Der Blick in die Regionen zeigt auf, wie sich die Bewässerungssysteme im Hitzesommer bewährten. Wer an ein Bewässerungsnetz angeschlossen war, hatte es etwas einfacher. Viele Kulturen litten vor allem an den ungewohnt hohen Temperaturen.

An diesen Hitzesommer wird sich die Gemüsebranche noch lange erinnern: leere Regenwasserbecken, Einschränkungen beim Bezug von Bewässerungswasser, lange Arbeitstage, hitzegeplagte Arbeitskräfte. Auf dem Acker blieb trotzdem oft nur Kümmergemüse übrig. Oder unvollständig befruchtete Tomatenrispen in den Gewächshäusern, weil auch die Hummeln unter den hohen Temperaturen litten.
Der für die Gemüseproduktion lebenswichtige Zugang zu Bewässerungswasser war oft etwas Glückssache. Beispielsweise wenn der Betrieb an ein Bewässerungsnetzwerk angeschlossen war. Im Zürcher Furttal besteht seit drei Jahren eine genossenschaftlich organisierte, moderne Bewässerungsinfrastruktur, die mit Wasser aus der Limmat gespeist wird. Von dieser profitiert auch Michael Aeschlimann von Leuenberger Gemüsekulturen AG in Dänikon. «Wir hatten immer genug Wasser», sagt er rückblickend. Dank massiver Bewässerung am Anfang, habe sich bei ihm – im Gegensatz zu anderen Regionen – auch der Eisberg erfreulich gut entwickelt. Allerdings wundert er sich, dass er diesen trotz knappen inländischen Angebots günstiger verkaufen musste als importierten Eisbergsalat. Aber das ist eine andere Geschichte. Mühe hatten hingegen Sellerie und Fenchel. Für Michael Aeschlimann ist klar: «Das Problem für die Kulturen war bei uns nicht die Trockenheit, sondern die anhaltend hohen Temperaturen.»
Auch im Tal gegenüber war glücklich, wer sich als Genossenschafter dem im letzten Jahr fertiggestellten Wehntaler Bewässerungsnetz Aquapool angeschlossen hatte. Dieses bezieht das Wasser vom Fluss Glatt, wo es keine Entnahmebeschränkungen gab. «Das System hat abgesehen von einer kleinen Panne reibungslos funktioniert», blickt Genossenschafts-Präsident und Gemüsegärtner Reto Huber auf den Sommer zurück. Die Zwiebeln hätten sich so zu normalen Kalibern entwickelt. Den Karotten hingegen sei es trotz ausreichend Wasser schlicht zu heiss gewesen.
Speicherbecken als wertvolle Puffer
Froh waren die Mitglieder der Bewässerungsgenossenschaft Schlattingen-Basadingen-Willisdorf und Umgebung, welche ihr Netz mit Rheinwasser speisen. Erst im vergangenen Jahr wurde die Wasserfassung neu gebaut und weiter ins Rheinbett und tiefer in die Erde gelegt. Es war die Reaktion auf niedrige Wasserstände in den Vorjahren, bei denen der Zufluss zu den bisherigen Wasserfassungen nahezu versiegte. Die neue Fassung zahlte sich so schon in diesem Sommer aus.

Teil der dortigen Bewässerungsinfrastruktur ist seit vier Jahren auch ein 5000‑Kubikmeter-Speicherbecken in Basadingen, das als Puffer dient. «In diesem Jahr waren wir sehr froh um diese Option, obwohl sie Zusatzkosten verursacht», sagt Stefan Herren von Rathgeb Bio, welche den Teich finanzierte. Denn am Nachmittag galt für die meisten Kulturen ein Bewässerungsstopp. Während dieser Zeit füllte sich der Teich automatisch wieder mit Rheinwasser, welches wiederum eine effiziente Bewässerung ermöglichte, zu Zeiten, in denen es Sinn ergab.
Pech hatte, wer mit Leitungswasser auskommen musste. Viele Gemeinden in der Ostschweiz schränkten die Wasserentnahme für die Bewässerung von Gemüsekulturen stark ein. Deshalb waren vermehrt Lohnunternehmen oder Angestellte mit Tankfässern unterwegs, welche Wasser vom Bodensee auf die Felder führten. Trotz tiefer Pegelstände war dort die Entnahme in diesem Sommer immer erlaubt. Der Bodensee bilde gerade in Trockenperioden eine stabile Wasserressource für die Region. Der Anteil des für die Thurgauer Landwirtschaft genutzten Bodenseewassers sei verschwindend klein im Vergleich zum Seevolumen, erklärt Michael Mannale, Geschäftsleiter der Gemüseproduzenten-Vereinigung der Kantone Thurgau und Schaffhausen (GVTS) auf Anfrage.

