Jungpflanzen auf Bändern

In diesem Jahr wurden in der Schweiz erstmals Jungpflanzen mit dem PlantTape-Verfahren gesetzt. Die Kulturzeit der Pflanzen dauert zwar etwas länger, dafür sollen sie aber robuster sein. 

Vor fünf Jahren sah Pascal Probst auf YouTube erstmals eine PlantTape-Setzmaschine im Einsatz. Das Gerät aus den USA, das Setzlinge mit einem neuen Verfahren schneller und effizienter in den Boden bringt als die bisherigen Setzmaschinen, faszinierte den Mitarbeiter des Jungpflanzenherstellers SwissPlant GmbH in Müntschemier. Das möchte ich unseren Kunden auch anbieten können, dachte er sich. Auch sein Chef Martin Löffel fing Feuer. Seit diesem Frühling steht das Gerät in der Schweiz im Einsatz. Roger Jampen von Jampen Landmaschinen AG aus dem gleichen Dorf hatte die Maschine sogar schon länger als Probst im Visier: «Mich überzeugte, dass sie mechanisch funktioniert und ohne heikle Elektronik auskommt». Er baute die Maschine auf Schweizer Verhältnisse um. Das Original aus den USA war zu schwer und zu wenig flexibel, bei seiner Version sind die Spuren und Reihenabstände nun schnell anpassbar. Mehr

Photovoltaik: 97 Prozent Eigenverbrauch

Dank der Eigenverbraucherlösung sind Solaranlagen wieder rentabel. Je mehr Solarstrom zeitgleich vor Ort genutzt wird, desto besser. Wie beispielsweise auf dem Gemüsebaubetrieb von Brigitte Schurter-Eymann in Winkel.

Investitionen in Solarstrom lohnen sich wieder. Vor allem wenn er zu einem hohen Anteil gleich vor Ort verwendet wird. Auf dem Gemüsebaubetrieb von Brigitte Schurter-Eymann in Winkel ZH braucht es unter anderem für die Kühlräume und vor allem für die Convenience-Produktion viel Strom. Ein Teil davon kommt seit August vom Dach auf der Verarbeitungshalle. 475 Quadratmeter Photovoltaikmodule liefern dort künftig jährlich um die 90 000 Kilowattstunden Solarstrom. Als Überschuss ins öffentliche Netz fliesst praktisch nichts mehr, der Eigenverbrauchsanteil beträgt nämlich beachtliche 97 Prozent. Elf Prozent der Stromkosten spart Brigitte Schurter vor-aussichtlich pro Jahr ein. Die 88 kWp-Anlage kostete sie 130 000 Franken, abzüglich der Einmalvergütung von 30 000 Franken. Läuft alles normal, ist die Anlage in zehn Jahren amortisiert. Mehr

Schweizer Wassermelonen sind Exoten

Wassermelonen sind beliebt bei grosser Hitze! Besonders gut schmecken sie frisch aus der Region. Der Aargauer Landwirt Christian Weber baut seit acht Jahren Wassermelonen an.

