Plötzlich ohne rechte Hand

Nach einem schweren Arbeitsunfall vor etwas mehr als einem Jahr will Dominik Howald nur eines: So schnell wie möglich wieder als Landwirt arbeiten.

Dominik Howald verlor bei einem Arbeitsunfall seine rechte Hand.

Bis spät in der Nacht war Dominik Howald am Vorabend noch auf dem Kartoffelfeld unterwegs. Am folgenden Morgen steht der gelernte Landmaschinenmechaniker dann bereits wieder auf dem Acker in Dettligen, wo er im Lohn für seinen Arbeitgeber Seeland BIO unterwegs ist. Er sieht den bedeckten Himmel. Sein Hirn stellt instinktiv in den Modus «möglichst schnell alle Kartoffel rausnehmen, bevor der Regen kommt». Noch husch-husch die in der Walze eingewickelten Stängel des Krautes vom Vortag entfernen. Doch: Mit blosser Manneskraft unmöglich. Dominik Howald startet deshalb den selbstfahrenden Siebkettenroder DeWulf RC 3060 und lässt die Walze laufen. Er greift hinein und es passiert. Sein rechter Arm wird zwischen Siebband und Zupfwalze hereingezogen. Er ist allein. Schreit um Hilfe. Irgendwie gelingt es ihm, mit dem linken Arm sein Mobiltelefon aus der rechten Hosentasche zu ziehen. Doch der Fingerprint ist für den rechten Zeigefinger eingestellt. Erst im zweiten Versuch kann er den Bildschirm mit dem Code entsperren. Es ruft einen Freund an, von dem er weiss, dass er in der Nähe arbeitet. Doch dieser ist unterwegs, alarmiert aber seine Arbeitskollegen. Die Maschine läuft immer noch, verschlingt den rechten Arm richtiggehend. Ein Spaziergänger hört die Hilferufe und ruft die 144 an. Die Walze dreht unbarmherzig weiter. Mehr

Wer erntet künftig das Biogemüse?

Janos Akbari aus Afghanistan und Solomon Kaleab aus Eritrea arbeiten als Festangestellte auf dem Gemüsebaubetrieb in Bibern.

Der Biogemüseanbau ist sehr arbeitsintensiv. Doch die Rekrutierung von Arbeitskräften wird immer schwieriger. Der zunehmende Kostendruck in der Branche macht das Ganze nicht einfacher.

In Grossbritannien bleibt das Gemüse auf den Feldern liegen, weil es zu wenig Erntehelfer hat. In Deutschland fehlen polnische Spargelstecher und in Kalifornien mexikanische Salatpflücker. Der Arbeitskräftemangel in der Landwirtschaft ist ein weltweites Phänomen. Wie sieht es in der Schweiz aus? Einheimische seien sowieso schon lange nicht mehr bereit, sich für den relativ tiefen Lohn während bis zu 52.5 Stunden pro Woche über Brokkoli und Salate zu bücken, sagt Biogemüsegärtner Rolf Etter von der Betriebsgemeinschaft Bioleguma in Ried bei Kerzers. Aber auch die Rekrutierung von ausländischen Arbeitskräften werde immer schwieriger. «Obwohl wir in vielen Fällen deutlich mehr bezahlen als der vom Bauernverband vorgegebene Richtlohn von 3270 Franken». Nicht selten wandern ausländische Hilfsarbeiter nach wenigen Monaten von den Gemüsefeldern in das lukrativere Gewerbe ab. Mehr

Die Weide reicht nur für drei Monate

Die Hälfte des Futters für die Biokühe der Lafranchi-Ranch kommt wegen dem trockenen Klima von auswärts. Das Know-how zur Verarbeitung der eigenen Milch zu Käse holten sich die Lafranchi-Brüder in der Heimat ihres Grossvaters im Tessin.

Die Lafranchi-Farm im Nicosia Valley wurde vor 100 Jahren gegründet. Die Hauptweidezeit ist von Februar bis Juni.

Fredolino Lafranchi aus Maggia TI ist 17-jährig als er beschliesst, sein Glück auf dem amerikanischen Kontinent zu suchen. Er findet es in Kalifornien, wo er vor genau hundert Jahren seine erste Milchfarm kauft. Für ihn geht damit ein Traum in Erfüllung. In der hügeligen mit Eichenbäumen durchsetzen Landschaft wächst vor allem Gras, ideal also für die Milchviehhaltung. Das Klima 50 Kilometer nördlich von San Francisco ist mediterran, entsprechend ist es im Sommer trocken und es wächst kaum Futter. Die Milchwirtschaft ist in der Region noch wenig entwickelt, deshalb arbeitet Fred laufend an der Verbesserung der Futtergrundlage. Er baut ein Silo, das er mit Gras füllt und mit Hafer mischt. 1930 melkt er über 100 Guernsey-Rinder. Als einer der ersten im Tal kauft er sich einen Traktor und baut einen für damalige Verhältnisse modernen Stall. Mehr

Turbulenzen auf dem Karottenmarkt wahrscheinlich

Eine Annahme der Trinkwasserinitiative würde den Anbau von Karotten deutlich verteuern. Optionen für Gemüsebaubetriebe wären der Verzicht auf Direktzahlungen und «weiter wie bisher». Oder der Umstieg auf Bio.

