Ohne Sorgen bewässern

Die Aufrüstung von Beregnungsmaschinen mit dem «Rain-dancer» bringt klare Verhältnisse beim Wasserverbrauch und sorgt vor allem für mehr Schlaf. 

Raphael Müller vom Huserhof in Wohlen AG brachte der Raindancer eine deutliche Arbeitsentlastung.

Die Hauptverkehrsachse im aargauischen Freiamt führt gleich neben Raphael Müllers Feldern in Wohlen vorbei. Würde hier ein Autofahrer in der Nacht von einem Wasserstrahl überrascht, könnte das für ihn schlimm enden. Auch deshalb ist die Bewässerung auf dem Hu-serhof Chefsache. Für Müller hiess das bis letztes Jahr: unruhiger Schlaf mit mehreren Kontrollgängen und Umstellen der Bewässerung auf den Zwiebel- und Kartoffel-feldern in den Nachtstunden. Seit diesem Jahr piept sein Telefon auf dem Nachttisch, wenn Jugendliche in lauen Sommernächten wieder einmal einen Hydranten abgedreht haben. Zudem reicht ein Blick auf das Handydisplay, um zu sehen, wie weit die Beregnung gerade ist und ob das Wasser am richtigen Ort landet. Möglich macht dies die Nachrüstung seines Bauer Trommelregners mit der Software «Rain-dancer» von der Firma IT-Direkt GmbH aus Berlin. Damit lässt sich die Beregnung von der Ferne steuern und überwachen. Müller atmet tief durch: «Dank ihr muss ich nun nicht mehr mitten in der Nacht aufstehen.» Er habe so Stress abbauen können. Der soziale Aspekt war für ihn der Hauptgrund für die Investition. Doch der «Raindancer» bietet noch deutlich mehr Vorteile.   Mehr

«Gemüse retten» finden nicht alle cool

Foodwaste verhindern tönt gut. Immer mehr Gemüsegärtner nutzen dies für ihre Zwecke und organisieren Anlässe, an denen sie ihre überschüssige Ware günstig verkaufen. Das kommt in der Branche nicht überall gut an. 

Walter Maurer verkaufte Kartoffeln und Karotten für 1.50 Franken pro Kilo. 

Dicht gedrängt stehen Auto an Auto auf der Quartierstrasse zum Hof von Walter Maurer in Kölliken AG. Trotz regnerischem Wetter folgen an diesem Tag im Oktober Hunderte dem Aufruf in der regionalen Zeitung, ausgerüstet mit Kisten, grossen Säcken oder Migros-Einkaufswagen. Die Schlagzeile: «Wegen Corona bleibt der Biobauer auf seinen Kartoffeln und Rüebli sitzen.» Der Beitrag wird auf Facebook über 600 Mal geteilt. Solche «Gemüserettungs-Aktionen» verbreiten sich seit ein paar Jahren vor allem über die sozialen Medien. In den Kommentaren schieben die Corona-Skeptiker die vermeintliche Misere wenig überraschend den Angstmachern der Politik in die Schuhe. Zusätzliche Unterstützung erhalten sie von der Journalistin, die im Artikel schreibt, dass es wegen Corona weniger Pommes-Frites brauche und den Eindruck erzeugt, dass Maurer auch deshalb die Kartoffeln nicht abbringt. Doch das spielt in diesem Fall keine Rolle, da Maurer nicht für diesen Markt produziert. Die Autorin habe hier wohl etwas falsch verstanden, sagt Maurer. Eigentlich geht es vor allem um Kartoffeln, die von den Grossverteilern wegen Drahtwurmschäden abgelehnt wurden. Mehr

Online-Handel: Wird E-Gemüse nun salonfähig?

Während dem Corona-Lockdown im Frühling nahm der Online-Handel von Gemüse sprunghaft zu. Einige Gemüsegärtner nutzten die Gelegenheiten für einen eigenen Webshop. Doch es gibt auch andere Online-Absatzkanäle. 

