Jonas Boog hat die Lizenz zum Anbau von speziellem Mini-Brokkoli. Zu dieser kam er
über eine Marken-Management Gesellschaft in England. Über den Hofladen und den Detailhandel bietet er das Gemüse als «BIMI Brokkoli» im Premium-Segment an.

In Grossbritannien ist Tenderstem Brokkoli seit Jahren ein Verkaufsschlager. Das trendige Kreuzungsprodukt aus Brokkoli und chinesischem Kohl gelangt mit etwa 18 cm langen, zarten Stielen und den kleinen Röschen in den Verkauf. Dann heisst es: Ab für ein paar Minuten ins kochende Wasser und fertig ist das Ganze für den Verzehr. Der süssliche, milde Geschmack erinnert an grünen Spargel und kommt bei der Kundschaft gut an. Weshalb sollte das nicht in der Schweiz funktionieren? Das dachte sich auch Gemüse- und Obstproduzent Jonas Boog aus Hünenberg (ZG). Schon vor Jahren pröbelte er mit normalen Brokkolisorten an einem solchen Produkt, allerdings ohne Erfolg. Vor zehn Jahren fand er auf einer Reise in Australien die Lösung: «Dort ist der ‹Broccolini› in den Geschäften omnipräsent und besetzt auch in der Gastronomie einen festen Platz», sagt er.
Vorbild «Pink Lady»
Je nach Land heisst der auch als «Superfood» geltende Mini-Brokkoli anders: In Grossbritannien «Tenderstem», in Australien «Broccolini», in den USA «Bimi Baby Broccoli» oder in der Schweiz und in anderen europäischen Ländern «BIMI Brokkoli». Weil das Ganze Teil einer globalen Marketing-Strategie mit Lizenzen und eingetragenem Markenschutz ist, konnte sich Jonas Boog nicht einfach entsprechendes Saatgut beschaffen und loslegen. Er nahm deshalb Kontakt zur zuständigen Marken-Management-Gesellschaft in England auf und sicherte sich eine Anbau- und eine Vermarktungslizenz. Seit 2019 ist er Teil der globalen BIMI-Produktion. Einmal im Jahr kommt jemand vorbei und überprüft, ob Qualität und Lizenzvorschriften eingehalten werden. Das Produkt soll in allen Ländern gleich daherkommen. Das ist das Konzept, Vorbild ist «Pink Lady» bei den Äpfeln. Finanziert wird die Werbekampagne mit den Lizenzgebühren, die Produzenten wie Jonas Boog auf die verkauften Mengen bezahlen. Den grössten Teil vermarktet er über den Detailhandel, unter anderem bei Coop und Migros.
Ernte dauert fünf Wochen
Rund 40 Hektaren des «Mini-Brokkoli» werden in der Schweiz zurzeit angebaut. Neben den rund 15 Hektaren der Familie Boog in Hünenberg haben noch zwei weitere Betriebe Anbaulizenzen, je einer in der Ostschweiz und im Tessin. Die Setzlinge produziert sein Bruder Kilian mit dem lizenzierten Saatgut auf seinem Betrieb in Udligenswil.

Einmal gesetzt, verläuft die Kultivierung zuerst ähnlich wie beim «normalen» Brokkoli. Auch die Schädlinge und Krankheiten seien die gleichen, erklärt Jonas Boog. In mehreren Hackdurchgängen werden die Pflanzen während des Wachstums zu Dämmen angehäufelt. Geerntet wird in gestaffelten Anbausätzen von Mais bis November. Der grosse Unterschied liegt in der Ernte: «Sie ähnelt eher dem Beerenanbau», sagt der ausgebildete Beeren- und Obstfachmann. Pro Satz werden die Stängel während rund fünf Wochen in der Länge von rund 18 cm wöchentlich von Hand abgeknickt. Auf dem heimischen Betrieb werden sie anschliessend fertig gerüstet und in die vom Lizenzgeber vorgeschriebenen Verpackungen maschinell zu 200‑Gramm‑Portionen abgefüllt.
Die Produktion von BIMI ist arbeitsintensiv, weshalb es im Detailhandel im Premium-Segment geführt wird. Das Produkt kommt an: Die Umsätze mit dem «Spargelbrokkoli» nehmen zu, im letzten Jahr in der Schweiz um 35 Prozent. Hier sind allerdings auch die Importe im Winter eingerechnet. Denn auch das gehört zur globalen Strategie: Das Produkt muss zu allen Jahreszeiten im Laden verfügbar sein. In Grossbritannien liege der jährliche Konsum pro Person bereits bei 500 Gramm, sagt Jonas Boog. Für ihn ist deshalb klar: «In der Schweiz gibt es noch Potenzial.»

Kommentare