Säender Hackroboter in Zwiebelkulturen

David Vetterli füllt den Roboter mit Zwiebeln-Samen.

Der Farmdroid aus Dänemark sät und hackt autonom. Er findet den Weg durch die Reihen mit Hilfe von GPS und kommt ohne Kameras und Sensoren aus. In der Ostschweiz wird in diesem Jahr seine Funktionstauglichkeit in Zwiebeln getestet.  

Es ist ein bisschen so, wie sich das Gemüsegärtnerinnen und Gemüsegärtner in Zukunft eigentlich vorstellen: Man lässt den autonomen Hackroboter am Abend auf dem Acker los und am Morgen kommt die SMS mit der Mitteilung, dass der Job erledigt ist. Bei David Vetterli funktionierte das im letzten Jahr mit dem Agrar-roboter Farmdroid in den Zuckerrüben. Der Mitarbeiter am Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) und Sohn eines Gemüsegärtners testete das Gerät im letzten Jahr im Rahmen eines Forschungsprojektes unter anderem auf den Flächen seines Elternbetriebs im Thurgau auf seine Praxis-tauglichkeit. Die Versuche sind zudem Inhalt seiner Masterarbeit in Agrarwissenschaften an der ETH in Zürich. 

Kinderkrankheiten behoben

Das Fazit aus dem ersten Versuchsjahr fällt bei den Bio-Zuckerrüben verhalten positiv aus. «Die Handarbeit konnte im Vergleich zum üblichen Verfahren um 15 bis 20 Prozent reduziert werden», sagt Vetterli. Der Ertrag lag im regionalen Durchschnitt. Wirtschaftlich sei das Verfahren trotz allem noch nicht, zudem litt der Farmdroid noch an Kinderkrankheiten und der Betreuungsaufwand war hoch. 

Neben Bio-Zuckerrüben wurde das Solarbetriebene Gefährt in einem weiteren Versuch für Winterzwiebeln getestet. Dieser fiel weniger erfolgreich aus, wie der Blick auf das Zwiebelfeld in diesem Frühling zeigte. «Da waren wir vermutlich zu ambitioniert». Zwiebeln sind heikler als Zuckerrüben und reagieren beispielsweise empfindlicher auf Erdbewegungen. Trotzdem oder gerade deshalb wird der Versuch nun in diesem Jahr mit «normalen» Zwiebeln wiederholt. 

David Vetterli testet den Farmdroid bei Zwiebeln.
Orientierung mit GPS

Der dänische Hersteller verpasste dem Roboter über den Winter ein Update. Die Getriebe wurden ausgetauscht, neue Saateinheiten montiert und die Motoren mit Bremsen ausgestattet. Letzteres soll für weniger Probleme in Hanglagen sorgen. «Im letzten Jahr kam der Roboter dort oft ins Rutschen, wenn er stoppte und fand nachher nicht mehr richtig in die Reihe», erklärt Vetterli. Jetzt sollten die Motorbremsen das rund 800 Kilogramm schwere Gefährt in solchen Situationen besser blockieren. 

An diesem Tag im März lässt Vetterli das rund 80 000 Franken teure Gerät erstmals auf den Acker. Mit einer gemächlichen Geschwindigkeit von 600 Metern pro Stunde fährt der Roboter über den gut abgetrockneten Acker. Er sät in einer Arbeitsbreite von drei Metern in sechs Reihen mit einem Abstand von 50 cm. Er legt die Zwiebelsamen in Häufchen zu fünf Stück im Boden in einer Tiefe von 3 cm ab. So ergibt sich zwischen den Zwiebeln genug Platz, damit der Farm­droid später zuverlässig zwischen den Reihen hacken kann. Auf der Fahrt registriert der Roboter per GPS nämlich genau die Stellen, wo die Samen gesät wurden. Mit Hilfe dieser Daten wird er dann in ein paar Tagen erstmals zum Blindhacken durch die Reihen fahren. Damit unterscheidet er sich von vielen Robotersystemen, die kamera- und sensorgesteuert funktionieren. «Es hat sich gezeigt, dass diese Geräte im frühen Pflanzenstadium oft Probleme mit der Erkennung von Pflanzen haben.» Vetterli kann sich deshalb vorstellen, dass der Ansatz beim Farmdroid erfolgsversprechender sein könnte. 

Jetzt gerade steht das Gerät allerdings auf dem Acker gerade wieder still. «Wenn etwas mit der Samenabgabe nicht stimmt, stoppt er automatisch.» Vetterli steigt deshalb unter die Solarpannel und bringt das wieder in Ordnung. Das meinte er wohl mit dem hohen Betreuungsaufwand. Trotzdem hofft er natürlich, dass er nach der Ernte ein positives Fazit auch bei den Zwiebeln ziehen kann. Es geht vor allem darum, die beim Bioanbau üblichen vielen Handjät-Stunden zu reduzieren. Der angehende Agronom ist überzeugt: «Wenn es bei Zwiebeln funktioniert, öffnen sich ganz neue Märkte für den Farmdroid.» Und damit meint er auch den konventionellen Anbau, der künftig mit weniger Herbiziden auskommen muss. 

www.bit.ly/Versuchsvideo

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