Hitze, kaum Regen und versiegende Wasserquellen. Wer weiss, welche Kulturen die Bauern in ein paar Jahrzehnten in der Schweiz anbauen werden, wenn sich solche Dürren wie in diesem Jahr tatsächlich häufen sollten? Vielleicht Wassermelonen? Die Mini-Wassermelonen von Christian Weber aus Fischbach-Göslikon kommen in der aktuellen Trockenheit dank sparsamer Tröpfchenbewässerung tatsächlich mit wenig Wasser aus. Ob sie noch gröbere Hitzewellen schadlos hinnehmen würden, ist aber fraglich, denn die Sorte wurde extra für das milde Klima in nördlicheren Ländern entwickelt. Der Aargauer Landwirt stieg vor acht Jahren in den Anbau von Wassermelonen ein, damals noch gemeinsam mit drei anderen Kollegen. Der Anbau und die Vermarktung der konsumfreundlichen, kernarmen Minisorte unter dem Namen «Swiss Melody» sind aber anspruchsvoll. Wohl auch deshalb sind mittlerweile alle seine Kollegen aus der Produktion ausgestiegen. Der Anfangseuphorie ist mittlerweile verflogen. Heute weiss er nur noch von zwei Bauern in Genf und seit diesem Jahr von einem im Berner Seeland, die Schweizer Wassermelonen anbauen. Nachdem «Swiss Melody» im Jahr 2012 von der Migros Luzern noch mit dem Innovationspreis «Goldene Sonne» ausgezeichnet worden war, hält sich dort die Begeisterung mittlerweile im überschaubaren Rahmen. Im letzten Jahr nahm ihm nur noch der Migros-Onlinehändler LeShop seine Wassermelonen ab. Vielleicht habe es damit zu tun, dass wir einmal nicht genug Ware an eine Migros-Genossenschaft liefern konnten, vermutet Weber. Immerhin kündigt Migros Sprecherin Martina Bosshard an, dass diverse Genossenschaften in den nächsten Wochen die Schweizer Wassermelonen unter dem Label «Aus der Region. Für die Region» wieder ins Sortiment aufnehmen werden. Mehr

Holländischer Milchbauer in Not

Jorrit Postma machte auf seiner Milchfarm eigentlich vieles richtig. Doch die Einführung der Phosphor-Kontingente bringt ihn nun in Existenznöte.

Schon als Kind wollte Jorrit Postma immer Bauer werden. Vor zehn Jahren ging der Traum schneller als erwartet in Erfüllung. Nach dem Unfalltod seines alleinstehenden Onkels war klar, dass er den Familienbetrieb in Longerhouw in nächster Generation weiterführen sollte. Er erhielt die 47 Hektaren und die Gebäude zum Vorzugspreis von 500000 Euro. Den Kopf voller Ideen und Pläne zog er im zarten Alter von 20 Jahren von der Stadt nach Friesland in den Nordosten Hollands, um die Milchfarm seiner Familie in die Zukunft zu führen. Bald lernte er dort seine heutige Frau Frederika kennen, alles schien bestens. Weil in der Region eigentlich nur Gras wächst, war klar, dass er bei der Milchproduktion bleiben würde. Sein Plan war vernünftig: «Ich startete mit 30 Kühen und wollte die Herde mit eigenen Tieren ausbauen», sagt er heute. Doch er dachte nicht an die unberechenbaren Launen der Politik. Jorrit hätte nämlich auch gut mit einer kleinen Herde von 50 Tieren leben können. «Doch diese reicht in Holland nicht mehr zum Überleben.» Schon gar nicht nach der Aufhebung der EU-Milchkontingentierung im Jahr 2015, als sich viele holländische Milchbauern mit einer Produktionsausdehnung im deregulierten Markt besser positionieren wollten. Also spurte auch er in die Hochleistungsspur ein. Er nahm bei der Bank eine Million Euro auf für einen neuen Stall mit Platz für 200 Kühe, installierte zwei Melkroboter, erhöhte die Anzahl Kühe und stellte zwei Arbeitskräfte ein. Der Finanzplan schien realistisch und sollte nicht mit dem zu schnellen Ausbau der Herde überstrapaziert werden. Doch Vernunft ist nicht immer der beste Ratgeber, wie sich heute auf dem Hof zeigt. Hätte er nämlich am 2. Juli 2015 nicht erst 110 Kühe gehabt, müsste er heute nicht um die Zukunft des Betriebs bangen. Mehr

Blockchain in der Frischelogistik

Sensoren messen die Luftfeuchtigkeit: Die Informationen könnten auch in der Blockchain gespeichert werden.

Mit der Blockchain-Technologie stösst die Rückverfolgbarkeit und Transparenz von Gemüse in neue Dimensionen vor. Was noch Zukunftsmusik ist, könnte bald Wirklichkeit werden und die Frischelogistik komplett umkrempeln. 