Karotten online einkaufen? Bis Anfang Jahr kam in der Schweiz noch kaum jemand auf diese Idee. Doch während dem Corona-Lockdown igelten sich die Leute erstmals in ihren Wohnungen ein, mieden Menschenansammlungen in Supermärkten und waren überhaupt sehr verunsichert. Irgendwie logisch, dass man seine Haushaltartikel und vor allem die Lebensmittel in dieser ungewohnten Situation «ohne Risiko» in Online-Shops bestellte und sich nach Hause liefern liess. Die grossen Anbieter wie leShop oder coop. ch stiessen schnell an ihre Grenzen. Bei den tagelangen Lieferfristen sprangen dann einige Gemüsegärtner in die Bresche, manche stampften Online-Shops aus dem Boden andere bauten bestehende Angebote aus. Obwohl sich die Lage im Sommer wieder normalisiert hat, wurde klar: Die Corona-Pandemie hat den Online-Lebensmittelhandel aus dem Dornröschenschlaf geholt. Es gibt verschiedene Wege, wie Gemüsegärtner vom Online-Handel profitieren können: Direkt an einen Online-Händler liefern, eine bestehende Shop-Software übernehmen oder selbst einen Online-Shop programmieren beispielsweise.  Mehr

Zweite Corona-Welle: Ansturm bleibt aus

Beim Lockdown im Frühling erlebten viele Hofläden ihr wahres Wunder. Nun in der zweiten Welle steigen die Einkäufe nur noch moderat an. Das liegt auch an der saisonal bedingt kleineren Auswahl und an den offenen Grenzen. 

Wie in vielen Hofläden ging es auch bei Gemüsegärtner Urs Baumann aus Kirchdorf BE während des Lockdowns im Frühling drunter und drüber. Weil der Wochenmarkt in Bern geschlossen war, kamen viele seiner Kunden von dort plötzlich direkt auf den Betrieb in den Hofladen. «Wir mussten diesen kurzfristig vergrössern und mehr Personal anstellen, um den Ansturm bewältigen zu können.» Im Sommer normalisierte sich die Mehr

Engagement für Nachhaltigkeit der Genfer Gemüsegärtner

Die Genfer Gemüsegärtner verpflichten sich freiwillig zu mehr
Nachhaltigkeit. Als Instrument dafür dient das Label «Demain la Terre» aus Frankreich.

Die Union Maraîchère de Genève (UMG) verpflichtet sich zu mehr Nachhaltigkeit, indem sie dem französischen Label «Demain la Terre» beitritt, als erste ausländische europäische Unternehmung überhaupt notabene. Aktuell sind nach Angaben der Organisation rund 400 Landwirte mit einer gesamten Fläche von 5 000 ha dabei.  Mehr

Agrophotovoltaik: Lebensmittel und Solarstrom vom gleichen Ort

Diese Himbeeren auf einem Betrieb in Holland wachsen unter Solarmodulen. (Bild: BayWa r.e.)

Die Agrophotovoltaik ermöglicht eine Doppelnutzung von Land. Solarmodule über Reben, Reis oder Gemüse schonen Ressourcen und vermindern Landkonflikte. Bei einer Himbeeranlage in Holland zeigt sich, dass die Technologie praxisreif ist.

Strom und Lebensmittel auf derselben Parzelle produzieren? So schlecht geht das offenbar gar nicht, wie der im Oktober erstmals aus Perpignan durchgeführte Fachkongress Agrivoltaics zeigt. Obwohl es in der Schweiz erst ein paar wenige Projekte gibt, bei denen über oder zwischen landwirtschaftlichen Kulturen Solarpannels aufgestellt sind, ist Agrophotovoltaik (APV) bei uns noch kaum ein Thema. Das könnte es aber vielleicht einmal werden, wenn es darum geht, den Ausbau der Solarstromproduktion wirklich ernsthaft voranzutreiben. Dann also, wenn jeder Quadratmeter zählt. Durch die parallele Nutzung wird das Land effizienter genutzt. Stefano Amaducci von der Universita Cattolica del Sacro Cuore zeigte am Kongress ein Rechenbeispiel, in dem mit 123 Hektaren APV über Mais die gleiche Energiemenge produziert werden kann, wie mit freistehenden Solarpanels auf 134 Hektaren und zusätzlich 1400 Hektaren Mais. Nach Angaben des Frauenhofer-Instituts für Solare Energiesysteme ISE wurden 2018 weltweit 2,9 GW Strom unter APV produziert. Interessant an der APV-Idee: Es gibt Kombinationen von Pflanzenbau und Solartechnologie, die scheinbar richtiggehend eine Symbiose miteinander eingehen. Mehr

