Kompost-Tee anstatt Fungizid

Das Interesse an natürlichen Methoden des Pflanzenschutzes steigt. Einige Gemüsegärtner pröbeln mit Komposttee. Die Anwender des Mikroorganismen-Konzentrats sind überzeugt, dass es damit weniger Pflanzenschutzmittel braucht.

Gemüsegärtner Peter Zurbuchen appliziert den Kompostee auf seinen Zwiebeln.

Schaden tun sie wohl nicht, aber nützen sie denn auch? Für die einen Gemüsegärtner sind Biostimulanzien nicht mehr als ein fauler Zauber, andere hingegen schwören auf sie. Klar ist: als Folge der kritischen Diskussionen um den Einsatz von chemischen Pflanzenschutzmitteln steigt das Interesse bei allen Landwirten an möglichen alternativen Lösungen stark an. Auf vielen Betrieben wird herumgepröbelt und nach neuen Wegen im Pflanzenschutz gesucht. Beispielsweise mit dem Einsatz von Komposttee. Der Name sagt es bereits: es handelt sich dabei – vereinfacht gesagt – um in Wasser gelösten Kompost, der mit Mikroorganismen angereichert ist. Unter permanenter Zuführung von Sauerstoff wird dabei Kompost beispielsweise mit Melasse oder Steinmehl in Wasser zum Konzentrat aus nützlichen Bakterien, Pilzen und anderen Mikroorganismen «gebraut». Eine strikte Anleitung zur Herstellung von Komposttee gibt es nicht. Vor allem im Privatbereich verwenden deshalb viele ihre eigenen Rezepte. Die Firma Edapro aus Wädenswil entwickelte ein standardisiertes Mikrobensubstrat und die dazu passende Nährlösung für die regelmässig Anwendung auf grösseren Flächen in der Landwirtschaft.  Mehr

Lagerung von Frischgemüse: Mehr Flexibilität dank CA-Boxen

Gemüsegärtner Daniel Vouilloz nutzt seit einigen Jahren spezielle Boxen für die flexible Gemüselagerung in kontrollierter Atmosphäre. Damit optimiert er die Produktionsabläufe und reduziert die Verluste auf dem Feld und im Lager.

Daniel Vouilloz lagert Krautstiel in den CA-Boxen.

Die 600-Liter-Plastikkiste war für Daniel Vouilloz aus Saxon VS so etwas wie eine Offenbarung. Vor etwa zehn Jahren testete er erstmals Module des französischen Anbieters Janny MT mit kontrollierter Atmosphäre (CA). Heute spielen sie auf seinem Gemüse- und Obstbaubetrieb eine Schlüsselrolle. 150 stehen in seinem Lager, fein säuberlich nummeriert. Denn es kann sein, dass in jeder Kiste ein anderes Produkt eingelagert ist. Blumenkohl, Fenchel, Salate oder Blattstielmangold beispielsweise. Oder dann gleich für mehrere Monate Äpfel, Birnen und Zwetschgen. «Dank den Boxen kann ich mehrere verschiedene Produkte im gleichen Kühlraum unterbringen und nutze damit den Platz sehr effizient aus», erklärt Vouilloz. Der Walliser bewirtschaftet rund 20 Hektaren Fläche je zur Hälfte mit Gemüse und Obst. Er ist Direktvermarkter und will seiner Kundschaft möglichst viel Vielfalt aus eigener Produktion anbieten, die Gemüsepalette ist entsprechend breit. Für Produzenten wie ihn sind die stabilen CA-Boxen aus Polyethylen auch aus arbeitstechnischer Sicht interessant. «Ich kann eine Kultur vollständig abernten und sie danach mehrere Tage oder Wochen in den Kisten lagern, ohne dass sie an Frische verliert.» Bei den Spargeln beispielsweise könne er laufend die reifen Stangen schneiden und einlagern, bis genug Ware vorhanden ist, um die von seinen Kunden bestellten Gemüsetaschen zu füllen. Nüsslisalat muss nicht täglich frisch geschnitten werden, trotzdem erhalten die Kunden permanent frische Ware. Mehr

Ethylen als alternativer Keimhemmer bei Zwiebeln

Vorzeitig gekeimte Zwiebeln sind nicht verkaufsfähig. Für die Keimhemmung stehen verschiedene Verfahren zur Verfügung. Immer mehr Zwiebelanbauer setzen in ihren Lagerräumen auf das natürliche Pflanzenhormon Ethylen. 

Das Ethylen wird mit diesem Gerät vor Ort aus Ethanol hergestellt.

