein verwandter Webdesigner stampfte für ihn in zwei Wochen einen Webshop aus dem Boden. Sein Vorteil war, dass zum Familienbetrieb auch ein Handelsbetrieb zählt. Synergien können optimal genutzt werden. Eigene Chauffeure beliefern schon seit Jahren täglich Gastrobetriebe mit dem selbst produzierten Gemüse, erweitert mit auf dem Engrosmarkt in Zürich zugekauften Produkten. Friedli hält wenig von fix zusammengestellten Gemüsekisten:  «Die Wahrscheinlichkeit ist zu gross, dass etwas dabei ist, das dem Kunden nicht passt». In seinem Online-Farmers-Markt bietet er deshalb 250 frei wählbare Artikel an. Wer bewusst Produkte vom Betrieb in Wohlenschwil möchte, wählt die Kategorie «Friedli Eigenanbau». Friedlis Schwester Doris Hug-Friedli führt die eingegangenen Bestellungen auf einer Liste zusammen. Bestellungen im Shop sind bis um 20.00 Uhr möglich, ausgeliefert wird am nächsten Tag von Montag bis Samstag.

Aufwand nicht unterschätzen

Anspruchsvoller wird es für Gemüsegärtner, die nicht auf eigene Handels- und Logistikstrukturen zurückgreifen können. Direktvermarkter Philipp Riem aus Kirchdorf BE beispielsweise vertreibt seine Bioprodukte und mittlerweile bis zu 500 weitere Biolebensmittel von einem Händler seit sechs Jahren online. Gestartet sei er einst mit einer Excel-Liste, die er per Mail verschickt habe. Seit 2019 mietet er eine Shop-Software in Deutschland. Für monatlich 450 Franken Gebühren erhält er eine Komplettlösung, inklusive System für Lieferscheine, Rechnungen, Inkasso sowie einem Touren-Planer. Die Software nehme ihm viel Arbeit ab und garantiere eine gewisse Sicherheit, sagt Riem. Aber natürlich sei das schon viel Geld. Das lohne sich erst ab einem gewissen Kundenstamm. Diesen aufzubauen sei sicher eine Geduldsarbeit.Die meisten seiner Online-Kunden würden ein «Bioriem-Chischtli» bestellen und dieses mit weiteren Produkten ergänzen. Rund 200 Lieferungen führt er wöchentlich in der Region durch. Erst seit diesem Jahr verlangt er pro Lieferung fünf Franken. Die Margen seien sonst einfach zu tief gewesen, sagt er.  «In den ersten Jahren verdient man kaum etwas mit einem Webshop.» Der Aufwand für dessen Betreuung mit allem Drum und Dran sei fast ein Fulltime-Job, sagt er. Doch der Online-Teil gehöre auf dem Familienbetrieb zum Mix aus Wochenmarkt und Hofladen, erklärt er. Man müsse dies als Einheit betrachten. Neueinsteiger warnt er davor, den Aufwand zu unterschätzen.

Online-Shop von Riem Gemüse

Der Online-Handel erhielt während dem Lockdown kurzfristig einen mächtigen Schub. Viele Neueinsteiger wurden quasi über Nacht gezwungen, erstmals Lebensmittel über das Handy oder den Bildschirm zu bestellen. Einige von ihnen dürften damit längerfristig auf den Geschmack gekommen sein. Obwohl sich der Boom wieder abflachte, dürfte dieser Absatzkanal in einer zunehmend digitalisierten und dezentralisierten Welt für die Gemüseproduktion wichtiger werden. Erst einmal wohl vor allem als Ergänzung zu den bestehenden Vermarktungsstrukturen. Das macht auch Sinn, weil Gemüse ja letztlich immer noch ein physisches Produkt ist und nicht wie Software heruntergeladen werden kann.  

  www.saisonbox.ch/neuer-Standort/

  www.farmy.ch

  www.farmersmarkt.ch

  www.bioriem.ch

Zweite Corona-Welle: Ansturm bleibt aus

Beim Lockdown im Frühling erlebten viele Hofläden ihr wahres Wunder. Nun in der zweiten Welle steigen die Einkäufe nur noch moderat an. Das liegt auch an der saisonal bedingt kleineren Auswahl und an den offenen Grenzen. 

Wie in vielen Hofläden ging es auch bei Gemüsegärtner Urs Baumann aus Kirchdorf BE während des Lockdowns im Frühling drunter und drüber. Weil der Wochenmarkt in Bern geschlossen war, kamen viele seiner Kunden von dort plötzlich direkt auf den Betrieb in den Hofladen. «Wir mussten diesen kurzfristig vergrössern und mehr Personal anstellen, um den Ansturm bewältigen zu können.» Im Sommer normalisierte sich die

Urs Baumann

Situation dann. Ein paar wenige hätten zwar immer noch Angst, sich in grosse Menschenmengen zu begeben und würden deshalb immer noch direkt in den Hofladen kommen. Doch die meisten hätten sich mit dem Hygieneschutzkonzept auf dem Wochenmarkt arrangiert, sagt Baumann. Die zweite Corona-Welle* spürt er bis jetzt an der Verkaufsfront noch kaum. Speziell vorbereitet hat er sich darauf nicht. «Das Wetter war in diesem Jahr so gut, dass ich sowieso viel Gemüse ernten konnte und die Lager entsprechend gut gefüllt sind.» Sollte sich die Situation wieder extrem verschärfen, wüsste er aber nun besser, was auf ihn zukommt. «Ich würde dann wieder zwei zusätzliche Kassen im Hofladen platzieren, damit die Kundschaft den Abstand einhalten kann.» Zudem war die Zusammenarbeit mit einem Händler schon im Frühling gut, falls er Ware zukaufen müsste. Alles in allem sei er gut durch die Corona-Krise gekommen, obwohl der Aufwand unter anderem für das Personal grösser war als in normalen Jahren. 

Arbeiter bleiben über den Winter 

Pascal Gutknecht

Auch im Hofladen der Betriebsgemeinschaft Gutknecht Gemüse in Ried bei Kerzers blieb ein Run wie im Frühling bisher aus. Damals sei man teilweise an die Grenzen des Machbaren gelangt. Man habe nun höchstens eine leichte Steigerung der Frequenzen festgestellt, sagt Pascal Gutknecht. Sollte sich die Corona Situation noch einmal verschlimmern und die Leute wieder endgültig in den Homeoffices verschwinden und mehr zu Hause kochen, rechnet er aber wieder mit einer Zunahme der Kundschaft. Allerdings werde der Hofladen im Winter generell deutlich weniger gut besucht als während der Saison, weil es dort dann viel zugekaufte ausländische Ware wie beim Grossverteiler habe. «Die Leute kommen vor allem während der Saison wegen unserem eigenen, frischen Gemüse.» Auch beim in der ersten Welle lancierten Lieferdienst sei die Nachfrage bis jetzt nicht gestiegen. Überhaupt werde dieses Angebot noch wenig genützt, sagt Gutknecht. Der Bekanntheitsgrad sei noch zu niedrig. «Wir sind noch nicht da, wo wir sein wollen». Doch mit der Saison seien sie bisher sehr zufrieden, obwohl alles ein bisschen anders war wie sonst, aber das eher im positiven Sinn. So habe es beispielsweise kaum Personalwechsel gegeben, ganz im Gegensatz zu anderen Jahren. Zudem habe er es noch nie erlebt, dass ausländische Mitarbeiter freiwillig über den Winter auf dem Betrieb bleiben und arbeiten wollten. 

Strengere Vorschriften im Jura

Andreas Stump

Direktvermarkter Andreas Stump im jurassischen Courgenay konnte im Frühling bei den Abos stark ausbauen. Der grösste Teil der Kundschaft sei erfreulicherweise auch nachher geblieben. Trotzdem denkt er nur ungern an die stressige Zeit während des Lockdowns zurück. Er musste ohne Ernte-helfer auskommen, weil diese nicht aus Moldawien einreisen konnten. «Wir arbeiteten fast sechs Wochen ohne zusätzliche Leute und das bei drei Mal mehr Umsatz wie üblich», sagt er. Wirtschaftlich war es aber eine gefreute Sache: «Es kann gerne auch im nächsten Frühling so weitergehen.» Doch daran zweifelt er, weil er während dem Lockdown von der Schliessung der Grenzen nach Frankreich profitierte. Und diese bleiben auch jetzt in der zweiten Welle offen. Wohl auch deshalb stellt Stump bis jetzt – obwohl der Kanton Jura früh schärfere Massnahmen verhängt hat als andere Kantone –, keine Umsatzsteigerung fest. Für ihn ist klar: Die Leute gehen weiterhin ennet der Grenze einkaufen. n

* Der Artikel wurde Anfang November erstellt.

