Autonome Agrarroboter warten auf Durchbruch

Eine Aktivistengruppe unterbrach das Gremium der Agrarroboter-Experten. Sie betrachten die Roboter auf den Feldern als Handlager der industriellen Landwirtschaft.

In Toulouse traf sich letzte Woche die Agrarrobotik-Fachwelt. Die Euphorie unter den Experten war gross, obwohl vieles noch in der Testphase steckt.  

Der Vertreter von John Deere ist in seinem Referat gerade bei den Schwarmrobotern angekommen, als die Tür im Saal am Nachmittag aufgeht und eine Gruppe von Aktivisten vor dem verdutzten Publikum ihr Transparent aufspannt: «DES PAYSANS, DES ANIMAUX: PAS DE ROBOTS». Der Anlass ist bewusst gewählt: Am internationalen Agrarroboter Forum (Fira) in Toulouse trifft sich am 11. Und 12. Dezember gerade die internationale Gemeinschaft der Agrarrobotik zum fachlichen Gedankenaustausch. Am Vormittag wurde an den Referaten euphorisch Mehr

Digital gegen Frost und Schorf

Obstproduzent Urs Haag besitzt eine eigene Wetterstation, die Daten direkt auf sein Mobiltelefon liefert. Sie helfen ihm bei Entscheiden, die er aber am Ende immer noch selbst fällt.

Jeweils am Samstag wechselte Urs Haag die Papierrolle des alten Blattnassschreibers mit den aufgezeichneten Daten aus. Auf dem Papier war sauber aufgezeichnet, was während der Woche in der Obstanlage wettermässig abging: Regenmenge, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Blattnasszeit. Das funktionierte Jahrzehnte lang gut. Doch es kam, wie es kommen musste: Der Obstproduzent aus Hüttwilen TG wurde von der Gegenwart eingeholt. «Als ich keine Ersatzrollen mehr erhielt, musste ich mich nach einer neuen Lösung umsehen», sagt er. Deshalb steht dort nun seit zwei Jahren eine mit SIM-Karte ausgerüstete Wetterstation des Typs iMetos der Firma Pessl Instruments mit Feldmessgeräten. Mehr

Dank Digitalisierung mehr Freiheit

Frau Zude-Sasse an einer Obstbautagung in diesem Sommer.

Präzisere Daten von Sensoren helfen den Obstproduzenten bei der Ertragsoptimierung. Einen praktischen Vorteil der Digitalisierung sieht die die Forscherin Manuela Zude-Sasse in der räumlich unabhängigen Verfügbarkeit von Informationen.

Wetterstationen sammeln Daten, auf die der Obstproduzent über das Mobiltelefon zugreifen kann. Viel mehr Digitalisierung ist in den Anlagen zurzeit noch nicht zu sehen.
Manuela Zude-Sasse: Das Beispiel zeigt doch, dass die Digitalisierung im Obstbau längstens angekommen ist. Die zeitliche und räumliche Entkoppelung von jederzeit verfügbaren Daten ist ein wichtiger Teil davon. Der Obstanbauer muss nicht mehr täglich zu einer bestimmten Zeit zur Station hinlaufen, um die Daten abzulesen, sondern kann diese von zu Hause aus abrufen. Das bringt ihm doch ein bisschen mehr Freiheit.

In den Medien liest man aber eher von «sprechenden» Pflanzen, Drohnen oder Ernterobotern. Ist das mehr als ein medialer Hype?
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Bauern profitieren von Solarstrom

Selbst produzierter Solarstrom ist in vielen Fällen günstiger wie der vom Elektrizitätswerk zugekaufte Regelstrom. Deshalb werden immer mehr Bauernfamilien zu Eigenverbrauchern. Die Rechnung geht für sie mehr als auf.