Gemüsegärtner Reto Huber aus Sünikon produziert auf rund 30 Hektaren Karotten.

Auf Bio umstellen? «Falls nötig: ja», sagt der Gemüsegärtner Reto Huber aus Sünikon ZH. Er spricht vom Fall, dass das Stimmvolk die Trinkwasserinitiative voraussichtlich im nächsten Jahr annimmt und das Parlament den Initiativtext so auslegt, dass im Biolandbau zugelassene Pflanzenschutzmittel erlaubt bleiben. Doch daran zweifelt Huber: «Wenn die Initiative wortgetreu umgesetzt wird, dann werden sämtliche Pflanzenschutzmittel verboten.» Und für diesen Fall sehe er definitiv schwarz für den einheimischen Gemüseanbau – egal ob biologisch oder herkömmlich. Doch daran mag er trotz allem nicht so recht glauben. Er hofft, dass die Bevölkerung die Problematik eines totalen Verbotes erkennt, wenn sie ehrlich informiert wird. Mehr

Roboter gegen Personalmangel

Die Betteravia Farms setzen voll auf Automatisierung. Dylan Bognuda hat den Auftrag, diese in der Praxis umzusetzen. Der Reporter war mit ihm in Kalifornien unterwegs auf einer «Roboter-Safari» zu den Gemüsefeldern in Santa Maria. 

Dylan Bognuda arbeitet täglich mit Agrarrobotern.

Die Zeit drängt für die kalifornischen Gemüseproduzenten. Ab 2022 sollen die minimalen Stundenlöhne für ihre grösstenteils aus Mexiko stammenden Erntearbeiter von heute 12.50 auf mindestens 15 Dollar angehoben werden. Dazu kommt, dass der Staat die täglich erlaubte Arbeitszeit von 9,5 auf 8 Stunden senken will. Überstunden kosten dann über 22 Dollar. Dazu kommen für die Saisonarbeiter Kost und Logis, die ebenfalls vom Arbeitgeber übernommen werden müssen. Doch unabhängig vom Lohn werde es für die Branche immer schwieriger, überhaupt noch Arbeitskräfte zu finden, sagt Alain Pincot von den Betteravia Farms. 200 km nördlich von Los Angeles in Santa Maria und auf dem zweiten Betrieb in Arizona kultiviert der Betrieb jährlich total 5300 Hektaren mit Gemüse. Dafür beschäftigt das Unternehmen auf den Feldern und in den anderen Anlagen alleine in Santa Maria während der Hauptsaison über 1000 Arbeiterinnen und Arbeiter.  Mehr

Holzschnitzel für Jungpflanzen

Abnehmer von Schweizer Gemüse wünschen sich, dass Gewächshäuser künftig nicht mehr mit fossilen Brennstoffen beheizt werden. Die Jungpflanzen-Firma SwissPlant Gmbh heizt seit diesem Winter mit Holz aus der Region.

Martin und Sandro Löffel benutzten für ihre Gewächshäuser künftig eine Holzschnitzelheizung

Migros gab Anfang Jahr bekannt, dass Sie ab 2025 nur noch Schweizer Gemüse aus fossilfrei beheizten Gewächshäusern verkaufen werde. Betroffene Gemüsegärtner machen sich seither intensiv Gedanken darüber, wie und mit welchen Technologien sie die hohen Anforderungen erfüllen können. Eine Option sind Holzschnitzelheizungen. Der Jungpflanzenproduzent SwissPlant Gmbh in Müntschemier beheizt seine Gewächshäuser seit diesem Herbst weitgehend CO2-neutral mit Holzschnitzeln.  Mehr

Foodwaste entsteht vor allem in Privathaushalten

(Bild: David Eppenberger)

Gemäss Studie belasten die in Haushalten und der Gastronomie weggeworfene Lebensmittel die Umwelt besonders stark. Die landwirtschaftliche Produktion macht 13 Prozent der Umweltbelastung aller vermeidbaren Lebensmittelverluste aus.