Engagement für Nachhaltigkeit der Genfer Gemüsegärtner

Die Genfer Gemüsegärtner verpflichten sich freiwillig zu mehr
Nachhaltigkeit. Als Instrument dafür dient das Label «Demain la Terre» aus Frankreich.

Die Union Maraîchère de Genève (UMG) verpflichtet sich zu mehr Nachhaltigkeit, indem sie dem französischen Label «Demain la Terre» beitritt, als erste ausländische europäische Unternehmung überhaupt notabene. Aktuell sind nach Angaben der Organisation rund 400 Landwirte mit einer gesamten Fläche von 5 000 ha dabei. 

Was bringt dieses Label den Genfer Gemüsegärtnern? Es gehe vor allem darum, die eigene Produktion langfristig zu verbessern, erklärt UMG-Präsident Alexandre Cudet. Statt mit einem Kleber auf den Produkten, werden die Mehrwerte des Beitritts zu «Demain la Terre» über die Verkaufsstellen und mit speziellen Aktionen kommuniziert. Eigentlich sei es also auch gar kein Label. Vielmehr verpflichten sich die Genfer Produzenten, die Nachhaltigkeitsziele der Charta von «Demain la Terre» zu erfüllen. Diese sehen vor: weniger Einsatz von Pflanzenschutzmitteln, die Erhaltung der Wasserressourcen sowie der Bodenqualität, verbesserter Schutz der Artenvielfalt, ein geringerer CO2-Fussabdruck, weniger Abfall und mehr Recycling, die Förderung nachhaltiger Wirtschaftsbeziehungen und der Aufbau von humaneren Betrieben. Rund 60 objektiv messbare präzise Kriterien müssen erfüllt werden.

Laufende Verbesserungen

Die Umwelt-Anforderungen des ersten Audits sind dabei bereits mehrheitlich erfüllt, da sie schon Bestandteil des Ökologischen Leistungsnachweises (ÖLN) sind. Dies ist nicht der Fall bei den anderen Kriterien. Die Produzenten müssen sich auf ihrem Betrieb entsprechend intensiv mit neuen Anforderungen auseinandersetzen. Wer bei «Demain la Terre» mitmacht, verpflichtet sich zu permanenter Verbesserung. Bei Pflanzenschutzmitteln müssen die Risiken laufend minimiert und alternative Lösungen zu synthetischen Wirkstoffen entwickelt werden. Regionalität ist ein anderer wichtiger Bestandteil: So wird ein Radius definiert, sowohl für den Einkauf von Hilfsstoffen wie für die Rekrutierung der Arbeitskräfte. In einem dynamischen Prozess einer kontinuierlichen Verbesserung wird im Rahmen von «Demain la Terre» das Level jedes Produzenten anhand eines Punktesystems eingeschätzt, wobei die Punkte jährlich zunehmen sollten. Der vollständige Verzicht auf Pflanzenschutzmittel oder die Garantie, dass keine Pflanzenschutzmittelrückstände (Zéro résidu) in den Produkten nachgewiesen werden können, ermöglichen zum Beispiel, ein höheres Niveau zu erreichen.

Ein Vorteil bei «Demain la Terre» sei, dass es von Produzenten für Produzenten gemacht sei, erklärt Cudet. Es gebe also keine Vorgaben von Kunden oder Abnehmern wie beispielsweise bei SuisseGAP. Die Produzenten kontrollieren das Label und entwickeln es aufgrund der Realität in der Praxis und des technischen Fortschritts selbst weiter. Es sei ein gutes Instrument, um den Genfer Gemüsegärtnern dabei zu helfen, nachhaltiger zu werden und um ihre Leistung besser hervorzuheben. Es müssten aber laufend Fortschritte erzielt werden, die von der Organisation vorgegeben sind und kontrolliert werden. «Es geht am Ende wirklich darum, dass man sich jedes Jahr verbindlich verbessert und dass die Produzenten miteinander gute Lösungen entwickeln», erklärt Cudet. 

Marktvorteil wegen mehr Nachhaltigkeit?

In der Schweiz betritt die UMG mit dem Beitritt zu «Demain la Terre» und der konkreten Verpflichtung für weitergehende Massnahmen zu mehr Nachhaltigkeit Neuland. Wenn die Abnehmer das Engagement der UMG positiv zur Kenntnis nehmen, dann würde das die Genfer Gemüsegärtner freuen, sagt Cudet. Doch es sei schlussendlich nicht das Hauptziel der ganzen Übung.

 www.demainlaterre.org

Agrophotovoltaik: Lebensmittel und Solarstrom vom gleichen Ort

Diese Himbeeren auf einem Betrieb in Holland wachsen unter Solarmodulen. (Bild: BayWa r.e.)

Die Agrophotovoltaik ermöglicht eine Doppelnutzung von Land. Solarmodule über Reben, Reis oder Gemüse schonen Ressourcen und vermindern Landkonflikte. Bei einer Himbeeranlage in Holland zeigt sich, dass die Technologie praxisreif ist.

Strom und Lebensmittel auf derselben Parzelle produzieren? So schlecht geht das offenbar gar nicht, wie der im Oktober erstmals aus Perpignan durchgeführte Fachkongress Agrivoltaics zeigt. Obwohl es in der Schweiz erst ein paar wenige Projekte gibt, bei denen über oder zwischen landwirtschaftlichen Kulturen Solarpannels aufgestellt sind, ist Agrophotovoltaik (APV) bei uns noch kaum ein Thema. Das könnte es aber vielleicht einmal werden, wenn es darum geht, den Ausbau der Solarstromproduktion wirklich ernsthaft voranzutreiben. Dann also, wenn jeder Quadratmeter zählt. Durch die parallele Nutzung wird das Land effizienter genutzt. Stefano Amaducci von der Universita Cattolica del Sacro Cuore zeigte am Kongress ein Rechenbeispiel, in dem mit 123 Hektaren APV über Mais die gleiche Energiemenge produziert werden kann, wie mit freistehenden Solarpanels auf 134 Hektaren und zusätzlich 1400 Hektaren Mais. Nach Angaben des Frauenhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE wurden 2018 weltweit 2,9 GW Strom unter APV produziert. Interessant an der APV-Idee: Es gibt Kombinationen von Pflanzenbau und Solartechnologie, die scheinbar richtiggehend eine Symbiose miteinander eingehen.

APV-Anlage in Irland auf einer Kuhweide. (Bild: Next2Sun)

Solarzellen schützen Himbeeren

Im holländischen Babberich beispielsweise ersetzte Himbeeren-Produzent Piet Albers die Folien-Regendächer auf 3,3 Hektaren Flächen auf einer Höhe von 2,5 Metern durch 10’000 Solarmodule. Die semitransparenten Zellen lassen gerade genug Licht durch, damit die Himbeeren darunter ausreichend Photosynthese betreiben können. Zudem schützen die fix montierten Module nicht nur vor Starkregen, sondern auch vor Hagel, Frost und extremer Hitze. Gerade Letzteres wird in Zukunft voraussichtlich häufiger vorkommen. Unter dem üblichen Plastik staut sich dann gerne die heisse Luft und schädigt die Früchte. Nicht so bei der APV, wo sich der höchste Punkt zwischen den Pflanzenreihen befindet und die heisse Luft dort mit dem Kamineffekt durch die Öffnung abgeführt wird. «So bringt man Temperatur und Feuchtigkeit von der Pflanze weg», erklärt Stephan Schindele von der deutschen Firma BayWa r.e., die das Projekt verwirklichte. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Temperatur unter den Modulen bis zu acht Grad tiefer liege. Die Solarmodule wiederum arbeiten wegen dem Kühlungseffekt der Pflanzen effizienter. Und weil diese unter den Modulen deshalb weniger Wasser verdunsten, sinkt auch der Wasserverbrauch. Finanziell fahre der Beerenproduzent unter dem Strich besser. Die Erträge seien mindestens so hoch wie vorher. Neben dem zusätzlichen Verdienst für den Solarstrom spare er unter anderem Kosten für das Abräumen der Folien und die Reduktion von Pestiziden ein. Der Kunde sei sehr zufrieden mit der Anlage und habe sich entschieden, die andere Hälfte der Anbaufläche auch noch umzurüsten, sagt Schindele. Seine Firma führt inzwischen auch Pilotversuche über Heidelbeeren und Erdbeeren durch. «Beeren eignen sich gut für APV, weil sie eine gewisse Schatten-Toleranz haben.» Langfristig sieht Schindele zudem zusätzliche Vorteile, wenn der Strom selbst auf dem Betrieb verbraucht werden kann, zum Beispiel in Elektrofahrzeugen.

