Bio-Gewächshäuser nur noch klimaneutral beheizen

Gewächshäuser für Biogemüse sollen langfristig zu hundert Prozent mit erneuerbaren Energien beheizt werden. Bio Suisse präzisiert deshalb ihre Anforderungen.

Biogemüsegärtner David Maurer in Diessbach heizt seine Gewächshäuser hauptsächlich mit Wärme aus der Biogasanlage.

Biogemüsegärtner David Maurer aus Diessbach heizt seine Gewächshäuser seit neun Jahren mit der Wärme aus dem Blockheizkraftwerk von der Biogasanlage gleich nebenan. Diese gilt als klimaneutral und die Menge reicht in den Wintermonaten problemlos aus, um Salate, Kresse oder Stangensellerie frostfrei unter 5 Grad zu halten. Mehr ist im Biolandbau gar nicht erlaubt, ausser wenn das Gewächshaus sehr gut isoliert ist. Während konventionelle Gemüseproduzenten im Januar Tomaten setzen, startet die Saison für David Maurer frühestens am 1. März. So sehen es die Richtlinien von Bio Suisse vor. Tomaten und Gurken brauchen dann deutlich mehr Wärme als die «Wintergemüse». Gibt es Minustemperaturen braucht es plötzlich für ein paar Stunden viel Energie – mehr als die Biogasanlage auf einmal liefern kann. Dann startet in Diessbach die Ölheizung. «Ich brauche diese, um die Verbrauchsspitzen abzudecken», erklärt Maurer. Und das wird nun zum Problem. Denn vor einem Jahr gab Migros bekannt, dass sie ab 2025 nur noch Gemüse aus komplett mit erneuerbaren Energien beheizten Gewächshäusern beziehen will. Pech für ihn, denn er liefert einen Teil seines Gemüses an den Grossverteiler. Diesen interessiert wenig, dass der Ölbrenner vor drei Jahren komplett erneuert wurde, alle alten Pumpen durch energieeffiziente ersetzt wurden oder Photovoltaikmodule auf dem Dach stehen. «Wir haben viel in erneuerbare Energien und Effizienz investiert in den letzten zehn Jahren», sagt Maurer ernüchtert. Nicht nur er, sondern auch der Verband Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) und Bio Suisse wurden von den Plänen von Migros überrascht. Mehr

Autopilot darf noch nicht alleine fahren

Dem Durchbruch von autonomen Feldrobotern stehen zu viele ungeklärte rechtliche und sicherheitsrelevante Fragen im Weg. Technologisch sind nun bereits ein paar Hersteller soweit, dass sie praxistaugliche Geräte anbieten können.

Der Traum von völlig selbständig arbeitenden Agrarroboter auf den Feldern wird nur langsam wahr. Neben technischen Schwierigkeiten fehlt es vor allem an griffigen gesetzlichen Rahmenbedingungen, welche das autonome Fahren regeln. So lautet das Fazit des vierten internationalen Forums für Agrarroboter (FIRA), das im Dezember in Toulouse stattfand.  Mehr

Heizen im Gewächshaus: Die Spitzenlasten sind das Problem

Die Schweizer Gewächshausproduzenten müssen künftig mit fossilfreien Energieträgern arbeiten. Eine Alternative wäre Holz. Die Kombination verschiedener Energieträger drängt sich aus wirtschaftlichen und ökologischen Gründen auf.

Immer mehr Gemüsegärtner bauen eine Holzschnitzelheizung ein.

Der Bundesrat will den CO2-Ausstoss in den nächsten Jahren massiv reduzieren. Auch die Gemüsebranche muss ihren Beitrag dazu leisten. Der Detailhändler Migros schlug Anfang 2019 einen ersten Pflock ein, als er bekanntgab, ab 2025 nur noch Schweizer Gemüse und Früchte aus fossilfrei beheizter Gewächshausproduktion abzunehmen. Seither herrscht in der Schweizer Gewächshausbranche ein emsiges Treiben auf der Suche nach CO2-neutralen Alternativen zu den Gas- und Ölheizungen.  Mehr

Nur schlechter Kompost stinkt

Der Humusverlust auf intensiv genutzten Böden ist beträchtlich. Mit der Ausbringung von Kompost kommt organische Masse zurück in den Boden. Doch die «richtige» Herstellung von Kompost ist nicht ganz ohne. 