Kompost-Tee anstatt Fungizid

Das Interesse an natürlichen Methoden des Pflanzenschutzes steigt. Einige Gemüsegärtner pröbeln mit Komposttee. Die Anwender des Mikroorganismen-Konzentrats sind überzeugt, dass es damit weniger Pflanzenschutzmittel braucht.

Gemüsegärtner Peter Zurbuchen appliziert den Kompostee auf seinen Zwiebeln.

Schaden tun sie wohl nicht, aber nützen sie denn auch? Für die einen Gemüsegärtner sind Biostimulanzien nicht mehr als ein fauler Zauber, andere hingegen schwören auf sie. Klar ist: als Folge der kritischen Diskussionen um den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln steigt das Interesse bei allen Landwirten an möglichen alternativen Lösungen stark an. Auf vielen Betrieben wird herumgepröbelt und nach neuen Wegen im Pflanzenschutz gesucht. Beispielsweise mit dem Einsatz von Komposttee. Der Name sagt es bereits: es handelt sich dabei – vereinfacht gesagt – um in Wasser gelösten Kompost, der mit Mikroorganismen angereichert ist. Unter permanenter Zuführung von Sauerstoff wird dabei Kompost beispielsweise mit Melasse oder Steinmehl in Wasser zum Konzentrat aus nützlichen Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen «gebraut». Eine strikte Anleitung zur Herstellung von Komposttee gibt es nicht. Vor allem im Privatbereich verwenden deshalb viele ihre eigenen Rezepte. Die Firma Edapro aus Wädenswil entwickelte ein standardisiertes Mikrobensubstrat und die dazu passende Nährlösung für die regelmässig Anwendung auf grösseren Flächen in der Landwirtschaft.  Mehr

Lagerung von Frischgemüse: Mehr Flexibilität dank CA-Boxen

Gemüsegärtner Daniel Vouilloz nutzt seit einigen Jahren spezielle Boxen für die flexible Gemüselagerung in kontrollierter Atmosphäre. Damit optimiert er die Produktionsabläufe und reduziert die Verluste auf dem Feld und im Lager.

Daniel Vouilloz lagert Krautstiel in den CA-Boxen.

Die 600-Liter-Plastikkiste war für Daniel Vouilloz aus Saxon VS so etwas wie eine Offenbarung. Vor etwa zehn Jahren testete er erstmals Module des französischen Anbieters Janny MT mit kontrollierter Atmosphäre (CA). Heute spielen sie auf seinem Gemüse- und Obstbaubetrieb eine Schlüsselrolle. 150 stehen in seinem Lager, fein säuberlich nummeriert. Denn es kann sein, dass in jeder Kiste ein anderes Produkt eingelagert ist. Blumenkohl, Fenchel, Salate oder Blattstielmangold beispielsweise. Oder dann gleich für mehrere Monate Äpfel, Birnen und Zwetschgen. «Dank den Boxen kann ich mehrere verschiedene Produkte im gleichen Kühlraum unterbringen und nutze damit den Platz sehr effizient aus», erklärt Vouilloz. Der Walliser bewirtschaftet rund 20 Hektaren Fläche je zur Hälfte mit Gemüse und Obst. Er ist Direktvermarkter und will seiner Kundschaft möglichst viel Vielfalt aus eigener Produktion anbieten, die Gemüsepalette ist entsprechend breit. Für Produzenten wie ihn sind die stabilen CA-Boxen aus Polyethylen auch aus arbeitstechnischer Sicht interessant. «Ich kann eine Kultur vollständig abernten und sie danach mehrere Tage oder Wochen in den Kisten lagern, ohne dass sie an Frische verliert.» Bei den Spargeln beispielsweise könne er laufend die reifen Stangen schneiden und einlagern, bis genug Ware vorhanden ist, um die von seinen Kunden bestellten Gemüsetaschen zu füllen. Nüsslisalat muss nicht täglich frisch geschnitten werden, trotzdem erhalten die Kunden permanent frische Ware. Mehr

