Roboter gegen Personalmangel

Dylan Bognuda arbeitet täglich mit Agrarrobotern.

Die Betteravia Farms setzen voll auf Automatisierung. Dylan Bognuda hat den Auftrag, diese in der Praxis umzusetzen. Der Reporter war mit ihm in Kalifornien unterwegs auf einer «Roboter-Safari» zu den Gemüsefeldern in Santa Maria. 

Die Zeit drängt für die kalifornischen Gemüseproduzenten. Ab 2022 sollen die minimalen Stundenlöhne für ihre grösstenteils aus Mexiko stammenden Erntearbeiter von heute 12.50 auf mindestens 15 Dollar angehoben werden. Dazu kommt, dass der Staat die täglich erlaubte Arbeitszeit von 9,5 auf 8 Stunden senken will. Überstunden kosten dann über 22 Dollar. Dazu kommen für die Saisonarbeiter Kost und Logis, die ebenfalls vom Arbeitgeber übernommen werden müssen. Doch unabhängig vom Lohn werde es für die Branche immer schwieriger, überhaupt noch Arbeitskräfte zu finden, sagt Alain Pincot von den Betteravia Farms. 200 km nördlich von Los Angeles in Santa Maria und auf dem zweiten Betrieb in Arizona kultiviert der Betrieb jährlich total 5300 Hektaren mit Gemüse. Dafür beschäftigt das Unternehmen auf den Feldern und in den anderen Anlagen alleine in Santa Maria während der Hauptsaison über 1000 Arbeiterinnen und Arbeiter.  Mehr

Holzschnitzel für Jungpflanzen

Martin und Sandro Löffel benutzten für ihre Gewächshäuser künftig eine Holzschnitzelheizung

Abnehmer von Schweizer Gemüse wünschen sich, dass Gewächshäuser künftig nicht mehr mit fossilen Brennstoffen beheizt werden. Die Jungpflanzen-Firma SwissPlant Gmbh heizt seit diesem Winter mit Holz aus der Region.

Migros gab Anfang Jahr bekannt, dass Sie ab 2025 nur noch Schweizer Gemüse aus fossilfrei beheizten Gewächshäusern verkaufen werde. Betroffene Gemüsegärtner machen sich seither intensiv Gedanken darüber, wie und mit welchen Technologien sie die hohen Anforderungen erfüllen können. Eine Option sind Holzschnitzelheizungen. Der Jungpflanzenproduzent SwissPlant Gmbh in Müntschemier beheizt seine Gewächshäuser seit diesem Herbst weitgehend CO2-neutral mit Holzschnitzeln.  Mehr

Foodwaste entsteht vor allem in Privathaushalten

(Bild: David Eppenberger)

Gemäss Studie belasten die in Haushalten und der Gastronomie weggeworfene Lebensmittel die Umwelt besonders stark. Die landwirtschaftliche Produktion macht 13 Prozent der Umweltbelastung aller vermeidbaren Lebensmittelverluste aus.

Rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Nahrungsmittelverluste entstehen in der Schweizer Lebensmittelkette jedes Jahr. Das entspricht 25 Prozent der Umweltbelastung der gesamten Ernährung. Oder 50 Prozent der Umweltbelastung, die durch den motorisierten Individualverkehr in der Schweiz verursacht wird. Pro Person sind das 330 Kilogramm oder 37 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion. Zu diesem Schluss kommt eine im letzten Monat vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Auftrag gegebenen Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). Die Studienverfasser betrachten dabei insbesondere die Umweltbelastung von vermeidbaren Lebensmittelverlusten. Dabei gilt: je später in der Produktion- und Vermarktungskette ein Lebensmittel verloren geht, desto mehr Umweltbelastung ist bereits entstanden bei Verarbeitung, Transport, Lagerung und Verpackung. Unter dieser Betrachtung entsteht 52 Prozent der Umweltbelastung durch Food Waste in Haushalten und Gastronomie, 27 Prozent in der Verarbeitungsindustrie und 8 Prozent im Handel. Die landwirtschaftliche Produktion macht 13 Prozent aus, wobei gemäss Studie der grösste Teil (in importierten Produkten) im Ausland entsteht.  Mehr

Blockchain: Maximale Transparenz als Ziel

Die Blockchain-Technologie bietet interessante Möglichkeiten bei der Rückverfolgbarkeit von Gemüse. Ideal wäre es, wenn möglichst viele Daten automatisch von Sensoren erfasst würden – beispielsweise in Kühlfahrzeugen.

Herr Lange*, können Sie in wenigen Worten erklären, was eine Blockchain ist?