Es war eine Hiobsbotschaft für den Gemüsegärtner Rolf Etter von der Betriebsgemeinschaft bioleguma, als das fribourger Kantonsgericht im Herbst die bereits erteilte Baubewilligung für die geplante Kompostieranlage in Ried wieder aufhob. Eines der Hauptargumente der Einsprecher war die befürchtete Geruchsbelastung der Nachbarn. Das zeigt: Kompost hat einen schlechten Ruf. Das müsste nicht sein, wenn es nach dem Kompostexperten Urs Hildebrandt geht. Denn er sagt: «Guter Kompost stinkt nicht.» Der gelernte Gärtner erklärt Landwirten mittlerweile auf der ganzen Welt, wie richtiges Kompostieren geht. Auch Rolf Etter liess sich von ihm überzeugen. Ihm ging es vor allem darum, den Anteil des eingesetzten Handelsdüngers zu ersetzen und den Humusaufbau zu fördern. Mit Material aus der regionalen Kompostieranlage in Galmiz hatte er keinen Erfolg. Also suchte er nach Lösungen, wie er besseren eigenen Kompost herstellen konnte, nicht zuletzt auch, um die vielen Grünabfälle im Kreislauf zu behalten. Mehr

Präventiv gegen Erosion

Dammkulturen sind besonders anfällig auf starken Regen. Es gibt einige technische Möglichkeiten, um Erosion zu verhindern. Doch vor allem sollten die Dämme nicht aus zu feiner Erde bestehen.

Der Dyker wirkt zwischen den Dämmen.

Nicht der schönste Damm ist der beste Damm. Ist die Erde nämlich zu fein und enthält nur wenig Struktur, dann ist der Damm insbesondere bei Starkregen anfällig auf Erosion. Der «Fünflibertest» zeigt auf, ob der Boden zu fein bearbeitet wurde. Dazu legt man einen Doppelmeter so aus, so dass sich ein Rechteck von 40 auf 60 cm ergibt. In diesem Bereich sollten etwa 20 Erdstücke grösser als der Fünfliber und dazu ein paar vereinzelte faustgrosse Schollen vorhanden sein. Der Bodenverlust bei Erosion an sich ist für die langfristige Erhaltung der Fruchtbarkeit schon genug schlecht. Dazu kommt die Gefahr des Ausschwemmens von Pflanzenschutzmitteln. Und auch rechtlich droht Ärger, weil jeder Gemüsegärtner von Gesetzes wegen verpflichtet ist, auf Risikoparzellen vorbeugend Massnahmen zu ergreifen. Die Erhaltung einer guten Bodenstruktur liegt deshalb im Interesse des Gemüsegärtners. Humusbildung durch Einbringen von organischer Masse, Fruchtfolge und eine angepasste Bodenbearbeitungen sind die Grundrezepte dazu.  Mehr

Aus für den Erdpresstopf?

Der Bundesrat will den vollständigen Ausstieg aus der Verwendung von Torf. Das Bundesamt für Umwelt strebt deshalb in diesem Jahr eine Absichtserklärung zur Reduktion des Torfeinsatzes mit der Gemüsebranche an. 

Er gehört anbautechnisch auf Profigemüsebaubetrieben seit den 70iger Jahren zur Grundausstattung. Ein grosser Teil des Anbausystems ist nach ihm ausgerichtet. Das liegt an seinen speziellen Substrat-Eigenschaften, welche eine unerreichte Homogenität und Festigkeit erlauben. Die halbautomatischen oder automatischen Pflanzmaschinen sind ganz danach ausgerichtet. Dank seines hohen Torfgehaltes kann er bis zum 21-Fachen des Eigengewichts an Wasser und darin gelösten Nährstoffen speichern und bei Bedarf an die Jungpflanze abgeben. Kurzum: Der Erdpresstopf ist anbautechnisch ein Wunderkind. Doch sein Ruf gerät immer mehr in Verruf. Weshalb? Sein Grundbaustein Torf hat den Ruf eines Klimakillers. Er gilt als fossiler Rohstoff und beim Abbau entweicht entsprechend viel CO2. In der Schweiz darf er seit 1987 nicht mehr ab-gebaut werden, das geschieht nun dafür aber im Ausland: Die Obst- und Gemüsebranche importiert jährlich rund 150 000 m3 Torf, hauptsächlich aus Deutschland und Holland (Stand 2014).  Mehr

Plötzlich ohne rechte Hand

Nach einem schweren Arbeitsunfall vor etwas mehr als einem Jahr will Dominik Howald nur eines: So schnell wie möglich wieder als Landwirt arbeiten.

Dominik Howald verlor bei einem Arbeitsunfall seine rechte Hand.

Bis spät in der Nacht war Dominik Howald am Vorabend noch auf dem Kartoffelfeld unterwegs. Am folgenden Morgen steht der gelernte Landmaschinenmechaniker dann bereits wieder auf dem Acker in Dettligen, wo er im Lohn für seinen Arbeitgeber Seeland BIO unterwegs ist. Er sieht den bedeckten Himmel. Sein Hirn stellt instinktiv in den Modus «möglichst schnell alle Kartoffel rausnehmen, bevor der Regen kommt». Noch husch-husch die in der Walze eingewickelten Stängel des Krautes vom Vortag entfernen. Doch: Mit blosser Manneskraft unmöglich. Dominik Howald startet deshalb den selbstfahrenden Siebkettenroder DeWulf RC 3060 und lässt die Walze laufen. Er greift hinein und es passiert. Sein rechter Arm wird zwischen Siebband und Zupfwalze hereingezogen. Er ist allein. Schreit um Hilfe. Irgendwie gelingt es ihm, mit dem linken Arm sein Mobiltelefon aus der rechten Hosentasche zu ziehen. Doch der Fingerprint ist für den rechten Zeigefinger eingestellt. Erst im zweiten Versuch kann er den Bildschirm mit dem Code entsperren. Es ruft einen Freund an, von dem er weiss, dass er in der Nähe arbeitet. Doch dieser ist unterwegs, alarmiert aber seine Arbeitskollegen. Die Maschine läuft immer noch, verschlingt den rechten Arm richtiggehend. Ein Spaziergänger hört die Hilferufe und ruft die 144 an. Die Walze dreht unbarmherzig weiter. Mehr

Wer erntet künftig das Biogemüse?