In Holland wachsen auf 3,3 Hektaren Himbeeren unter APV. (Bild: BayWa r.e.)

Japaner schreiten voraus

Aber eben: nicht alle landwirtschaftlichen Kulturen eignen sich für APV. Brecht Willocks von der belgischen Universität Leuven stellte am virtuell durchgeführten Kongress Untersuchungen zu Weissspargeln vor. Eigentlich wären sie prädestiniert für die Technologie, weil sie kaum Licht brauchen. Dabei soll eine Konstruktion mit zusammenfaltbaren Solarmodulen je nach Jahreszeit in verschiedenen Höhen über und während der Wachstumsphase im Sommer zwischen den Spargeldämmen platziert werden, wo es unter anderem durch den Lichtentzug auch das Unkraut unterdrücke. Dieses Projekt existiert freilich erst in Computersimulationen und wird möglicherweise auch nicht darüber hinauskommen, weil das Ganze in der Umsetzung zu teuer ist. Doch während dem drei Tage dauernden Fachkongress wurde trotzdem klar, dass APV in anderen Regionen der Welt bereits relativ weitverbreitet ist. So soll es beispielsweise in Japan bereits 2000 APV-Farmen mit 560 Hektaren Fläche geben. Gemäss Makoto Tajima vom Institute for Sustainable Energy Policies in Tokyo würden 120 verschiedene Produkte unter APV produziert, neben Ginger, Shiitake-Pilzen oder Pestwurz auch Heidelbeeren und Reis. Japan kämpft mit einer Überalterung der Bauern und deshalb zunehmend brachliegenden Agrarflächen. Tajima sieht in der APV eine Chance, die landwirtschaftliche Nutzung dieser Flächen wieder interessanter zu machen. Nach der Atomkatastrophe in Fukushima wurde in Japan zudem eine Einspeisevergütung für Solarstrom eingeführt, weshalb die Technologie nun auch wirtschaftlich interessant ist.

Agrophotovoltaik über Reis in Japan (Bild: Institute for Sustainable Energy Policies ISEP)

Chance für Afrika

In Afrika haben zwei Drittel der Bevölkerung keinen Zugang zu Elektrizität. Zudem gibt es Probleme mit Trockenheit, Bodenerosion und überhaupt Nahrungsmittelknappheit. Die APV könnte da zu einer Art Schlüsseltechnologie werden, die viele dieser Probleme zumindest im Ansatz lösen könnte. Richard Randle-Boggis von der University of Sheffield untersucht in einem Forschungs-Projekt mögliche Potenziale in Ostafrika und betreut drei Versuchsanlagen in Uganda, Kenya und Tansania. Weil es kaum ein Stromnetz gebe, seien Inselanlagen und Mini-Grids ­– wie es APV-Anlagen ermöglichen würden –, ein Vorteil. Mit einer Doppelnutzung des knappen Agrarlandes durch APV sinke zudem das Konfliktpotenzial und es gäbe weniger Erosion und dadurch mehr Wasserspeicherungsmöglichkeiten im Boden, erklärt er. Zudem schützten die Module nicht nur die Kulturen vor der Hitze, sondern spendeten auch Schatten für die Bauern, die darunter arbeiten. Der Strom könnte in der Küche das Holz ersetzen und damit das Problem der Abholzung lösen. Würde das Wasser von den Solarmodulen als Bewässerungswasser gesammelt, könnte sogar das Problem der permanenten Wasserknappheit entschärft werden. An dieser leidet beispielsweise auch Indien. Am Kongress wurde ein Projekt vorgestellt, bei dem 36 Prozent des während der Monsunzeit über die APV gesammelten Wassers in die trockene Phase herübergenommen werden konnte. Solarstrom wird dort bereits auf Anlagen mit einer Leistung von 30 Megawatt auf der gleichen Fläche gemeinsam mit Kulturen wie Soja, Baumwolle oder Bananen produziert.

Welche Kulturen eignen sich?

Die APV-Technologie befindet sich immer noch im Anfangsstadium. Der Kongress zum Thema wurde erstmals durchgeführt, unter anderem auch, um den internationalen Austausch zu fördern. Noch ist offen, welche Kulturen sich wirklich eignen. Eine Möglichkeit ist die parallele Weidenutzung zwischen oder unter den Modulen. Untersuchungen der Oregon State University über Lammweidefleisch zeigten, dass im Frühling mit APV mehr Gras wuchs, der Bestand im Sommer besser bestockt war und die Tiere vom Schatten profitierten und dazu weniger Wasser benötigten. In Heggelbach am Bodensee steht eine auch vielen Schweizern bekannte Pilotanlage, auf der die Uni Hohenheim untersuchte, wie hoch die Erträge unter der APV in Weizen, Kleegras und Sellerie im Vergleich zum üblichen Anbauverfahren lagen. Das vermeintlich bessere Mikroklima unter den Pannels konnte die Einstrahlungsverluste dort nicht kompensieren: Bei allen Kulturen nahmen die Erträge ab. Interessanterweise stellten die Forscher aber höhere Proteingehalte bei Weizen (+33%) und Klee (+11% TS) fest. Die University of California in Davis untersuchte bestimmte Kulturen auf deren Schattentoleranz. Spinat und Brokkoli «litten» dabei stärker als Tomaten und Mangold, die selbst bei 55 Prozent Sonneneinstrahlung noch anständige Erträge lieferten.

In Dirmingen (D) stehen 5700 vertikal gestellte, zweiseitige PV-Module auf einer Wiesenfläche, die mehr oder weniger «normal» landwirtschaftlich genutzt werden kann. (Bild: Next2Sun)

Schattenmanagement wird zentral

Solarmodule können noch so transparent sein, ein Verlust der Sonneneinstrahlung und damit eine verminderte Photosynthese-Leistung können deshalb eigentlich nicht verhindert werden. Aber Licht ist in der Pflanzenwelt nicht alles. Wenn die Pflanze unter APV in der Mittagszeit um Hitzestress herumkommt und das bei kühleren Temperaturen, dann bildet sie weiter Biomasse. Ähnliches gilt bei verhinderter Wasserknappheit. Es wird weiter an der APV-Technik gefeilt. Die neuste Generation von Modulen bewegt sich entlang der Sonnenstrahlung und passt den Neigungswinkel dynamisch an, womit die Stromerträge um bis zu 30 Prozent ansteigen.

In Südfrankreich wachsen Reben unter Solarmodulen, die sich automatisch bewegen, um die Schattierung zu verhindern. (Bildautor: Sun’R)

Im optimalen Fall läuft das so ab, dass die Kultur mit der kontinuierlichen Anpassung des Neigungswinkels der Module nie im Schatten steht. In Südfrankreich steht eine solche Anlage über 4,5 Hektaren Weinreben, die im Rahmen des französischen staatlichen APV-Förderprogramms Sun Agri erstellt wurde. Die Module werden zusätzlich unterstützt von Wetterdaten gesteuert. Wenn ein Starkregen naht, wechseln sie auf horizontal. Zudem arbeiten die Module zweiseitig, können also reflektierendes Licht vom Boden nutzen. Das erzeugt bis zu 13 Prozent mehr Stromertrag. Die gleiche Technologie mit beweglichen Modulen wird auch auf Gewächshäusern getestet.

