Digitale Fallen zur Überwachung von Insekten

Die Überwachung von Schädlingen wird im Pflanzenschutz immer wichtiger. Präzisionstechnologie soll dabei helfen. Doch in der Praxis muss diese zuerst funktionieren.

Michael Aeschlimann (links) lässt sich die CapTrap von Daniel Bachmann erklären.
Die CapTrap überzeugte am meisten.

Das Grundprinzip ist bei der CapTrap gleich wie bei einer üblichen Delta-Falle: Pheromone ziehen Schädlinge gezielt an, diese bleiben dann auf einer Leimfläche kleben. Die Anzahl der gefangenen Falter gibt dem Gemüsegärtner oder der -gärtnerin Hinweise über den aktuellen Befall. Bei der CapTrap übernimmt ein mit einer Solarzelle betriebener Sensor die Zählung und leitet die Daten an eine online-Plattform weiter. «Sobald das Insekt im reusenartig aufgebauten Gerät durch das Rohr fliegt, löst sich ein Zählmechanismus aus», erklärt Daniel Bachmann von der Fachstelle für Gemüse am Strickhof. Damit wird der Gang zur Zählung ins Feld überfällig und Entscheide über eine Pflanzenschutzmittelbehandlung können vom Büro aus getroffen werden. Doch wie funktioniert die digitale Falle in der Praxis? Um das herauszufinden, stellte Bachmann das Gerät des französischen Herstellers Cap2020 im letzten Jahr in ein Kohlrabi-Feld von Michael Aeschlimann von Leuenberger Gemüsekulturen AG in Dänikon ZH, ausgestattet mit dem Pheromon für Kohleulen. 

Kameras wenig überzeugend

Obwohl das Pheromon in der CapTrap auch viele Gammaeulen anzog, habe die Zählung trotz nicht idealen Wetterbedingungen gut funktioniert, sagt Bachmann. Besser als beim ebenfalls getesteten slowenischen Konkurrenzprodukt TrapView, das mit einer Kamera arbeitet. Diese zählt die Insekten, die auf der Falle kleben bleiben. «Der Hersteller wirbt mit der automatischen Erkennung mit Hilfe von künstlicher Intelligenz», erklärt Bachmann. «Doch abgesehen davon, dass die Kameralinse oft angelaufen war, funktioniert der Algorithmus noch nicht.» Ähnliche Erfahrungen machte Suzanne Schnieper vom landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg in der Praxis mit dem ebenfalls mit Kamera ausgestatteten Produkt iMetos iScout Color Trap. Die Datenübermittlung funktionierte zwar gut, doch die Fotoqualität war unbefriedigend und die Erkennung der Schadinsekten ungenügend. «Die Verschmutzung war ein grosses Problem und das Wechseln der Leimtafeln umständlich,» sagt Schnieper. 

Die mit Kameras funktionierenden Fallen von Trapview (rechts) und iMetos konnten noch nicht überzeugen (Bilder Suzanne Schnieper). 

Direkter Vergleich mit Delta-Falle

Bachmann ist etwas ernüchtert: «Viele Firmen bringen unfertige Produkte auf den Markt, in der Hoffnung, dass sie innerhalb von öffentlich finanzierten Projekten weiterentwickelt werden.» Die CapTrap habe von den getesteten Geräten im Gemüse eindeutig am besten funktioniert, zieht Bachmann ein positives Fazit. Deshalb werden in diesem Jahr nur noch Versuche mit dieser durchgeführt. Im Mai platzierte er die Falle deshalb gemeinsam mit Gemüsegärtner Michael Aeschlimann neben einer handelsüblichen Delta-Falle auf einer Kohlrabi-Parzelle. Mit dem direkten Vergleich soll herausgefunden werden, ob das digitale Gerät gleich zuverlässig Insekten anzieht, wie die bewährte analoge Version. Der Praktiker Aeschlimann hat in den letzten Jahren bereits viel in digitale Technologien investiert. In der CapTrap sieht er allenfalls ein mögliches Hilfsmittel, um künftig bessere Entscheide über Pflanzenschutzmassnahmen zu fällen. Viele weitere Faktoren spielten hier aber mit, die es zu beachten gebe. «Trotzdem glaube ich, dass ein solches digitales Monitoring irgendeinmal Pflicht werden könnte». Er warnt allerdings davor, dass die schiere Masse an digitalen Helfern auch zu Überforderung bei Gemüsegärtnern führen könnten. 

 www.captrap.io

 www.trapview.com

 www.metos.at/de/iscout

 www.pflopf.ch

Die Versuche mit den digitalen Fallen sind Teil des von den kantonalen landwirtschaftlichen Zentren Liebegg (AG), Arenenberg (TG) und Strickhof (ZH) sowie dem Bauernverband Aargau, Verband Thurgauer Landwirtschaft und Zürcher Bauernverband initiierten Ressourcenprojekts «Optimierung und Reduktion des Pflanzenschutzmitteleinsatzes mit Precision-Farming-Technologien» (PFLOPF). 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.