Ethylen als alternativer Keimhemmer bei Zwiebeln

Vorzeitig gekeimte Zwiebeln sind nicht verkaufsfähig. Für die Keimhemmung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Immer mehr Zwiebelanbauer setzen in ihren Lagerräumen auf das natürliche Pflanzenhormon Ethylen. 

Das Ethylen wird mit diesem Gerät vor Ort aus Ethanol hergestellt.

Wenn das Laub vergilbt und grösstenteils trocken auf dem Boden liegt ist die Zeit für die Zwiebel-Ernte gekommen. Die letzten beiden Wochen entscheiden massgebend über die Lagerfähigkeit von Zwiebeln, die bis tief ins nächste Jahr reichen soll. Petrus spielt dabei eine wichtige Rolle: Ist es während der Ernte zu nass, sind Probleme in der Lagerung vorprogrammiert. Viele Gemüseproduzenten behandeln die Zwiebeln in dieser Phase mit dem Keimhemmungsmittel Fazor. Der Wirkstoff Maleinsäurehydrazid wirkt systemisch und sorgt dafür, dass die Zwiebeln in den kommenden Monaten nicht vorzeitig keimen. Die Behandlung erfolgt spätestens zwei Wochen vor dem Roden bei trockener Witterung. Das Zeitfenster ist also eng und kann im schlimmsten Fall nicht eingehalten werden, was dann im Lagerraum zur vorzeitigen Keimung von Zwiebeln führen kann.  Mehr

Bei Erdmandelgrasbefall droht Stilllegung

Mit Erdmandelgras befallenes Feld mit Randen.

Immer mehr Biobetriebe kämpfen auf ihren Parzellen mit Erdmandelgras. Eine Umfrage zeigte, dass vorbeugende Massnahmen zur Verhinderung eines Befalls immer noch zu wenig bekannt sind.

Das Ungemach kam vor acht Jahren mit einer Ladung Humus aus Niederönz. Von dem Ort also, bei dem auf dem Geoportal des Kantons Bern für alle sichtbar viele orange Punkte erscheinen. Jeder Punkt steht für eine Parzelle mit einem von der Pflanzenschutzfachstelle eingetragenen Erdmandelgrasbefall. Der mit den kleinen Erdmandeln kontaminierte Humus wurde von der Gemeinde neben der frisch asphaltierten Strasse zur Ausebnung des angrenzenden Ackerlandes von Biobauer Fritz Widmer in Alchenstorf BE aufgeschüttet. Im Folgejahr fielen ihm beim Mähen die auffälligen Erdmandelgras-Blüten auf. Die Pflanzen habe er alle ausgelocht und mit dem Kehricht entsorgt, so wie es die Experten empfehlen. Es reichte nicht. «Im folgenden Frühling war das Erdmandelgras bereits überall.» Widmer hatte Glück im Unglück. Der für den Bau der Strasse zuständige Baumeister liess den gesamten Humus inklusive Erdmandeln wieder abtragen und durch sauberen ersetzen. Kosten entstanden für Widmer glücklicherweise keine. «Hätte ich das selbst bezahlen müssen, wäre es für mich teuer geworden», sagt Widmer erleichtert. Erfolgreiche Sanierungen wie hier sind aber eher die Ausnahme als die Regel. Mehr