Nachfrage nach Biogemüse harzt

Wer auf Bio umstellen will, sollte sich das zurzeit gut überlegen. In den letzten Jahren ist die Anbaufläche für Biogemüse stärker gewachsen als die Nachfrage. Stark zugenommen hat der Bereich Convenience-Biogemüse. 

Besonders bei Biolagergemüse wie Karotten besteht auf dem Markt die Gefahr eines Überangebotes.

Die Anbauflächen für Biogemüse haben auch im letzten Jahr zugenommen, wenn auch etwas weniger stark als in den beiden Vorjahren. «Das Wachstum findet hier vor allem beim Lagergemüse statt», sagte Ilona Stoffel von Bio Suisse an der Jahrestagung Biogemüse vom Januar in Olten. Gemüse ist nach der Milch das zweitwichtigste Produkt im Biomarkt. Die Tendenz gehe dabei beim Gemüse in Richtung «grössere» Betriebe, zudem nimmt die Gewächshausfläche zu. Um sagenhafte 18 Prozent zugenommen hat die Nachfrage nach Biogemüse im Convenience-Bereich. Gerade hier kämen die Preise zunehmend unter Druck sagte sie. Aktuellere Zahlen zum letzten Jahr veröffentlicht Bio Suisse Mitte April. 

Kritik an Umsteigern

Der Markt ist gut versorgt. Besonders bei Biolagergemüse habe man eher zu viel Fläche, sagte Stoffel. Erstaunliche 56 Prozent aller Konsumenten kaufen mindestens einmal pro Woche Bioprodukte ein, sagte Stoffel. Das hört sich nach grossem Potential an. Trotzdem suche Bio Suisse zurzeit keine neuen Gemüseproduzenten. Alteingessene Biogemüseproduzenten kritisierten an der Tagung die zunehmende Vergabe von Lizenzen an Gemischtbetriebe. Diese «Umsteiger ohne Ethik» seien zunehmend ein Problem, sagte Hansueli Müller von der Fachgruppe Biogemüse. «Sie gehen mit konventionellen Methoden in den Biolandbau herein». Und das sei schlecht für den Biogemüseanbau.

Die Biogemüseanbaufläche wächst schneller als die Nachfrage.

Müller als Fachgruppenvertreter für Biolagergemüse blickte zum letzten Mal auf ein Anbaujahr zurück. Nur wegen vielen Ausfällen im Herbst sei es bei den Biokarotten 2019 nicht zu einem Überschuss gekommen, sagte er. Er hob vor der Versammlung den Mahnfinger: «Wenn alles einmal wettermässig aufgeht, dann produzieren wir für unter 80 Rappen Karotten». Bei den Zwiebeln seien die Lager voll. Die Erträge waren fast doppelt so hoch wie im Vorjahr. Zwiebeln seien aber nicht preissensitiv, weshalb Aktionen nicht viel bringen würden. Bei Randen und Sellerie waren die Erträge ebenfalls hoch. 

Müller schaute auf seine letzten Jahre in der Fachgruppe zurück. Die Preise seien praktisch gleich wie vor zwanzig Jahren. Damals erhielt man für 1 Kilogramm Biokarotten 1.30 Franken, heute sei man bei 1.10 Franken. Die Anbautechnik sei verfeinert worden, der Aufwand trotzdem viel grösser geworden und heute würde viel mehr Ware weggeworfen. Auf Müller folgt in der Fachgruppe Christoph Hauert aus Bibern. Sorgen bereiten den Biogemüsegärtnern die jüngst von Migros erstmals lancierten Ausschreibungen von Jahrespreisen für Biogemüse.

Fossilfrei heizen

Fachgruppen-Chef Dieter Scheibler blickte auf ein intensives Jahr zurück. Insbesondere die Energie in den Gewächshäusern gab viel zu reden, besonders nach der Ansage von Migros, dass sie schon ab 2026 nur noch Gemüse von fossilfrei beheizten Gewächshäusern abnehmen werde. Die von Bio Suisse beschlossene Energiestrategie muss deshalb bereits wieder überarbeitet werden. Weiter gaben Themen wie die künftige Verwendung von Biohandelsdüngern zu reden, die eigentlich ja nicht im Sinne des Biolandbaus seien, sagte Dieter Scheibler. Bei den Kulturen selbst fielen die Ausfälle bei Brokkoli wegen der bakteriellen Kopffäule auf sowie die zunehmenden Schäden durch Wanzen auch in Freilandkulturen. Christian Gerber, der in der Fachgruppe den Bereich Frischgemüse betreut, warnte vor voreiligen Lösungen bei vermeintlich umweltfreundlicheren Verpackungen. Die propagierte Plastikreduktion im Verkauf sei ein Problem. Es sei keine Lösung ohne Gewichts- und Qualitätsverlust in Sicht. «Es kann ja nicht sein, dass die Verpackung ändert und das Produkt am Schluss weggeschmissen wird», sagte er.

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