Es war ein Jahr der Extreme. Die vielen Hitzetage und vor allem die Trockenheit bereiteten vielen Landwirten Sorgen. Doch wo Schatten ist, da ist auch Licht: An den meisten Orten in der Schweiz war das übliche Jahres-Soll an Sonnenstunden bereits Ende September erfüllt. Und das freute besonders die Betreiber von Photovoltaikanlagen, zu denen viele Bauern gehören. Fast ein Viertel des Schweizer Solarstroms kommt von Dächern auf landwirtschaftlichen Gebäuden. Nachdem die Zahl der neuinstallierten Photovoltaikanlagen in der Schweiz in den letzten Jahren auch in der Landwirtschaft stagnierte, scheint sich das Blatt nun wieder zu wenden. Die Produktion von Solarstrom ist heute in vielen Fällen rentabel, vor allem wenn man ihn selbst vor Ort verbraucht. Mehr

Meeresspargel für die Gourmetküche

Der Anbau von salzliebenden Pflanzen drängt sich in Gebieten mit Meeresanstoss auf. Ein holländischer Landwirt baut die bei uns noch wenig bekannte Salicarnia an. Der Anbau im Gewächshaus wäre theoretisch auch bei uns möglich.

Ein grosser Teil der landwirtschaftlichen Flächen der Brüder Maarten und Hubrecht Janse in Wolphaartsdijk werden erst seit 50 Jahren kultiviert. Der Ort liegt an einem salzigen Binnengewässer, das im Einfluss der nicht weit entfernten offenen Nordsee liegt. Ihr Grossvater hatte dem von den Gezeiten geprägten Gewässer mit Hilfe von Deichen Land abgerungen und fruchtbar gemacht. Heute wachsen dort Kartoffeln, Zuckerrüben und Weizen. Doch ein Teil der Böden ist zu salzig, weshalb sich Hubrecht Janse dort auf den Anbau von salzliebendem «Meeresgemüse» spezialisiert hat. Das Hauptprodukt ist der bei Gourmets beliebte Queller – auch Meeresspargel oder Salicorna genannt – aus der Familie der Fuchsschwanzgewächse. Die Pflanze kommt natürlich in Küstenregionen vor, wo sie von der Flut regelmässig überspült und dann von der Ebbe wieder freigegeben werden. Der knackige Meeresspargel nimmt dabei viel Meersalz auf, was ihm den typischen Geschmack gibt. Mehr

Mit 100 km/h in den Container



Gemüseproduzent Sepp Egger suchte eine Lösung, um die grossen Mengen von Rüstabfällen schnell und unkompliziert von der Halle in den Grüncontainer zu transportieren. Er hat sich für ein automatisches Saugsystem entschieden.

Das Förderband mit den Eisberg-Rüstabfällen setzt sich einmal in der Minute für ein paar Sekunden in Bewegung. Am Ende verschwindet die Ware in einem Loch und saust mit bis zu 100 km/h durch ein Rohrsystem aus der Halle heraus zum Container mit den Grünabfällen. Die stark wirkenden Kräfte zerkleinern das Grüngut auf der bis zu 100 Meter langen Reise durch die Rohre bis es stark zerkleinert herauskommt. «Selbst ein ganzer Knollensellerie kommt dort nur noch kleinverstückelt heraus», sagt Bruno Villiger. Er und seine Söhne haben die Anlage in der neuen Verarbeitungshalle der Egger Gemüsebau in Bürglen TG konstruiert und aufgebaut. «Dank der Anlage kann ich zwei Arbeitskräfte einsparen», sagt Gemüsegärtner Sepp Egger. Rund 90 Tonnen Rüstabfälle fallen bei ihm während der Saison pro Woche an, die sonst mühsam von Hand und mit Staplern herumgekarrt werden müssten. Das Entsorgungsmanagement musste Egger leicht anpassen. Denn nun passt zwar mehr vom verdichteten Material in den Container, dieser ist nun aber deutlich schwerer als vorher.    Mehr

Exoskelette für die Blumenkohl-Ernte

Skizze eines Exoroboters aus der Industrie. (Quelle: Wikipedia)

Im Raum Bodensee wird in einem Projekt nach konkreten Bauteilen der digitalen Landwirtschaft geforscht. Den Anfang machen Blumenkohl, Broccoli und Romanesco, bei denen die Ernte bald ganz futuristische Züge annehmen könnte.

