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FiBL-Biogemüsetagung: Passt CRISPR/Cas zu Bio?

FiBL-Direktor Urs Niggli ist bekannt für seine offene Haltung gegenüber neuen Züchtungstechnologien.

Aktuell bringen unerfahrene Neueinsteiger Unruhe auf den Biogemüsemarkt. An der FiBL-Biogemüsetagung im Januar ging es aber vor allem um die Zukunft. Und hier bringen neue Züchtungsmethoden die Bioszene in Erklärungsnot. 

Der Anbau von Biogemüse fand im letzten Jahr unter besten äusseren Bedingungen statt. «Das Angebot an Frischgemüse war während des ganzen Sommers hoch, die Preise lagen entsprechend eher tief», sagte der Vorsitzende der Fachgruppe Dieter Scheibler in Olten an der Jahrestagung Biogemüse. Der Markteintritt neuer Akteure sei zudem deutlich spürbar, was zu Verlagerungen und Neuausrichtungen geführt habe. Auffallend zugelegt haben die Anbaumengen für Brokkoli, Kopfsalat rot und Chicorée.

Auch das Lagergemüse entwickelte sich prächtig, was zu entsprechend vollen Lagern führte. Bei Karotten beispielsweise lagen im Dezember 7400 Tonnen am Lager, 2500 Tonnen mehr als im Vorjahr. Entsprechend tiefer sind die Preise: «Von den früher erzielten 1.30 Franken sind wir derzeit weit entfernt», sagte Hansueli Müller, der in der Fachgruppe für das Lagergemüse zuständig ist. Ähnlich ist die Situation bei Zwiebeln und auch bei den Randen findet offenbar ein Preiskampf der gröberen Sorte statt. Müller beklagte sich zudem über neue Marktteilnehmer, die ohne vorabgängige Abklärungen ihrer Absatzmöglichkeiten nun unkoordiniert grosse Mengen von Biokarotten zu Schleuderpreisen anböten.

Keine Euphorie für neue Züchtungstechnologien

Hauptsächlich ging es aber an der Tagung um neue Züchtungsmethoden, die sich rasant weiterentwickeln und offenbar in anderen Ländern auch schon in der Praxis angewendet werden. Und das, bevor sich die grosse Menge intensiv mit deren Chancen und Risiken auseinandersetzen konnte.

Konkret geht es um die Methode CRISPR/Cas, die erst vor knapp vier Jahren entdeckt wurde und seither die Züchterszene fundamental verändert. Das Verfahren erlaubt mit einem einfachen und günstigen Verfahren die gezielte Veränderung eines Genoms. Die Selektion kann so viel schneller vollzogen werden als bei herkömmlichen Zuchtmethoden. Die Möglichkeiten, die sich der Züchtung mit CRISPR/Cas eröffnen, sind gigantisch: Die Technologie ist bei allen Lebewesen einsetzbar, also auch beim Menschen, was aber Skepsis hervorruft. Doch es bieten sich eben gerade für eine nachhaltige Landwirtschaft auch grosse Chancen: Artverwandte Gene beispielsweise aus Wildpflanzen, die die Information für eine Schorfresistenz tragen, können schnell und gezielt in neue Sorten eingebracht werden. Die Entwicklungszeit solcher resistenten Kulturen ist viel kürzer als bei der herkömmlichen Kreuzungszucht.

Die Meinungen zur neuen Technologien gehen weit auseinander. «Für die eine ist es eine Revolution für die anderen eine Sackgasse», sagte Urs Niggli, Direktor vom Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL). Er selbst erkennt gerade in CRISPR/Cas viele Chancen für eine nachhaltige Landwirtschaft, und ruft zu einer sachlichen Diskussion über das emotionale Thema auf. Rein naturwissenschaftlich betrachtet seien CRISPR/Cas und die traditionelle Zucht vergleichbar. Am Endprodukt ist oft auch genetisch gar kein Unterschied erkennbar.

Bio Suisse will vorerst dafür kämpfen, dass die Methode in der Schweiz rechtlich als «gentechnologisch» taxiert wird, wie Bio Suisse Präsident Urs Brändli klarstellte. Er sieht die Chance des Biolandbaus zurzeit eher darin, dass dieser sich mit herkömmlichen «natürlichen» Züchtungsmethoden von der konventionellen Landwirtschaft und solchen umstrittenen Methoden profilieren könne. «Doch was ist, wenn mein konventioneller Kollege bei seinen krankheitsresistenten Karotten ohne Pflanzenschutzmittel auskommt, ich aber mit der Spritze auf mein Feld fahren muss?» Auf diese Frage aus dem Publikum gab es dann allerdings keine befriedigende Antwort.

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