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Mega-Gewächshaus verzögert sich

Migros möchte im Wallis künftig auf 20 Hektaren Peperoni und in einer späteren Phase auch anderes Gewächshausgemüse anbauen. Doch das Projekt «Piemiento» kommt nur langsam voran. 

Der Walliser Gemüseanbau hat sich in den letzten 20 Jahren stark verändert. Vor allem die Karotten- und Zwiebelanbauflächen sind massiv zurückgegangen. Dafür produzieren die Walliser Gemüseproduzenten heute deutlich mehr Spargeln und Zucchetti. In ein paar Jahren soll diese Liste mit Peperoni erweitert werden. Das zumindest ist der Plan des Grossverteilers Migros, der in Collombey-Muraz mit dem 20 Hektaren Gewächshausprojekt «Piemiento» in den grossflächigen Peperoni-Anbau einsteigen möchte. Das Vorhaben ist Teil der Nachhaltigkeitsstrategie von Migros, die eine deutliche Reduktion des CO2-Ausstosses in den nächsten Jahren vorsieht. Geplant ist ein offenes Venlo-Gewächshaus, das die als CO2-neutral geltende Abwärme von der Kehrichtverbrennungsanlage Satom in Monthey über eine 4 km lange Leitung bezieht. «Eine von myclimate erstellte Ökobilanz hat gezeigt, dass nach dieser Methode produzierte Peperonis acht Mal weniger Umweltbelastungspunkte aufweisen als herkömmlich mit Hilfe von Gas produzierte aus Holland», sagte der Projektverantwortliche Michel Charbonnet anlässlich der Unternehmertagung Gemüse an der Walliser Landwirtschaftsschule Châteauneuf im September. In einer ersten Etappe sollen ab 2021 jährlich von Januar bis November auf zehn Hektaren Peperoni kultiviert werden.

Seit der Ankündigung vor drei Jahren kommt das 45 Millionen Franken teure Vorhaben allerdings nur zögerlich voran. Das Land, der Investor und der Absatzkanal seien zwar vorhanden, sagte Projektleiter Pierre Berset. Die grösste Herausforderung liege aber im Bewilligungsverfahren und hier gibt insbesondere die mögliche Kompensationspflicht von Fruchtfolgeflächen zu diskutieren, weil die Rechtslage unklar ist. Ein Gutachten habe gezeigt, dass in einem Gewächshaus die Fruchtfolgeflächen bewahrt werden könnten, wenn dieses sorgfältig erstellt werde, sagte Berset. Im März habe man beim Kanton das Dossier für das Vorprüfungsverfahren eingereicht, das nun am Laufen sei. Geduld sei nun gefragt, sagte der Agronom. Eine Zonenänderung ist aber in jedem Fall nötig. Wenn die Bewilligung einmal erteilt ist, müssen die Bodenarbeiten aus Gründen des Bodenschutzes ein Jahr vor dem eigentlichen Baustart erledigt werden.

Auf den in der zweiten Etappe erstellten zehn Hektaren Gewächshausflächen sollen künftig neben Peperoni auch 6 Hektaren Tomaten und 2 Hektaren Gurken kultiviert werden. Vor allem die Tomatenproduzenten fürchten diese Konkurrenz. «Gegen die Produzenten würden wir arbeiten, wenn wir auf den ganzen 20 Hektaren Tomaten anbauen würden», entgegnete Berset der an der Tagung geäusserten Kritik.

Noch besteht das Projekt nur auf dem Papier. Doch trotz aller Schwierigkeiten, die das Mega-Projekt sonst noch mit sich bringt, wolle Migros das Projekt durchziehen, sagte Berset. «Wir möchten damit ein Leuchtturmprojekt für die nachhaltige Gewächshausproduktion schaffen.» Ob dieses aber überhaupt einmal leuchten wird, muss sich erst noch weisen.

Die von der Schweizerischen Zentralstelle für Gemüsebau (szg) im September im Wallis durchgeführte betriebswirtschaftliche Fachtagung befasste sich auserdem mit der Gemüseproduktion und -vermarktung abseits des traditionellen Grosshandelsmarktes. Stationen der Tagung waren unter anderem die Domaine Savolar in Illarsaz, die Frühkarotten anbaut, die Produzentengemeinschaft Les fraîcheurs de votre Jardin in Saxon oder das Geschäft Intchiè no in Sion, das landwirtschaftliche Produkte vermarktet.

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