Wenn das Laub vergilbt und grösstenteils trocken auf dem Boden liegt ist die Zeit für die Zwiebel-Ernte gekommen. Die letzten beiden Wochen entscheiden massgebend über die Lagerfähigkeit von Zwiebeln, die bis tief ins nächste Jahr reichen soll. Petrus spielt dabei eine wichtige Rolle: Ist es während der Ernte zu nass, sind Probleme in der Lagerung vorprogrammiert. Viele Gemüseproduzenten behandeln die Zwiebeln in dieser Phase mit dem Keimhemmungsmittel Fazor. Der Wirkstoff Maleinsäurehydrazid wirkt systemisch und sorgt dafür, dass die Zwiebeln in den kommenden Monaten nicht vorzeitig keimen. Die Behandlung erfolgt spätestens zwei Wochen vor dem Roden bei trockener Witterung. Das Zeitfenster ist also eng und kann im schlimmsten Fall nicht eingehalten werden, was dann im Lagerraum zur vorzeitigen Keimung von Zwiebeln führen kann.  Mehr

Bei Erdmandelgrasbefall droht Stilllegung

Mit Erdmandelgras befallenes Feld mit Randen.

Immer mehr Biobetriebe kämpfen auf ihren Parzellen mit Erdmandelgras. Eine Umfrage zeigte, dass vorbeugende Massnahmen zur Verhinderung eines Befalls immer noch zu wenig bekannt sind.

Das Ungemach kam vor acht Jahren mit einer Ladung Humus aus Niederönz. Von dem Ort also, bei dem auf dem Geoportal des Kantons Bern für alle sichtbar viele orange Punkte erscheinen. Jeder Punkt steht für eine Parzelle mit einem von der Pflanzenschutzfachstelle eingetragenen Erdmandelgrasbefall. Der mit den kleinen Erdmandeln kontaminierte Humus wurde von der Gemeinde neben der frisch asphaltierten Strasse zur Ausebnung des angrenzenden Ackerlandes von Biobauer Fritz Widmer in Alchenstorf BE aufgeschüttet. Im Folgejahr fielen ihm beim Mähen die auffälligen Erdmandelgras-Blüten auf. Die Pflanzen habe er alle ausgelocht und mit dem Kehricht entsorgt, so wie es die Experten empfehlen. Es reichte nicht. «Im folgenden Frühling war das Erdmandelgras bereits überall.» Widmer hatte Glück im Unglück. Der für den Bau der Strasse zuständige Baumeister liess den gesamten Humus inklusive Erdmandeln wieder abtragen und durch sauberen ersetzen. Kosten entstanden für Widmer glücklicherweise keine. «Hätte ich das selbst bezahlen müssen, wäre es für mich teuer geworden», sagt Widmer erleichtert. Erfolgreiche Sanierungen wie hier sind aber eher die Ausnahme als die Regel. Mehr

Plötzlich Lieferdienst

Einen Hofladen zu betreiben ist schon anspruchsvoll genug. Aber richtig spannend wird es erst, wenn ein Lieferdienst eingerichtet wird und mehr als ein Standard-Gemüsekorb bestellt werden kann. Dann zeigt sich: Nicht jeder Landwirt ist zum Logistiker geboren.  

Retten, was zu retten ist. Als der Bundesrat am 13. März der Schweiz den Corona-Lockdown verordnete, war für Gemüsegärtner Marco Peter aus Wildensbuch ZH sofort klar: es musste so schnell wie möglich ein neuer Absatzkanal her. Normalerweise ist «GmüesPeter» mit seinem Gemüse auf mehreren Wochenmärkten in der Umgebung unterwegs. Nach deren Schliessung erweiterte er als Sofortmassnahme die Öffnungszeiten des Hofladens, der zuvor auf dem Betrieb eher ein Lückenbüsser-Dasein fristete. Darauf folgte bei Peter das Augenreiben, wie bei anderen Hofladenbetreibern auch. Die Leute kauften plötzlich gleich Kistenweise frisches Gemüse ein. Irgendwie logisch, dass ein Hauslieferdienst der nächste Schritt war. Die Idee wurde umgehend in die Realität umgesetzt. Doch Peter dürfte sich später einmal nur ungern an diese Phase erinnern. Sein Fehler: Er dachte aus seiner Wochenmarktanbieter-Perspektive. Der Kunde soll selbst auswählen können, welches Gemüse er will. Mehr

Mulchfolien müssen in den Boden

Fetzen von biologisch abbaubaren Mulchfolien an Uferböschungen oder im Heu sorgen zunehmend für Diskussionen. Diese wären hinfällig, wenn die Folien «richtig» in den Boden eingearbeitet würden.