In Frankreich werden bewegliche Solarmodule auf Gewächshäusern getestet. (Bild: Jean Garcia, SunR)

Die Entwicklungen bei der APV sind also noch längstens nicht am Ende. Über 350 Experten und Interessierte aus 39 Ländern nahmen am Kongress teil. Sie zeigten, dass international einiges in Bewegung ist. Die noch überschaubare globale APV-Community ist überzeugt, dass sie ein wertvolles Puzzleteil auf dem Weg zu mehr Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft sein kann. Die AgriVoltaics2021 ist im nächsten Juni in Freiburg i. Breisgau geplant.

Agrophotovoltaik in der Schweiz

In Ried bei Kerzers wachsen Radieschen unter Solarmodulen.

Obwohl in der Schweiz auf vielen Bauernhäusern Solaranlagen installiert sind, gibt es hier kaum Agrophotovoltaik-Systeme im Sinne einer Doppelnutzung. Das liegt auch daran, dass es kaum Freilandanlagen gibt. Die Politik setzt die Priorität auf Dächer und Fassaden von Gebäuden. In Ried bei Kerzers produziert Gemüsegärtner Frédéric Barth seit 2014 im Gewächshaus Radieschen unter Solarzellen. Der Ertrag für das Gemüse liegt wegen der Verschattung rund 20 Prozent tiefer als üblich. Alles in allem sei es mit dem Stromertrag ein Nullsummenspiel, sagt Barth. «Ich würde die Anlage aber auch heute wieder installieren, allerdings mit transparenteren Modulen». Er bedauert das mangelnde Interesse an AV von Forschung und Branche in der Schweiz, weil er überzeugt ist, dass dieses Potenzial besser genutzt werden sollte.

www.swissradies.ch

Kompost-Tee anstatt Fungizid

Das Interesse an natürlichen Methoden des Pflanzenschutzes steigt. Einige Gemüsegärtner pröbeln mit Komposttee. Die Anwender des Mikroorganismen-Konzentrats sind überzeugt, dass es damit weniger Pflanzenschutzmittel braucht.

Gemüsegärtner Peter Zurbuchen appliziert den Kompostee auf seinen Zwiebeln.

Schaden tun sie wohl nicht, aber nützen sie denn auch? Für die einen Gemüsegärtner sind Biostimulanzien nicht mehr als ein fauler Zauber, andere hingegen schwören auf sie. Klar ist: als Folge der kritischen Diskussionen um den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln steigt das Interesse bei allen Landwirten an möglichen alternativen Lösungen stark an. Auf vielen Betrieben wird herumgepröbelt und nach neuen Wegen im Pflanzenschutz gesucht. Beispielsweise mit dem Einsatz von Komposttee. Der Name sagt es bereits: es handelt sich dabei – vereinfacht gesagt – um in Wasser gelösten Kompost, der mit Mikroorganismen angereichert ist. Unter permanenter Zuführung von Sauerstoff wird dabei Kompost beispielsweise mit Melasse oder Steinmehl in Wasser zum Konzentrat aus nützlichen Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen «gebraut». Eine strikte Anleitung zur Herstellung von Komposttee gibt es nicht. Vor allem im Privatbereich verwenden deshalb viele ihre eigenen Rezepte. Die Firma Edapro aus Wädenswil entwickelte ein standardisiertes Mikrobensubstrat und die dazu passende Nährlösung für die regelmässig Anwendung auf grösseren Flächen in der Landwirtschaft. 

Halbierung des Pflanzenschutzes

Der auf Pflanzenschutzapplikationen spezialisierte Lohnunternehmer und Landwirt Christian Müller aus Wartau SG arbeitet seit einem Jahr intensiv mit Komposttee, den er selbst herstellt nach dem Rezept der Bodenexpertin Ingrid Hörner. «Ich gehe davon aus, dass man dank dem Komposttee auf fünfzig Prozent des chemischen Pflanzenschutzes verzichten kann», sagt Müller. Bei Zwiebeln ersetzte er Fungizide durch den Komposttee und machte gute Erfahrungen damit. Aber natürlich gehe das nicht in jedem Fall, beispielsweise wenn die Zwiebeln bereits mit falschem Mehltau befallen seien. Ziel sei es, dass die Kultur dank den zugeführten Mikroorganismen bereits vorab genug Vitalität entwickelt, um solche Bedrohungen abwehren zu können, erklärt Müller. Er beobachtet, dass die Pflanzen mehr Wurzeln entwickeln und dadurch besser an die Nährstoffe im Boden herankommen. «Deshalb sollte man die Düngergaben reduzieren.» Je nach Zustand der Kultur und des Bodens sind mehrere Gaben von Komposttee nötig. Müller führt bei den Kulturen Blattsaftanalysen durch, in denen er die Gehalte von Nitrat, Kali, pH, Calcium und Natrium bestimmt. Dazu misst er den Brix-Wert. «Diese Daten zeigen mir, wie vital die Pflanze ist». Entsprechend passt er die Gaben an. 

Die Komposttee-Tankstelle in Lippoldswilen.

Das Interesse der Gemüseproduzenten in der Region sei recht gross, im letzten Jahr behandelte er über 200 Hektaren mit Komposttee, unter anderem Chicoree-Wurzeln, Zwiebeln, Kartoffeln und Getreide. Obwohl sich das Verfahren auf jeden Fall positiv auf das Bodenleben auswirke, erfordere das Ganze ein Umdenken bei den Betriebsleitern, sagt er. «Pflügen und düngen wie vorher geht nicht mehr.» Man müsse sich mit den Ideen der regenerativen Landwirtschaft auseinandersetzen, die viel mehr mit dem Boden arbeitet und auf hohe Humusgehalte hinarbeitet. 

Komposttee-Tankstelle

Auch Biogemüsegärtner Peter Zurbuchen aus Lippoldswilen experimentiert seit diesem Jahr intensiv mit Komposttee in seinen Karotten, Kohl und Sellerie. Er hat sich dazu eine eigene «Tankstelle» eingerichtet, von der auch Kollegen profitieren können. Das Mikrobensubstrat und die Mikrobennahrung bezieht er bei Edapro. Zurbuchen appliziert den Sud mit einer normalen Pflanzenspritze. Ganz billig ist das Verfahren übrigens nicht. Er rechnet insgesamt mit Kosten von rund 150 Franken pro Hektare und Gabe. «Diese Kosten nimmt man nur auf sich, wenn es sich lohnt», sagt er. Davon ist er aber überzeugt. 

Lagerung von Frischgemüse: Mehr Flexibilität dank CA-Boxen

Gemüsegärtner Daniel Vouilloz nutzt seit einigen Jahren spezielle Boxen für die flexible Gemüselagerung in kontrollierter Atmosphäre. Damit optimiert er die Produktionsabläufe und reduziert die Verluste auf dem Feld und im Lager.

Daniel Vouilloz lagert Krautstiel in den CA-Boxen.

Die 600-Liter-Plastikkiste war für Daniel Vouilloz aus Saxon VS so etwas wie eine Offenbarung. Vor etwa zehn Jahren testete er erstmals Module des französischen Anbieters Janny MT mit kontrollierter Atmosphäre (CA). Heute spielen sie auf seinem Gemüse- und Obstbaubetrieb eine Schlüsselrolle. 150 stehen in seinem Lager, fein säuberlich nummeriert. Denn es kann sein, dass in jeder Kiste ein anderes Produkt eingelagert ist. Blumenkohl, Fenchel, Salate oder Blattstielmangold beispielsweise. Oder dann gleich für mehrere Monate Äpfel, Birnen und Zwetschgen. «Dank den Boxen kann ich mehrere verschiedene Produkte im gleichen Kühlraum unterbringen und nutze damit den Platz sehr effizient aus», erklärt Vouilloz. Der Walliser bewirtschaftet rund 20 Hektaren Fläche je zur Hälfte mit Gemüse und Obst. Er ist Direktvermarkter und will seiner Kundschaft möglichst viel Vielfalt aus eigener Produktion anbieten, die Gemüsepalette ist entsprechend breit. Für Produzenten wie ihn sind die stabilen CA-Boxen aus Polyethylen auch aus arbeitstechnischer Sicht interessant. «Ich kann eine Kultur vollständig abernten und sie danach mehrere Tage oder Wochen in den Kisten lagern, ohne dass sie an Frische verliert.» Bei den Spargeln beispielsweise könne er laufend die reifen Stangen schneiden und einlagern, bis genug Ware vorhanden ist, um die von seinen Kunden bestellten Gemüsetaschen zu füllen. Nüsslisalat muss nicht täglich frisch geschnitten werden, trotzdem erhalten die Kunden permanent frische Ware.