Rund 2,8 Millionen Tonnen vermeidbare Nahrungsmittelverluste entstehen in der Schweizer Lebensmittelkette jedes Jahr. Das entspricht 25 Prozent der Umweltbelastung der gesamten Ernährung. Oder 50 Prozent der Umweltbelastung, die durch den motorisierten Individualverkehr in der Schweiz verursacht wird. Pro Person sind das 330 Kilogramm oder 37 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion. Zu diesem Schluss kommt eine im letzten Monat vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) in Auftrag gegebenen Studie der Eidgenössischen Technischen Hochschule (ETH). Die Studienverfasser betrachten dabei insbesondere die Umweltbelastung von vermeidbaren Lebensmittelverlusten. Dabei gilt: je später in der Produktion- und Vermarktungskette ein Lebensmittel verloren geht, desto mehr Umweltbelastung ist bereits entstanden bei Verarbeitung, Transport, Lagerung und Verpackung. Unter dieser Betrachtung entsteht 52 Prozent der Umweltbelastung durch Food Waste in Haushalten und Gastronomie, 27 Prozent in der Verarbeitungsindustrie und 8 Prozent im Handel. Die landwirtschaftliche Produktion macht 13 Prozent aus, wobei gemäss Studie der grösste Teil (in importierten Produkten) im Ausland entsteht.  Mehr

Blockchain: Maximale Transparenz als Ziel

Die Blockchain-Technologie bietet interessante Möglichkeiten bei der Rückverfolgbarkeit von Gemüse. Ideal wäre es, wenn möglichst viele Daten automatisch von Sensoren erfasst würden – beispielsweise in Kühlfahrzeugen.

Herr Lange*, können Sie in wenigen Worten erklären, was eine Blockchain ist? Mehr

Gemüse auf die Bahn verladen

Der Gotthard bildet das Nadelöhr im Nord-Süd-Verkehr. Im Rahmen der Unternehmertagung Gemüse zeigte die Firma Zingg Transporte AG, wie sie die Schwierigkeiten meistert. Ein Teil der Lösung ist das Verladen auf die Bahn.

Gemüse reist per Bahn durch den Gotthard. (Bild Zingg Transporte AG)

Unzuverlässig und unberechenbar. Die Nord-Süd-Verbindung durch den Gotthard ist für die Zingg Transporte AG oft Glücksache. Ihre temperaturgeführten Lastwagen fahren täglich mit Frischwaren wie Gemüse vom Tessin in die Deutschschweiz und umgekehrt. «Bei einem plötzlichen Wintereinbruch müssen wir uns mit ausländischen Transporteuren messen, die mit ihren nicht wintertauglichen Fahrzeugen im Schnee steckenbleiben», sagte Verkaufsleiter Franz Gräzer anlässlich der 5. Unternehmertagung Gemüse. Aber nicht nur solche schwer einkalkulierbaren Ereignisse, sondern das grundsätzlich zunehmende Verkehrsaufkommen auf den Schweizer Strassen bereitet ihm Sorgen. Vor allem, weil gleichzeitig die Zeitfenster bei den Abnehmern immer enger werden. Früher hätten die Chauffeure bei einer Abladestelle entstandene Verzögerungen noch aufholen können, was heute auf den überfüllten Hauptverkehrsachsen nicht mehr möglich sei, erklärte Gräzer. «Die Herausforderung besteht darin, jeweils das richtige Zeitfenster zu finden, um trotz allem unseren Auftrag erfüllen zu können.»  Mehr

Photovoltaik wird unsichtbar

Architekten sträubten sich bisher oft aus ästhetischen Gründen gegen Solarmodule. Dank neuen Technologien lässt sich heute Solartechnik aber vielfältiger anwenden. Sie wird deshalb immer mehr zum festen Bestandteil der Gebäudetechnik.

Von «kämpfen für architektur ag» saniertes Apartmenthaus in Zürich-Schwamendingen mit thermischen Solarkollektoren an der Fassade.

Eine Fahrt durch die Schweiz bringt es an den Tag: Photovoltaik (PV) auf Hausdächern oder an Fassaden ist immer noch selten. Dabei wäre das Energie-Potenzial beachtlich: Es wird je nach Quelle bis auf 67 Terawattstunden (TWh) geschätzt. Zurzeit sind es gerade einmal zwei TWh. Weshalb eigentlich nur so wenig? Ein wichtiger Grund liegt in der Skepsis der Architekten gegenüber der Solarenergie respektive den Modulen, die oft ihre ästhetischen Anforderungen an das Gebäude nicht erfüllten. Doch hier hat sich das Blatt gewendet. Solartechnik gibt es heute in allen Farben und Formen, massiv als Dachziegelersatz, biegbar oder transparent, zur Produktion von Wärme oder Strom oder sogar kombiniert mit Grünfläche. «Heute ist es problemlos möglich, PV am Bau gar nicht mehr zu zeigen», sagte Architekt und ETH-Dozent Daniel Studer am ersten Symposium für Solares Bauen in Zürich. Der Anlass richtete sich speziell an Architekten und andere Akteure der Baubranche, die sich über Möglichkeiten der Integration von Solartechnologie in ihrer Arbeit informieren wollten.   Mehr