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Von Ecuador ins Seeland 

Tommy Turner zog 2019 ohne deutsche Sprachkenntnisse in die Zentralschweiz. Er überwand die Sprachbarrieren erfolgreich, auch dank der Ausbildung zum Gemüsegärtner EFZ. Sein erster Job führte ihn in ein Gewächshaus ins Freiburger Seeland.

Als der damals 13-jährige Tommy Turner im Jahr 2019 im Zug vom Flughafen nach Luzern sass, verstand er von den Leuten rundherum erst einmal gar nichts. In Ecuador geboren, lebte er zuvor mit der Familie ein paar Jahre in den Vereinigten Arabischen Emiraten und in China. Ein Lehrerjob des Vaters führte die Familie nach Horw in die Zentralschweiz. Sein Vater ist Engländer, die Mutter Ecuadorianerin. Am Familientisch wurde deshalb Englisch und Spanisch gesprochen. Sieben Jahre später führt Tommy Turner in breiter Mundart und fachkundig durch die Tomaten- und Gurkenkulturen im Gewächshaus von Wolf Biogemüse in Ried bei Kerzers. Es ist die schöne Geschichte einer erfolgreichen Integration, welche viel mit der Berufsbildung als Gemüsegärtner/in EFZ zu tun hat. 

Lehre auf dem Mattli in Horw

Am Anfang stand die Sekundarschullehrerin in Horw. «Ich war im dritten Schuljahr und musste mich entweder für die Kantonsschule oder für eine Berufslehre entscheiden», blickt Tommy Turner zurück. In England eilte der Berufsbildung ein schlechter Ruf voraus und sie galt eher als Lösung für schwächere Schüler. Er habe aber schnell gespürt, dass dies in der Schweiz anders sei. «Hier eine Lehre zu machen, ist mit viel Wertschätzung verbunden.» Einen wirklichen Plan hatte er aber zu diesem Zeitpunkt trotzdem nicht. Seine Lehrerin empfahl ihm schliesslich eine Schnupperlehre auf dem Biogemüsebaubetrieb Mattli in Horw. Seine Klassenkolleginnen und -kollegen hätten ihn zwar fragend angeschaut, denn niemand kannte die Ausbildung zum Gemüsegärtner/-in EFZ. Doch ihm habe es sofort den Ärmel hereingezogen. Es habe ihn zudem fasziniert, wie schnell er von seinem städtischen Zuhause in die naturverbundene Welt des Gemüseanbaus gelangte. «Trotz meiner sprachlichen Mängel gab mir der Betrieb eine Chance und nahm mich als Lehrling auf.»

Sprache schnell gelernt

Tommy Turner verbrachte alle drei Jahre der Lehrzeit auf dem klein strukturierten Gemüsebaubetrieb mit Direktvermarktung in der Zentralschweiz. Natürlich sei es in der Berufsschule in Ins mit den vielen Fachbegriffen am Anfang sprachlich für ihn anspruchsvoll gewesen, sagt er. «Ich bin dankbar, dass mich meine Berufsschulkolleginnen und -kollegen tatkräftig unterstützten.» Der offensichtlich sprachbegabte lernte schnell dazu und muss heute nur noch selten bei bestimmten Fachbegriffen nachfragen. 

Nach dem Abschluss wollte er auf einem moderneren Gemüsebaubetrieb mehr Erfahrungen sammeln. Am liebsten in einem Gewächshaus. Denn er erinnert sich nur ungern an das Salatschneiden im kalten Winter während der Lehrzeit. «Das hat wohl mit meiner Herkunft zu tun», lacht er. In der Schule lernte er Nicolas Wolf kennen. Der Sohn von Manfred Wolf von Biogemüse Wolf in Ried bei Kerzers machte Tommy schliesslich auf die offene Stelle aufmerksam, die er dann auch erhielt. Dort habe er sich schnell in die Materie eingearbeitet und sich in kurzer Zeit zu seinem kompetenten Stellvertreter hinaufgearbeitet, sagt Gewächshausleiter Daniel Braig. 

Nächste Station Berufsmatura?

Umso mehr bedauert es Daniel Braig, dass Tommy Turner den Betrieb nach zwei Jahren wieder verlässt. Diesen zieht es vorerst wieder zurück in die Zentralschweiz. Genauere Pläne habe er bisher nicht. Er überlege sich, die Berufsmatura abzulegen, um danach studieren zu können. 

Geht der Gemüsebranche damit einmal mehr eine hoffnungsvolle Fachkraft verloren? «Ich habe dem Gemüsebau viel zu verdanken», antwortet Tommy Turner. Er könne sich deshalb gut vorstellen, sein allenfalls in einem Studium gewonnenes Wissen später wieder auf einem Gemüsebaubetrieb anzuwenden. 

Veröffentlicht in Blog

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