Salate bleiben in der CA-Box bis zu drei Wochen frisch. 

Die Membran ist entscheidend

Das Funktionsprinzip der Module ist simpel: Die Plastikkisten werden im Kühlraum abgestellt und nach der Abkühlung der Produkte mit einem Deckel dicht verschlossen. In diesem sind sechs Öffnungen angebracht, die je mit einer Membran ausgestattet sind, die nur für bestimmte Gase durchlässig sind. Dadurch wird die Zunahme des CO2-Gehaltes und die Abnahme des Sauerstoffs in der Kiste reguliert. So entsteht in der Box die CA-Atmosphäre, ganz natürlich ohne Zugabe von zusätzlichen Stoffen. Abhängig von der «Atmung» des Produktes, werden ein bis sechs Deckel geöffnet. Die Kisten sollten dann erst wieder ein paar Stunden vor der Entnahme des Produktes geöffnet werden, damit sich das Gemüse oder Obst wieder an die normale Luft anpassen kann. 

Gemüse verliert weniger Gewicht

Daniel Vouilloz arbeitet seit vielen Jahren mit den Boxen von Janny Mt. 

Eingelagert in der Box profitieren die Gemüse von der permanent hohen Luftfeuchtigkeit, die kaum verloren geht. Verliert ein Kohl während der Lagerung bis am Schluss in offenen Paloxen bis zu 20 Prozent Gewicht, sind es hier gemäss Aussagen des Herstellers gerade einmal 1,5 Prozent. Vouilloz kann das nur bestätigen. «Die Ware nehme ich mehr oder weniger so raus, wie ich sie reingetan habe.» Wichtig sei, dass sie nicht feucht eingelagert werde. Er selbst nutzt die Kisten praktisch für alle Gemüse. Die Haltbarkeit ist aber unterschiedlich: Sie liegt bei zwei Wochen für Nüsslisalat, zwei Monaten bei Rosenkohl, vier Monaten bei den Randen oder bis zu einem halben Jahr bei Weiss- und Rotkohl. 18 Gemüse sind offiziell für die Einlagerung im Janny MT Modul geprüft. Viele Gemüsegärtner führen aber eigene Versuche mit allerlei Artikeln durch. Daniel Vouilloz öffnet eine Kiste mit zwei Jahre alten getrockneten Zwetschgen. Der Test zeigt: Sie schmecken einwandfrei. Vor allem beim Obst, das länger im Lager ist, kontrolliert er mit einer Sonde regelmässig den Sauerstoff- und CO2-Gehalt in der Kiste. Bei dem Gemüse sei das nicht nötig, sagt er. Es sei auch eine Frage der Erfahrung.

Produktionsspitzen brechen

Eine Box fasst maximal 200 kg Kohl oder 150 kg Lauch. Trotzdem ist das System nicht nur für Direktvermarkter wie Vouilloz interessant. Sind die Preise für Brokkoli gerade im Keller? Gut, wer seine Ware dann ein paar Wochen in einer Janny Box zurückhalten kann, bis die Preise sich möglicherweise erholt haben. Spitzen können so gebrochen werden, der Markt wird dadurch ausgeglichener und es entsteht im Idealfall weniger Foodwaste. Sogar bei Tomaten soll das System funktionieren, was Céline Kuentz von Janny MT aber so nicht offiziell bestätigen will. Denn bevor ihr Unternehmen ein neues Produkt für die Lagerung in den Boxen offiziell listet, werden jeweils aufwändige Versuche durchgeführt, was bei den Tomaten noch nicht der Fall sei. In diesem Jahr sind beispielsweise aber neu Knoblauch und Petersilie dazugekommen.

Jede Kiste ist mit sechs Membran-Öffnungen ausgestattet, die je nach Produkt offen bleiben oder mit einem Deckel verschlossen werden. 

Investition zahlt sich aus

Über Preise spricht das Unternehmen nicht in der Presse. Die Investition würde sich aber durch die Vermeidung von Verlusten auf den Feldern und im Lager sowie durch die Aufrechterhaltung der Qualität schnell auszahlen, erklärt Céline Kuentz auf Anfrage. Rund 200 Kunden zählt das Unternehmen in der Schweiz, die Mehrheit sind Obstproduzenten. Doch das Interesse nehme auch unter Gemüsegärtnern zu. Für Daniel Vouilloz ist klar: «Das System bringt vielen Gemüsegärtnern unabhängig von der  Grösse einen Mehrwert.» Ihm ermögliche es maximale Flexibilität. Dank den CA-Boxen kann er seine Kundschaft praktisch während des ganzen Jahres mit eigenen Produkten versorgen und das in maximaler Frische. 

Empfehlungen zur Gemüse-Lagerung mit Janny MT

ProduktTemperaturLagerung im 
klassischen Kühlhaus
Lagerung mit
CA Janny MT
Brokkoli+0°C3 Wochen1,5 Monate
Blumenkohl+0°C3 Wochen1,5 Monate
Cardy+2°C15 Tage45 Tage
Chinakohl+0°C2 Monate3 Monate
Knoblauch-1°C210 Tage300 Tage
Lauch+0°C15 Tage45 Tage
Mangold+2°C10 Tage28 Tage
Nüsslisalat+2°C5 Tage14 Tage
Petersilie+1°C7-10 Tage45 Tage
Randen+0°C2 Monate4 Monate
Rosenkohl+0°C3-5 Wochen2 Monate
Salat+0°C5 Tage21 Tage
Spargel+2°C5 Tage25 Tage
Spinat+0°C4 Tage15 Tage
Steckrübe+0°C1 Monat3 Monate
Weiss- / Rotkohl+0°C3 Monate6 Monate
Zuckerhut+0°C1 Monat2 Monate
Quelle: Janny MT

www.jannymt.com

Ethylen als alternativer Keimhemmer bei Zwiebeln

Vorzeitig gekeimte Zwiebeln sind nicht verkaufsfähig. Für die Keimhemmung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Immer mehr Zwiebelanbauer setzen in ihren Lagerräumen auf das natürliche Pflanzenhormon Ethylen. 

Das Ethylen wird mit diesem Gerät vor Ort aus Ethanol hergestellt.

Wenn das Laub vergilbt und grösstenteils trocken auf dem Boden liegt ist die Zeit für die Zwiebel-Ernte gekommen. Die letzten beiden Wochen entscheiden massgebend über die Lagerfähigkeit von Zwiebeln, die bis tief ins nächste Jahr reichen soll. Petrus spielt dabei eine wichtige Rolle: Ist es während der Ernte zu nass, sind Probleme in der Lagerung vorprogrammiert. Viele Gemüseproduzenten behandeln die Zwiebeln in dieser Phase mit dem Keimhemmungsmittel Fazor. Der Wirkstoff Maleinsäurehydrazid wirkt systemisch und sorgt dafür, dass die Zwiebeln in den kommenden Monaten nicht vorzeitig keimen. Die Behandlung erfolgt spätestens zwei Wochen vor dem Roden bei trockener Witterung. Das Zeitfenster ist also eng und kann im schlimmsten Fall nicht eingehalten werden, was dann im Lagerraum zur vorzeitigen Keimung von Zwiebeln führen kann. 

Ethylen als Alternative

Als Alternative zur chemischen Lösung steht seit ein paar Jahren bei Lagerzwiebeln die Begasung mit Ethylen zur Verfügung. Sie ist auch im Biolandbau zugelassen. Ethylen ist ein natürliches Pflanzenhormon, das als Reifegas beispielsweise von Äpfeln aber auch von Gemüsen wie Gurken, Lauch oder Brokkoli selbst abgegeben wird. Bei Zwiebeln und Kartoffeln verzögert es die Keimung. Der konventionelle Zwiebelproduzent Beat Meyer aus Dottikon AG setzt bei den Lagerzwiebeln seit zwei Jahren nur noch Ethylen ein. Der Aufwand sei etwas grösser als bei der Verwendung von Fazor, weil man im Lager mehr kontrollieren müsse. Ernsthafte Probleme gab es bei ihm bis jetzt keine. Allerdings hatte er seit der Umstellung von Fazor auf Ethylen noch nie Ware bis im Juni gelagert. «Erst dann werden wir sehen, wie gut das System auch bei längeren Lagerdauer funktioniert.» Kritiker fürchten, dass die Ware dann als Foodwaste endet. Gemäss Hersteller soll eine Lagerung ohne Keimung mit Ethylen aber bis im Juli möglich sein. Bei Meyer steht ein Ethylen-Generator der britischen Firma Restrain in den Kühlräumen. Ein Gerät reicht für 5 000 Tonnen Lagerzwiebeln. 

