Erdmandeln: technische Lösung in Sicht?

Die Bekämpfung von Erdmandelgras ist eine Herkulesaufgabe. Stark befallene Flächen können bisher nur sehr aufwändig saniert werden. Die totale Eliminierung gelingt zudem kaum. Ein spezielles Dämpfgerät könnte dies ändern.

Vor allem in nicht betroffenen Gebieten erkennen viele Gemüsegärtner Erdmandelgras nicht.  

Das Erdmandelgras sorgt seit bald zwanzig Jahren für Probleme auf landwirtschaftlichen Äckern. Zahlreiche Forschungsprojekte zur Bekämpfung des hartnäckigen Neophyten brachten bisher höchstens Teillösungen. Einig ist man sich, dass eine nationale Zusammenarbeit verbunden mit einer Meldepflicht ein wichtiger Baustein wäre. Um die Verschleppung zu verhindern, müsse man wissen, wo das Erdmandelgras vorkomme, sagte David Brugger vom Schweizer Bauernverband an der Erdmandel-Fachtagung der Konferenz der kantonalen Pflanzenschutzdienste (KPSD) am 9. März. Ein entsprechender Artikel im Landwirtschaftsgesetz wäre in der zurzeit sistierten AP22+ vorgesehen. Wie es bei dieser weitergeht, ist aber bekanntlich sehr unsicher und damit auch die nationale Koordination beim Erdmandelgras. Deshalb bleibt es vorerst bei einem Flickwerk der Kantone, die das Problem alle etwas anders handhaben. Im Kanton Thurgau beispielsweise besteht seit 1. Juli 2019 eine Meldepflicht. Bekämpfungsmassnahmen werden aber finanziell unterstützt mit Hilfe eines Pflanzenschutzfonds. «30 Franken pro Are für eine Schwarzbrache sind ein fairer Preis,» sagte Florian Sandrini, Leiter Pflanzenschutzdienst im Kanton Thurgau. Selbst ein Aushub von verseuchter Erde wird unter gewissen Voraussetzungen entschädigt.

Es braucht motivierte Landwirte 

Agridea führte von 2016 bis 2019 Bekämpfungsversuche auf 14 betroffenen Betrieben durch. Nur bei fünf verliefen die Massnahmen erfolgreich. Das beste Rezept: Intensive Bodenbearbeitung, Herbizide und eine späte Aussat der Kultur wie beispielsweise Mais. Der einzige involvierte Gemüsebaubetrieb konnte das Erdmandelgras mit kurzen Kulturen wie Salat und mehreren Bodenbearbeitungsgängen dazwischen reduzieren. Eine der wichtigsten Voraussetzungen für den Erfolg sei ein hoher Grad an Engagement und Motivation bei den Landwirten, sagte Judith Wirth von Agroscope an der Tagung. Denn die Bekämpfung ist eine Daueraufgabe, weil es bis jetzt noch mit keinem Verfahren gelungen ist, die Erdmandeln total zu eliminieren. Das bestätigte auch Gemüsegärtner Markus Sieber aus Diepoldsau, der den Befall auf seinen Flächen mit Mais und Herbiziden reduzieren konnte. Der Arbeitsaufwand, die Kosten und der Chemieeinsatz seien hoch gewesen, sagte er.  

Die Sanierung von mit Erdmandeln befallenen Flächen ist aufwändig und teuer. 

Neues Dämpfgerät

Die bisher erfolgreichste Bekämpfungsmethoden sind abhängig von der Verfügbarkeit von Wirkstoffen. Doch diese sei bekanntlich unsicher, sagte René Total von Agroscope. Er schaut sich deshalb weiterhin nach Alternativen um. Dazu gehört der Einsatz von Schweinen, der schon in mehreren Projekten untersucht worden ist. Im jüngsten Projekt im Kanton Zug habe die Beweidung mit Schweinen im letzten Jahr eine Dezimierung von Erdmandeln gebracht. Doch Hoffnung hegt Total vor allem in ein spezielles Dämpfgerät, das in Versuchen sehr erfolgreich gewesen sei. Das Gerät liefere bereits nach wenigen Minuten Aufheizzeit Dampf. Wie genau der Dampfgenerator läuft, sei Betriebsgeheimnis. Doch es funktioniert: «Man geht ins Feld rein, dämpft und es ist erledigt», sagte Total. Man habe dabei aber auch gesehen, dass das Verfahren sehr aufwändig sei. Der «Erfinder» im Seeland rechnet mit Dämpfkosten von CHF 1.20 pro Quadratmeter. Vom Gerät gebe es einen Prototyp. Um diesen weiterzuentwickeln für den Einsatz im grösseren Rahmen brauche es nun Geld. Total ist überzeugt: Es wäre eine lohnende Investition. Und sicher günstiger als der Aushub von verseuchter Erde. Ein schmaler Streifen im Kanton Thurgau mit etwa 100 Kubikmeter Material kostete rund 20 000 Franken, sagte Florian Sandrini an der online durchgeführten Veranstaltung.

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