Wer erinnert sich noch an die Ehec-Krise im Jahr 2011? Als plötzlich über 3500 Menschen in Deutschland an Infektionen mit dem gefährlichen Darmkeim erkrankten und 53 gar daran starben? Es folgten damals Wochen der Unsicherheit: Plötzlich kaufte in der Schweiz niemand mehr Gurken, weil Gerüchte diese als mögliche Infektionsquellen ausmachten. Nach wochenlangen Recherchen identifizierten die Behörden schliesslich einen Deutschen Sprossenanbaubetrieb als vermeintliche Hauptquelle des gefürchteten Darmkeims. Bis heute bestehen allerdings grosse Zweifel, ob der Betrieb wirklich alleine am Ursprung der Krise stand. Nicht nur weil die fragliche Sprosse mit dem Keim zum damaligen Zeitpunkt gar nicht mehr existierte. Denn das Rückverfolgbarkeitssystem war schlicht zu langsam und offensichtlich mangelhaft. Mehr

Der Spargel füllt jetzt seine Akkus auf

Die jüngsten Spargelkulturen von Hans Amsler wachsen nicht so, wie sie sollten.

Üppiges grünes Kraut nach der Ernte entscheidet beim Spargel über den Erfolg im kommenden Frühling. Dafür braucht es ausreichend Dünger, Wärme und Wasser. Unkraut, Krankheiten und Schädlinge müssen frühzeitig bekämpft werden.

Geduld bringt Rosen – oder Spargel im Fall von Hans Amsler aus Bözen AG. Vor 11 Jahren setzte er erstmals 1,5 Hektaren Spargel in seinen lehmigen Boden im Fricktal. Experten würden dies als Hochrisiko bezeichnen, denn der Spargel bevorzugt gemäss Fachliteratur leichte Böden. Der Anfang sei dann auch schwierig gewesen, sagte Amsler. «Doch seit ein paar Jahren erzielen wir auf der Parzelle sensationelle Erträge». Er liefert heute den einzigen Grünspargel mit dem Jurapark-Label an Coop. Mehr

Intelligente Anbautechnik an der ÖGA

Präzisions-Zinkenstriegel mit elektronischer Zinkendruckverstellung von Treffler.

Der Gemüseanbau wird definitiv digital. Neue Technologien werden entwickelt oder Bewährtes wird nachgerüstet. An der ÖGA wurden Zukunftslösungen für eine effizientere Gemüseproduktion vorgestellt. 

Unkraut lässt sich auf vielfältige Arten bekämpfen. In den letzten Jahrzehnten waren Herbizide die effizienteste Lösung, doch deren Einsatz ist bekanntlich aus politischen Gründen umstritten und wird immer mehr eingeschränkt. An der 30. Ausgabe der ÖGA in Koppigen präsentierten einige Firmen alternative Unkrautbekämpfungsmethoden. Die Zasso Group aus Aachen (D) hängt am Traktor einen zapfwellenbetriebenen Stromgenerator an, der Strom fliesst über einen Applikator durch Blatt und Stiel und den Boden, die Pflanze wird zerstört. In Versuchen war die Methode wirksamer als Glyphosat. Das Interesse am Gerät sei gross, sagte Thomas Gennen von Zasso. Doch bisher bestehen erst Prototypen. Die Marktreife erwartet er im Jahr 2020. Mehr

Gemüse aus dem Container

Das in der Schweiz entwickelte greenmodul ermöglicht ganzjährige Ernten auf kleinstem Raum, unabhängig von Wetter und Boden.