Es braucht nur eine Steckdose

Hans Hagenbuch von der Firma Netagco vertreibt das Restrain-System in der Schweiz. Für ihn der grösste Vorteil: «Es hinterlässt sicher keine chemischen Rückstände im Produkt.» Die Bedienung sei zudem sehr einfach. Eine spezielle Installation im Kühler ist nicht nötig, es braucht nur eine Steckdose, um das Gerät anzuschliessen. Der Mechanismus ist simpel: Mit der erzeugten Hitze wird Ethanol in Ethylen umgewandelt. Weil dieses vor Ort produziert wird, benötigt es auch keine offizielle Zulassung als Pflanzenschutzmittel. Entscheidend ist der Sensor, der die Abgabe des Ethylens in die Lagerumgebung steuert. Mit ihm verdient die Firma aus Grossbritannien ihr Geld. Bisher gibt es nichts Vergleichbares auf dem Markt. Restrain nimmt auch deshalb global quasi eine Monopolstellung bei der Produktion von Ethylen in der Zwiebellagerung ein. Das Unternehmen gibt an, weltweit rund 300 000 Tonnen Zwiebeln mit dem Verfahren zu behandeln. In bestimmten Fällen nutzen Produzenten Ethylen auch als Absicherung. Wenn es beispielsweise bei der Ernte Probleme gibt und Fazor deshalb nicht genug gut funktioniert. Dann wird beides eingesetzt, was zwar teuer ist, dafür kann der Posten «gerettet» werden. 

Umstrittenes Mietsystem

Restrain betreibt ein streng reglementiertes Mietsystem. Dabei ist es unter anderem verboten, das Ethanol woanders zu beziehen als bei Restrain respektive Netagco. Bei Zwiebeln mit dem bei der Lagerung  üblichen regelmässigen Luftaustausch sei der Kauf des «Schnaps» schon ein Kostenfaktor, sagt Zwiebelproduzent Meyer. Die Anwendung des «Druckertinte»-Systems und die Abhängigkeit von nur einem Anbieter passt denn auch nicht allen Gemüseproduzenten in den Kram. Sie sehen darin unter anderem einen Grund für die bisher höheren Kosten im Vergleich zu Fazor. 

Hans Hagenbuch ist allerdings überzeugt, dass sein Produkt in der gesamten Betrachtung günstiger sei. Erst recht jetzt, wo das Abrechnungssystem geändert hat. Neu bezahlt ein Produzent anstatt wie bisher 1500 Euro nur noch einen Euro Mietgebühr pro Gerät. Dazu bezahlt er pro Tonne Zwiebeln 3.25 Euro. Die geschätzten Einlagerungsmengen müssen vorab bei Restrain eingegeben werden. 75 Prozent der Beiträge sind vor Lagerbeginn fällig, die Endabrechnung erfolgt aufgrund der effektiven Tonnagen. Falls man auch in der Folgesaison mit dem Restrain-System arbeitet, müssen Ende Saison neu nur noch die Sensoren zur Revision zurückgeschickt werden. Hagenbuch ist überzeugt: «Mit der Anpassung der Preise wird das System nun auch für kleinere Produzenten interessant.»

Nicht neben Karotten

Doch gerade die im Vergleich zum Ausland eher kleinen Strukturen im Schweizer Gemüseanbau erfordern eine besondere Aufmerksamkeit beim Einsatz von Ethylen. Sind mehrere verschiedene Lagergemüse unter einem Dach untergebracht, wird es heikel. Entweicht Ethylen aus den Zwiebeln beispielsweise in die Kühlzelle von Karotten, dann werden diese bitter. Beat Meyer führte deshalb im ersten Jahr in allen Lagerräumen Messungen durch, um zu überprüfen, ob Ethylen entweicht. Mit einer Ausnahme seien alle Zellen dicht gewesen, sagt er. Trotzdem würde er – um ganz sicher zu gehen – anfällige Lagergemüse nicht im Raum gleich neben den Zwiebeln platzieren. 

Bei Erdmandelgrasbefall droht Stilllegung

Mit Erdmandelgras befallenes Feld mit Randen.

Immer mehr Biobetriebe kämpfen auf ihren Parzellen mit Erdmandelgras. Eine Umfrage zeigte, dass vorbeugende Massnahmen zur Verhinderung eines Befalls immer noch zu wenig bekannt sind.

Das Ungemach kam vor acht Jahren mit einer Ladung Humus aus Niederönz. Von dem Ort also, bei dem auf dem Geoportal des Kantons Bern für alle sichtbar viele orange Punkte erscheinen. Jeder Punkt steht für eine Parzelle mit einem von der Pflanzenschutzfachstelle eingetragenen Erdmandelgrasbefall. Der mit den kleinen Erdmandeln kontaminierte Humus wurde von der Gemeinde neben der frisch asphaltierten Strasse zur Ausebnung des angrenzenden Ackerlandes von Biobauer Fritz Widmer in Alchenstorf BE aufgeschüttet. Im Folgejahr fielen ihm beim Mähen die auffälligen Erdmandelgras-Blüten auf. Die Pflanzen habe er alle ausgelocht und mit dem Kehricht entsorgt, so wie es die Experten empfehlen. Es reichte nicht. «Im folgenden Frühling war das Erdmandelgras bereits überall.» Widmer hatte Glück im Unglück. Der für den Bau der Strasse zuständige Baumeister liess den gesamten Humus inklusive Erdmandeln wieder abtragen und durch sauberen ersetzen. Kosten entstanden für Widmer glücklicherweise keine. «Hätte ich das selbst bezahlen müssen, wäre es für mich teuer geworden», sagt Widmer erleichtert. Erfolgreiche Sanierungen wie hier sind aber eher die Ausnahme als die Regel.

Früherkennung ist entscheidend

Damals wusste Widmer noch kaum etwas über die Pflanze. Heute würde er ihre Blätter sofort erkennen. Natürlich hatte er schon vom Problemunkraut gehört. Aber wie es halt so sei: «Solange man nicht selbst betroffen ist, beschäftig man sich zu wenig mit der Problematik.» Die Früherkennung eines Erstbefalls ist bei Erdmandelgras aber extrem wichtig, weil sich die Pflanzen über die jahrelang keimfähigen Knöllchen im Boden explosionsartig verbreiten. Ist der Befall erst einmal da, wird die Bekämpfung des vom Ausland eingeschleppten Neophyten sehr schwierig und teuer. Selbst im konventionellen Anbau haben Herbizide nur eine Teilwirkung und funktionieren nur in Kombination mit anderen Massnahmen. Im Biolandbau bleiben eigentlich bei grossflächigem Befall nur eine angepasste Fruchtfolge, eine gezielte Bodenbearbeitung, das Ausgraben, Dauergrünland oder eine langjährige Schwarzbrache als realistische Bekämpfungsmethode übrig. Im schlimmsten Fall droht die «Stilllegung» der Parzelle.

Bei Fritz Widmer wurde die mit Erdmandelgras kontaminierte Erde weggeführt, heute ist die Parzelle befallsfrei.
Oft zu spät erkannt

Hansueli Dierauer ist am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick seit vielen Jahren die Ansprechperson, wenn es um Erdmandelgras geht. «Dieses verbreitet sich weiterhin schleichend aber kontinuierlich weiter», sagt er wenig euphorisch. Meistens erfolge die Verbreitung von Betrieb zu Betrieb über die Erde an Bodenbearbeitungs- oder Erntegeräten. Oft werde der Befall immer noch zu spät erkannt. Dazu sei es wenig hilfreich, dass es immer noch keine nationale Meldepflicht gebe. Diese besteht nur in einzelnen Kantonen. Deshalb weiss man bisher nicht so genau, wie viele Fälle es gibt. Das wäre aber die wichtigste Voraussetzung für die Prävention, findet Dierauer. «Lohnunternehmer müssen wissen, welche Parzellen betroffen sind». Im Biolandbau seien vor allem Gemüsefelder betroffen, sagt Dierauer. Auf einen Aufruf in einem Artikel in dieser Zeitschrift vor vier Jahren, sich bei einem Verdachtsfall zu melden, habe er aber gerade einmal zwei Anrufe erhalten, sagt er. Betroffene Bauern sind eher zurückhaltend mit Melden, weil ihnen bei einer Sanierung ein Verlust von Fruchtfolgefläche und damit auch wirtschaftliche Einbussen drohen.

