Wissenstransfer nach Rumänien (BauernZeitung, 13. Februar 2004)

Rumänische Frauen holen sich in der Schweiz hauswirtschaftliches Know-how, um die Frauen in der Heimat auszubilden.

Nach dem Ende des kommunistischen Systems vor bald 15 Jahren steht Rumänien an der Schwelle zum Eintritt in die EU, mit deren Mitgliedschaft im Jahr 2007 gerechnet wird. Der angestrebte westliche Lebensstil bringt nicht nur Vorteile mit sich. Im Bereich der Ernährung beispielsweise wirft die „Fastfood“-Kultur jetzt schon ihre Schatten voraus. „In den Strassen sind immer mehr übergewichtige Kinder sichtbar“, berichtet die Rumänin Simona Derrlich (27), die Anfang Monat am Hauwirtschaftlichen Bildungszentrum Custerhof in Rheineck die fünfmonatige Vollzeitausbildung in Hauswirtschaft begonnen hat. Zuvor verbrachte sie ein halbes Jahr als hauswirtschaftliche Praktikantin auf dem Milchwirtschaftsbetrieb von Niklaus und Kathrin Rohrer oberhalb von St. Gallen und besucht an einem Tag pro Woche die Berufsschule für das Hauswirtschaftsjahr am

Federführung beim Custerhof

Die Verantwortung für die Ausbildung innerhalb des Frauenprojektes übernahm in diesem Herbst das Hauwirtschaftliche Bildungszentrum Custerhof. In diesem Herbst sollen vorerst keine zusätzlichen Schülerinnen aus Rumänien aufgenommen werden. „Das Projekt muss jetzt zuerst in den rumänischen Dörfern vorangetrieben werden“, erklärt die Schulleiterin Marianne Urbacher gegenüber der Bauernzeitung. Sie hatte sich im vergangenen Jahr vor Ort einen Augenschein verschafft und ist zur Erkenntnis gelangt, dass der Bedarf an ausgebildeten Fachkräften fürs Erste gedeckt sei. Es liege nun an den vier in der Schweiz ausgebildeten Frauen, die Kurse erfolgreich zu gestalten. Obwohl das Interesse an den Kursen offenbar nicht gering ist, kämpft das Projekt immer noch mit Anfangsschwierigkeiten. „Die Einsicht bei den Frauen, dass Ausbildung auch in der Haushaltarbeit nötig ist, fehlt immer noch,“ erklärt Ueli Haslebacher, der das Projekt ursprünglich initiiert hatte. Zudem fehle in Rumänien ein Netzwerk, wie es die Bäuerinnen- und Landfrauenverbände in der Schweiz bildeten. Statt in der modernen Küche in Targu Mures wird das Augenmerk deshalb bei der Durchführung von Kursen künftig mehr auf die dezentrale Arbeit in den Dörfern gelegt werden. Nach dem Schneeballprinzip sollen künftig fähige und zuverlässige Frauen in den Ortschaften selber Verantwortung übernehmen und in regionalen Gruppen ihr Wissen weitergeben. „Das System hat beim anderen Haupttätigkeitsfeld von Agrom, der Vermittlung von Wissen in der Landwirtschaft, bis jetzt gut funktioniert,“ verbreitet Marianne Urbacher Zuversicht. Simona Derrlich bildet in diesem System mit ihrem in der Schweiz gewonnenen Know-how ein wichtiger Eckpfeiler. „Ich bin überzeugt, dass wir bei den rumänischen Frauen etwas bewirken können“, sagt sie. „Aber wir werden viel Geduld brauchen“, ist sich die junge Rumänin bewusst.

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