Gene entschlüsseln für effizientere Pflanzenzucht

Genforscher Lukas Müller beim Treffen im Dezember 2018 in Zürich.


Der Schweizer Wissenschaftler Lukas Müller entschlüsselt Gene von Nutzpflanzen und speichert die Informationen in Datenbanken. Der Landfreund sprach mit dem Bioinformatiker über die neuen Methoden der Gentechnologie.

Herr Müller, Sie arbeiteten als Teil eines internationalen Forscherteams bei der erstmaligen vollständigen Sequenzierung des Tomaten-Genoms einer Wildtomate und der gezüchteten Tomatensorte «Heinz 1706» mit. Wie lange dauerte es um die 35000 Tomaten-Gene zu entschlüsseln?Her

Müller: Das Tomatengenom-Projekt startete 2004, acht Jahre später publizierten wir die Resultate. Dabei wurden 850 Millionen Basenpaare analysiert. In den letzten zehn Jahren machten die Sequenzierungs-Technologien enorme Fortschritte. Wir mussten deshalb mehrmals praktisch von vorne beginnen, weil plötzlich viel schnellere Methoden zur Verfügung standen. Heute sprechen wir bereits von der dritten Generation von DNA-Sequenzierungsgeräten. Die alten Maschinen füllten noch das halbe Labor, der aktuell oft verwendete Nanopore-Sequenzer ist nur noch so gross wie ein USB-Stick und dazu viel leistungsfähiger. Mehr

Lidl und Aldi bald mit Knospe?

Bio Suisse-Präsident Urs Brändli will es auch anderen Marktteilnehmern ermöglichen, von der Knospe zu profitieren.

Bio Suisse will neu auch Discountern die Nutzung der Knospe erlauben. Wenig erfreut darüber zeigt man sich bei Coop.

2018 war ein gutes Jahr für Biogemüse. Dazu beigetragen hätten auch die Aktivitäten von Coop anlässlich des 25-Jahre-Jubiläums von Naturaplan, sagte Hans-Ueli Müller vorletzte Woche an der Mitgliederversammlung von Bio Gemüse Schweiz in Holziken. Der Präsident freute sich über die in einzelnen Bereichen stark gestiegenen Marktanteile von Bioprodukten, unter anderem auch bei der Direktvermarktung. «Unsere Hauptkunden sind aber immer noch Coop und Migros», sagte er den rund 30 Teilnehmern. Doch gerade diese sehr enge Beziehung zwischen Bio Suisse und Coop steht nun offenbar vor einer ernsthaften Belastungsprobe. Mehr

Ecorobotix soll im Herbst 2020 kommen

Im Interview weist Ecorobotix-Co-Gründer Steve Tanner auf die Komplexität der Entwicklung von intelligenten Pflanzenschutzrobotern hin. Das Gespräch fand am Rande des internationalen Agrarrobotikforums (FIRA) in Toulouse statt.

Vor vier Jahren erschien in dieser Zeitschrift erstmals ein Artikel über den Ecorobotix. Damals sagten Sie, dass er 2016 auf den Markt kommen wird. Die Marktreife hat der Pflanzenschutzroboter aber bis heute nicht erreicht. Weshalb?

Steve Tanner: Die Aussage damals war natürlich sehr optimistisch (er lächelt). Tatsächlich sind wir bei der Entwicklung des Geräts auf einige Schwierigkeiten gestossen. Bei den Tests unter realen Bedingungen zeigte sich, dass die Algorithmen noch nicht ausreichten, um dort zu bestehen. Es folgten noch einmal zwei Jahre intensive Tests und Weiterentwicklungen, um die Maschine zuverlässiger zu machen. Nun kommt noch eine mindestens einjährige Testphase dazu. Ich denke, dass es im Herbst 2020 endgültig soweit sein wird. Marktanalysten gehen übrigens davon aus, dass die autonome Agrarrobotik weltweit erst im Jahr 2025 praxisreif sein wird. Mehr

Ernteroboter gegen Personalmangel





Cerescon-Generalmanagerin Thérèse van Vinken  mit Ehemann und Sparter-Erfinder Ad Vermeer (Chief Technology Officer).

Deutschlands Spargelanbauer kämpfen mit Personalmangel. Die holländische Firma Cerescon hat mit ihrem selektiven vollautomatischen Ernter «Sparter» eine Lösung. Allerdings verzögert sich die Auslieferung der ersten Geräte um ein Jahr.

