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CO2-neutrales Eiweissfutter aus Rumänien

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Die Trocknungsanlage im rumänischen Șomoșcheș nutzt Holz von verbuschten Ackerflächen als Energiequelle für die Trocknung von Luzerne.

Viele Jahre lang lief die Grastrocknungsanlage der Landi Weinland in Marthalen ZH zuverlässig mit Öl, bis sie im letzten Jahr demontiert wurde. Jetzt steht sie 1300 Kilometer ostwärts in Rumänien, wo sie ein ökologisches Upgrade erfahren hat: Als Energiequelle wird dort nun Biomasse verwendet. Hauptprodukt ist getrocknete Luzerne, die als Eiweissfutter in den Export gehen soll.

biobaler_titel4Rumänien ist ein Agrarland. Doch immer noch stehen viele Ackerflächen brach, an machen Orten breiten sich darauf kleine Wälder aus. Das Problem für die Landbesitzer: Die EU streicht Subventionen für Flächen, die fünf Jahre hintereinander nicht beackert worden sind. Die Agrarinvest Romania AG (Siehe Kasten) besitzt viel verbuschtes Land, vor allem im Westen von Rumänien. «Rund 2000 Hektaren müssen möglichst bald entbuscht werden», sagt Ralf Trautwein, Leiter des Landwirtschaftsbereichs bei Agrarinvest Romania AG. Man habe nach Wegen gesucht, wie man die mannshohen Büsche effizient von den Äckern entfernen könne. Fündig geworden ist er in Kanada: Der Biobaler ist eine Ballenpresse, der Büsche mit Stammdurchmesser bis zu 15 cm schneidet. Die Wurzeln werden mit einer Rodefräse entfernt. «Holz stört im Acker und ist wenig humusfördernd», sagt Trautwein. Rund 10 Tonnen Biomasse können mit dem Biobaler pro Hektare geerntet werden. Die Ballen sind bei der Ernte bis zu einer Tonne schwer. Sie bleiben dann ein paar Monate auf dem Feld liegen, wo sie ohne Energieverlust auf eine Restfeuchte von 10 Prozent abtrocknen.

Proteine für Export

biobaler_titel3Das Verbuschungsproblem ist mit dem Biobaler gelöst. Doch was sollte mit den Bergen von Holzballen geschehen? Die Verfeuerung bot sich als naheliegende Lösung an. Aber wo? Und wie sollte die Wärme genutzt werden? Nun kommt das nächste Puzzleteilchen ins Spiel: Die Agrarinvest Romania AG hat sich dem Biolandbau verschrieben, vor allem Getreide. 2000 Hektaren sind bereits in Bewirtschaftung. In der viehlosen Bewirtschaftung sind in der siebenjährigen Fruchtfolge immer zwei Jahre Blattleguminosen dabei, wie beispielsweise Luzerne. «Getrocknet und zu Mehl oder Pellets verarbeitet ist diese eine wertvolle Eiweissquelle mit Proteingehalten von über 24 Prozent», sagt Trautwein. Die Luzerne werde bis zu acht Mal jährlich geschnitten, damit der Proteingehalt in den jungen Blättern genug hoch sei. Da die Biotierhaltung in Rumänien noch wenig entwickelt sei, soll die getrocknete Luzerne vorerst in den Biokanal als proteinreiches Tierfutter exportiert werden. Und dieser Markt ist attraktiv: Bekanntlich sucht ganz Westeuropa inklusive der Schweiz nach Eiweiss-Alternativen zur Soja aus Südamerika und China.

