Flemming Burri unterrichtet als Berufsfachschullehrer am Inforama in Ins. Im Interview äussert er sich über seinen Alltag im Klassenzimmer. Er lobt die Lehrbetriebe, welche die Lernenden in der Praxis mit viel Verantwortung ausstatteten.
Sie arbeiten seit zwei Jahren als Berufsfachschullehrer bei den künftigen Gemüsegärtner/-innen EFZ am Inforama in Ins. Wie sieht Ihr erstes Fazit aus?
Flemming Burri: Das Positive überwiegt eindeutig. Als beruflicher Neueinsteiger im
Lehrerjob war der Start aber anspruchsvoll. Vor allem das Vorbereiten der Lektionen war zu Beginn aufwändig.
Welche Vorkenntnisse brachten Sie mit?
Als Sohn einer Bauernfamilie wurde mir einiges an Kenntnissen über die Landwirtschaft bereits in die Wiege gelegt. Ich besuchte nach der Volksschule das Gymnasium und studierte anschliessend an der HAFL Agronomie inklusive Praktika. Während des Studiums legte ich zudem das Lehrmodul ab, welches zum Unterrichten in berufskundlichen Fächern befähigt. Dank meiner Erfahrungen in Skischulen oder als Trainer von Jungschwingern war mir das Unterrichten nicht absolut fremd.
Für welche Bereiche interessieren sich die Schülerinnen und Schüler besonders stark?
Für alles, was direkt mit der Produktion zu tun hat, wie Bodenbearbeitung, Düngung, Pflanzenschutz oder Ernte. Sobald mehr Zahlen ins Spiel kommen, sinkt das Interesse. Auch meine Kolleginnen und Kollegen stellen fest, dass manche mit dem Rechnen etwas Mühe haben.
Aber für Berechnungen gibt es doch heute Handys und entsprechende Apps?
In der Praxis ist Präzision gerade im Bereich Pflanzenschutz essenziell, wenn es beispielsweise um die Mischverhältnisse von Pflanzenschutzmitteln geht. Oder bei der Berechnung der Aussaatmengen respektive der Anzahl Setzlinge pro Fläche. Gewisse rechnerische Grundlagen sollten angehende Gemüsebaufachleute einfach beherrschen.
ChatGPT und andere Instrumente der Künstlichen Intelligenz (KI) breiten sich auch bei Ihnen im Fachunterricht aus. Wie gehen Sie damit um?
Bis jetzt hält sich das in meinem Unterricht noch in Grenzen. Die Planung der Lektionen oder die Gestaltung von Arbeitsblättern mache ich bis jetzt noch selbst. Ich nutze höchstens einmal ein KI-generiertes Bild. Manchmal kommen da lustige Outputs heraus, welche den Unterricht etwas auflockern. Die Lernenden nutzen solche Hilfsmittel allerdings tendenziell immer häufiger. Das ändert aber nichts daran, dass sie den Stoff am Ende verstanden haben müssen. Ob das so ist, kann ich mit entsprechenden Rückfragen im Unterricht oder auch in den Tests überprüfen.
Die Klassen sind zuweilen heterogen zusammengesetzt: Lernende aus traditionellen Gemüsebaubetrieben stossen da auf branchenfremde Leute in Zweitausbildung, welche möglicherweise etwas zu romantische Vorstellungen von Gemüseproduktion haben. Kommt es da manchmal zu Spannungen?
Tatsächlich sitzen da manchmal Leute mit Masterausbildung neben jungen Kolleginnen und Kollegen, die direkt von der Volksschule kommen und möglicherweise schulisch nicht die Stärksten sind. Die Herausforderung liegt darin, die einen nicht zu über- und die anderen nicht zu unterfordern. Für mich bringt es aber eine gewisse Vielseitigkeit in den Unterricht, die ich interessant finde. Der gegenseitige Respekt muss im Klassenzimmer immer gewahrt sein. Ich vertrete den Grundsatz, dass Meinungsvielfalt den Horizont erweitert. Ernsthaft Probleme gab es hier aber noch nie.
Wichtiger Teil der Ausbildung sind die Betriebe selbst. Bringen die Lernenden genug Wissen zu Ihnen in den Unterricht mit?
Bis jetzt ist mir nie aufgefallen, dass da riesige praktische Lücken bestehen würden. Im Gegenteil: Die Lehrmeister statten die Lernenden oft schon früh mit viel Verantwortung aus und ermöglichen diesen wertvolle Praxiserfahrungen. Und das ist nicht selbstverständlich. Hier möchte ich den Lehrbetrieben wirklich ein Kränzchen winden!
Ab diesem Schuljahr gilt ein neuer Bildungsplan mit neu definierten «Handlungskompetenzbereichen». Was bedeutet das für Ihren künftigen Unterricht?
Wahnsinnig viel ändert sich für mich nicht. Der Beruf bleibt der gleiche. Ich würde es vielleicht so beschreiben: Die Felge erhält einen neuen Pneu. Einzelne Bereiche wie der Pflanzenschutz oder rechtliche Grundlagen erhalten etwas mehr Gewicht. Oder das Thema Nachhaltigkeit ist etwas anders integriert worden. Es ist klar, dass auch der Unterricht den stetigen Wandel in der Gemüsebranche mitgehen muss.
Welchen Stellenwert hat der biologische Gemüsebau im neuen Bildungsplan?
Im alten System war der Bioanbau noch ein Schwerpunktthema, was nun nicht mehr der Fall ist. Allerdings legten wir schon immer Wert darauf, dass die Aspekte des Bioanbaus im Unterricht vermittelt werden. Beispielsweise bei alternativen Methoden des Pflanzenschutzes oder der Düngung, welche zunehmend auch im konventionellen Anbau ein Thema sind. Wir möchten «Allrounder» ausbilden, die für die Aufgaben auf allen Gemüsebaubetrieben gewappnet sind.
Wichtig wäre es, dass die ausgebildeten Gemüsegärtnerinnen und -gärtner in der Branche bleiben. Wie beurteilen Sie hier die aktuelle Situation?
Natürlich gibt es immer Leute, welche noch eine weitere Ausbildung machen oder unter anderem die Berufsmatura ablegen, um nachher zu studieren. Trotzdem glaube ich, dass die meisten der Branche in einer Form erhalten bleiben. Einige sehe ich dann auch wieder bei uns, wenn sie die Berufsprüfung ablegen oder mit dem Gemüsegärtnermeister abschliessen.

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