Photovoltaik wird unsichtbar

Von «kämpfen für architektur ag» saniertes Apartmenthaus in Zürich-Schwamendingen mit thermischen Solarkollektoren an der Fassade.

Architekten sträubten sich bisher oft aus ästhetischen Gründen gegen Solarmodule. Dank neuen Technologien lässt sich heute Solartechnik aber vielfältiger anwenden. Sie wird deshalb immer mehr zum festen Bestandteil der Gebäudetechnik.

Eine Fahrt durch die Schweiz bringt es an den Tag: Photovoltaik (PV) auf Hausdächern oder an Fassaden ist immer noch selten. Dabei wäre das Energie-Potenzial beachtlich: Es wird je nach Quelle bis auf 67 Terawattstunden (TWh) geschätzt. Zurzeit sind es gerade einmal zwei TWh. Weshalb eigentlich nur so wenig? Ein wichtiger Grund liegt in der Skepsis der Architekten gegenüber der Solarenergie respektive den Modulen, die oft ihre ästhetischen Anforderungen an das Gebäude nicht erfüllten. Doch hier hat sich das Blatt gewendet. Solartechnik gibt es heute in allen Farben und Formen, massiv als Dachziegelersatz, biegbar oder transparent, zur Produktion von Wärme oder Strom oder sogar kombiniert mit Grünfläche. «Heute ist es problemlos möglich, PV am Bau gar nicht mehr zu zeigen», sagte Architekt und ETH-Dozent Daniel Studer am ersten Symposium für Solares Bauen in Zürich. Der Anlass richtete sich speziell an Architekten und andere Akteure der Baubranche, die sich über Möglichkeiten der Integration von Solartechnologie in ihrer Arbeit informieren wollten.   Mehr

Hanfnüsse: Superfood aus der Region

Beim Speisehanf werden die Körner geerntet für die Herstellung von Öl oder geschält als Nüsschen.

Hanfkörner sind geschälter Form als Nüsse oder als kaltgepresstes Öl bei ernährungsbewussten Leuten sehr beliebt. Aargauer Landwirte bauten in diesem Jahr erstmals Speisehanf für die Produktion von «Freiämter Hanfnüssen» an.

Sie heissen Moringa, Quinoa, Goji, Açai oder Chia und stehen zuoberst auf vielen der zahlreichen Hitlisten für Superfood. Doch weshalb so exotisch, wenn das Gute eigentlich so nah wäre? Zum Beispiel Hanfkörner. Ernährungswissenschaftler kommen bei dieser geballten Ladung von Inhaltsstoffen ins Schwärmen. So enthalten sie alle acht essenziellen Aminosäuren, reichlich Omega-6- und Omega-3-Fettäuren, Gamma-Linolensäure, die seltene Omega-9-Gadoleinsäure und sind reich an Arginin. Das sind wahre Superlative. Da ist es nur ein kleiner Makel, dass Experten die Eiweisswertigkeit der Hanfkörner wegen dem geringen Lysingehalt tiefer als bei Ei- und Sojaprotein einstufen. Ein Schweizer potentieller Hanfbauer interessiert sich aber sowieso weniger für die Chemie der Inhaltsstoffe. Er fragt sich viel mehr: Soll er den Einstieg in den offenbar aufstrebenden Markt von Speisehanf wirklich wagen? Mehr

Bürgermeister aus dem Gewächshaus

Jean-Luc Pecorini ist Gemüsegärtner und gleichzeitig Bürgermeister der französischen Gemeinde Bossey. Gekonnt pendelt er täglich zwischen Tomaten und Bürostuhl. Im Verband Schweizer Gemüseproduzenten positioniert er gerade das Marketing neu. 

Ein Franzose im Leitenden Ausschuss des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP)? Als Jean-Luc Pecorini vor drei Jahren in dieses Amt gewählt wurde, war seine Staatsbürgerschaft unter den Delegierten nur kurz ein Thema. Denn die Geschichte dahinter ist schnell erzählt. Der 63-jährige Gemüsegärtner wohnt zwar seit seiner Kindheit in Bossey, das auf französischem Staatsgebiet liegt, seine Gewächshäuser stehen aber ein paar hundert Meter entfernt in Troinex, das zum Kanton Genf gehört. «Schon mein Vater und der Grossvater produzierten hier Gemüse für den Schweizer Markt», erklärt er im Büro des rund 4 Hektaren grossen reinen Gewächshausbetriebs. Die Region ist seit 1815 Teil der damals von der Schweiz und Frankreich geschaffenen Freizone «zone franche», wo heute noch spezielle Importbedingungen gelten. Vor einigen Jahren legte Pecorini den Betrieb mit jenem von Jean-Michel Pellet zusammen. Gemeinsam produzieren sie Kräuter, Tomaten, Gurken, Auberginen und Salate in Bioqualität, vermarktet wird es über die Produzentenorganisation Bio Romandie      SA, die in den Gebäuden der Union Maraîchère de Genève (UMG) in Perly untergebracht ist.  Mehr