Gemüsesetzlinge werden direkt in die biologisch abbaubare Mulchfolie gesetzt.

Gerade während des Corona-Lockdowns im Frühling waren in der Schweiz besonders viele Spaziergänger im Land unterwegs. Ob ein direkter Zusammenhang besteht, ist zwar nicht erwiesen, doch offenbar gingen auf den Amtsstellen auch in dieser Zeit vermehrt Reklamationen über Mulchfolienfetzen in der Landschaft ein. Manchmal verfrachtet der Wind sie zu Uferböschungen an Gewässern, wo sie besonders negativ auffallen. Die seit ein paar Jahren zunehmende «Verplastifizierung» der Äcker droht so zu einem neuen Problemfeld in der sowieso schon schwierigen Kommunikation zwischen Landwirtschaft und Bevölkerung zu werden. Dabei lösen gerade die Mulchfolien einige Probleme, welche zurzeit in der Öffentlichkeit besonders viel zu reden geben. Zum Beispiel den umstrittenen Einsatz von Herbiziden. Denn unter den Mulchfolien entwickelt sich wegen dem fehlenden Licht viel weniger Unkraut. Weil weniger Wasser verdunstet, sinkt der Bewässerungsaufwand, weniger Nährstoffe werden ausgewaschen und die Bodenfeuchte hält länger an. Auch das Erosionsrisiko wird vermindert. Zu guter Letzt bleiben die Pflanzen sauberer und sind weniger von Fäulnis befallen. Viele Vorteile also, die am Ende des Tages zu höheren Erträgen führen.   Mehr

Schweizer Himbeeren spüren Corona-Effekt

Weil mehr Leute ihre Sommerferien in der Schweiz verbringen, werden mehr Himbeeren nachgefragt. Das freut Beerenproduzenten wie Adrian Geissmann in Altwis LU. Besonders zu schaffen macht ihm aber in diesem Jahr dafür die Kirschessigfliege.

Adrian Geissmann kultiviert in Altwis LU 5000 Himbeerensträuche. 

Auf ein Gewitter nach der Sommerhitze reagieren die Himbeeren jeweils am nächsten Tag prompt mit einem Reifeschub. Für Beerenproduzent Adrian Geissmann in Altwis LU heisst es dann: Mehr Leute für die Ernte einplanen und seinem Abnehmer eine höhere Tagesernte melden. Der Abkühlungs-Effekt ist unter den Anbauern bekannt. Vom Regen bleiben die heiklen Früchtchen dank dem Regendach aber verschont. «Ohne diesen Schutz funktioniert der moderne Himbeeren-Anbau gar nicht mehr», erklärt er. Drei Viertel der in der Schweiz professionell kultivierten Himbeeren stehen deshalb geschützt unter einer Schutzfolie. Himbeeren sind beliebt: Der Schweizer Obstverband (SOV) meldete einen Anstieg des Konsums um beachtliche 22 Prozent im letzten Jahr. Damit fiel das Wachstum deutlich höher aus als bei der Erdbeere, die aber in der Schweiz weiterhin klar die Nummer eins unter den Beeren bleibt. Eigentlich müsste man bei den Himbeeren aber trotzdem schon fast von einem Boom sprechen. Doch vom zusätzlichen Absatz profitieren in erster Linie spanische Produzenten. Sie «fluten» den Markt jeweils bereits vor dem Start der Schweizer Beerensaison mit günstiger Ware, ganz zur Freude der preissensiblen Kundschaft. Während der Schweizer Ernte werden ausländische Himbeeren mit einem hohen Einfuhrzoll belegt, um die kostenintensivere einheimische Produktion wie bei den Geissmanns zu schützen. Mehr

Gewächshaus: Wärmepumpe für die Grundlast

Gemüsegärter Markus Schildknecht deckt rund 20 Prozent der Grundlast mit einer Grundwasserwärmepumpe ab.

Gewächshäuser sollen künftig ohne fossile Brennstoffe geheizt werden. Eine zurzeit noch wenig verwendete technische Ersatzlösung wären Wärmepumpen. Entscheidend ist, ob eine mögliche Wärmequelle zur Verfügung steht.