Es handelt sich dabei um eine Datenbank, die man nachträglich nicht mehr verändern kann. Wie der Begriff schon sagt, handelt es sich um Blöcke, die aneinander gekettet sind. Jeder Block enthält in sich abgeschlossen ein Paket mit Informationen, kommen neue Daten dazu, wird ein zusätzlicher Block angehängt. Eigentlich ist es vergleichbar mit einer Excel-Liste, in die mehrere Leute Informationen reinschreiben. Bei der Blockchain-Technologie können diese aber nicht mehr verändert werden, wenn sie einmal erfasst sind.  Mehr

Gemüse auf die Bahn verladen

Gemüse reist per Bahn durch den Gotthard. (Bild Zingg Transporte AG)

Der Gotthard bildet das Nadelöhr im Nord-Süd-Verkehr. Im Rahmen der Unternehmertagung Gemüse zeigte die Firma Zingg Transporte AG, wie sie die Schwierigkeiten meistert. Ein Teil der Lösung ist das Verladen auf die Bahn.

Unzuverlässig und unberechenbar. Die Nord-Süd-Verbindung durch den Gotthard ist für die Zingg Transporte AG oft Glücksache. Ihre temperaturgeführten Lastwagen fahren täglich mit Frischwaren wie Gemüse vom Tessin in die Deutschschweiz und umgekehrt. «Bei einem plötzlichen Wintereinbruch müssen wir uns mit ausländischen Transporteuren messen, die mit ihren nicht wintertauglichen Fahrzeugen im Schnee steckenbleiben», sagte Verkaufsleiter Franz Gräzer anlässlich der 5. Unternehmertagung Gemüse. Aber nicht nur solche schwer einkalkulierbaren Ereignisse, sondern das grundsätzlich zunehmende Verkehrsaufkommen auf den Schweizer Strassen bereitet ihm Sorgen. Vor allem, weil gleichzeitig die Zeitfenster bei den Abnehmern immer enger werden. Früher hätten die Chauffeure bei einer Abladestelle entstandene Verzögerungen noch aufholen können, was heute auf den überfüllten Hauptverkehrsachsen nicht mehr möglich sei, erklärte Gräzer. «Die Herausforderung besteht darin, jeweils das richtige Zeitfenster zu finden, um trotz allem unseren Auftrag erfüllen zu können.»  Mehr

Photovoltaik wird unsichtbar

Von «kämpfen für architektur ag» saniertes Apartmenthaus in Zürich-Schwamendingen mit thermischen Solarkollektoren an der Fassade.

Architekten sträubten sich bisher oft aus ästhetischen Gründen gegen Solarmodule. Dank neuen Technologien lässt sich heute Solartechnik aber vielfältiger anwenden. Sie wird deshalb immer mehr zum festen Bestandteil der Gebäudetechnik.

Eine Fahrt durch die Schweiz bringt es an den Tag: Photovoltaik (PV) auf Hausdächern oder an Fassaden ist immer noch selten. Dabei wäre das Energie-Potenzial beachtlich: Es wird je nach Quelle bis auf 67 Terawattstunden (TWh) geschätzt. Zurzeit sind es gerade einmal zwei TWh. Weshalb eigentlich nur so wenig? Ein wichtiger Grund liegt in der Skepsis der Architekten gegenüber der Solarenergie respektive den Modulen, die oft ihre ästhetischen Anforderungen an das Gebäude nicht erfüllten. Doch hier hat sich das Blatt gewendet. Solartechnik gibt es heute in allen Farben und Formen, massiv als Dachziegelersatz, biegbar oder transparent, zur Produktion von Wärme oder Strom oder sogar kombiniert mit Grünfläche. «Heute ist es problemlos möglich, PV am Bau gar nicht mehr zu zeigen», sagte Architekt und ETH-Dozent Daniel Studer am ersten Symposium für Solares Bauen in Zürich. Der Anlass richtete sich speziell an Architekten und andere Akteure der Baubranche, die sich über Möglichkeiten der Integration von Solartechnologie in ihrer Arbeit informieren wollten.   Mehr

Hanfnüsse: Superfood aus der Region

Beim Speisehanf werden die Körner geerntet für die Herstellung von Öl oder geschält als Nüsschen.

Hanfkörner sind geschälter Form als Nüsse oder als kaltgepresstes Öl bei ernährungsbewussten Leuten sehr beliebt. Aargauer Landwirte bauten in diesem Jahr erstmals Speisehanf für die Produktion von «Freiämter Hanfnüssen» an.

Sie heissen Moringa, Quinoa, Goji, Açai oder Chia und stehen zuoberst auf vielen der zahlreichen Hitlisten für Superfood. Doch weshalb so exotisch, wenn das Gute eigentlich so nah wäre? Zum Beispiel Hanfkörner. Ernährungswissenschaftler kommen bei dieser geballten Ladung von Inhaltsstoffen ins Schwärmen. So enthalten sie alle acht essenziellen Aminosäuren, reichlich Omega-6- und Omega-3-Fettäuren, Gamma-Linolensäure, die seltene Omega-9-Gadoleinsäure und sind reich an Arginin. Das sind wahre Superlative. Da ist es nur ein kleiner Makel, dass Experten die Eiweisswertigkeit der Hanfkörner wegen dem geringen Lysingehalt tiefer als bei Ei- und Sojaprotein einstufen. Ein Schweizer potentieller Hanfbauer interessiert sich aber sowieso weniger für die Chemie der Inhaltsstoffe. Er fragt sich viel mehr: Soll er den Einstieg in den offenbar aufstrebenden Markt von Speisehanf wirklich wagen? Mehr

Bürgermeister aus dem Gewächshaus

Jean-Luc Pecorini ist Gemüsegärtner und gleichzeitig Bürgermeister der französischen Gemeinde Bossey. Gekonnt pendelt er täglich zwischen Tomaten und Bürostuhl. Im Verband Schweizer Gemüseproduzenten positioniert er gerade das Marketing neu. 