Gemüsebau im Kanton Jura: Wasserbeschaffung als Zukunftsprojekt

Andreas Stump bewirtschaftet in Courgenay einen kleinen Direktvermarkterbetrieb. In den letzten Jahren leidet sein Gemüse zunehmend am Regenmangel. Mit dem Bau von zwei Auffangbecken soll sich die Situation in Zukunft entspannen.

Gemüseanbau im Jura: Das hört sich nach einer steinigen Angelegenheit an. Doch dieses Problem hat Gemüsegärtner Andreas Stump auf seinen Flächen am Dorfende von Courgenay im Griff. Ein Spezialist fährt regelmässig mit dem Steinbrecher durch die Parzellen. Mehr beschäftigen ihn die Folgen der anhaltenden Trockenheit, die ihn seit über zwei Jahren plagen: «Uns fehlen auch in diesem Jahr 200 bis 300 Millimeter Regen.» In früheren Jahren war er immer ohne Bewässerung ausgekommen. Mittlerweile hat er einzelne Kulturen mit einer Tropfbewässerung ausgestattet. Doch das Wasser ist teuer, denn die Quellen der Gemeinde fliessen mittlerweile so schwach, dass sie Wasser aus Saint-Ursanne zukaufen muss. «Ich gehe davon aus, dass der Klimawandel stattfindet und diese trockenen Phasen zunehmen.» Deshalb baut Stump zurzeit ein Regenauffangbecken für das Dachwasser des Gebäudes. Zudem erhielt er von der Gemeinde die Bewilligung für den Bau eines weiteren 500 Kubikmeter grossen Bassins, in dem er Regenwasser von einem Landwirtschaftsweg auffangen kann.  Mehr

Schweizer Käse in Kalifornien

Rick Lafranchi liess sich im Tessin das Käsereihandwerk zeigen.

Die Gründung der Biokäserei Nicasio Valley Cheese war die Antwort auf stetig sinkende Milchpreise. Das Know-how holten sich die Lafranchi-Brüder im Tessin, von wo ihr Grossvater einst in die USA auswanderte.

Neun Dollar kostet ein rund 150 Gramm schwerer «Locarno» am Biofarmersmarkt in San Francisco. Ein stolzer Preis, der hier in einer der reichsten Gegenden der USA für Biokäse aber gerne bezahlt wird. Hinter dem Marktstand steht an diesem Tag Rick Lafranchi. Allerdings nur, wenn kein anderes Personal dafür verfügbar sei, sagt er. Das sei allerdings öfters der Fall, weil die Leute hier lieber in einer der zahlreichen Technologiefirmen arbeiten würden, als bei ihm Käse zu verkaufen. Doch weshalb Käse mit Tessiner Namen? Sein Nachname deutet es an: Seine Wurzeln liegen in der Südschweiz. Und die Bindungen ins Geburtsland seines Grossvaters sind in den letzten Jahren wieder stärker geworden. Denn ohne fachliche Hilfe aus dem Tessin, wäre die heutige Erfolgsstory der Nicasio Valley Cheese nicht geschrieben worden. Mehr

Mini-Gemüse als Markenzeichen

Die speziellen besonders aromatischen Tomaten verkauft Sara Taiana auf dem Markt. 

Sara Taiana baut auf engstem Raum über fünfzig verschiedene Gemüse sowie Beeren und sogar Tafeltrauben an. Ihr Vater hatte einst die clevere Idee, das Gemüse als Spezialität im Kleinformat zu vermarkten. Dabei ist es bis heute geblieben.