Er sieht aus wie ein Handschuh, kann aber viel mehr. Der Erntearbeiter stülpt ihn über, eine Computerstimme leitet ihn an den Ort, wo es reifen Blumenkohl zu ernten gibt. Eine grobe Handbewegung reicht dort und die Greifzange fährt automatisch in Richtung Blumenkohlkopf aus und setzt das Messer zum sauberen Schnitt an. Allerdings nur, wenn das System ihn als genug gross und reif erkennt. Denn die mobile Erntehilfe ist vollgepackt mit Sensoren und registriert jede Bewegung und jede auf dem Feld ausgeübte Arbeit und macht den Acker gläsern. In der Industrie und Logistik stehen solche Exoskelette bereits heute im Einsatz. Es handelt sich dabei um eine Art tragbare Roboter, welche den Träger bei der Arbeit sowohl mechanisch aber auch mit künstlicher Intelligenz unterstützen. Auf dem Gemüsefeld sind Exoskelette erst eine Vision, an deren Verwirklichung aber trotzdem ziemlich konkret gearbeitet wird. Mehr

BigData auf dem Gemüsefeld: Kontrolle über Daten behalten

Mobile Aufzeichnungs- und Planungssoftware sammeln fast unendlich viele Informationen und Daten. Obwohl für viele Gemüsegärtner der Nutzen überwiegt, fühlen sich einige unwohl dabei. Sie fragen sich: Was passiert mit den Daten?

Wenn Hagel das Salatfeld zerstört oder Starkregen die frisch gepflanzten Setzlinge flutet, bringt das jeden Gemüsegärtner emotional an seine Grenzen. Möglicherweise als Teil der Verarbeitung posten immer mehr Betroffene die Bilder der Zerstörung in den sozialen Medien. Geteiltes Leid ist schliesslich halbes Leid. Dass sie als Informationen gewinnbringend weiterverwendet werden können, ist zurzeit zwar vermutlich noch kein Thema. Es könnte aber zu einem werden. Denn: Wissen ist Macht und Daten sind die Währung der Zukunft. Der Social Media-Gigant Facebook verfügt dank der regen Tätigkeit von seinen 2,5 Milliarden Nutzern über riesige Mengen von Daten, die sich mit geeigneten Algorithmen gewinnbringend vermarkten lassen. Mehrfach gepostete Bilder von schneebedeckten Salatfeldern in Spanien bilden beispielsweise eine Datenbasis für mögliche Ernteprognosen, die das Marktgeschehen nicht nur in Europa beeinflussen können. Letztlich liegt es bei Facebook, Instagram oder Whatsapp noch in der direkten Verantwortung der Gemüsegärtner, welche Informationen sie auf den sozialen Medien über ihren Betrieb und ihre Person kundtun wollen. Mehr

Solarstrom aus der Batterie

Investitionen in Photovoltaikmodule zahlen sich für Obstbaubetriebe aus, wenn der Strom gleich vor Ort genutzt wird. Bei Urs Grunder beträgt der Eigenverbrauchsanteil dank Batterie bis zu 70 Prozent.

Die Kirschenernte fällt in diesem Jahr auch bei Obstproduzent Urs Grunder im bernischen Zäziwil üppig aus. Um die Früchte länger haltbar zu machen, packt er sie speziell in Plastik ein und lagert sie bei tiefen Temperaturen im eigenen CA-Lager. «Der Stromverbrauch steigt dann sofort in die Höhe», sagt der Direktvermarkter. Besonders bei der Hitze, die an diesem Tag Anfang August die ganze Schweiz kaum atmen lässt. Die hohe Stromrechnung auf seinem Betrieb war ein Grund, weshalb er sich für den Bau einer Photovoltaikanlage auf dem Dach der Maschinenabstellhalle entschied. «Zudem rentiert diese besser als Geld, das mit mickrigen Zinsen auf der Bank liegt», sagt er. Mehr