Janos Akbari aus Afghanistan und Solomon Kaleab aus Eritrea arbeiten als Festangestellte auf dem Gemüsebaubetrieb in Bibern.

Der Biogemüseanbau ist sehr arbeitsintensiv. Doch die Rekrutierung von Arbeitskräften wird immer schwieriger. Der zunehmende Kostendruck in der Branche macht das Ganze nicht einfacher.

In Grossbritannien bleibt das Gemüse auf den Feldern liegen, weil es zu wenig Erntehelfer hat. In Deutschland fehlen polnische Spargelstecher und in Kalifornien mexikanische Salatpflücker. Der Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft ist ein weltweites Phänomen. Wie sieht es in der Schweiz aus? Einheimische seien sowieso schon lange nicht mehr bereit, sich für den relativ tiefen Lohn während bis zu 52.5 Stunden pro Woche über Brokkoli und Salate zu bücken, sagt Biogemüsegärtner Rolf Etter von der Betriebsgemeinschaft Bioleguma in Ried bei Kerzers. Aber auch die Rekrutierung von ausländischen Arbeitskräften werde immer schwieriger. «Obwohl wir in vielen Fällen deutlich mehr bezahlen als der vom Bauernverband vorgegebene Richtlohn von 3270 Franken». Nicht selten wandern ausländische Hilfsarbeiter nach wenigen Monaten von den Gemüsefeldern in das lukrativere Gewerbe ab. Mehr

Die Weide reicht nur für drei Monate

Die Hälfte des Futters für die Biokühe der Lafranchi-Ranch kommt wegen dem trockenen Klima von auswärts. Das Know-how zur Verarbeitung der eigenen Milch zu Käse holten sich die Lafranchi-Brüder in der Heimat ihres Grossvaters im Tessin.

Die Lafranchi-Farm im Nicosia Valley wurde vor 100 Jahren gegründet. Die Hauptweidezeit ist von Februar bis Juni.

Fredolino Lafranchi aus Maggia TI ist 17-jährig als er beschliesst, sein Glück auf dem amerikanischen Kontinent zu suchen. Er findet es in Kalifornien, wo er vor genau hundert Jahren seine erste Milchfarm kauft. Für ihn geht damit ein Traum in Erfüllung. In der hügeligen mit Eichenbäumen durchsetzen Landschaft wächst vor allem Gras, ideal also für die Milchviehhaltung. Das Klima 50 Kilometer nördlich von San Francisco ist mediterran, entsprechend ist es im Sommer trocken und es wächst kaum Futter. Die Milchwirtschaft ist in der Region noch wenig entwickelt, deshalb arbeitet Fred laufend an der Verbesserung der Futtergrundlage. Er baut ein Silo, das er mit Gras füllt und mit Hafer mischt. 1930 melkt er über 100 Guernsey-Rinder. Als einer der ersten im Tal kauft er sich einen Traktor und baut einen für damalige Verhältnisse modernen Stall. Mehr

Turbulenzen auf dem Karottenmarkt wahrscheinlich

Eine Annahme der Trinkwasserinitiative würde den Anbau von Karotten deutlich verteuern. Optionen für Gemüsebaubetriebe wären der Verzicht auf Direktzahlungen und «weiter wie bisher». Oder der Umstieg auf Bio.

Gemüsegärtner Reto Huber aus Sünikon produziert auf rund 30 Hektaren Karotten.

Auf Bio umstellen? «Falls nötig: ja», sagt der Gemüsegärtner Reto Huber aus Sünikon ZH. Er spricht vom Fall, dass das Stimmvolk die Trinkwasserinitiative voraussichtlich im nächsten Jahr annimmt und das Parlament den Initiativtext so auslegt, dass im Biolandbau zugelassene Pflanzenschutzmittel erlaubt bleiben. Doch daran zweifelt Huber: «Wenn die Initiative wortgetreu umgesetzt wird, dann werden sämtliche Pflanzenschutzmittel verboten.» Und für diesen Fall sehe er definitiv schwarz für den einheimischen Gemüseanbau – egal ob biologisch oder herkömmlich. Doch daran mag er trotz allem nicht so recht glauben. Er hofft, dass die Bevölkerung die Problematik eines totalen Verbotes erkennt, wenn sie ehrlich informiert wird. Mehr