Jeder vierte Deutsche Spargelanbauer denkt daran, die Spargelstechmesser an den Nagel zu hängen, stellte der Verband Süddeutscher Spargel- und Erdbeeranbauer (VSSE) in einer Umfrage fest. Mit einer Anbaufläche von über 23 000 Hektaren ist der Spargel in Deutschland mit Abstand das wichtigste Gemüse. Im letzten Jahr sorgten Klimaextreme für eine zu kurze Erntephase mit grossen Übermengen, was zu massivem Preisdruck führte. Ein Riesenproblem ist aber vor allem der Mangel an Arbeitskräften. Laut VSSE konnten 79 Prozent der Spargelbetriebe wegen Personalmangels einen Teil der Ernte gar nicht einholen.  Mehr

Der Pöstler bringt das frische Gemüse

Kathrin Wullschleger-Reinhard verpackt alle zwei Wochen Gemüsesäcke,
die von der Post ausgeliefert werden.

Ein Abo-Angebot für Gemüse ist eine Möglichkeit der Direktvermarktung. Die grosse Herausforderung dabei ist die Logistik. Die Post bietet hier seit drei Jahren einen Service zur Auslieferung regionaler Produkte an. 

Gemüse-Abos sind seit ein paar Jahren im Kommen und bilden für immer mehr Direktvermarkter einen interessanten zusätzlichen Absatzkanal. Gemüsegärtner beliefern dabei die Kundschaft in regelmässigem Abstand mit frischem, saisonalem Gemüse, idealerweise aus eigener Produktion. Ein Knackpunkt ist dabei die Logistik: Wie kommen die Gemüsesäcke möglichst schnell und effizient zum Abonnenten? Mögliche Lösungen sind die Bewirtschaftung von Abholpunkten, das Abholen auf dem Hof oder die Auslieferung bis zum Endkunden. Für die Kundschaft ist die Auslieferung nach Hause sicher die bequemste Lösung. Sie liegt in Zeiten von Amazon und Zalando ganz im Trend. Den Gemüsegärtnern fehlen für solche Kurierfahrten aber oft die Ressourcen, ganz zu schweigen vom sonst noch anfallenden administrativen Aufwand. Deshalb dachte auch die Gemüsegärtnerin Kathrin Wullschleger bis zum letzten Frühling nie ernsthaft daran, in das Geschäft mit Gemüse-Abos einzusteigen. Schliesslich funktionierte der Verkauf des Gemüses von den 1,6 Hektaren Anbauflächen auf dem Wochenmarkt in Bolligen und im Hofladen in Bantigen seit Jahrzehnten gut.  Mehr

Der Verkaufsautomat wird salonfähig

Thomas Stuber ist Experte für Verkaufsautomaten. 

24-Stunden-Shopping macht auch vor Hofläden nicht halt. Nicht nur deshalb arbeiten immer mehr Gemüsegärtner mit Verkaufsautomaten. Und: Es gibt ein Kundensegment, das anonymes Einkaufen auf dem Bauernhof durchaus schätzt.

Karotten gestohlen? Kasse geplündert? Klingeln an der Haustüre am Sonntagmorgen? Viele Betreiber von Hofläden können ein Lied davon singen. Auch deshalb schaffen sich immer mehr Gemüsegärtner einen Verkaufsautomaten an. Thomas Stuber verkauft solche Geräte seit bald zwanzig Jahren. Der Ackerbauer aus Gächliwil SO suchte einst selbst nach einer Lösung, wie er sein ab Hof vermarktetes Brot effizienter und mit weniger der genannten Begleiterscheinungen an die Kundschaft bringen konnte. Gestört hatte ihn zudem, dass die Leute die Ware mit ihren Händen mehrmals herumschoben. Die Lösung war der Automat. Heute verkauft er in seinem Hof-Laden zwar immer noch selbst gebackenes Brot. Doch in erster Linie dient er nun seiner Firma Agridee als Demo-Raum für den Verkauf der verschiedenen Gerätetypen.  Mehr

Solarstrom als Wärme speichern

Christian Müller nutzt einen grossen Teil des Solarstroms gleich auf dem Betrieb.

Die Solaranlage von Christian Müller rentiert, weil er 75 Prozent seines Solarstrom selbst verbraucht. Als Batterie nutzt er seine Warmwasserboiler. Eine «richtige» Batterie war beim Anlagenbau vor drei Jahren noch zu teuer.