Mit Salaten auf 8,4 m2 Fläche über 10‘000 Franken Erlös erzielen? Der Physiker Markus Glesser aus Schaffhausen ist überzeugt, dass dies möglich ist. Allerdings nicht mit dem herkömmlichen Anbau im Boden sondern in einem freistehenden Container, der mit intelligenter Technologie ausgestattet ist. Der Prototyp dieses Moduls steht zurzeit auf einem Parkplatz. Im letzten Jahr wuchsen darin auf fünf Etagen in kontrollierter Atmosphäre Salate in Metallrinnen, ohne Erde nur im Wasser, welches mit einer Mischung aus mineralischem und organischem Dünger angereichert wurde. LED-Lampen in verschiedenen Farbspektren versorgen die Salate mit dem nötigen Licht. Aber nicht nur: Über einen in der Schweiz und in der EU patentierten Spiegelschacht und Innenspiegel in der Mitte des Raumes werden die Pflanzen rundum mit Tageslicht versorgt. «Die LED-Lampen brennen nur in der Nacht und teilweise im Winter», erklärt Glesser. Der Unterschied zu anderen, bereits bestehenden ähnlichen Indoor-Anbausystemen liegt deshalb im bis zu 60 Prozent tieferen Energieverbrauch. Die Zahlen sind minutiös durchgerechnet. Demnach spart sein Modul wegen der Tageslichtnutzung in der 6-Meter-Version im Vergleich bis zu 7000 Franken Stromkosten pro Jahr ein. Damit kann man alle sieben Jahre ein zusätzliches Modul in dieser Grösse dazukaufen. Kosten pro Modul: 46000 Franken. Mehr

Auf dem Erdbeerfeld muss Ordnung sein

Erika und Thomas Schaub führen den Erdbeerbetrieb im Thurgau in drittter Generation.

Seit drei Generationen betreiben die Schaubs im Thurgau ein Selbstpflückfeld für Erdbeeren im Freiland. Die Qualität und das Vertrauen der Kundschaft zum Erdbeeranbauer entscheiden über den Erfolg.

Verbrieft ist es nirgendwo, doch es ist gut möglich, dass der Grossvater von Thomas Schaub der erste Erdbeeranbauer in der Schweiz war, der seine Felder für die Kundschaft zum Selberpflücken öffnete. Seit über 60 Jahren wachsen auf dem Langacker in Mettendorf TG Erdbeeren. Die Idee des Selbstablesens war damals allerdings mehr aus der Not geboren worden, erzählt Thomas Schaub. «Wegen einer Überproduktion brachen die Preise massiv ein und der vom Konfitüren-Verarbeiter offerierte Preise war so tief, dass sich das Ablesen nicht mehr lohnte». Deshalb habe sein Grossvater den Frauen in der Umgebung kurzum angeboten, dass sie bei ihm für 1 Franken pro Kilogramm die Erdbeeren selbst ablesen können. Das hatte offenbar gut funktioniert: «Im Folgejahr riefen die Leute an, ob sie wieder zum Selberpflücken kommen können.» Mehr

Der Roboter erledigt das Mühsame

Zwei französische Gemüsegärtner setzen auf die Hilfe des autonomen Hackroboters Oz von Naïo. Dank ihm konnten beide ihre Anbaufläche erhöhen und kommen nun sogar ohne Herbizide aus. Der Oz eignet sich vor allem für kleinere Betriebe.

Zurzeit hat sein kleiner Hackroboter Oz zu wenig Kraft. «Sein Blei-Akku muss ersetzt werden», sagt Franck Echard aus Saint-Martin-des-Bois. Der Gemüsegärtner baut auf seinem 5 Hektaren grossen konventionellen Betrieb zwischen Nantes und Paris Gemüse und Beeren für die Direktvermarktung an, und beschäftigt zwei Arbeiter. Es sei schwierig, für die schweren Arbeiten auf dem Gemüseacker Personal zu finden. Auch deshalb hat er sich vor drei Jahren für 23 000 Euro den kleinen Hackroboter des französischen Herstellers Naïo gekauft: «Nur dank ihm konnte ich meine Anbauflächen vergrössern.» Mehr