Die «Ecole d’horticulture» in Lullier (GE) bietet eine vielfältige Ausbildung für grüne
Berufe an. Dazu zählt auch der Gemüsebau. Der Weg zum Eidgenössischen Fähigkeitszeugnis (EFZ) sieht allerdings etwas anders aus als im Rest der Schweiz.

Die Fahrt von der Stadt Genf raus nach Lullier ist auch eine Reise der Gegensätze: Weltstadt und Finanzmetropole da, acht Kilometer Luftlinie weiter eine von Landwirtschaft geprägte Landschaft dort. Hier im Ortsteil Lullier der Genfer Gemeinde Jussy liegt der Campus, wo junge Leute in grünen Berufen ausgebildet werden. Unter anderem befinden sich hier neben dem Centre de formation professionnelle nature et environnement (CFPne) auch die Fachhochschule Hepia (Haute école du paysage, d‘ingénierie et d‘architecture de Genève). Viele im Rest der Schweiz wissen kaum, dass am CFPne auch künftige Gemüsegärtnerinnen und -gärtner ausgebildet werden.
Vierjährige Generalistenausbildung
Die «Ecole d’horticulture» in Lullier biete eine Art Generalistenausbildung für grüne Berufe an, welche historisch gewachsen sei, erklärt Dekan Sébastien Montessuit. Seit 1974 ist sie in Lullier untergebracht, wo eine entsprechende Infrastruktur mit Schulungsräumen, aber eben auch Gewächshäusern und Freilandflächen besteht. An der «Ecole d’horticulture» durchlaufen die Lernenden eine vierjährige Vollzeitausbildung, welche Bereiche der fünf Gartenbauberufe Baumschule, Landschaftspflege, Obstbau, Gemüsebau und Floristik abdeckt. Es besteht auch die Möglichkeit, die Berufsmatura zu erlangen. In den ersten beiden Jahren werden Grundlagen vermittelt. Im dritten und vierten Jahr spezialisieren sich die Lernenden und schliessen mit EFZ respektive mit kantonalen Abschlüssen ab. Je zur Hälfte läuft die Vollzeitausbildung in Theorie und Praxis ab. Letztere holen sich die Lernenden auf dem Gelände in den Gewächshäusern, in Tunneln, im Freiland und in der Obstanlage. Dazu kommen mehrwöchige Praktika im zweiten Ausbildungsjahr in selbst ausgewählten Unternehmen, darunter auch Gemüsebaubetriebe.
Zwei weitere Jahre Praxis für den EFZ
Die meisten Lernenden kommen aus Genf und benachbarten Kantonen wie Waadt und Wallis. Bereits nach drei Jahren besteht die Möglichkeit der Erlangung eines EFZ «Produktion» im Bereich Floristik.
Der Rest schliesst nach vier Jahren entweder mit einem EFZ als Gärtner/-in in den Fachrichtungen Garten- und Landschaftsbau oder Pflanzenproduktion ab oder mit kantonalen Diplomen im Obst- und Gemüsebau. «Mehrere Lernende haben sich für den Bereich Gemüsebau entschieden», sagt Serge Gonin. Der ehemalige Profi-Gemüsegärtner ist einer von drei Lehrern an der CFPne im Bereich «Gemüsebau». Für den EFZ als «Obstfachmann/-frau» und «Gemüsegärtner/in» sind aber zwei weitere Praxisjahre nötig.
Realer Bezug zur Praxis
Auf dem Gelände gibt es auch ein Internat für Auswärtige. Die Ausbildung setzt einen starken Fokus auf die Praxis. Deshalb sind im Gewächshaus oder auf den Feldern vorwiegend Lernende am Werk. Eine Gruppe bereitet gemeinsam die Lieferung von Peperoni und anderen Gemüsen vor. «Die im vierten Jahr erklären denen im zweiten Jahr, wie es geht», sagt Serge Gonin. Da ein grosser Teil der produzierten Gemüse unter Einhaltung der Vorschriften von SwissGAP und Suisse Garantie an die Union Maraîchère de Genève (UMG) geliefert werde, bestehe ein starker Bezug zur Realität. «Termine und Vereinbarungen müssen eingehalten werden.» Neben klassischem Brokkoli, Blumenkohl, Fenchel oder Salaten ist auch Platz für exotisches wie Erdnüsse, Wassermelonen und natürlich dem in Genf typischen Kardy. Rund 40 verschiedene Gemüse werden angebaut. Auch der Umgang mit Maschinen zählt zur Ausbildung. Serge Gonin ist überzeugt, dass die vielfältige Ausbildung attraktiv ist für Jugendliche. Er rechnet zudem in den nächsten Jahren mit mehr Abschlüssen in der Fachrichtung Gemüsebau.

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