Nach der Trockenheit kommt die Nässe

Viele Gemüsefelder versanken diesen Sommer im Regen. Zeitweise waren kaum mehr Schweizer Salate verfügbar. Problematisch wird es voraussichtlich mit den Lagerkarotten, weil viele Flächen erst spät ausgesät werden konnten.

Es ist schon speziell, wenn im Juli bei fast 40 Gemüsesorten Importe zugelassen werden müssen. Doch die Hagelzüge und vor allem die enormen Regenmengen trafen viele Schweizer Gemüseproduzenten und -produzentinnen in diesem Sommer hart. Betroffen waren mehr oder weniger alle Regionen in der Schweiz, was eher selten ist. Sonst helfen sich die Anbaugebiete in solchen Situationen überregional aus, um die Lieferbereitschaft aufrecht erhalten zu können. Dieser Mechanismus funktionierte in den letzten Wochen aber kaum mehr. Es kam deshalb zu Engpässen bei Sommergemüse wie Salaten und das mitten in der Hauptsaison. Doch auch die anstehende Lagersaison wird den miesen Sommer zu spüren bekommen.

Überlaufende Fliessgewässer

Ein Hagelzug zerstörte Ende Juni im Berner Seeland einen grossen Teil der Gemüsekulturen, weshalb dort wochenlang kaum mehr Ware geerntet werden konnte. Salate werden aus Kostengründen nur selten gegen Hagel versichert, weil neue Sätze im Normalfall schnell nachgesetzt werden können. Im Juli war es allerdings so nass, dass die Felder lange nicht neu bestellt werden konnten. Dabei kam das Wasser nicht nur in grossen Mengen von oben, sondern floss auch aus überlaufenden Fliessgewässern auf die Äcker. In Brugg, wo Aare, Reuss und Limmat zusammenfliessen, versanken die Eisbergsalate und die Lauchsetzlinge der Max Schwarz AG im Wasser. Rund 200 Tonnen Gemüse fehlten nun von dort. In der Region Yverdon standen Dutzende von Hektaren unter Wasser, weil unter anderem offenbar die Dämme undicht waren. 

Trotzdem regionale Unterschiede

Nicht alle Regionen waren gleich stark betroffen. Hagelzüge verwüsteten aber plötzlich Gebiete, in denen es sonst praktisch nie hagelt, wie beispielsweise im Unterthurgau. Mit einem blauen Auge davongekommen ist in der Ostschweiz dafür das St. Galler Rheintal, wo es praktisch keine Hagel- und Starkregenereignisse gab. Auch im Kanton Zürich gibt es Gebiete, wie beispielsweise im Wehntal, wo es kaum Überwasser gab und ständig Ware verfügbar war. Doch wie praktisch überall in der Schweiz war es auch an diesen Orten lange Zeit zu nass. Der Dauerregen war also eigentlich das grösste Problem: «Es hört einfach nicht auf, man kommt kaum zum Säen und Setzen», sagt Sepp Egger aus Wertbühl im persönlichen Gespräch Ende Juli. Er hofft auf eine Wetterberuhigung. Dann komme man im Herbst wieder einigermassen auf Kurs. 

Stark von den Unwettern betroffen ist auch der Kanton Tessin. Aussergewöhnlich hier: Praktisch die gesamte Magadino-Ebene kämpfte mit Wasser und Hagel. «Normalerweise trifft es nie alle Gebiete gleichzeitig», sagt Marco Bassi, Geschäftsführer von Tior SA in Cadenazzo. Hagel trat zudem auch hier in Regionen auf, wo er sonst selten auftritt. Viele Zucchetti-Kulturen wurden zerstört. Umso frustrierender, dass die neugepflanzten Zucchetti-Setzlinge nur wenige Tage später erneut von Starkregen heimgesucht wurden. Erst die kommenden Wochen werden in der Südschweiz zeigen, wie gross die Ertragsverluste ausfallen werden. 

Produkte-Qualität leidet

Die Gemüsefelder von Marcel Bossard in der Region um Basel wurden nur einmal verhagelt. Das grössere Problem war auch bei ihm der Regen: «Man hat das Gefühl, dass das ganze Wasser, was in den letzten beiden Jahren fehlte, nun in diesem Jahr fällt», sagt der Gemüsegärtner. Während dem der Fenchel im Wasser versankt, hätten bei ihm die Eisbergsalate und die Zucchetti aber relativ wenig gelitten. Gravierend sei aber vor allem, dass man in den nassen Parzellen kaum Pflanzenschutz-Massnahmen durchführen könne, weshalb die Qualität der Salate zunehmend leide. Und natürlich steige der Aufwand für die Sortierung und Aufbereitung.

Spannend wird es beim Lagergemüse insbesondere bei den Karotten. Thomas Wyssa aus Galmiz rechnet hier mit einer schwierigen Lagersaison mit wenig Ware bei möglicherweise eingeschränkter Qualität. «Was im Wasser war, verfault und beim Rest wird man sehen, wie sich die Saat entwickelt». Beim eigentlich letzten Saattermin vom 15. Juli waren viele Böden noch zu nass. Die Faustregel sagt: Jeder Tag später ausgesäte Karotten bedeutet eine Woche später ernten. Viele hätten nun auf gut Glück später gesät in der Hoffnung auf einen guten Herbst. Ähnlich schwierig ist die Situation auch bei den Zwiebeln, wo die optimalen Saattermine ebenfalls oft verpasst wurden und der Mehltau in den stehenden Kulturen zum Problem wird. 

Hälfte der Salate importiert

Um die inländische Nachfrage abzudecken, wurden mitten im Sommer Importe notwendig. Bei Salaten war das in der Woche vom 22. Juli mehr als die Hälfte des wöchentlichen Bedarfs. Engpässe scheint es bei den Importen aber nicht zu geben, obwohl auch andere Regionen in Europa unter dem schlechten Wetter litten. Ende Juli wurden Eisbergsalate aus Holland für 80 Rappen pro Stück inklusive Transport angeboten. Knapp scheint die Ware dort also nicht zu sein. 

Weniger Ertrag gab es übrigens auch bei Tomaten und Gurken in den Gewächshäusern, denen die Regenwolken das nötige Licht stahl. Das führte hier allerdings zu einer ausgeglichenen Marktsituation mit anständigen Preisen und guten Abverkäufen und heiterte wenigstens in diesem Bereich die etwas getrübte Stimmung in der Branche auf.

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