Anbieter und Planer von Gewächshausheizsystemen haben zurzeit besonders viel zu tun. Bis in ein paar Jahren sollen fossile Energieträger hier keine tragende Rolle mehr spielen, so wollen es Abnehmer und die Politik. Besonders hoch im Kurs als Ersatz für Öl und Diesel steht dabei Holz. Wärmepumpen spielen in den Überlegungen der Gemüsegärtner bis jetzt noch eher eine untergeordnete Rolle, obwohl sie zumindest einen Teil der Energiegrundlast durchaus sinnvoll abdecken könnten, dank dem Schweizer Strommix weitgehend CO2-frei. Anteile von 15 bis im besten Fall 65 Prozent als Grundlast sind realistisch. Die Investitionskosten für eine Wärmepumpe sind höher als bei bisherigen fossilen Lösungen aber tiefer als bei Holz. Die Betriebskosten sind unter anderem abhängig vom Strompreis. Mehr

Dank Klimaführung im Gewächshaus mehr ernten

Die Klimasteuerung im Gewächshaus kann immer ausgeklügeltere Messdaten verarbeiten. Interessante Optimierungsmöglichkeiten bietet die Verwendung des noch wenig bekannten Wertes Vapor Pressure Deficites (VPD).

Eine Infrarotkamera misst die Temperatur an der Blattoberfläche.

Zu viel Feuchtigkeit im Gewächshaus ist für die Kultur nicht gut, zu wenig aber auch nicht. Damit sich eine Kulturpflanze im Gewächshaus gut entwickelt, muss unter anderem ihre Verdunstungsfähigkeit gewährleistet sein. Welche Luftfeuchtigkeit ist in welchem Moment dafür die richtige? Immer noch bilden Lufttemperatur und die relative Feuchtigkeit die wichtigsten Parameter zur Steuerung des optimalen Klimas im Gewächshaus. Dazu kommt eine gehörige Portion Erfahrungswert des Gemüsegärtners sowie sein Bauchgefühl. Das Ganze ist immer auch ein bisschen Glücksache, vor allem bei schwierigen äusseren Bedingungen wie Regen oder Nebel sowie minimalen Temperaturunterschieden im Vergleich zur Temperatur im Gewächshaus. Mittlerweile stehen immer mehr Geräte mit zuverlässigen Sensoren zur Verfügung, die den Gewächshausbetreibern künftig bessere Entscheidungsgrundlagen liefern werden.  Mehr

Geld für CO2-Einsparung in Gewächshäusern

Die Gewächshausbranche einigte sich mit beteiligten Partnern auf eine gemeinsame Energiestrategie. Bis 2040 sollen 100 Prozent der fossilen Energieträger ersetzt werden. Ein Kompensationsprogramm hilft bei der Finanzierung der Anlagen.

Spätestens ab 2040 sollen keine fossilen Brennstoffe mehr für Gewächshausgemüse eingesetzt werden.

Eigentlich hat die Gewächshausbranche ihre Hausaufgaben in den letzten Jahren gemacht: Seit 2002 konnte sie den CO2-Ausstoss dank vielen Massnahmen um 35 Prozent pro Hektare senken. Doch es bleibt keine Zeit, um sich auf diesen Lorbeeren auszuruhen, bereits werden deutlich höhere Ziele angestrebt. Bis 2040 sollen Schweizer Gewächshäuser komplett ohne fossile Brennstoffe beheizt werden, inklusiv Abdeckung der Spitzenlast und CO2-Düngung. Die beteiligten Branchen haben sich auf Initiative des Verbandes Schweizer Gemüseproduzenten (VSGP) auf eine entsprechende und von EnergieSchweiz unterstützte gemeinsame Energiestrategie geeinigt. Als Zwischenetappe soll der Anteil von erneuerbaren Energien und Abwärme zur Abdeckung der Grundlast und für das Trockenheizen 80 Prozent betragen. «Schon die erste Etappe ist anspruchsvoll», sagt Martin Steiger von DM Energieberatung AG, der die Arbeitsgruppe fachlich beratet. Die Aufteilung in zwei Etappen soll den Gemüsegärtnern genug Anpassungszeit lassen. Besonders herausfordernd ist bekanntlich die Abdeckung der Spitzenlast ganz ohne fossile Brennstoffe. «Um dieses derzeit sehr teure und in manchen Fällen auch technisch schwierige Problem zu lösen bleiben den Gewächshausbetreibern dank der Strategie bis 2040 weitere zehn Jahre», erklärt Steiger. Migros-Lieferanten müssen dieses allerdings bereits bis 2026 lösen, weil der Grossverteiler entschieden hat, ab dann – trotz Branchenstrategie – nur noch Schweizer Gemüse aus komplett fossilfreien beheizten Gewächshäusern zu verkaufen.  Mehr