Mulch spritzen anstatt verlegen

Mulchfolienfetzen auf Äckern sind in vielen Regionen auf der Welt ein Problem. In der Schweiz sorgen nicht richtig eingearbeitete Resten von biologisch abbaubaren Folien für Diskussionen. Eine flüssig aufgetragene Mulchschicht könnte hier helfen.

Mulchfolien gehören mittlerweile zum fixen Inventar auf den Gemüsebaubetrieben. Im Zuge der gesellschaftlich und politisch angestrebten «Entherbizierung» der Landwirtschaft, spielen sie eine Schlüsselrolle. Doch neben den bekannten Vorteilen, wie der unkrautunterdrückenden Wirkung oder der Erhöhung der Bodentemperatur, haben die Folien auch Nachteile. So sind sie teuer, das Verlegen und Einrollen ist arbeitsaufwändig und selbst bei biologisch abbaubaren Mulchfolien bleiben auf dem Feld Plastikfetzen übrig, die in der Bevölkerung zu Diskussionen führen. 

In Australien wurde der flüssige Mulch «TranspiratiONal» unter anderem in Tomaten erfolgreich getestet. (Autor: CSIRO)

Kampf gegen Plastikfetzen

In anderen Teilen der Welt geht man auf den Äckern weit weniger rücksichtsvoll mit Mulchfolien um als in der Schweiz. Ein australischer Bodenwissenschaftler war derart schockiert über die «Müllhalden», die er beispielsweise in China antraf, dass er nach einer anderen, einfach zu verwendenden, biologisch abbaubaren Variante suchte, die überall auf der Welt verwendet werden konnte. Entstanden ist daraus ein Projekt der australischen Forschungsbehörde CSIRO. In dessen Rahmen entstand die aufspritzbare, biologisch abbaubare Lösung «TranspiratiONal» als Alternative zum Plastikmulch. 

In Praxisversuchen habe sich die vollständig biologisch abbaubare Polymerlösung als zuverlässig gegen Unkraut, Erosion und Wasserverlust erwiesen, sagt Shalen Kumar. Er baut nun eine Firma auf, welche das System weltweit vertreibt. Bei den Versuchen unter anderem in Melonen und Tomaten seien zudem keinerlei Rückstände in den Endprodukten nachgewiesen worden. Ein weiterer Vorteil sei, dass bestehendes Gerät verwendet werden könne. «Aber natürlich müssen jetzt weitere Erfahrungen unter verschiedenen Umweltbedingungen in anderen Regionen der Welt gesammelt werden», sagt Kumar auf Anfrage. Auf die Schweiz angesprochen, glaubt er, dass mit der aufgespritzten Mulchschicht ein wirtschaftlich interessanter Verfrühungseffekt erzielt werden könnte. 

Flüssiger Mulch aus Deutschland

Nicht nur auf dem fünften Kontinent forscht man am spritzbaren Mulch. Am Technologie- und Förderzentrum (TFZ) in Straubing (D) wurde ebenfalls ein spritzbares Mulchmaterial als Zwei-Komponenten-System bestehend unter anderem aus Wasser, Stärke und Rapsöl, entwickelt. Im Rahmen eines Forschungsprojektes haben erste Anwendungsversuche auf Praxisbetrieben stattgefunden, in Kopfsalat, Kohlrabi, Einlegegurken und Karotten. In einer ersten Phase ging es um die Wirkung gegen das Unkraut, erklärt Edgar Remmele, verantwortlicher Projektleiter der TFZ. Langfristiges Ziel ist die Einsparung des Einsatzes von Herbiziden und die Vermeidung von Folienmüll. 

Aufspritzbarer Mulch – hier in Salat – baut sich im Boden schneller ab, ohne Plastifetzen zu hinterlassen. (Bild TFZ Dr. Edgar Remmele)

Gegen Unkraut wirkte die Spritzschicht offenbar schon ganz gut. Sie wurde zuerst einmal zwischen den Reihen angewendet, nach der Pflanzung der Setzlinge. «Interessant wird das ganze natürlich erst in den Reihen». Deshalb sollen die Jungpflanzen in den nächsten Versuchen – voraussichtlich mit Salaten – nach dem Aufspritzen direkt in die Schicht gesetzt werden. In den Karotten wurde das Ganze an den Seiten der Dämme aufgespritzt, um die Wirkung bezüglich Erosion zu testen. Bei der Entwicklung der Applikationstechnik arbeitet man mit zwei Landmaschinenherstellern zusammen. Natürlich stehe das Ganze noch ganz am Anfang, erklärt Remmele. Weitere Versuchsjahre werden folgen, um eine endgültige Rezeptur zu entwickeln, die richtige Applikationstechnik zu entwickeln und das Ganze auch aus Sicht der Kosten praxistauglich zu machen.

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