Aussenstehende kämen kaum auf die Idee, dass hier am Hang oberhalb von Lugano zwischen Palmen und feudalen Häusern jemand professionell Gemüse anbauen würde. Doch die Taianas machen dies hier bereits seit über hundert Jahren. Die Kulisse ist imposant: Hinter den Gewächshäusern mit dem Gemüse posiert stolz der Monte Bre. Die Parzelle ist mit knapp einer Hektare Fläche klein, umso beeindruckender ist die Vielfalt von verschiedenen Gemüsen, die Sara Taiana hier kultiviert. Über fünfzig sind es, darunter zehn verschiedene Salatarten sowie besonders geschmacksintensive Tomaten. Und als ob das nicht schon genug wäre, gibt es hier auch noch Erdbeeren, Himbeeren oder Kirschen. Und es bleibt sogar Platz für einen Rebberg, wo eigene Tafel- und Weintrauben wachsen. Drei landwirtschaftliche Spezialberufe auf kleinstem Raum wären hier eigentlich gefragt; die 32-jährige Sara Taina hat an der Uni Biologie studiert. Vor acht Jahren ist sie auf dem Familienbetrieb eingestiegen und bewirtschaftet diesen gemeinsam mit ihrem 68-jährigen Vater Giorgio. Mutter Lucia hilft tatkräftigt mit, dazu kommen ein festangestellter Mitarbeiter sowie während der Saison temporäre Mitarbeiter.  Mehr

«Jemand musste Ruhe hereinbringen!»

Der in der Tessiner Gemüsebranche tief verwurzelte Marco Bassi hat Anfang Jahr die Führung der FOFT in Cadenazzo übernommen

Marco Bassi ist seit Anfang Jahr neuer Direktor bei der Tessiner Produzentenorganisation FOFT. Er will das Unternehmen nach turbulenten Zeiten wieder in ruhigere Gefilde führen. Und er denkt bereits an seine Nachfolge.

Herr Bassi, von aussen betrachtet überraschte Ihre Wahl zum neuen Geschäftsführer von FOFT (Federazione Orto-Frutticola Ticinese). Weshalb stellten Sie sich für diesen Job zur Verfügung?

Marco Bassi: Der bisherige Stelleninhaber Paolo Bassetti wurde Ende Mai pensioniert. Die Suche nach einer geeigneten Person war äusserst schwierig, es gingen kaum brauchbare Bewerbungen ein. Trotzdem wurde im letzten Herbst ein Nachfolger bestimmt, dieser warf aber bereits in der Probezeit wieder das Handtuch. Dies geschah alles in einer für FOFT sehr schwierigen Zeit. Um wieder auf Kurs zu kommen, mussten wir im letzten Jahr Personal reduzieren und ein Sparprogramm einführen, wovon alle betroffen waren. Es herrschte entsprechend viel Unsicherheit bei den FOFT-Mitarbeitern in Cadenazzo und bei den Genossenschaftern. Das Ganze gipfelte im Austritt des langjährigen Genossenschaftsmitglieds Agrotomato SA aus der FOFT. Es brauchte in dieser Situation einen Geschäftsführer, der die Führung übernahm und Ruhe hereinbringen konnte.  Mehr

Die Abtrünnigen von Giubiasco

Matteo und Davide Cattori vermarkten ihr Gemüse nicht mehr über die Genossenschaft FOFT, wie das ihr Vater, Grossvater und Urgrossvater machte.

Seit Anfang Jahr vermarkten Mattia und Davide Cattori ihr Gemüse nicht mehr wie früher über die Genossenschaft Foft sondern auf eigene Faust. Mit der Neuorientierung wollen sie den Betrieb in eine bessere Zukunft führen.

Der Schritt war radikal. Doch mit dem Austritt aus der Federazione Orto-Frutticola Ticinese (FOFT) auf Ende 2018 beschlossen die Brüder Mattia (28) und Davide (32) Cattori, ihren Gemüsebaubetrieb Agrotomato SA in Giubiasco neu auszurichten. Weiter wie bisher war für sie keine Option mehr. Wie bisher heisst: Über 80 Jahre Mitgliedschaft bei der Genossenschaft FOFT, die einst sogar von ihrem Urgrossvater gegründet wurde. Die Familie Cattori war Jahrzehnte quasi ein Teil der FOFT, die etwa 70 Prozent des Tessiner Gemüses vermarktet. Der kürzlich verstorbene Grossvater Carlo war viele Jahre Präsident, Davide war bis zum Austritt im Vorstand. Doch nun wollten die Cattoris das Zepter wieder mehr in die eigenen Hände nehmen. «Für uns war der Zeitpunkt gekommen, etwas Neues zu beginnen», sagt Davide Cattori. Nicht nur als Mitglied des Leitenden Ausschusses des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) pflegte er schon immer gute Kontakte in der deutschen Schweiz, er machte dort auch den grössten Teil seiner Ausbildung. Ennet des Gotthards sah er, dass es durchaus möglich ist, das eigene Gemüse selbst zu vermarkten. «Wir sind überzeugt, dass das auch bei uns funktioniert.» Freunde haben sie sich mit dem Alleingang in der Region nicht gemacht, denn ein neuer Player auf dem überschaubaren Tessiner Markt schüttelt dort die ganze Branche durch. «Die Reaktionen waren teilweise heftig», sagt Davide Cattori. Doch sie ziehen ihr Ding durch. Mehr

