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Das Ende der Klasse-II-Spargel

Der Spargelstechroboter von Cerescon sorgte an der Messe für viel Aufsehen.

Automatisierung und Nachhaltigkeit: Diese beiden Themen dominierten an der Spargelmesse in Karlsruhe. Roboter ersetzen künftig Spargelstecher, Systeme müssen energieeffizient sein und Abdeckfolie muss sich biologisch abbauen. 

Künftig wird es dank dem ersten selektiven Spargel-Stechroboter der Welt nur noch den perfekten Spargel geben, bolzengerade ohne violette Stellen. Mit dem Gerät wird zudem viel Erntepersonal überflüssig werden. «Anstatt 75 Leute auf 50 Hektaren wird es nur noch 5 brauchen», sagte Ad Vermeer, Managing Director des holländischen High-Tech Start-ups Cerescon im November auf dem Messeareal in Karlsruhe. Er durfte dort anlässlich der 22.  expoSE für seine Maschine den «Best of» – Innovationspreis entgegennehmen. Die Messe für Spargel- und Beerenproduktion fand auch diesmal gleichzeitig mit der expoDirekt statt, Deutschlands Fachmesse für landwirtschaftliche Direktvermarktung.

Raupenerntemaschine «Chris» auf Raupen.

Für die vielen Schweizer Besucherinnen und Besucher war der Cerescon-Stand eines der Publikumsmagnete in Karlsruhe. Doch natürlich drängt sich das 600 000 Euro teure Gerät nicht für unsere kleinen Spargelanbauflächen auf. Trotzdem bleibt die Automatisierung auch auf diesen ein Thema. Eine zehnmal günstigere Lösung präsentierte beispielsweise die ebenfalls holländische Firma Christiaens Agro Systems mit ihrem selbstfahrenden Erntegerät «Chris» auf Raupen. Diese trägt den Spargeldamm temporär ab und «siebt» den Spargel aus, ehe sie den Damm wieder aufbaut.

Prämiertes Rinnensystem

Prämiertes energieeffizientes Rinnensystem des französischen Ausstellers EBBJ.

An den Ständen der über 450 Aussteller aus 14 Nationen war allerlei Interessantes zu entdecken. Für Gewächshaus-Anbauer dürfte hier vor allem das ebenfalls als besondere Innovation prämierte PVC-Rinnensystem der französischen Firma EBBJ von Interesse sein, das im letzten Jahr schon an der Fachmesse SIVAL in Frankreich einen Innovationspreis gewann. Es ist mit mehreren Leitungssystemen versehen, durch die zur Temperaturregulierung kaltes oder warmes Wasser fliessen kann, das Drainagewasser wird aufgefangen und wiederverwendet. Mit dem «Thermogouttières Hydro-climatique» könne viel Energie eingespart werden, erklärt EBBJ-Direktor Marc Joulin. Zudem könne das Material PVC mehrfach recycelt werden, was sich positiv auf die Ökologie auswirke. Die Nachhaltigkeit macht auch die holländische Firma Oerlemans plastics zum Thema, und präsentierte eine vollständig biologisch abbaubare Abdeckfolie. Denn das zeigte sich an der expoSE auch: Folien auf Spargeldämmen werden offenbar besonders in Deutschland von der Bevölkerung zunehmend in Frage gestellt. Dieses Produkt basierend auf Maisstärke löst das Problem, weil es sich nach einigen Monaten vollständig zu CO2, Wasser und Humus abbaut.

Traditioneller Spargeltag

In Deutschland belegt die Spargelanbaufläche mittlerweile 18 Prozent der Gemüseanbaufläche, die Tendenz ist offenbar immer noch steigend. Auch deshalb stösst in Karlsruhe der traditionelle Spargeltag mit Fachreferaten jeweils auf ein grosses Interesse. Ein Thema war diesmal der Einsatz von Mykorrhiza-Pilzen. Dabei wurden Versuchsresultate präsentiert, bei denen der Einsatz von Mykorrhiza äusserst positive Effekte auf die Erträge zeigte. Der italienische Anbauberater Frederico Nadaletto unterstrich diese mit einem Erfahrungsbericht. In Italien würden bereits seit Jahren auf grossen Flächen mit Mykorrhiza gearbeitet, auch bei anderen Gemüsekulturen, sagt er. Auch er sprach in Superlativen, so dass man sich wundert, weshalb nicht mehr Landwirte auf den Einsatz der eigentlich gar nicht teuren Mykorrhiza setzen.

www.expo-se.de
www.cerescon.com
www.christiaensagro.com
www.ebbj.fr

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