Mehr Feuchtigkeit dank reduzierter Bodenbearbeitung
Vor über zehn Jahren erstellte Gemüsegärtner Hansueli Müller in Bibern einen Teich mit 3500 Kubikmetern Fassungsvermögen, der sich konzessioniert mit Wasser vom örtlichen Bach speist. Dieser habe sich auch in diesem Jahr bewährt, sagt Niklaus Müller. Er führt den Biobetrieb mittlerweile. Allerdings habe sich der Teich kurzzeitig entleert, weil das zuständige Amt ein Entnahmeverbot erteilte. Der Biogemüsegärtner verlangte darauf eine Nachmessung, welche als Resultat eine ausreichend hohe Abflussmenge zeigte, worauf er den Teich mit einer Sonderbewilligung wieder befüllen konnte. Eine kleine Fläche mit Gemüse sei ihm wegen des Ausfalls trotzdem vertrocknet, sagt er. Ansonsten habe er aber schöne Salate gehabt in diesem Jahr. Er setzt auf eine schonende Bodenbearbeitung nach regenerativen Prizipien. Er habe das Gefühl, dass der Boden deshalb mehr Feuchtigkeit halten könne. Der Biogemüsegärtner arbeitet zudem bereits bei Gemüse wie Brokkoli oder Kartoffeln mit Tropfschläuchen, welche eine effiziente Wassernutzung ermöglichen.

Gerade in Jahren wie diesen, denken viele in der Gemüsebranche über diese effiziente Technologie nach. Meisterlandwirt Manuel Salm aus Lenzburg AG ist auf die Verwendung von Tropfbewässerung spezialisiert und bietet die Systeme auch kommerziell an. Seine Zwiebeln seien in diesem Jahr damit optimal gewachsen. Vielen ist sie dann aber doch zu teuer. Manuel Salm gibt allerdings zu bedenken, dass immer mehr Gemeinden für die Bewässerungen nur noch Tropfbewässerung zuliessen. Das habe sich auch in diesem Jahr gezeigt.
Bewässerungsnetz am Limit
Bereits seit 1975 versorgen die Leitungen des Syndcat d’arrosage de Nyon et Environ über 1700 Hektar Agrarflächen mit Bewässerungswasser aus dem Genfersee. Das System sei trotz gutem Unterhalt in diesem Jahr aber an seine Grenzen gestossen, sagt Gemüsegärtner Laurent Zwygart aus Vinzel VD. Die Kapazitäten der Pumpen hätten schlicht nicht mehr gereicht, um die hohen, geforderten Wassermengen aller Bezüger zu transportieren. Deshalb hätten die zu bewässernden Flächen priorisiert werden müssen zugunsten von «wertvolleren» Kulturen wie Kartoffeln oder Gemüse. Trotzdem hätten sich die Zwiebeln nur ungenügend entwickelt, was auch dort an den hohen Temperaturen lag. Der Hagelzug von Ende August habe ihm dann noch den Rest gegeben.

Wenig Positives ist auch aus der Region um den Neuenburgersee zu hören. Bei Andi Bühler von Légufrais in Oppens VD beispielsweise verbot der Kanton schon Ende Mai das Pumpen aus Bächen. Er musste für die Bewässerung teures Wasser aus der Leitung beziehen. Von dieser durfte er nur zwischen 22 und 5 Uhr Wasser für die Bewässerung entnehmen. Das sei kräftezehrend und teuer gewesen, blickt Andi Bühler zurück. Kostendeckend sei der Freilandgemüseanbau so nicht mehr, schon gar nicht bei diesen Abnahmepreisen. Da die trockenen Phasen in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen hätten, habe der Betrieb beschlossen, den Anbau von Gemüse im Freiland im nächsten Jahr aufzugeben. Auch am unteren Ende des Neuenburgersees war die Wasserentnahme beispielsweise aus der Orbe stark eingeschränkt und stellte die Gemüseproduktion vor grosse Herausforderungen.
Zu wenig Wasser im Kanal
Mitte Juli fehlte im Berner Seeland im letzten Abschnitt des von der Flurgenossenschaft Ins-Gampelen-Gals unterhaltenen Kanalsystems plötzlich das Wasser. Weil zuvor zu viel Bewässerungswasser aus dem Hauptkanal entnommen wurde, floss erstmals überhaupt kein Wasser mehr über das entsprechende Stauwehr in Müntschemier. Schnelles Handeln sei nötig gewesen, sagt Genossenschafts-Präsident Christian Gugger. «Wir pumpten mit drei Tauchpumpen während 24 Stunden zehn Kubikmeter Wasser pro Minute von einem von der Broye gespeisten anderen Kanal über das Stauwehr, um die nötigen Pegelstände wiederherzustellen.» Um diese aufrechtzuerhalten, war der Einsatz der Pumpen noch während mehrerer Wochen nötig. Passend zur Situation stellte die Flurgenossenschaft der Öffentlichkeit ihr zukünftig geplantes neues Bewässerungsprojekt vor. Ein unterirdisches Leitungssystem soll künftig 1700 Hektar mit Wasser aus der Broye bewässern. Bis heute pumpen mit Diesel betriebene Aggregate Wasser aus den Entwässerungkanälen zu den Gemüsefeldern. Die Entwässerung und die Bewässerung sollen künftig komplett getrennt werden, erklärt Christian Gugger. Elektropumpen sollen Dieselpumpen ersetzen und der Arbeitsaufwand für die Bewässerung soll reduziert werden.
Der Sommer zeigte, wie wichtig stabile Bewässerungsinfrastrukturen für die künftige Gemüseproduktion sind. Derartige Trockenphasen werden gemäss Aussagen von Experten voraussichtlich häufiger vorkommen. Zahlreiche Projekte befinden sich in Planung oder sitzen in Schubladen bei Behörden fest. Die letzten Monate dürften die Sensibilität bei Behörden sowie auch in der Bevölkerung gegenüber dem Thema Bewässerung aber verstärkt haben. Gut möglich, dass damit wieder mehr Dynamik in die Umsetzung von entsprechenden Projekten hineinkommt.

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