Regionale Küche in der Kanti (Zofinger Tagblatt, 15. Februar 2003)

Willisau – Pilotprojekt «Rondome Guets» von Bäuerinnen schmeckt den Schülern.

Seit einem Jahr kochen Bäuerinnen in der Kantonsschule Willisau jede zweite Woche mit regionalen Produkten. Der Erfolg zeigt sich darin, dass das Angebot inzwischen etabliert ist. Die Initiantinnen suchen neue Wege, um Jung und Alt für regionale Produkte zu begeistern.

Kanti WillisauDer Andrang in der Mensa der Kanti Willisau ist an diesem Donnerstag gross. Rund 160 hungrige Mäuler freuen sich auf liebevoll zubereitete Spätzli mit «urchigem» Schweinsgeschnetzeltem. Hinter der Theke stehen an diesem Tag nicht die übliche Mensaangestellten, sondern drei Bäuerinnen aus der Region, die alle zwei Wochen mit regionalen Spezialitäten leckere Mittagsmenüs zubereiten. Dabei handelt es sich um ein Pilotprojekt, das seit einem Jahr unter der Bezeichnung «Rondome Guets» läuft. Damit wollen die Bäuerinnen der Jugend das bäuerliche Leben und die Bedeutung der Landwirtschaft für die menschliche Ernährung näher bringen.

Weil die Jugendlichen heute nicht mehr so genau wissen, woher das Brot kommt oder weshalb der Verzehr von Erdbeeren im Winter nicht sinnvoll ist. «Damit tragen wir zum besseren Verständnis zwischen der landwirtschaftlichen und der nichtlandwirtschaftlichen Bevölkerung bei», erklärt Projektleiterin Luzia Roos-Bättig.

Regional und gesund

Die Mahlzeiten kommen bei den Schülern an. «Es ist eine willkommene Abwechslung im Mensaalltag, der oft aus Eintopf besteht», befindet der 17-jährige Adriel Jost aus Werthenstein. Zudem solle das Ganze ja noch gesund sein – ihm sei das aber eigentlich nicht so wichtig, fügt er noch bei. Eine Schlüsselbotschaft von «Rondome Guets» scheint damit aber angekommen zu sein. Hinter dem Projekt steht neben dem Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverband, dem Bildungszentrum für Hauswirtschaft und dem Verband der Zentralschweizer Milchproduzenten auch die kantonale Stelle für Gesundheitsförderung. «Das Projekt in Willisau passt mit seiner Zielsetzung gut in die Gesundheitsförderung, weil gesunde Ernährung angeboten und gleichzeitig bei den Schülern das Bewusstsein dafür unterstützt wird», erklärt Claudia Burkard von der Stelle für Gesundheitsförderung. Diese ist besorgt um die Ernährungsgewohnheiten der heutigen Jugend, die offenkundig mehr auf Fastfood aus dem McDonalds steht als auf gesunde Äpfel und Randen von nebenan. Bei «Rondome Guets» stelle sich zwar die Frage, wie nachhaltig die Wirkung sei, meint Claudia Burkard. Sie zieht aber grundsätzlich ein positives Fazit: «Wenn einige Denkanstösse gegeben werden konnten, die eventuell auch zu Hause weiterdiskutiert werden, ist schon viel erreicht.»

Höhere Preise werden akzeptiert

Auch die 13-jährige Carmen Grossenbacher aus Luthern freut sich jeweils auf die von Bäuerinnenhand geschaffenen Mittagessen. Die kurze Zeit des Anstehens nutzt sie zum Studium der Herkunftsangaben, die für jedes Menü speziell aufgeführt werden. Das Geschnetzelte mit den Spätzli und dem Salat mundete ihr heute wie immer ausgezeichnet. «Die könnten ruhig häufiger für uns kochen», sagt sie lakonisch. Sie bemängelt einzig den ihrer Meinung nach etwas zu hohen Preis. Das «Rondome Guets»-Mahl ist etwas teurer als die üblichen Menüs. «Nach ein paar Monaten mussten wir die Preise leicht erhöhen, um die Kosten besser abzudecken», begründet Luzia Roos-Bättig diese Tatsache. Die Preise liegen nun zwischen 5 und 7 Franken pro Mahlzeit je nach Menge. Da nach der leichten Preiserhöhung keinerlei negative Reaktionen der Eltern eingingen, folgert sie, dass ein gewisses Verständnis für die etwas höheren Preise bestehe. Damit hat eine weitere Botschaft des Projektes die Zielgruppe der Konsumenten von morgen erreicht: Frische Produkte aus der Region sind auch etwas wert.

Ende des Schuljahres ist Schluss

Obwohl gemäss einer Umfrage 94 Prozent der Schüler eine Fortsetzung wünschen, soll am Ende des Schuljahres in der Mensaküche Schluss sein für «Rondome Guets». «Das Ganze ist alltäglich geworden», erklärt Bäuerin Christine Meyer aus Grosswangen, die mit sechs anderen Bäuerinnen seit Februar 2002 für das Projekt am Kochherd steht. Obwohl sie jederzeit wieder mitmachen würde, sei sie mit ihren sechs Kolleginnen nun an einem Punkt angekommen, bei dem das Hauptmotiv nicht mehr im Vordergrund stehe. Die Begeisterung der Anfangsphase hat offenbar in der Schülerschaft Platz für die Gewohnheit gemacht, und damit erreicht man in den Köpfen nicht mehr allzu viel.

Weil es sich beim Bäuerinnenprojekt in erster Linie um eine imagefördernde Massnahme für die einheimische Landwirtschaft handelt, scheint das Ende von «Rondome Guets» nicht ganz ungelegen zu kommen. «Erst wenn wir nicht mehr da sind, werden sich die Schüler noch einmal richtig mit der Sache auseinander setzen», schmunzelt Christine Meyer. Obwohl die Wertschätzung der Kundschaft immer noch spürbar sei, ist sie offenbar über das kommende Ende des Projektes nicht unglücklich: Auch wenn die Bäuerinnen für ihre Arbeit entlöhnt würden, seien der Aufwand mit der ganzen Planung und das aufwändige Einkaufen der regionalen Zubereitungsmittel mit der Zeit ziemlich gross geworden, erklärt Christine Meyer – zumal bekanntlich auf einem Bauernhof noch viele anderen Arbeiten anstehen. Trotzdem will die überzeugte Bäuerin sich auch in Zukunft mit aller möglichen Kraft für ihren Berufsstand einsetzen.

Für die Projektleiterin Luzia Roos-Bättig ist klar, dass das Projekt in einer abgespeckten Form weiterlaufen soll: «Die Mittagsmenüs in der Kanti Willisau waren nur der explosionsartige Zündstoff für das Feuer, dieses soll aber nach dem Ende des Schuljahres weiterbrennen.» Die Marketingfachfrau des Luzerner Bäuerinnen- und Bauernverbandes denkt dabei konkret an ein Projekt mit Pausenkiosken an den Schulen, bei denen die Bäuerinnen eine beratende Funktion für die beteiligten Schülerinnen und Schüler einnehmen sollen. Grundsätzlich will sie die Bäuerinnen dazu animieren, das Projekt selber in die Hände zu nehmen.

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