Ganzballen-Vergaserheizkessel

Nun musste noch die letzte Lücke geschlossen werden: Eine ganz neue Trocknungsanlage zu kaufen wäre zu teuer gekommen. Fündig wurde Trautwein im Zürcherischen Marthalen. Wegen ständig sinkender Umsätze, entschloss sich dort die Landi Weinland, die Trocknungsanlage aufzugeben und durch eine Kartoffelhalle zu ersetzen. Sie verkaufte die Typ-5-Anlage der Firma Swiss Combi für mehr oder weniger den Schrottpreis nach Rumänien. Sie wurde demontiert und im letzten Herbst mit Sattelschleppern nach Șomoșcheș in das Banat gefahren. Dort baut die Agrarinvest Romania AG einen neuen Landwirtschaftsbetrieb auf. Die neue, grüne Halle für die Trocknungsanlage ist dort schon von weitem zu sehen. Der Testbetrieb soll in den nächsten Wochen aufgenommen werden, sagt Trautwein. Der BEtrieb soll in den nächsten Wochen aufgenommen werden, sagt Trautwein. Nebst den gebrauchten moschknung in den letzten Ölbrenner wurde zwar noch aus der Schweiz mitgezügelt. Er liegt aber verwaist neben der Vorbrennkammer, in der die Buschballen künftig bei 300 Grad vorverbrannt werden. «Die Ballen brennen so von innen nach aussen», erklärt Trautwein. Dass dabei entstehende Schwelgas werde dann bei einer Hitze von 650 Grad in der Nachbrennkammer ohne schädliche Abgase in Wärme für die Trocknung umgewandelt. Möglich macht dies der nach Firmenangaben weltweit einzigartige Ganzballen-Vergaserheizkessel von Herlt aus Deutschland. Danach folgen im biobaler_titel2Trocknungsprozess die bewährten Komponenten der Marthaler Anlage mit der Trommel und den Abfüllanlagen am Ende des Vorgangs. Rund 800’000 Euro hat die Trocknungsanlage schliesslich gekostet. «Fünf Tonnen Trockenware können wir hier pro Stunde erzeugen», sagt Trautwein. Er rechnet mit einem Ertrag pro Hektare von 6 bis 8 Tonnen Luzerne-Pellets mit einem Trockenmasse-Anteil von 88 Prozent. Für diese Menge braucht es voraussichtlich rund 6 Ballen aus dem getrockneten Buschmaterial.

Günstiger und umweltfreundlicher Brennstoff

Die Energiekosten für die Trocknung sind bei der Anlage gering. «Herkömmlich mit Erdöl betrieben wären die Energiekosten viel zu hoch», so Trautwein. Auf der Ausgabenseite stehen bei ihm der rund 200’000 Euro teure Biobaler sowie die Arbeitskosten der Erntearbeiter. Der Rohstoff ist aber eigentlich gratis, weil er ja ungewollt auf den eigenen Flächen wächst. So schnell wird das Buschmaterial übrigens nicht ausgehen. Das Team «Landreinigung» schaffe zwar im Durchschnitt 20 Hektaren pro Woche, sagt Trautwein. Er rechnet aber trotzdem nur für die eigenen Flächen mit einer Erntezeit von mehr als zwei Jahren. Künftig würde der Biobaler auch im Lohn für Dritte unterwegs sein. «Wir haben bereits viele Anfragen von Landbesitzern», sagt Trautwein. Und diese seien froh, wenn sie die Ballen gratis «entsorgen»  könnten.

So hat die Firma aus der Verbuschungs-Not eine lukrative Tugend gemacht. Mit der CO2-neutral getrockneten Luzerne in Bioqualität werden sich gute Geschäfte machen lassen. Und auf den entbuschten Flächen wird künftig ja noch mehr Luzerne geerntet werden können. Und was passiert, wenn in Rumänien alle Äcker von den Büschen gereinigt sind? Trautwein schmunzelt: «Das wird noch eine Weile dauern.» Aber selbst in diesem Fall würde es genug Biomasse geben, um die Wärme zu erzeugen. Beispielsweise Gras von Dauerweiden, Stroh von Getreidekulturen oder der bewusste Anbau beispielsweise von Chinaschilf entlang von wassernahen Flächen.

 

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Agrarinvest Romania AG

Das Unternehmen hat sich auf Investitionen in der rumänischen Landwirtschaft spezialisiert. Ziel ist die Produktion von hochwertigem Rindfleisch und Getreide in Bioqualität. Die Aktien von Agrarinvest Romania AG werden an der Börse in Düsseldorf gehandelt. Der Börsenwert beträgt rund 20 Millionen Euro.

Mehr Infos: www.agrarinvest.com

 

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