Ein Franzose im Leitenden Ausschuss des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP)? Als Jean-Luc Pecorini vor drei Jahren in dieses Amt gewählt wurde, war seine Staatsbürgerschaft unter den Delegierten nur kurz ein Thema. Denn die Geschichte dahinter ist schnell erzählt. Der 63-jährige Gemüsegärtner wohnt zwar seit seiner Kindheit in Bossey, das auf französischem Staatsgebiet liegt, seine Gewächshäuser stehen aber ein paar hundert Meter entfernt in Troinex, das zum Kanton Genf gehört. «Schon mein Vater und der Grossvater produzierten hier Gemüse für den Schweizer Markt», erklärt er im Büro des rund 4 Hektaren grossen reinen Gewächshausbetriebs. Die Region ist seit 1815 Teil der damals von der Schweiz und Frankreich geschaffenen Freizone «zone franche», wo heute noch spezielle Importbedingungen gelten. Vor einigen Jahren legte Pecorini den Betrieb mit jenem von Jean-Michel Pellet zusammen. Gemeinsam produzieren sie Kräuter, Tomaten, Gurken, Auberginen und Salate in Bioqualität, vermarktet wird es über die Produzentenorganisation Bio Romandie      SA, die in den Gebäuden der Union Maraîchère de Genève (UMG) in Perly untergebracht ist.  Mehr

Gemüsebau im Kanton Jura: Wasserbeschaffung als Zukunftsprojekt

Andreas Stump bewirtschaftet in Courgenay einen kleinen Direktvermarkterbetrieb. In den letzten Jahren leidet sein Gemüse zunehmend am Regenmangel. Mit dem Bau von zwei Auffangbecken soll sich die Situation in Zukunft entspannen.

Gemüseanbau im Jura: Das hört sich nach einer steinigen Angelegenheit an. Doch dieses Problem hat Gemüsegärtner Andreas Stump auf seinen Flächen am Dorfende von Courgenay im Griff. Ein Spezialist fährt regelmässig mit dem Steinbrecher durch die Parzellen. Mehr beschäftigen ihn die Folgen der anhaltenden Trockenheit, die ihn seit über zwei Jahren plagen: «Uns fehlen auch in diesem Jahr 200 bis 300 Millimeter Regen.» In früheren Jahren war er immer ohne Bewässerung ausgekommen. Mittlerweile hat er einzelne Kulturen mit einer Tropfbewässerung ausgestattet. Doch das Wasser ist teuer, denn die Quellen der Gemeinde fliessen mittlerweile so schwach, dass sie Wasser aus Saint-Ursanne zukaufen muss. «Ich gehe davon aus, dass der Klimawandel stattfindet und diese trockenen Phasen zunehmen.» Deshalb baut Stump zurzeit ein Regenauffangbecken für das Dachwasser des Gebäudes. Zudem erhielt er von der Gemeinde die Bewilligung für den Bau eines weiteren 500 Kubikmeter grossen Bassins, in dem er Regenwasser von einem Landwirtschaftsweg auffangen kann.  Mehr

Schweizer Käse in Kalifornien

Rick Lafranchi liess sich im Tessin das Käsereihandwerk zeigen.

Die Gründung der Biokäserei Nicasio Valley Cheese war die Antwort auf stetig sinkende Milchpreise. Das Know-how holten sich die Lafranchi-Brüder im Tessin, von wo ihr Grossvater einst in die USA auswanderte.

Neun Dollar kostet ein rund 150 Gramm schwerer «Locarno» am Biofarmersmarkt in San Francisco. Ein stolzer Preis, der hier in einer der reichsten Gegenden der USA für Biokäse aber gerne bezahlt wird. Hinter dem Marktstand steht an diesem Tag Rick Lafranchi. Allerdings nur, wenn kein anderes Personal dafür verfügbar sei, sagt er. Das sei allerdings öfters der Fall, weil die Leute hier lieber in einer der zahlreichen Technologiefirmen arbeiten würden, als bei ihm Käse zu verkaufen. Doch weshalb Käse mit Tessiner Namen? Sein Nachname deutet es an: Seine Wurzeln liegen in der Südschweiz. Und die Bindungen ins Geburtsland seines Grossvaters sind in den letzten Jahren wieder stärker geworden. Denn ohne fachliche Hilfe aus dem Tessin, wäre die heutige Erfolgsstory der Nicasio Valley Cheese nicht geschrieben worden. Mehr