Pflanzenschutz in Rosenkohl: Viele nutzen Technik nicht optimal

Martin Keller vom Beratungsring Gemüse mit dem Spritzpfosten.

Die Bekämpfung von Schädlingen und Krankheiten bei Rosenkohl ist aus Sicht des Pflanzenschutzes so etwas wie die Königsdisziplin. Die angewendeten Methoden sind vielfältig, Feldkontrollen bleiben aber unerlässlich. 

Agronom Martin Keller setzte sich schon in den 90er-Jahren mit dem Pflanzenschutz in Kohlarten auseinander. Er initiierte damals erfolgreich die Verwendung von Kupfer in Kleinmengen gegen Bakterienkrankheiten und führte erste Versuche mit Trichogramma-Schlupfwespen gegen Kohleulen durch. Auch heute noch ist der Geschäftsführer des Beratungsrings Gemüse in Ins täglich auf Gemüsefeldern unterwegs. Eine besondere Knacknuss stellt dabei die Überwachung der Rosenkohlfelder dar. «Mit ihren langen Standzeiten sind sie einer grossen Zahl von Schädlingen und Krankheiten ausgesetzt», erklärte Keller im April an einer Weiterbildungstagung zum Thema Applikationstechnik am Inforama in Ins*. Im Vergleich zur relativ kurzen Kultur von Brokkoli, wo man bei jedem Satz bei Null beginnen könne, könnten sich in Rosenkohl – wenn es schlecht läuft – Massenpopulationen von Schädlingen aufbauen. Eine Besonderheit sei zudem, dass Rosenkohl Ende September ausgewachsen sei, die letzten Sätze aber erst im Januar geerntet würden. «Wir müssen die fertige Kultur deshalb noch während zwei bis drei Monaten auf dem Feld gesund erhalten». Das sei eine riesige Herausforderung. Interessanterweise seien bei Rosenkohl aber nicht mehr Wirkstoffe bewilligt als bei Brokkoli, sagte Keller.  Mehr

Der Beerenautomat von Goldach

An den Wochenenden muss Karin Troxler den Beerenautomaten oft zwei Mal nachfüllen.

Das 24-Stunden-Einkaufen liegt im Trend. Mit einem Automaten können Obst- und Beerenproduzenten von diesem profitieren.

Der erste Versuch misslingt. Selbst mit der zusätzlich nebenan angebrachten ausführlichen Beschreibung schafft es der Reporter nicht, eine Schale Erdbeeren aus dem Automaten zu kaufen. Aber offenbar ist er eine Ausnahme. Der Beerenverkaufsautomat von Beeren Troxler in Goldach werde rege genutzt und zahle sich aus, sagt Karin Troxler. «Bei der Einführung forderten zwar ein paar Kunden telefonisch bei mir Hilfe an». Doch mittlerweile habe sich das eingespielt und der Automat in Goldach sei zum Fixpunkt für Beerenliebhaber in der Region geworden. Der Standort liegt ideal zentral im Dorf, nur wenige Schritte vom Bahnhof entfernt und neben dem von Ausflüglern beliebten Veloweg zum Bodensee. Paul und Karin Troxler konnten hier eine kleine Parzelle mit Gewächshäusern pachten. Ihr Hauptbetrieb befindet sich ausserhalb des Dorfes, wo sie seit vielen Jahren auf insgesamt 19 Hektaren Erdbeeren, Heidelbeeren, Himbeeren und Brombeeren anbauen. Der grösste Teil der Produktion geht an den Grosshandel. In der Gegend sind sie aber auch bekannt wegen ihren verschiedenen Selbstpflückanlagen. «Und viele unserer Selbstpflücker weichen zwischendurch auch auf den Automaten aus», sagt Karin Troxler. Denn dieser hat einen grossen Vorteil: Er ist an sieben Tagen während 24 Stunden in Betrieb. Vor allem an den Wochenenden laufe er so gut, dass er oft zwei Mal aufgefüllt werden müsse. Mehr