Einige Kantone publizieren die Stellen mit Erdmandelgrasbefall online auf ihren Geoportalen. Hier sieht man die kontaminierten Stellen in Niederönz, von wo sie auf die Parzelle von Fritz Widmer gelangten.
Verschleppung verhindern

Die Dunkelziffer von nicht gemeldetem Erdmandelbefall dürfte beträchtlich sein, glaubt auch Pascale Sperling von der Berner Fachhochschule HAFL. Sie führte Anfang Jahr im Auftrag von Bio Suisse eine Umfrage bei Biobauern in besonders stark betroffenen Gebieten in den Kantonen Bern, Freiburg und Solothurn durch. Diese sollte mehr Klarheit in die aktuelle Situation auf Biobetrieben bringen, auch um den Handlungsbedarf besser abzuschätzen. Zwölf der 145 befragten Betriebe gaben an, Erdmandeln auf dem Betrieb zu haben, die meisten in einem geringen Umfang. Reagiert hätten sie alle richtig, sagt Sperling: «Alle haben angegeben, die Pflanzen ausgegraben zu haben». Allerdings gibt ihr zu denken, dass die Hälfte dies nicht als wichtigste Massnahme sieht. Die meisten Betroffenen betreiben eine mechanische Unkrautregulierung. «Diese ist bei geringerem Befall aber sogar eher kontraproduktiv, da die Erdmandeln entlang der Bearbeitungsspur weiterverschleppt werden». Die Umfrage zeigte, dass die Betroffenen über die Massnahmen zur Eindämmung von Erdmandelgras gut Bescheid wissen.

Vorsorge ist wichtig

Bei den vorbeugenden Massnahmen stellt die HAFL-Forscherin hingegen ein Wissensdefizit fest, obwohl diese in dieser Causa entscheidend sind. Nur ein Zehntel der befallsfreien Betriebe ergreifen gemäss Umfrage bewusst vorsorgliche Massnahmen gegen die Einschleppung, weil sie sich in einem Risikogebiet befinden. Dazu gehören der Verzicht auf den überbetrieblichen Maschineneinsatz bei Problembetrieben, Vorsicht beim Anbau von Risikokulturen wie Kartoffeln, Zuckerrüben oder Feldgemüse sowie keine Verwendung von ungeprüfter, betriebsfremder Erde oder Kompost. Ein Viertel der Befragten kennt aber solche Massnahmen nicht einmal. Fast die Hälfte weiss nicht, wo sich in ihrer Nähe kontaminierte Flächen befinden, obwohl diese in den Geoportalen der drei Kantone aufgeführt sind.

Die Umfrage zeigte, dass immer noch ein hoher Informationsbedarf besteht, obwohl in den letzten Jahren viele Artikel und Bilder in Fachzeitschriften publiziert worden und Informationen auf den Websites der Pflanzenschutzstellen abrufbar sind. Möglicherweise seien die Landwirte aber bereits mit anderen Informationen gesättigt, sagt Sperling. «Deshalb reagieren sie oft erst, wenn der Schaden entstanden ist.» 

Massnahmen bei Erdmandelgrasbefall

Bei geringem Befall Pflanzen mit Knöllchen bis zur Pflugsohle ausgraben und im Kehricht entsorgen, an dieser Stelle keine mechanische Bodenbearbeitung und Bodenbewegungen vermeiden.

Kontaminierte Flächen markieren und im Folgejahr kontrollieren.

Den Befall der Pflanzenschutzstelle und allenfalls dem Lohnunternehmer melden und sich beraten lassen.

Die Ausbreitung auf andere Parzellen unbedingt verhindern, Erdrückstände an Maschinen und Geräten noch auf dem Feld entfernen und auf dem Betrieb waschen.

Bei grossem Befall Anpassung der Fruchtfolge, Umwandlung in Dauergrünland oder eine mehrjährige Schwarzbrache (Bewilligungspflichtig).

Plötzlich Lieferdienst

Einen Hofladen zu betreiben ist schon anspruchsvoll genug. Aber richtig spannend wird es erst, wenn ein Lieferdienst eingerichtet wird und mehr als ein Standard-Gemüsekorb bestellt werden kann. Dann zeigt sich: Nicht jeder Landwirt ist zum Logistiker geboren.  

Retten, was zu retten ist. Als der Bundesrat am 13. März der Schweiz den Corona-Lockdown verordnete, war für Gemüsegärtner Marco Peter aus Wildensbuch ZH sofort klar: es musste so schnell wie möglich ein neuer Absatzkanal her. Normalerweise ist «GmüesPeter» mit seinem Gemüse auf mehreren Wochenmärkten in der Umgebung unterwegs. Nach deren Schliessung erweiterte er als Sofortmassnahme die Öffnungszeiten des Hofladens, der zuvor auf dem Betrieb eher ein Lückenbüsser-Dasein fristete. Darauf folgte bei Peter das Augenreiben, wie bei anderen Hofladenbetreibern auch. Die Leute kauften plötzlich gleich Kistenweise frisches Gemüse ein. Irgendwie logisch, dass ein Hauslieferdienst der nächste Schritt war. Die Idee wurde umgehend in die Realität umgesetzt. Doch Peter dürfte sich später einmal nur ungern an diese Phase erinnern. Sein Fehler: Er dachte aus seiner Wochenmarktanbieter-Perspektive. Der Kunde soll selbst auswählen können, welches Gemüse er will.

Komplexität unterschätzt

Gemüsegärtner Marco Peter.

Auf der Homepage stellte er sein reichhaltiges Angebot vor, bestellt wurde dann telefonisch und per Mail. «Wir wurden schliesslich eingedeckt mit Bestellungen, das Telefon klingelte pausenlos», sagt Peter. Der administrative Aufwand stieg für seine Verhältnisse in gigantische Dimensionen. Die Planung war schwierig, wenn Leute beispielsweise nachträglich zur bereits aufgegebenen Bestellung einen Bund Radieschen nachbestellten. «Der Lieferschein musste dann von Hand herausgesucht und angepasst werden.» Klar, dass dies schnell zu rauchenden Köpfen bei Peter und seinem Personal führte. Schon relativ bald passte er deshalb das Angebot an und stellte schweren Herzens auf das fix zusammengestellte GmüesChischtli um, was die Abläufe aber enorm vereinfachte. Bestellt wird die Kiste nun bis spätestens Dienstag per Onlineformular oder Telefon, die eigenen Leute liefern am Donnerstag bis vor die Haustür aus. Abgerechnet wird einmal pro Monat mit Sammelrechnung. Relativ einfach lassen sich die Routen für das auf die Region Schaffhausen, Winterthur und Frauenfeld eingeschränkte Liefergebiet managen. Sein Bruder empfahl ihm dazu die Routensoftware «RouteXL», die er sich vom Internet herunterlud. «Man muss nur die Adressen der Kunden eingeben, einen Knopf drücken und schon hat man die Route», erklärt Peter. Ob er den Hauslieferdienst nach dem Ende des Lockdowns weiterführt, macht er abhängig davon, wie viele von seinen etwa 90 belieferten regelmässigen Kunden das Angebot weiter nutzen wollen. Aber natürlich war er froh, als er im Mai die Kundschaft wieder auf den Wochenmärkten bedienen konnte. Trotz allem konnte er dank dem Hofladen und dem Lieferdienst wenigstens einen Teil seines Umsatzes retten, der ihm im Frühling auf den Wochenmärkten verloren ging.

Farmers Market im Aargau

Jörg Friedli und seine Schweizer Doris Hug-Friedli liefern seit dem Corona-Lockdown täglich frisches Gemüse an die Haushalte in der Umgebung.