Solarmodule sind heute nur noch ein Viertel so teuer wie vor zehn Jahren. Eine produzierte Kilowattstunde Solarstrom von einer neu installierten Anlage kostet durchschnittlich noch 13 Rappen. Bei grösseren Modulflächen liegt der Preis deutlich tiefer. Der Sonnenstrom ist also günstiger als der vom örtlichen Stromanbieter eingekaufte Strom, der durchschnittlich inklusiv Netznutzungskosten 20 Rappen kostet, je nach Region aber sogar deutlich teurer ist. Daraus ergibt sich das Geschäftsmodell für sogenannte Eigenverbraucher-Solaranlagen: Mit jeder selbst erzeugten und an Ort und Stelle verbrauchten Kilowattstunde Solarstrom spart man das Geld für den sonst zugekauften Strom. Je höher der Eigenverbrauch-Anteil, desto besser. Es gibt heute schon landwirtschaftliche Betriebe, welche die Modulfläche gezielt so ausgelegt haben, dass sie 100 Prozent des eigenen Solarstroms zeitgleich vor Ort in Kühlräumen und Verarbeitungsanlagen nutzen können. Überflüssigen Strom zurück ins öffentliche Netz zu liefern ist nicht interessant, weil die Rückeinspeisungstarife durchschnittlich nur bei 8 bis 9 Rappen liegen, also unter den Produktionskosten. Doch nicht jeder Bauernhof verfügt über genügend mit Strom betriebene Geräte und Anlagen, die während dem Tag laufen und genug Solarstrom verarbeiten können. Sie müssen diesen vorübergehend speichern können, um den Eigenverbrauch zu optimieren. Das muss nicht zwingend in Batterien aus Lithium oder Blei sein. Es gibt einfachere, wirtschaftlichere und umweltfreundlichere Speicher-Lösungen, beispielsweise thermisch in Wärmeboilern. Mehr

Autonome Agrarroboter warten auf Durchbruch

Eine Aktivistengruppe unterbrach das Gremium der Agrarroboter-Experten. Sie betrachten die Roboter auf den Feldern als Handlager der industriellen Landwirtschaft.

In Toulouse traf sich letzte Woche die Agrarrobotik-Fachwelt. Die Euphorie unter den Experten war gross, obwohl vieles noch in der Testphase steckt.  

Der Vertreter von John Deere ist in seinem Referat gerade bei den Schwarmrobotern angekommen, als die Tür im Saal am Nachmittag aufgeht und eine Gruppe von Aktivisten vor dem verdutzten Publikum ihr Transparent aufspannt: «DES PAYSANS, DES ANIMAUX: PAS DE ROBOTS». Der Anlass ist bewusst gewählt: Am internationalen Agrarroboter Forum (Fira) in Toulouse trifft sich am 11. Und 12. Dezember gerade die internationale Gemeinschaft der Agrarrobotik zum fachlichen Gedankenaustausch. Am Vormittag wurde an den Referaten euphorisch Mehr

Digital gegen Frost und Schorf

Obstproduzent Urs Haag besitzt eine eigene Wetterstation, die Daten direkt auf sein Mobiltelefon liefert. Sie helfen ihm bei Entscheiden, die er aber am Ende immer noch selbst fällt.

Jeweils am Samstag wechselte Urs Haag die Papierrolle des alten Blattnassschreibers mit den aufgezeichneten Daten aus. Auf dem Papier war sauber aufgezeichnet, was während der Woche in der Obstanlage wettermässig abging: Regenmenge, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Blattnasszeit. Das funktionierte Jahrzehnte lang gut. Doch es kam, wie es kommen musste: Der Obstproduzent aus Hüttwilen TG wurde von der Gegenwart eingeholt. «Als ich keine Ersatzrollen mehr erhielt, musste ich mich nach einer neuen Lösung umsehen», sagt er. Deshalb steht dort nun seit zwei Jahren eine mit SIM-Karte ausgerüstete Wetterstation des Typs iMetos der Firma Pessl Instruments mit Feldmessgeräten. Mehr

Dank Digitalisierung mehr Freiheit

Frau Zude-Sasse an einer Obstbautagung in diesem Sommer.

Präzisere Daten von Sensoren helfen den Obstproduzenten bei der Ertragsoptimierung. Einen praktischen Vorteil der Digitalisierung sieht die die Forscherin Manuela Zude-Sasse in der räumlich unabhängigen Verfügbarkeit von Informationen.

Wetterstationen sammeln Daten, auf die der Obstproduzent über das Mobiltelefon zugreifen kann. Viel mehr Digitalisierung ist in den Anlagen zurzeit noch nicht zu sehen.
Manuela Zude-Sasse: Das Beispiel zeigt doch, dass die Digitalisierung im Obstbau längstens angekommen ist. Die zeitliche und räumliche Entkoppelung von jederzeit verfügbaren Daten ist ein wichtiger Teil davon. Der Obstanbauer muss nicht mehr täglich zu einer bestimmten Zeit zur Station hinlaufen, um die Daten abzulesen, sondern kann diese von zu Hause aus abrufen. Das bringt ihm doch ein bisschen mehr Freiheit.

In den Medien liest man aber eher von «sprechenden» Pflanzen, Drohnen oder Ernterobotern. Ist das mehr als ein medialer Hype?
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