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Alternativer Pflanzenschutz: UVC-Technologie im Aufwind

Die Wirkung von UVC gegen Pilze, Bakterien und Viren bietet Gemüsebaubetrieben neue Chancen für eine saubere Produktion. Als Teil einer Strategie und richtig angewendet, bringt die Technologie sowohl in Pflanzen- als auch in Lagerbeständen Vorteile.

UVC auf einem Fahrzeug gegen Mehltau in Gurken. (Octinion)

Ultraviolettes Licht kommt natürlicherweise von der Sonne auf die Erde. Ein Teil erreicht die Erdoberfläche als UVA- und UVB-Strahlung. Im Gegensatz zum sehr energiereichen UVC-Licht, das von der Erdatmosphäre vollständig ausgefiltert wird. Das Spektrum von UVC reicht von 200 bis 280 Nanometern. In Abhängigkeit von der Wellenlänge wird das UVC vom Erbgut oder den Proteinen absorbiert und somit geschädigt.  Ähnliches gilt für Bakterien und Pilze. Wegen dieser radikalen Wirkung setzt unter anderem die Lebensmittelindustrie UVC-Lösungen zur Desinfektion von Luft, Oberflächen und Trinkwasser ein. Es ist naheliegend, dass auch die Landwirtschaft entsprechende UVC-Technologien ins Auge fasst. In Zeiten, in denen der chemische Pflanzenschutz immer mehr eingeschränkt wird, sind physikalische Lösungen natürlich sehr willkommen. 

In den vergangenen Jahren haben einige Unternehmen Geräte auf den Markt gebracht, welche mit UVC-Lampen beispielsweise zur Bekämpfung von Mehltau durch Reihen mit Gurken oder Erdbeeren fahren. Andere Bereiche für den Einsatz von UVC sind die Vor- und Nachernte, was zu einer besseren Lagerhaltung und Haltbarkeit führt. Die vorwiegend für ihre Kürbisproduktion bekannte Juckerfarm AG beispielsweise hängte in ihren Kühl- und Lagerräumen UVC-Umluftentkeimer vor die Kühlaggregate. Kleine Ventilatoren sorgten dafür, dass die Luft über die UVC-Röhre strömt und diese so permanent reinigt und entkeimt, erklärte Hofleiter Benjamin Keil jüngst an einem Innoboard* der Gemüsebranche zum Thema. Er zeigte sich überzeugt von der Technologie: «Die Haltbarkeit der Produkte hat sich deutlich verbessert.» 

Komplexer als gedacht 

Die Wirkung von UVC-Licht gegen Viren, Bakterien und Pilze sei in wissenschaftlichen Studien bewiesen, sagte Marilena Palmisano von der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) am gleichen Anlass. Doch der Heilsbringer gegen alle aktuellen Herausforderungen im Pflanzenschutz ist UVC nicht. Viele vorhandene Daten aus Studien seien unter standardisierten Bedingungen im Labor entstanden, erklärte die Wissenschaftlerin. Die Wirkung von UVC ist unspezifisch und in der Anwendung komplexer, als viele denken. So reagieren Organismen unterschiedlich auf UVC-Strahlung. Der Pilz Botrytis beispielsweise sei sehr robust und müsse bis zu zwei Minuten belichtet werden, damit die Dosis von 210 Millijoule pro Quadratzentimeter 91 Prozent der Sporen zerstört würden, sagte Marilena Palmisano am online durchgeführten Innoboard. Bei Viren und Bakterien geht das viel schneller. Es gibt also noch viele Unbekannte beim Einsatz von UVC in der Praxis, gerade in der Landwirtschaft. Beispielsweise was die Wirkung der Belichtung auf Pflanzenschutzmittelrückstände anbetrifft. Ein beim Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) eingereichtes Forschungsprojekt soll hier mehr Klarheit bringen.

Keine Wirkung ohne Nebenwirkung

Klar ist: UVC ist nicht harmlos. Direkt dem UVC-Licht ausgesetzt, schädigt es beim Menschen die Haut oder die Augen und kann zu Entzündungen der Augen oder zu Erbgutschäden in Zellen führen. Christian Wohler, Gemüsebauberater von der Liebegg, setzt sich daher für den gezielten und fachgerechten Einsatz von UVC auf Beeren- und Gemüsebaubetrieben ein. Er koordiniert seit 2022 die Projektgruppe des Kompetenznetzwerks für Obst und Beeren (KOB) hinsichtlich des Einsatzes von UVC-Licht im Schweizer Pflanzenbau. Er sieht in der Technologie viel Potenzial, regt jedoch an, koordiniert und überlegt vorzugehen, damit UVC in den verschiedensten Bereichen zukunftsfähig wird.  Widersprüchlich ist die rechtliche Situation, insbesondere die mögliche Deklarationspflicht. Der Vertreter des Bundesamtes für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) konnte diesbezüglich am Innoboard keine Klarheit schaffen. 

Direkte Bestrahlung bei Bio nicht erlaubt

Wie sieht das ganze im biologischen Landbau aus? UVC sei nur eingeschränkt bei der Entkeimung von Kräutern und Gewürzen erlaubt, sagt Bio Suisse Sprecher Lukas Inderfurth auf Anfrage. Die direkte Bestrahlung von Gemüse ist hingegen in der Knospeproduktion aktuell nicht zugelassen. Für eine solche brauche es zuerst ausführliche Versuche und Tests. Bei der Luftentkeimung in Lagerräumen gebe es aber keine Vorgaben in den Richtlinien.

 www.sterilair.com

 www.octinion.com

 www.sagarobotics.com

Veröffentlicht in Blog

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