Die Hauptkundschaft von Gemüsegärtner Jörg Friedli aus Wohlenschwil AG sind in normalen Zeiten Grosshändler, die Gastrobetriebe beliefern. Die Idee von mehr Direktvermarktung bestand schon lange, scheiterte bisher aber am intensiven Tagesgeschäft. Nach der corona-bedingten Schliessung der meisten Restaurants wurde in zwei Wochen ein Webshop aus dem Boden gestampft. Zudem wurde auf dem Betriebsgelände in bestehenden Gebäuden den Hofladen «Farmers Market» eingerichtet. Im Gegensatz zu seinem Kollegen Peter konnte er auf bestehende Strukturen zurückgreifen, da der Familienbetrieb schon bisher in einen 65 Hektaren grossen Gemüseproduktions- und einen Handelsbetrieb aufgeteilt war. «Wir können Synergien optimal nutzen», erklärt Friedli. Sechs Chauffeure beliefern schon seit Jahren täglich Gastrobetriebe mit dem eigenen Gemüse, erweitert mit auf dem Engrosmarkt in Zürich zugekauften Produkten. Routenplanungen sind für sie Alltag.

Auch Gemüsegärtner Friedli kann wenig mit fix zusammengestellten Gemüsekisten anfangen. «Die Wahrscheinlichkeit ist zu gross, dass etwas dabei ist, das dem Kunden nicht passt». Doch im Gegensatz zu Peter ist es ihm gelungen, den hohen eigenen Ansprüchen in seinem Webshop mit über 250 Artikeln in 16 Lebensmittelkategorien von Gemüse über Eier, Milch bis zu Tiefkühlprodukten gerecht zu werden. Wer übrigens bewusst Produkte vom Betrieb in Wohlenschwil möchte, wählt die Kategorie «Friedli Eigenanbau». Die restlichen Produkte werden mehrheitlich am Engrosmarkt beschafft, das geht im gleichen Zug mit den Bestellungen für die Gastrobetriebe. Deshalb kann online und im Farmer’s Market ein beachtliches Sortiment präsentiert werden.

Täglich bis vor die Haustüre

Ob ein Lieferdienst rentiert, ist auch abhängig davon, ob genug Personal und Fahrzeuge zur Verfügung stehen (hier auf dem Betrieb von Jörg Friedli).

Für den Handel verantwortlich ist Friedlis Schwester Doris Hug-Friedli. Die telefonisch oder per Online-Shop aufgegebenen Bestellungen führt sie auf einer Liste zusammen. Bestellungen im Shop sind bis um 20.00 Uhr möglich, ausgeliefert wird am nächsten Tag von Montag bis Samstag. Ab 3 Uhr früh stellen die Chauffeure die Bestellungen – im gleichen Zug mit denen für die Grosshändler –, für die Auslieferung an die Haushalte zusammen. Dabei achtet Doris Hug darauf, dass die Lieferscheine nach Regionen bereits etwas geordnet sind, was die Tourenplanung etwas vereinfache. Eine Routen-Software kommt bisher aber nicht zum Einsatz. «Die Chauffeure kennen ihre Touren mehr oder weniger auswendig, neue Adressen von Privatkunden geben sie vor Ort manuell ins Navigationsgerät ein», erklärt sie. Friedli ist zufrieden mit dem Umsatz, den er nun in der privaten Direktvermarktung erzielt. Den Lieferdienst will er beibehalten und weiter ausbauen.

Bestellflut für Setzlinge

Nach einer kräfteraubenden Lockdown-Zeit kann Setzlingsgärtnerin Sibylle Siegrist heute wieder lachen.

Nach einigen schlaflosen Nächten kann Jungpflanzenproduzentin Sibylle Siegrist aus Küttigen AG heute wieder lachen. Sie schaffte, was sie nach dem Lockdown kaum für möglich hielt: Ende Mai waren alle Setzlinge verkauft, unter anderem rund 30’000 Tomatenpflanzen und über 20 verschiedene Chilisorten. In normalen Jahren ist sie im Frühling auf den Spezialitätensetzlingsmärkten unterwegs, wo sie mehr als die Hälfte ihres Jahresumsatzes erzielt. Nach deren Absage wagte auch sie das Experiment mit einem Webshop, was für sie aber komplettes Neuland darstellte. Die Vielfalt ist ihr Markenzeichen, deshalb konnte die Kundschaft aus den über 170 verschiedenen Setzlingsarten auswählen. Zusätzlich zum frisch aufgesetzten Online-Shop kam noch ein Aufruf einer populären alternativen Vermarktungsplattform über Facebook, was zu einer Flut von Bestellungen führte. Siegrist musste den Online-Shop schliesslich vom Netz nehmen, damit sie die Bestellungen überhaupt rüsten und ausliefern konnte. Sie hätte die Notbremse ziehen müssen, weil sie sonst wahrscheinlich wegen der Belastung zusammengebrochen wäre, sagt sie. Erst so fand sie die Zeit, um mit Helfern die 1600 Pakete mit Setzlingen zu packen und in die ganze Schweiz auszuliefern. Für diesen Job stellte sie während einer Woche extra einen Fahrer an. «Das Fahrzeug war vorhanden, deshalb machte es keinen Sinn, die Lieferungen ganz auszulagern», erklärt sie. Die Routen wurden nach Regionen aufgeteilt und manuell geplant. «Eine Software wäre hier sicher effizienter gewesen», sagt Siegrist rückblickend. Unter dem Strich rechnet sie in diesem Jahr mit etwa einem gleich hohen Gewinn, wie sie sonst auf den Setzlingsmärkten erzielt. Obwohl sie die Erfahrung nicht missen möchte, werden ihr die Corona-Wochen vor allem als extrem anstrengend in Erinnerung bleiben. «Ob ich mir das mit dem Online-Shop noch einmal antun werde, weiss ich jetzt noch nicht.» Immerhin hat es gezeigt, dass Setzlinge ganz gut ins digitale Zeitalter passen.

https://www.gmuespeter.ch

https://www.friedli-gemuese.ch

https://www.setzling.ch

Lieferung per Post als Alternative
Seit vier Jahren bietet die Post einen Zustelldienst für regionale Frisch-Produkte an, indem sie ihr bereits bestehendes Verteilnetz nutzt. Rund 45 Bauernbetriebe profitieren bisher vom Service. Im Vergleich zum Vorjahr hätten sich bei diesen die Anzahl Bestellungen wegen Corona verfünffacht, teilt die Post auf Anfrage mit. Die Mehrheit liefert die Taschen oder Boxen mit Adressen und Barcodes versehen selbst an einer der schweizweit 530 Zustellstellen der Post ab. Diese übernimmt dann mit ihren Postboten die Feinverteilung und verrechnet pro Einheit je nach Art von Gebinde um die Fünf Franken. Zusätzlich besteht die Möglichkeit, dass die Post gegen eine Zusatzgebühr die Ware auf dem Betrieb abholt und selbst zu den Poststellen bringt. Mit dem Angebot der Post bietet sich vielen Landwirten die Möglichkeit, ihrer Kundschaft einen Heimlieferdienst ohne eigenen Personal- und Logistikaufwand anzubieten.
www.post.ch/zustellung-regionaler-produkte

App für die Routenplanung
Die Software Route XL erlaubt die bequeme Planung der Route über den Computer. Man loggt sich auf www.routexl.de ein und gibt die zu beliefernden Adressen ein. Anfangs und Endpunkt wird bestimmt und auf «Route finden» geklickt. Die ideale Route wird auf der Karte sichtbar. Sie kann nun ausgedruckt oder noch besser direkt auf Google-Maps übertragen werden, von wo aus sie auch mit SMS auf das Mobiltelefon gesendet werden kann, das dann über Google-Maps durch die Route führt. Alternativ kann die Datei auch in einem anderen Navigationsgerät wie beispielsweise TomTom verwendet werden. Der Dienst ist bis 20 Adressen gratis, danach kostet er täglich 5 Euro respektive monatlich 40 Euro (bis 100 Adressen) oder 10 Euro und 75 Euro (bis 200 Adressen). Im Play Store stehen weitere Planungs-Apps zur Verfügung wie beispielsweise der Multi Stop Routenplaner.